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Die Feuerwehr. Ein Projekt im 3. Schuljahr

Examensarbeit 2002 140 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

A.Theorieteil: Der Projektunterricht
1. Die Leitlinien als Orientierungshilfe
2. Worterklärung und Ursprung
3. Unterschiedliche Projektkonzepte
3.1 Projektunterricht nach John Dewey
3.2 Projektunterricht nach W.H. Kilpatrick
3.3 Die Projektmethode nach Karl Frey
3.4 Projektunterricht nach Herbert Gudjons
4. Aufgaben des Lehrers im Projektunterricht
5. Vor- und Nachteile des Projektunterrichts

B. Praxisteil: Die Feuerwehr-Projekt in einem dritten Schuljahr
1. Relevanz des Themas
2. Die Feuerwehr- Sachanalyse
2.1 Feuer
2.2 Feuerwehr früher
2.3 Feuerwehr heute
2.3.1 Feuerwehr als Dienstleistung
2.3.2 Feuerwehr in Rheinland-Pfalz
2.4 Verschiedene Feuerwehren
2.5 Aufgaben der Feuerwehren
2.6 Die Ausrüstung der Feuerwehr
2.6.1 Die Schuzausrüstung eines Feuerwehrmannes
2.6.2 Der Löschzug
2.7 Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
2.8 Zusammenarbeit der Feuerwehr mit Schulen
3. Brandschutzerziehung Sachanalyse
3.1 Brandschutzmaßnahmen an Schulen
3.1.1 Baulicher Brandschutz
3.1.2 Technischer Brandschutz
3.1.3 Betrieblicher Brandschutz
3.2 Brandschutzmaßnahmen außerhalb der Schule
3.3 Verhalten im Brandfall
4. Didaktische Analyse
4.1 Stellung des Themas im Lehrplan
4.2 Stellung des Themas im Gesamtzusammenhang
4.3 Bedeutung für die Schüler und Schülerinnen
5. Analyse des Bedingungsfeldes
5.1 Zur Situation der Grundschule Erfenbach
5.2 Arbeitsbedingungen
5.3 Situation der Gruppe
6. Lernvoraussetzungen
6.1 Inhaltliche Voraussetzungen
6.2 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
7. Die Unterrichtsmethode
7.1 Sachunterricht allgemein
7.2 Projekte im Sachunterricht
8. Lernziele
8.1 Allgemeine Lernziele
8.2 Spezielle Lernziele
9. Verlauf des Projektes
9.1 Zeitlicher Rahmen der Durchführung
9.2 Material
9.3 Einstiegsstunde
9.3.1 Bemerkungen zur Durchführung
9.4 Montag-1. Projekttag
9.5 Dienstag- 2.Projekttag
9.6 Mittwoch- 3. Projekttag
9.7 Donnerstag- 4. Projekttag
9.8 Freitag-5. Projekttag
9.9 Abschlussstunde

C.Reflexion und Interview
1. Allgemeine Reflexion
2. Problem der Notengebung
3. Reflexion: Projekt oder projektorientierter Unterricht
4. Interview
5. Literaturverzeichnis

Vorwort

Machen Sie bitte die Augen zu und stellen Sie sich vor, sie liegen nachts in ihrem Bett und schlafen. Sie träumen von Feuer, Rauch und brennenden Bettlaken. Plötzlich wachen Sie auf und realisieren, dass es gar kein Traum gewesen ist.

Was nun? Wie verhalte ich mich im Brandfall? Wir als Erwachsene wissen vielleicht was zu tun ist. Vielleicht. Aber wie sieht es mit Kindern aus? Wissen diese, wie man sich zu verhalten hat, wie man Hilfe ruft? Viele denken: ,, So was passiert doch eh nicht! Es genügt, wenn mein Kind weiß, dass es nicht mit Feuer spielen soll.“ Oder wir verschieben die Angst und das Unwissen auf den Zufall. Wenn es passiert, werde ich schon wissen, was zu tun ist. Aber können wir dieses Denken auch für die Kinder verantworten? Es ist klar, dass in Schulen Brandschutzübungen praktiziert werden. Aber diese decken nur den Schutzbedarf in der Schule ab. Ich bin mir sicher, dass 99% der Schüler und Schülerinnen, wissen, was zu tun ist, wenn die Alarmglocke des Schulgebäudes klingelt. Nun, was aber ist zu Hause zu tun? Dort gibt es in seltenen Fällen eine Alarmglocke oder einen Rauchmelder und keinen Lehrer, der die Gruppe nach unten begleitet.

Ich muss mir eingestehen, dass auch ich noch nie einen Brand miterlebt habe, und auch bisher nur ansatzweise wusste, wie ich mich zu verhalten habe. Das machte mich nachdenklich, denn lernen wir nicht auch in der Schule etwas über die Feuerwehr? Meist schon in der dritten Klasse. In meiner Schulzeit wurde sogar die örtliche Feuerwehr besucht und so konnten wir uns die Ausrüstung und die Fahrzeuge ansehen. Aber über das eigene Verhalten im Brandfall zu Hause haben wir nur gelernt, die Feuerwehr über das Telefon zu benachrichtigen. Eigentlich zu wenig, denn das Thema Feuerwehr als heimat- und sachkundlicher Bereich zu durchforsten genügt in meinem Sinne nicht.

Meine Examensarbeit soll in Details aufzeigen, dass auch Brandschutzerziehung spielerisch und kindgerecht in Angriff genommen werden kann, ohne dieses doch schwierige Thema nur an der Oberfläche anzuschneiden. Nein, es soll daraus hinauslaufen, dass die Schüler und Schülerinnen keine Angst vor Feuer haben und sich im Notfall auch zu helfen wissen. Denn meiner Meinung nach genügt es nicht, nur das Thema F e u e r w e h r im Sachunterricht zu integrieren und den Kindern den Glauben zu vermitteln, dass das Hoffen auf das Kommen der Feuerwehr genügt.

Bevor jedoch das gesamte Projekt Feuerwehr näher erläutert wird, möchte ich im Theorieteil noch besonders die Thematik „ Projektunterricht“ näher untersuchen und aufzeigen, was sich alles hinter diesem Ausdruck verbirgt.

Besonders werde ich auf folgende Fragestellungen eingehen:

- Was ist Projektunterricht?
- Wessen Idee war es eine solche Unterrichtform zu begründen?
- Kann man Projektunterricht präzise definieren oder lässt die Definition
Platz für Abweichungen?
- Was ist der Sinn des Projektunterrichts?
- Welche Ziele werden damit verfolgt?
- Wie kann Projektunterricht in der Grundschule aussehen, bzw. ab welchem Alter ist Projektunterricht sinnvoll?

Im praktischen Teil werde ich auf sachanalytische Aspekte der Feuerwehr und der Brandschutzerziehung eingehen und den Verlauf des gesamten Projekts

näher erläutern.

Im Anschluss an den Praxisteil werde ich eine ein kurzes Interview mit Herrn Oster,dem Kreisjugendwart Kaiserslautern durchführen. Thema des Interviews ist die Betreuung von Schulen durch die Feuerwehr im Rahmen der Brandschutzerziehung.

Abschließend werde ich noch kurz auf meine neu erworbenen Erfahrungen eingehen und das gesamte Projekt resümieren hinsichtlich der Durchführung und der Merkmale des Projektunterrichts.

Nun möchte ich mich aber noch bei allen bedanken, die mich während meiner Arbeit unterstützt haben und viel Geduld und Verständnis aufgebracht haben.

Mein Dank gilt:

- Frau Hemmer und der Klasse 3b der Grundschule Kaiserslautern- Erfenbach, die für meine Ideen offen waren und mir immer wieder neue Anstöße, Anregungen und neue Blickwinkel gaben.
- Herrn Stein, Direktor der Grundschule-Erfenbach, der mich nie im Stich ließ.
- Der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern, die mir und der gesamten Klasse die interessante Einrichtung gezeigt haben und sich mit den Fragen der Schüler und Schülerinnen auseinander gesetzt haben.
- Karl Oster und Markus Engel, Leiter der Jugendfeuerwehr Schopp, die mir mit Materialien über Brandschutzerziehung ausgeholfen haben.

A. Theorieteil: Der Projektunterricht

1 Die Leitlinien als Orientierungshilfe

Da die „ Leitlinien für die Arbeit an Grundschulen“ eine Orientierungshilfe für alle Lehrerinnen und Lehrer in Bundesland Rheinland-Pfalz sein sollen, scheint es mir sinnvoll hier zu beginnen, denn ich möchte ja mein Projekt,, Feuerwehr“ in einer dritten Schulklasse durchführen und somit muss ich erst einmal überprüfen, ob diese Art von Unterrichtsform geeignet ist. Bereits im ersten Kapitel „ Der Auftrag der Grundschule“ wird im einem Punkt bereits aufgefordert

,, gemeinschaftsbezogene Lebens- und Arbeitsformen zu entwickeln, Regeln für das Zusammenleben einsichtig zu machen und einzuüben sowie die Bereitschaft zum sozialen Lernen und gemeinsamen Handeln zu fördern.“[1]

Doch von Projektunterricht ist hier direkt noch nicht gesprochen.

Im zweiten Kapitel“ Grundschule als Lernstätte“ wird erwähnt, dass

,, ein kindgemäßer Unterricht Lehr- und Lernformen erfordert, die den Lernbedürfnissen und Lernvoraussetzungen der Kinder entsprechen. Dabei ist sowohl vom Lehrer gesteuertes als auch von den Kindern zunehmend eigenständig oder gemeinsam geplantes Lernen einzubeziehen. Im entdeckenden Lernen bringt das Kind im verstärkten Maße seine eigenen Einfälle, Überlegungen und Erfahrungen in den Unterricht ein und lernt- vom Lehrer beraten und unterstützt- zunehmend selbständig neue Erfahrungen zu sammeln, zu ordnen, zu klären, und konkret anzuwenden.“[2]

Auch dieser Punkt enthält meine Vorstellungen der Prinzipien von Projektunterricht. Es wird aber auch nur beschrieben, dass die Schüler zunehmend eigenständig arbeiten sollen, konkrete Unterrichtsformen werden nicht genannt. Endlich, im Kapitel „ Der Unterricht in der Grundschule“ werde ich fündig.

Unter Punkt 3.3“ Sozial- und Arbeitsformen wird erwähnt:

,, Der projektorientierte Unterricht ist mehrperspektivisch, fächerübergreifend und langfristig angelegt. Er intendiert eine gezielte und gründliche Auseinandersetzung der Kinder mit Fragen ihres Lebens, und Interessenbereiches, mit Vorhaben in der Klasse, in der Schule und aus aktuellen Anlässen. Die Kinder beteiligen sich dabei zunehmend an der Entscheidung über Themenwahl, Ziel, über Arbeits- und Sozialformen usw. Nicht die Arbeitsergebnisse alleine stehen also im Mittelpunkt, sondern auch Lernverfahren, die das Kind für die Bewältigung schulischer und außerschulischer Anforderungen benötigt.[3]

An dieser Stelle wird von projektorientiertem Unterricht gesprochen, nicht aber von Projektunterricht. Ich komme zu dem Schluss, dass wohl die Begriffe

Projektunterricht “ sowie „ Projektorientierter Unterricht “ näher untersucht werden müssen, um klar abzugrenzen, ob sie unterschiedliche Bedeutungen haben, oder es sich um Synomyme handelt. Hierzu werde ich zunächst die Herkunft des Begriffs „Projekt“ näher erläutern. Anschließend möchte ich mehrere Definitionen von Projektunterricht untersuchen.

2 Worterklärung und Ursprung

Bevor ich die Begriffe „ projektorientierter Unterricht“ und ,, Projektunterricht“ bzw. , Projektmethode“ näher erkläre, möchte ich den gemeinsamen Stamm, das Wort,, Projekt“ kurz betrachten.

Das Wort,, Projekt“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet,, Vorhaben, Plan, Planung, Entwurf[4].

Das Verb,, projicere“ bedeutet also,, entwerfen, planen“.

Bereits im Stamm der Wortfamilie kann man erkennen, dass alle Begriffe eine Planung, einen Entwurf beinhalten müssen, ohne die eigentliche Definition schon zu kennen.

Wo aber geschichtlich das Wort „ Projekt“ zuerst aufgetaucht ist bleibt auch in der Literatur unklar.

Nach neuesten Untersuchungen kommt zumindest der Begriff nicht aus Amerika, auch nicht aus der Reformpädagogik im ersten Drittel unseres Jahrhunderts, sondern aus Italien im 16.Jahrhundert bzw. aus Frankreich, Anfang des 18.Jahrhunderts.“[5]

In Italien wurde unter dem Patronat von Papst Gregor eine Kunsthochschule in Rom gegründet. Architekten und Studenten der Architektur konnten dort ihre Entwürfe, genannt,, projetti“ abgeben.

Auch im Frankreich des 18. Jahrhunderts gaben Architekturstudenten der Akademie Royale d`Architecture regelmäßig ihre „ projets“, Entwürfe für ein Chateu oder für andere kleine Gebäude, ab. So sollte ihre Kreativität und Selbständigkeit geschult werden.

Doch diese Art von „ Projektarbeit“ hat mit den heutigen Begriffen wenig gemeinsam.

Nun zu den Begriffen selbst:.

In einem Lexikon ich fand ich Folgendes:

Projektorientierter Unterricht, eine fächerübergreifende Unterrichtsform, die durch Selbstorganisation der Lerngruppe gekennzeichnet ist: Projekt wird in Mitverantwortung der Schüler gemeinsam geplant, ausgeführt und ausgewertet(..).“[6]

Projektunterricht, ein von Dewey und Kilpatrick ( weiter-) entwickeltes und praktiziertes Unterrichtsverfahren, bei dem ganzheitliche praktisch durchzuführende Arbeitsvorhaben oder unterschiedliche Gesamtthemen, meist nach einem von Schülern selbst entworfenen Plan, konkretisiert werden. Das Ziel des Projektunterrichts ist die Erziehung zur Selbstständigkeit und eigener Verantwortung.“[7]

Nur sehr knapp wird beschrieben, was man sich unter diesen Begriffen vorstellen soll. Oberflächlich werden einige Punkte angeschnitten, die aber zum weiteren Verständnis nicht ausreichen.

Wo nun unser heutiger „ Projektunterricht“ seinen Ursprung hat und wer ihn begründet hat, lässt sich auch nicht genau sagen.

Es gibt viele Pädagogen, die man nennen könnte. Auch Pestalozzi und Rousseau

plädierten für Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Selbst das berühmte

,, Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ weist auf freieres und handlungsorientierteres Lernen hin. Viele pädagogische Gedanken prägten die vergangenen Jahrhunderte, aber der eigentliche Begriff ,, Projektunterricht“ wurde nie genannt.

Einige Pädagogen und Lexikas nennen John Dewey und seinen Schüler Kilpatrick als Begründer des Projektunterrichts, einige gehen bis Kerschensteiner zurück, andere bis ins 16.Jahrhundert.[8]

Ich möchte nun aber an greifbare Pädagogen anknüpfen und die jeweiligen Vorstellungen und Merkmale der folgenden Pädagogen darstellen:

Zunächst möchte ich John Dewey (1859-1952) und William Heard Kilpatrick (1895-1933) vorstellen.

Beide lebten im Amerika des frühen 20.Jahrhunderts. Dort entwickelte sich zur Zeit der Reformpädagogik in Deutschland (1895-1933) eine Bewegung, die sich Pragmatismus nannte. Im Pragmatismus wird die Praxis der Theorie übergeordnet.

Dewey wird wiederum mit dem Pragmatismus verbunden.

W.H. Kilpatrick war sein Schüler und hat Deweys Vorstellung vom Projektunterricht weiterentwickelt.

Auch möchte ich Karl Frey und Herbert Gudjons Vorstellungen von Projektunterricht näher erläutern.

Beide Pädagogen leben noch und sind bestrebt, diese Unterrichtsform weiter zu verbreiten.

Ich möchte mich auf diese vier Pädagogen beschränken, da ich sie für die nennenswertesten Pädagogen im Bezug auf Projektunterricht halte.

Es gibt sicherlich noch viele andere wie z.B. Dagmar Hänsel, M. Knoll. Jedoch bezieht sich der dort beschriebene Projektunterricht auf bestehende Konzepte oder bietet eine Mischform aus den in den nächsten Kapiteln vorgestellten Konzeptionen.

3. Unterschiedliche Projektkonzepte

3.1 Projektunterricht nach John Dewey

a) Wer war John Dewey?

John Dewey wurde 1859 in Burlington ,Vermont U.S.A, geboren. Mit 20 Jahren beendete er sein Lehramtsstudium. Von nun an arbeitete er als Lehrer an einer High School im Staate Pennsylvania. Zwei Jahre später kehrte er zurück und übernahm eine Lehrstelle in einer Grundschule. Doch er fühlte sich zur Philosophie hingezogen, studierte und promovierte 1884 als Doktor der Philosophie. Ab 1888 lehrte er als Professor an der Universität von Minnesota. Noch wichtiger als seine wechselnden Posten sind die Gründung einer Laborschule und die zahlreichen Auslandsbesuche, sei es in der Türkei oder Mexiko, um den Ländern beim Aufbau eines neuen Schulwesens zu helfen.1952 starb er am 1. Juni in New York.

Hier einige nennenswerte Werke von John Dewey:

- Interest and Effort in Education, Boston: Houghton Mifflin Co., 1913
- Schools of Tomorrow, New York: E.P. Dutton & Co.,1915
- Democracy and Education, New York: The Macmillan Company,1916
- Creative Intelligence, New York: Henry Holt and Co., 1917

Man kann erkennen, dass er sich nach dem Studium der Philosophie nicht nur mit dieser beschäftigt hat, sondern auch bestrebt war die Bildung von Schülern zu verbessern und den Unterricht zu demokratisieren. Sein Werk „ Erziehung und Demokratie “ legte wohl den Grundstein für das weitere Denken im Bezug auf den Projektunterricht.

Den Schlüssel zum Verständnis seines Werkes gibt Dewey selbst in seiner Identifizierung von Philosophie und Pädagogik:

,,Die Aufgabe der Philosophie ist die Diagnose und Lösung von Problemen, die Kultur- und Gesellschaftswandel dem menschlichen Verhalten stellen. Als Moralist und Pädagoge hat der Philosoph Sorge zu tragen, dass die Problembewältigung menschlich fruchtbar wird und der Einzelne eine immer steigende Erlebnis- und Erfahrensbereicherung gewinnt.“[9]

Die Verwirklichung dieses, für Dewey höchsten Wertes, erfordert das Erlernen und Angewöhnen einer disziplinierten Vernünftigkeit, die als Grundhaltung des demokratischen Bürgers bezeichnet wird. Moralisches und geistiges Wachstum sieht er als Gewinn eines lebenslänglichen Lernens an. Seine Philosophie zeichnet sich durch eine tiefe demokratische Gesinnung und rationalen Fortschrittsglauben aus.

Seine pädagogische Auffassung von Schule und Unterricht ergeben sich aus seinen Begriffen des Erlebens und Erfahrens. Lernen beginnt nach Dewey zwar mit spontanen kindlichen Interessen; sie zu erweitern und fortzuführen bedarf es aber der Führung und nicht des Wachsenlassens. (Hierin unterscheidet sich Dewey von anderen Reformpädagogen wie z.B. Montessori).

Der John Dewey zugeschriebene Slogan "Learning by doing" stammt nicht von ihm, bringt aber seine Vorstellungen auf den Punkt.

b) Methodische Überlegungen Deweys

Das methodische Problem in der Erziehung besteht laut Dewey nicht darin, wie ein außerhalb der Erfahrung stehender Stoff an den Schüler künstlich herangebracht werden und ihm verständlich gemacht werden kann, sondern - weil ja dem Schüler der Stoff immer schon in der Erfahrung und somit in der Wechselwirkung gegeben ist - darin, wie das jeweilige Verhalten des Schülers so

geformt werden kann, dass ein den gegebenen Bedingungen entsprechendes und den Prozess der Erfahrung in Gang haltendes Handeln zustande kommt. In der Auseinandersetzung mit der erlebten Schwierigkeit entwirft, "projektiert" der Schüler Lösungsmöglichkeiten, vergleicht sie mit den Erfahrungen, die er bisher in ähnlichen Situationen gemacht hat, erprobt sie schließlich und wiederholt das "Experiment" mit einer anderen, nunmehr um so wahrscheinlicheren Hypothese.

c) Organisation des Lehrstoffs nach Dewey

Alle Unterrichtsgebiete der Schule, sei es Mathematik, Geschichte oder jedes andere Fach, müssen mit dem Bereich der gewöhnlichen Lebenserfahrung in Verbindung stehen. Zuerst muss Lernmaterial im Bereich der Erfahrung gefunden werden. Im nächsten Schritt ist die Weiterentwicklung der jeweiligen Erfahrung zu einer volleren, reicheren und strukturierteren Form vorzunehmen. So nähert sich der erfahrene Unterrichtsstoff der objektiven Form. Die Grundvorschrift Deweys ist, dass aller Unterricht bei der Erfahrung der Kinder anzufangen hat. Die Erfahrungen und Fähigkeiten der Schüler sollen den Ausgangspunkt für alles weitere Lernen darstellen. Es ist falsch anzunehmen, dem Prinzip der Fortführung der Erfahrung zu etwas Neuem werde besser entsprochen, wenn den Schülern einfach neue Erfahrungen gegeben werden, als dadurch, dass sie größere Fertigkeiten und besseres Geschick im Umgang mit bereits bekannten Dingen bekommen. Dies bedeutet, dass die Lehrstoffe im Voraus bewusst geordnet und aufeinander abgestimmt werden müssen. Somit wird es zur Aufgabe des Erziehers, innerhalb des Bereichs der vorhandenen Erfahrung das auszuwählen, was verspricht, neue Probleme darzubieten. Der Lehrer darf das, was schon gelernt wurde, niemals als totes Material betrachten, sondern als dynamisches Mittel für die Eröffnung neuer Bereiche, die wieder neue Forderungen an die vorhandenen Kräfte und an einen vernünftigen Gebrauch des Gedächtnisses stellen. Das Lernmaterial darf nicht außerhalb der gegenwärtigen Lebenserfahrung des Schülers ausgesucht werden. Das gesunde Prinzip, wonach die Lernziele in der Zukunft liegen und die Lehrstoffe in der gegenwärtigen Erfahrung gefunden werden sollen, kann nur in dem Maße verwirklicht werden, in dem die gegenwärtige Erfahrung sich zugleich auch nach rückwärts erstreckt. Wenn eine gegebene Erfahrung nicht in ein unbekanntes Gebiet hinausführt, entstehen keine Probleme. Gerade solche Probleme sind aber die Anreger des Denkens.

Es ist also Aufgabe des Lehrers, zwei Dinge gleichermaßen zu beachten:

1. Dass das Problem sich aus den Bedingungen der gegenwärtigen Erfahrung ergibt und dass es im Bereich der Fähigkeiten der Schüler liegt,
2.Dass es sich um ein Problem handelt, dass den Schüler zum aktiven Forschen und zu neuen Ideen anregt.

Es ist offensichtlich, dass - je unreifer der Schüler ist - auch die angestrebten Ziele und verwandten Mittel entsprechend einfacher und primitiver sein müssen.

d) Der Projektbegriff nach Dewey

Die Schule soll ihren Wert nicht in erster Linie von verbaler Wissensvermittlung ableiten und erst recht nicht von dem Ausmaß, in dem sie in der Lage ist, ihre Schüler zu "disziplinieren", sondern einzig und allein vom "Lehren des Lernens", d.h. von der Erweckung neuer Interessen, die zu neuem Wachstum, zu stetiger Neuorganisation der Verhaltensformen führt.

In der Schule soll nicht so sehr auf das Leben vorbereitet werden, sondern das konkrete Leben soll selbst gelebt werden. Die real gelebte und gemeisterte Gegenwart ist dann auch die beste Gewähr für eine entsprechende Zukunft. Das Lernen, wie es in der Schule betrieben werden soll, kann nun gemäß der Dewey'schen Pädagogik nicht als eine verbale Gedächtnistätigkeit verstanden werden.

Die drei folgenden Gesichtspunkte sind für Dewey wesentlich:[10]

Erstens: Durch die Veränderung der Lebensverhältnisse

(Industrialisierung, Massenproduktion, Integration von „Fremden“

im Land und schließlich das Zerbrechen von traditionellen

Lebensmustern) musste sich auch die Erziehung ändern. Es muss

gelernt werden, wie man Probleme aufgreift und löst. Das Denken

vom Fachinhalt her kann nicht mehr erhalten werden.

“...der Mittelpunkt ... ist vom Fach verlegt auf das Leben“[11]

Zweitens: Grundlage für eine Bildung ist das freie Recht der Individuen.

Weder die Anordnung von oben, noch eine hierarchische

Problembearbeitung ist hilfreich.

Zwischen Schüler und Lehrer soll eine Art Demokratie bestehen.

Sie sollen partnerschaftlich zusammenarbeiten und die Schüler

sollen ihre „Angelegenheiten“ weitgehend selbst regeln und

organisieren.

(Deweys Hauptwerk: „Demokratie und Erziehung, 1916“!)

Drittens: Zentrale Grundlage des Projektunterrichts ist das „learning by

doing“. Schulische Inhalte können nicht einfach wie Ziegelsteine

weitergegeben werden. Sie können erst durch das Tun

erschlossen werden.

Dewey lehnt systematisches Wissen aber keineswegs ab. Bildung, im Sinne

einer demokratischen Gesellschaft, ist mit Wissen allein jedoch nicht zu

erzeugen. Er schlägt eine praxisorientierte Curriculumentwicklung vor. Dazu

gehört aber auch der Einbezug realistischer Aufgaben aus dem alltäglichen

Leben. Die Arbeit sollte immer zielgerichtet und planvoll sein.

Auch distanziert sich Dewey von der progressiven Erziehungsbewegung insofern, als er nicht glaubt, dass Kinder sich selber entwickeln können, wenn man sie sich nur selbst überlässt. Im Gegenteil, er würde einem solchen System sogar eine systematisch vorgehende Lernschule vorziehen, trotz all ihrer bekannten Mängel.

Die Methode des Projizierens hat Deweys Schüler W.H. Kilpatrick zur sog. "Projektmethode" weiterentwickelt.

3.2 Projektunterricht nach W.H. Kilpatrick

a)Wer war W.H. Kilpatrick ?[12]

William Heard Kilpatrick war Schüler, Kollege und Nachfolger von Dewey. Geboren wurde er am 20.11.1871 in White Plains (Georgia) als Sohn eines Predigers der Baptisten-Gemeinde. Nach einem Studium am Baptisten-College, der heutigen Mercer University, und einem Jahr graduate studies an der John Hopkins University wurde er Lehrer für Mathematik an der High School und später an der Mercer University. Die Bekehrung zur Pädagogik erfolgte durch Dewey aufgrund einer Begegnung mit diesem 1898 in einem pädagogischen Sommerseminar an der Universität Chicago. 1907 ging er an das Teachers College der Columbia University. Hier fand eine zweite und entscheidende Begegnung mit Dewey statt. Kilpatrick entschloss sich, Philosophie der Erziehung zum Hauptfach zum machen und belegte alle Kurse von Prof. Dewey. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die bis zum Tode Deweys andauerte. Ab 1919 entwickelten sie die Idee vom Projektplan.

Am 13.02.1965 starb William Heard Kilpatrick in New York.

b) Der Projektbegriff nach W.H. Kilpatrick

Die Projektmethode entspricht den philosophischen Prämissen des Pragmatismus[13]. Schüler und Schülerinnen sollen wirkliche Probleme des Lebens, Lernens und Arbeitens lösen.

Projektarbeit stellt den Versuch dar, zur Selbstorganisation von Lehr-/Lernprozessen durch die Vereinbarung konkreter Vorgaben bzw. Projekte überzugehen. Dies setzt die Demokratisierung der Leitungsstrukturen und die Öffnung der Schule voraus.

Der Begriff „Projekt" ist ein gedankliches Konstrukt, das der inhaltlichen Erklärung bedarf. Nach der Definition von Dewey und Kilpatrick, die als die „Erfinder" der Projektmethode gelten, ist ein Projekt ein planvolles Handeln, das vom innerem Antrieb getragen wird und in einer sozialen Umwelt abläuft. Lernen erfordert nach ihnen eine Einheit des Verhaltens (innere und äußere Situation) und planvolles Handeln. Ein Projekt ist also etwas Projektiertes; es führt über das Planen aus eigener Initiative über das Ausführen zum Vollenden einer Handlung. Projekte folgen einem dauernden Plan ohne Zwang,der aber einer Vollendung bedarf .

Es gibt sowohl Einzel- als auch Gruppenprojekte, in denen die Gruppenmitglieder sich über ihre Ideen usw. austauschen.

Ein Projekt kann nach Kilpatrick also alles Mögliche sein, wenn nur drei Bedingungen erfüllt sind: ein Plan, starkes individuelles Interesse und geeignete Handlungsmöglichkeiten.

Lernen dient als Vorbereitung auf das Leben. Demnach sind Erziehung und Leben gleichzusetzen, d.h. das Ziel ist es, dass Erziehung zu Leben wird.

Nach Kilpatrick und Dewey ist eine Voraussetzung zum Lernen, dass der zu Erziehende Gelegenheit zum Planen und Handeln erhält. Er soll dabei lernen, Verantwortung für das Handeln zu übernehmen und sich in der Gruppe kritisch auseinander zusetzen, sodass Entscheidungen gemeinsam herbeigeführt werden können.[14]

Es ist wichtig, dass der Lehrer Situationen schafft, in denen die Neugier der Schüler und der Drang zum Handeln/Problemlösen geweckt wird. Dabei ist es vordringlich zu beachten, dass die Probleme so aufgeworfen werden, dass sie vom Schüler gelöst werden können, damit der Schüler nicht überfordert wird und dadurch die Lust verliert. Nur die richtige innere Einstellung befähigt zum ausdauernden Handeln. Denn nur ausdauerndes Handeln bringt Lernerfolg.

Es wird immer wieder die Ganzheitlichkeit des Lernens betont. Der Erziehungs- und Bildungsanspruch der Projektmethode ist umfassend auf die allseitige Entfaltung der "Kräfte" von Kopf, Herz und Hand (Pestalozzi), also von Verstand, Gefühl und Tätigkeit, ausgerichtet.

Projektunterricht verfolgt das Ziel einer Humanisierung und Demokratisierung des schulischen Lernens und bemüht sich um die Herausbildung von Fähigkeiten zur individuellen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Mitbestimmung sowie die Entwicklung individueller und gesellschaftspolitischer Handlungsfähigkeit. Diese Konzeption vertritt den Anspruch, besser als herkömmlicher Unterricht, selbst- und mitbestimmendes/-verantwortliches Lernen und Handeln im sozialen Bezugsfeld einer Gruppe zu ermöglichen.

Projektunterricht ist besonders auf das soziale Lernen ausgerichtet.

Aber: Projektunterricht wurde in der Reformpädagogik eher als ein methodisches, unterrichts-technisches Organisationsprinzip begriffen und weniger als eine eigenständige didaktische Konzeption mit einem radikal demokratischen Anspruch, auch wenn die gesellschaftspolitischen Bestrebungen nicht unbedeutend waren.

Kilpatrick unterschied 1918 vier verschiedene Typen von Projekten, die in unterschiedlicher Weise schulrelevant werden können, immer jedoch vom konkreten Handeln und nicht vom abstrakten Lehrplan ihren Ausgang nehmend:

Dadurch wird die thematische Breite deutlich, was alles durch ein Projekt erarbeitet werden kann.

Diese Typen des Projekts können sich auch überschneiden.

- Typ 1, wenn der Plan besteht, irgendeinen Gedanken oder Plan in äußerer Form zu verkörpern, wie das Bauen eines Bootes, das Schreiben eines Briefes, die Aufführung eines Spiels. Er kennzeichnet also eine Tätigkeit, durch die eine Idee in äußere Formen vergegenständlicht wird. Die Reihenfolge der gedanklichen Schritte ist: beabsichtigen, planen, ausführen, urteilen. Dem Grundzug des Projekts entsprechend soll der Lernende jeden Schritt möglichst selbstständig ausführen.

- Typ 2, wenn der Plan besteht, irgendeine (ästhetische) Erfahrung zu genießen, wie das Lauschen beim Geschichtenerzählen, das Anhören einer Symphonie, das Würdigen eines Bildes.

- Typ 3, wenn der Plan besteht, irgendeine geistige Schwierigkeit in Ordnung zu bringen, irgendein Problem zu lösen, wie herauszufinden, ob Tau fällt oder nicht.

- Typ 4, wenn der Plan besteht, irgendeinen Grad des Könnens oder Wissens zu erreichen, wie die unregelmäßigen Verben im Französischen zu lernen. Hier orientiert sich Kilpatrick wieder an Typ 1, der mit den vier Schritten:

- Beabsichtigen,
- Planen,
- Ausführen und
- Urteilen

die didaktische Struktur eines Projekts überhaupt verkörpert.

Kilpatrick bestimmt in seiner ersten Studie als Sinnkriterien des Projekts das planvolle Handeln aus vollem Herzen in einer sozialen Umgebung. Diese erste Begriffsbestimmung behält er ohne wesentliche Wandlungen in all seinen späteren Studien bei.

In seinem Werk spiegelt sich seine Lebensauffassung wider: Das menschliche Leben besteht dort, wo es noch in sich ruht, aus dem aus vollem Herzen kommenden Plan, der in einer sozialen Umgebung konzipiert und umgesetzt wird. Nur planend vermag sich das menschliche Leben zu entwickeln, und dieser Prozess ist um so fruchtbarer, je unmittelbarer er vom Menschen in voller Überzeugung getragen wird und je wirksamer er in die soziale Umwelt gestaltend eingreift.

Lernen und Leben stehen im Projekt in enger Beziehung, weil alles Planen im Hinblick auf das Handeln geschieht und nur handelnd umgesetzt werden kann.

Planen heißt, Prüfen der Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf wirkliches und vertretbares Handeln. Der Prozess erfordert jeweils eine Aktivierung von Gewußtem und Wißbarem. Ein Lernen im Rahmen des Projekts bleibt daher nicht begrenzt auf bestimmte Lehrbuchgebiete; vielmehr muss alles für die Gestaltung des Projekts Wissenswerte einbezogen werden. Dieses "nebenhergehende Lernen" schätzt Kilpatrick in seiner prägenden Kraft hoch ein. Da es durch den Bezug auf die projektierte Fragestellung thematisch begrenzt bleibt und andererseits von der selbstgewählten und geplanten Aufgabe konkret gefordert wird, wirkt es in hohem Maße charakterbildend.

Ein Projekt ist demnach

jede Einheit einer planvollen Erfahrung, jeder Augenblick einer planvollen Tätigkeit, in denen die vorherrschende Absicht als ein innerer Impuls (1) das Ziel der Handlung bestimmt, (2) ihren Verlauf leitet und (3) sie mit Triebkraft und innerer Motivation versieht."[15]

Durch die Notwendigkeit des Handels wird der Lernende als Agierender unmittelbar ins Geschehen gezogen. Als Mitverantwortlicher muss er sich unterrichten über das, was geschieht bzw. zu geschehen hat, um dem Plan und der sozialen Umgebung gerecht zu werden.

Der Lehrer braucht in diesem eingeleiteten Prozess nur vom Rande des Geschehens aus kritisch zu beobachten und zu beraten.

Aber: Die Absichten und Pläne des Kindes müssen nicht ohne weiteres bereits gut sein. Sie können unter falschen Voraussetzungen thematisiert oder unter falschen Einflüssen entstanden sein. Daraus wird die Bedeutung des Lehrers bei der Konzeption eines Projekts deutlich: "Es ist die Pflicht des Lehrers, ..., einerseits die schlechten Absichten auszuschließen - friedlich wenn er kann, mit Gewalt wenn er muss - und andererseits die heilsamen Absichten, die wir alle zusammen billigen, zu fördern..."[16]

Pädagogische Begründung der Projektmethode:

Gelernt wird wirksam nur das, was Bezug zum eigenen Leben hat und es auch gestaltend beeinflusst. "Wir lernen, was wir leben, und wir lernen es, wie wir es leben."

Es ist im Grunde ein Wesensmerkmal des Projekts, dass das in seinem Kontext Gelernte so angeeignet wird, dass es konstitutiver Bestandteil der Person wird und daher transferierbar für alle Lebensfragen geworden ist.

Ein pädagogisches Projekt ist also „eine aus ganzem Herzen gewollte,

absichtsvolle Tätigkeit (Handlung)“, die in einer sozialen Umgebung

stattfindet.[17]

Er konkretisiert dieses Verständnis an der Herstellung eines Kleides.

„Angenommen, ein Mädchen hat ein Kleid gemacht. Wenn sie in einer aus demHerzen kommenden Art das Kleid zu machen beabsichtigte, wenn sie es plante wenn sie es selbst anfertigte, dann würde ich sagen, dass dies das Beispiel eines typischen Projektes ist. (...)“ [18]

Dies war aber der hauptsächliche Kritikpunkt an Kilpatricks

Definition von Projektunterricht. Es würde nämlich heißen, dass jede

Schulaufgabe (Auswendiglernen, Üben, Nachprüfen, Wiederholen, Vorzeigen,

Vormachen. etc.) zu einem Projekt wird, wenn es aus vollem Herzen gewollt

wird.[19]

Sicher soll das Herz beim Projektorientierten Unterricht auch eine große Rolle spielen. Nicht nur dass die Schüler mit dem Herzen lernen, wie Kilpatrick es fordert oder das sie das Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ im Sinne von Pestalozzi praktizieren, sondern auch,dass besonders der Lehrer aus und mit ganzem Herzen dabei ist.

- Ein Lehrer, der nicht aus dem Herzen handelt und nur seinen alten,

eingefahrenen Unterrichtsprinzipien, die er in seinem Kopf hat treu

bleiben möchte, wird niemals fähig sein, Schüler selbständig arbeiten zu

lassen.

- Ein Lehrer, der Kinder nicht aus vollem Herzen mag und annehmen

kann, hat nicht nur seinen Beruf verfehlt, sondern wird sich zu keiner Zeit

aus dem Zentrum des Unterrichtsgeschehens herauswagen, aus Angst

seine Autorität zu verlieren.

- Ein Lehrer, der ständig skeptisch und kritisch gegenüber Schülern

eingestellt ist und sie als „gefährlich“ und „bedrohend“ empfindet, wird

seinen Schülern nicht ein Funke Freiraum gewähren.

Solche Erfahrungen machte ich in meiner eigenen Grundschulzeit. Still, klein

und schüchtern schauten wir alle zu unserer „allwissenden“ Lehrerin auf.

Aber was ich als noch viel schlimmer empfinde ist, dass es auch heute noch

Lehrer gibt, die sich von diesem Denken nicht abbringen lassen. Ja sogar

StudentInnen äußern, dass sie „die Fäden nicht aus der Hand geben wollen“.

„Heutzutage kann man nicht streng genug sein und eine straffe Führung

im Unterricht ist absolut notwendig, sonst tanzen einem die Schüler auf

dem Kopf herum.“

3.3 Die Projektmethode nach Karl Frey

Frey spricht nicht von Projektunterricht , er spricht von der „Projektmethode “.

Er rechtfertigt die Verwendung dieses Begriffes damit, dass:

,, [er] an den bekannten Aufsatz von William Heard Kilpatrick ,, The Projekt Method“von1898 erinnert ...Der Titel „ Die Projektmethode “ [seiner] Schrift soll signalisieren, dass sie der amerikanischen Tradition viel verdankt und ohne diese so nie zustande gekommen wäre“[20]

Auch möchte er zeigen, dass Projektmethode

,, über institutionell organisierten Unterricht hinausgeht...Die Projektmethode ist ein Weg zur Bildung. Sie ist eine Form der lernenden Betätigung, die bildend wirkt.“[21]

Die Projektmethode kann sowie in der Erwachsenenbildung als auch in der Jugendarbeit angewendet werden.

Der Begriff Methode selbst hat einen altgriechischen Ursprung. Er bedeutet soviel wie den „Weg der Untersuchung“, „ den Weg zu bewältigen, den man sich vornimmt oder vorgenommen hat.“[22]

Oftmals wird der Begriff „Methode“ anders verstanden. Unter Studierenden und

auch unter Lehrern hängt an dem Begriff ein negativer Hauch. Gerade, wenn es um Themen wie Projektunterricht oder freies Arbeiten geht, wird jeder, der mit

ganzem Herzen hinter diesen Grundsätzen steht hellhörig. Eine Methode wird

im Unterricht eingesetzt, ob Sozialformen wie Frontalunterricht, Gruppenarbeit

oder mal ein Sitzkreis oder etwa abwechselndes methodisches Arbeiten wie

Brainstorming, Arbeitsblätter und Experimente.

Sicherlich ist es legitim, wenn jemand nicht mit dem Herzen hinter

Projektunterricht oder freiem Arbeiten steht und es ab und zu als „Methode“

einsetzen möchte, um seinen Unterricht abwechslungsreich zu gestalten.

Sieht sich der Lehrer aber gänzlich als Berater und praktiziert er mit seinen

Schülern von ganzem Herzen diese Arbeit, so ist Projektunterricht oder freies

Arbeiten für ihn zu einem Grundprinzip geworden. Das greift tiefer und man

kann meiner Meinung nach nicht mehr von einer bloßen „Methode“ sprechen.

Denn es ist für alle Beteiligten mehr als nur einen „Weg dorthin“.

Frey spricht von sieben Komponenten, die Schüler und Lehrer in

beschriebener Reihenfolge durchlaufen müssen, um ein Projekt durchzuführen.

Kommen alle Komponenten in einem Projekt vor, so spricht Frey von der

Hochform “ eines Projekts. Entspricht der Ablauf nicht vollständig der

Projektmethode, weil ein oder mehrere Schritte nicht vorhanden sind,

bezeichnet Frey dies als „ projektartiges Lernen “.[23]

Laut Frey ist es sogar wünschenswert, wenn sich die Lerngruppe und auch der

Lehrende erst langsam an die Projektmethode gewöhnen. Er schlägt vor, am

Anfang nur ein oder zwei Komponenten auszuführen.

Das Entscheidende an der Projektmethode ist nämlich nicht, dass am Schluss ein hergestelltes Produkt (Theatervorführung, Dokumentation, Gerät usw. vorliegt, sondern dass die Herstellung in einer bildenden Weise geschieht.“[24]

Nachfolgend möchte ich die sieben Komponenten erläutern.

Komponente 1:

Die Projektinitiative[25]

Ein Schüler, der Lehrer oder ein Außenstehender äußert eine Idee. Das kann

ein intensives Erlebnis, einen Betätigungswunsch, eine Aufgabe oder ein

Problem sein. Grundsätzlich kann jeder Ausgangspunkt zu einem Projekt

werden, sowie auch alles vorgeschlagen werden kann.

Hierbei ist die Offenheit der Ausgangssituation entscheidend.

Trotz Bildungsplan, d.h. trotz enger Ausgangslage lässt sich eine offene

Ausgangssituation herstellen.

Frey nennt hier verschiedene Techniken, wie sich die anfängliche

Problematik lösen könnte:

- Oberbegriffe
- Ausweitungsfrage
- Stimulierende Hinweise
- Denkmodelle aus Kleingruppen
- Ideenwettbewerb
- Brainstorming
- Objekte sammeln

Grundsätzlich sind alle Erscheinungen würdig,Gegenstand einer Projektinitiative zu werden. Das heißt, dass das vorgeschlagenen Thema nicht unbedingt einen pädagogisch wertvollen Sachverhalt nachweisen, oder ein tiefgreifendes Problem beinhalten muss.[26]

Komponente 2:

Auseinandersetzung mit der Projektinitiative in einem vorher vereinbarten

Rahmen (Ergebnis = Projektskizze)[27]

Diese Komponente besteht aus zwei wesentlichen Elementen.

Erstes Element: Die Teilnehmer stecken einen Rahmen für die

Auseinandersetzung mit der Projektinitiative ab. Als erstes sollten sich

die Teilnehmer ein Zeitlimit setzten, in dem sie die Beratung über die

Projektinitiative abschließen können. Je nach Vorraussetzung kann es

sich hierbei um Minuten aber auch um Stunden handeln.

Außerdem sollte der Rahmen auch einige Interaktionsregeln festlegen

(jeder hört dem anderen zu, niemals zwei auf einmal reden, usw.).

Gerade bei unerfahrenen Projektgruppen dringen die Beteiligten nicht

einmal bis zur eigentlichen Aufgabe vor, da noch keine

Verständigungsbasis geschaffen wurde.

Das zweite Element besteht aus der eigentlichen Auseinandersetzung

mit der Projektinitiative. Die Teilnehmer äußern sich über Wort, Gestik

und Mimik. Sie suchen Betätigungsfelder, nennen Spezialisten und

äußern ihre Vorstellungen und Wünsche.

Die Auseinandersetzung kann mit zwei Ergebnissen enden. Entweder es

steht am Ende dieser Phase eine Projektskizze fest, oder das Projekt

wird abgebrochen, da die Projektinitiative keine Zustimmung findet bzw.

aus anderen Gründen nicht umsetzbar ist.

Die Projektskizze hält nur in wenigen Worten fest, was getan werden soll. Sie

beschreibt also keine Schrittfolge und kein detailliertes Bild vom Endprodukt.

Komponente 3:

Gemeinsame Entwicklung der Betätigungsgebietes (Ergebnis = Projekt-

plan)[28]

Diese Komponente tritt direkt im Anschluss an die Auseinandersetzung über die

Projektinitiative ein.

Sie ist meiner Meinung nach einer der wesentlichsten und wichtigsten

Bestandteile eines Projekts.

Hier wird, im Gegensatz zum zweiten Schritt, ein konkreter Plan erstellt.

Die Schüler äußern nun, was sie im einzelnen tun möchten und das

Machbare wird von den puren Wünschen und übertriebenen Vorstellungen geschieden.

Gerade Grundschulkinder schlagen in der Initiativphase oft übertriebene

und unmögliche Unternehmungen vor. Es sollte nicht von vornherein

unterbunden werden, denn dann könnten möglicherweise Blockaden

oder Hemmungen entstehen. Sinnvoller ist es jetzt mit den Kindern zu

besprechen, warum etwas nicht realisierbar ist oder ob man einen

solchen Vorschlag vielleicht abändern könnte, damit er realisierbar wird .

Des weiteren wird bestimmt,

- wer was tut.
- welche Art von Tätigkeit gewählt wird.
- wie intensiv diese Aufgabe behandelt wird.
- welcher Zeitraum festgelegt wird.
- warum derjenige etwas tut.

In diesem Schritt soll das Projekt zu ihrem Projekt (das der Schüler) werden.

Die Teilnehmer machen die Initiative zu ihrer Initiative. Das Tun wird also

persönlich und sachmotiviert zu einer „ aus ganzem Herzen gewollten

Tätigkeit“ (Kilpatrick).

Der Projektplan sollte nicht nur ein Stück Papier sein, auf dem der Zeitbedarf,

die benötigten Materialien und die Tätigkeitsfolgen notiert sind, sondern er sollte

ein Betätigungsplan sein. Er muss gleichermaßen die Qualität der Tätigkeit

herausheben.

Komponente 4:

(Verstärkte) Aktivitäten im Betätigungsgebiet/Projektdurchführung[29]

Diese Komponente ist wohl die Ausschlaggebende und braucht keiner großen

Erläuterung. Sie nimmt zeitlich gesehen den größten Teil des Projektes ein. Sie

baut auf die vorherigen Komponenten (v.a. Komponente 3) auf.

Der Betätigungsplan wird also durchgeführt.

In dieser Phase wird also (auch im Sinne von Dewey) der Plan vollzogen.

Die Mitglieder des Projekts arbeiten nun vertieft an ihrem Teilgebiet, dass sie sich ausgesucht haben. Sie recherchieren, bauen, lesen, diskutieren und führen Angedachtes zu Ende.

Bei der Projektdurchführung können normalerweise alle Formen der

Tätigkeitsorganisation verwendet werden. Das wichtigste Element ist aber die Gruppenarbeit. Die Schüler lernen sozial und müssen fähig sein, selbstständig und ohne kontrollierende Aufsicht zu arbeiten.

Sicherlich ist die Arbeitsteilung genauso wichtig. Die Schüler müssen nicht alles gemeinschaftlich tun, jedoch sollten sie in der Lage sein, arbeitsgeteilte Schritte zuvor miteinander zu besprechen und sich zu einigen.

Normalerweise weiß jeder Einzelne, was er zu tun hat und wie er es zu

tun hat, denn die Mitglieder haben ihr Betätigungsfeld selbst ausgesucht

und es für sinnvoll bestimmt. Ein Abweichen von Plan ist deswegen nicht mehr notwendig. Wenn es dennoch geschehen soll, muss es einen plausiblen Grund dafür geben und es bedarf der Zustimmung der ganzen Projektgruppe. Denn wenn jeder Schüler dann doch ein bisschen anders arbeitet, als es vorgesehen war, besteht die Gefahr, dass die Arbeiten unkontrolliert auseinander laufen und das Gesamte nicht mehr stimmig ist.

[...]


[1] Kultusministerium Rheinland –Pfalz: Leitlinien für die Arbeit in der Grundschule, S.4

[2] Kultusministerium Rheinland –Pfalz: Leitlinien für die Arbeit in der Grundschule, S.6/7

[3] Kultusministerium Rheinland –Pfalz: Leitlinien für die Arbeit in der Grundschule, S.11

[4] vgl. Duden, Fremdwörterbuch

[5] Gudjons, Handlungsorientiert lehren und lernen,2001 S.73

[6] zitiert aus: Meyers großes Taschenlexikon, Band 17, 1995, S.290

[7] zitiert aus: Böhm, W. Wörterbuch der Pädagogik

[8] vgl. Knoll, M. 300 Jahre lernen am Projekt, aus: Pädagogik 7-8/ 93, s. 58ff

[9] Dewey/ Kilpatrick: Die Projekt-Methode

[10] Gudjons, Handlungsorientiert lehren und lernen,2001 S.74

[11] Gudjons, Handlungsorientiert lehren und lernen,2001 S.74

[12] vgl: Phlosophen-Suchmaschine auf www.philosophen.de, zuletzt besucht am 22.3.2002

[13] Fremdwörter Duden, Pragmatismus: „philosophische Lehre, die im Handel das Wesen des Menschen erblickt und Wert und Unwert des denkens danach bemißt.“

[14] Vgl.: Dewey/ Kilpatrick: Die Projekt-Methode

[15] vgl. Dewey/Kilpatrick, Die Projekt-Methode

[16] vgl. Dewey/Kilpatrick, Die Projekt Methode

[17] vgl. Frey, K. Die Projektmethode, Weinheim und Basel 1993, S.41

[18] zitiert aus: Pütt, H. Projekt und vorhaben, in: Stach, R. (Hrsg.)Projektorientierter Unterricht,

Kastellaun1978, S.14

[19] vgl. Pütt, H. Projekt und Vorhaben, in: Stach, R. (Hrsg.)Projektorientierter Unterricht,

Kastellaun1978, S.14f

[20] Zitiert aus : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S13/14

[21] Zitiert aus : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S14

[22] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, 14

[23] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S15

[24] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S.74 ???

[25] Vgl : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S74-86

[26] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S 64

[27] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S.85-111

[28] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S.111-134

[29] Vgl. : Frey, K.: Die Projektmethode ,Weinheim und Basel 1993, S.134-138

Details

Seiten
140
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638133265
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5461
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Grundschulpädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Projektunterricht Frey Gudjons

Autor

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Titel: Die Feuerwehr. Ein Projekt im 3. Schuljahr