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Spielen in der Schule - Unsere Spielesammlung - Eine Gefahr oder eine Bereicherung für die Grundschularbeit?

Hausarbeit 1999 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Prolog Eine Spielesammlung für die Schulpraxis

2. Ein Zeitungsartikel

3. Welche Position wird in diesem Artikel vertreten und in wieweit wirkt sie unserem, unter Punkt 1 beschriebenen Vorhaben entgegen?

4. Warum könnte das Spiel - als ein Element des Unterrichts - in der Grundschule sinnvoll sein? Welche Chancen bieten sich Lernenden wie Lehrenden gleicher- maßen?

5. Evaluierung

6. Die Spielesammlung

7. Literatur

1. Prolog Eine Spielesammlung für die Schulpraxis

Im Wintersemester 1997/98 nahm ich mit einigen anderen Kommilitoninnen an dem Tutorium „Alternative Spiele“ teil, in dessen Verlauf wir uns vornehmlich mit dem Erstellen einer Spielesammlung für den Unterricht beschäftigten. Dass Spiel ein fester Bestandteil des Grundschulunterrichts sein sollte, darüber waren wir uns alle einig und auch die gemeinsame Reflexion unserer Schulvergangenheit zeigte - soweit eine ausreichende Erinnerung vorhanden war - dass das Spielen in der Schule immer ein wichtiger Faktor für das Lernen und das soziale Gefüge darstellte.

Vor allem aber durch bereits absolvierte Schulpraktika, war uns die Bedeutung von Spiel - als ein Element des Grundschulunterrichts - bewusst geworden. Gerade aus diesem Grund schien uns eine Handreichung zu diesem Thema äußerst praktisch, da jede(r) der TeilnehmerInnen in zukünftigen Unterrichtseinheiten natürlich auch mit Spielen arbeiten möchte und dann bereits ein gewisses Repertoire an Ideen schnell zur Hand hätte.

Und nicht zuletzt bewirkte das Projekt „Spiel - Spiele - Spielen“ im Lernbereich Ästhetische Erziehung, eine differenziertere Betrachtungsweise des Gegenstandes „Spiel“, gerade auch im Hinblick auf Schule und Unterricht.

Unter diesen Voraussetzungen wurde ich einige Zeit später mit einem Zeitungsartikel konfrontiert. Sollte dieser Artikel o. g. Arbeitsvorhaben plötzlich ad absurdum führen?

2. Ein Zeitungsartikel:

Elternverein gegen Kuschelecken

„Kultur der Anstrengung nötig“

Hannover(dpa). Der niedersächsische Elternverein ist über das Niveau an den Grundschulen besorgt und hat den Trend zum „Spiel- und Spaßbetrieb“ kritisiert. „Die Beherrschung von Lesen, Schreiben und Rechnen gerät durch Spiel, Spaß und Kuschelecken zu sehr in den Hintergrund“, erklärte gestern die Landesvorsitzende des Elternvereins, Margrit Deuter. Der Verein stellte dort ein Grundsatz-Papier zur Qualitätssicherung in den Grundschulen vor, das dem Kultusministerium und dem Landtag zugeleitet werden soll.

Immer mehr Eltern machen sich nach Worten von Deuter Sorgen um die Effektivität der Grundschularbeit. Durch die Abschaffung der Zensurenzeugnisse in den ersten beiden Klassen falle es auch zunehmend schwerer, sich einen objektiven Überblick über das Leistungsvermögen der Kinder zu verschaffen. „Das böse Erwachen kommt dann in den weiterführenden Schulen, wenn die Versäumnisse festgestellt werden“, sagte Deuter.

Sie kritisierte eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen an den Grundschulen. Die Lehrerversorgung, die Zahl der Unterrichtsstunden und die Klassengröße habe sich oftmals erheblich verschlechtert. Unter diesen Bedingungen seien die Schulen nicht in der Lage, Grundwissen zu vermitteln und pädagogisch mit den Kindern zu arbeiten. Der Deutsche Lehrerverband, der Philologenverband und der Realschullehrer-Verband unterstützen die Kritik des Elternvereins. Gemeinsam forderten sie eine „neue Kultur der Anstrengung in den Grundschulen“.

3. Welche Position wird in diesem Artikel vertreten und in wieweit wirkt sie unserem, unter Punkt 1 beschriebenen Vorhaben entgegen?

Dieser, im Jahre 1998[1] vom Weser Kurier veröffentlichte Artikel, gibt meiner Meinung nach sehr deutlich eine in der Bevölkerung weit verbreitete Einstellung wieder.

Schulen - die Grundschulen mit eingeschlossen - sollen für „ernsthaftes Lernen“ stehen und nicht einen sogenannten „Spiel- und Spaßbetrieb“ unterhalten.

Den Trend zu einem eben solchen meint unter anderem der niedersächsische Elternverein zu erkennen und fürchtet daher um die Bildung der heutigen Grundschüler.

Denn Spielen scheint demzufolge lediglich für kleine Kinder sinnvoll zu sein, solange es die Vorstufe für das „eigentliche Lernen“ bleibt.

Spielen steht für etwas „Geringes“, bzw. für eine Tätigkeit aus dem Vorschulbereich. In der Schule jedoch soll Spielen nur erlaubt sein, wenn es als Ausgleich oder zur Entspannung dient, um die Kinder im Anschluss daran wieder mit dem mühseligen Lernen auf herkömmliche Art zu konfrontieren.

„Man spürt den Widerwillen gegen die Forderung, Spielen in curriculare Überlegungen zu integrieren“, weiß auch Daublebsky (S.10) zu berichten.

In einer leistungsorientierten Grundschule, wie sie von den im Artikel genannten Interessensvetretungen gefordert wird, könne Spielen somit keinen Platz eingeräumt werden, da die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund stehen müsse.

Die Grundschüler sollen so früh es eben geht, in unsere Leistungsgesellschaft integriert werden, mit dem Argument, dass sie über kurz oder lang - in den weiterführenden Schulen - nicht darum herumkommen werden, sich Leistungs- und Zensurendruck unterzuordnen. Aus diesem Grund wird eine (neue) „Kultur der Anstrengung“ an den Grundschulen gefordert. Eine Kultur, zu der die Vorsitzende des Elternvereins, Margrit Deuter, das Spielen eindeutig nicht zählt. Ganz im Gegenteil: Sie grenzt die „Beherrschung von Lesen, Schreiben und Rechnen“ entschieden von „Spiel, Spaß und Kuschelecken“ ab. Hiernach zu urteilen, scheinen sich Spiel und Lernen gegenseitig auszuschließen - Lesen, Schreiben und Rechnen keinen Spaß machen zu dürfen.

Ganz eindeutig: Lernen muss etwas Anstrengendes bleiben, etwas Ernsthaftes, welches „objektiv“ überprüfbar und mittels Zensurenzeugnissen dokumentierbar ist.

Vielen Eltern wird suggeriert und leider sind viele vom ihnen auch der festen Überzeugung, dass in der heutigen Gesellschaft nur der Stärkste und der Fähigste eine Chance besitzen wird, nur faktisches Wissen und Ellbogen zählen. Um die Kinder auf ein solches Leben nach der „Geborgenheit im Lebens- und Lernort Grundschule“ (Faust-Siehl u.a., S.32) vorzubereiten, ist es laut o.g. Interessensgruppen anscheinend nötig, bereits in der Primarstufe auf eine „Qualitätssicherung“ zu achten und Unterrichtsgegenständen die nicht augenscheinlich diesem Zweck zuträglich sind, die Relevanz abzusprechen. Alles scheint auf eine (wieder-) Einführung einer Lern- und Leistungsschule („Paukschule“) hinauszulaufen, in der intellektuelle, rationale und kognitive Leistungen auf Kosten emotionaler, sozialer und kreativ-künstlerischer Leistungen überbewertet werden. Schule als „ein williger Anpassungsmechanismus“ (Freyhoff in Spieß, S.22) der heutigen Leistungsgesellschaft.

Qualität und Effektivität der Grundschularbeit basieren also - laut der in diesem Artikel erwähnten Personen und Gruppierungen - scheinbar ausschließlich auf dem „Einpauken“ von faktischem Wissen sowie der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen; während andererseits „Unterrichtsmethoden“ wie die erwähnten „Spiel, Spaß und Kuschelecken“, bei denen sich die Kinder (angeblich) nicht anstrengen müssen und folglich nichts lernen werden, einer „Qualitätssicherung“ entgegenwirken.

Die Auseinandersetzung mit diesem Artikel wirft für mich folgende schwerwiegende Fragestellung auf:

Wenn es also Elternvereine und Lehrerverbände gibt, die sich für eine Beendigung des spielerischen Lernens, des Spiels als einen festen Bestandteil des Primarstufenunterrichts einsetzen, warum werden dann Spielesammlungen für den ausdrücklichen Gebrauch an Grundschulen erstellt?

4. Warum könnte das Spiel - als ein Element des Unterrichts - in der Grundschule sinnvoll sein? Welche Chancen bieten sich Lernenden wie Lehrenden gleichermaßen?

Das Spielen in der Schule zu betonen und neben das Lernen zu stellen bedeutet für viele Menschen noch immer, zwei Aktivitäten in einen Zusammenhang zu bringen, die für sie in einem nicht zu vereinbarenden Spannungsverhältnis zueinander stehen.

So wird Spielen und Lernen vielfach auch heute noch als scheinbar unvereinbarer Gegensatz gesehen und die Auffassung vertreten, dass in der Schule nicht (zu viel) gespielt, sondern besser „gearbeitet und gelernt“ werden solle. (vgl. Zeitungsartikel)

Es ist zwar häufig vom „spielenden Lernen“ oder vom „Lernen im Spiel“ die Rede, aber sind das nicht nur Schlagworte?

Lernen ist eine zu ernste Angelegenheit - so wird argumentiert - als dass es mit Spiel in Verbindung gebracht werden könne. Allenfalls darf das Spielen in der Schule als „Lückenfüller“ oder Belohnung dienen, auf keinen Fall aber einen größeren zeitlichen Rahmen des Unterrichts beanspruchen. Hinzu kommen außerdem die sogenannten Lernspiele[2], bei denen allerdings die Meinungen auseinander gehen, ob es sich hierbei noch um Spiel im eigentlichen Sinne handelt.

Mit schulischem Lernen wird gemeinhin harte Arbeit bei der Bewältigung von Aufgaben verbunden. Es verlangt Anstrengung, Unterordnung unter Regeln und Zwänge, Kontrolle der eigenen Gefühle und Regungen und ist verbunden mit Konkurrenzdruck, Leistungskontrolle, Unlust oder gar Angst.

[...]


[1] Das genaue Erscheinungsdatum ist mir leider unbekannt und konnte auch von Seiten des Weser-Kuriers nicht mehr aufgeklärt werden.

[2] Der Einsatz von Lernspielen im Unterricht der Schule wird nicht immer als positiv angesehen.

Das Spiel werde „verzweckt“ oder „instrumentalisiert“ und dessen eigentlicher Wert könne dabei

verloren gehen. (vgl. Döring, S.46)

Details

Seiten
18
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638133418
ISBN (Buch)
9783656381174
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5482
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Fachbereich 12
Note
1
Schlagworte
Spielen Schule Unsere Spielesammlung Eine Gefahr Bereicherung Grundschularbeit Alternative Spiele

Autor

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Titel: Spielen in der Schule - Unsere Spielesammlung - Eine Gefahr oder eine Bereicherung für die Grundschularbeit?