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Geschlechtsspezifische Erziehung in der frühen Neuzeit

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Er ist die Sonn`, sie ist der Mond“
2.1 Die Frau als Opfer oder Partner?

3. Bildung und Erziehung
3.1 Ein berühmtes Beispiel
3.2 Resümee

4. Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Sozialenstrukturen und den Umgang mit anderen erlernt der Mensch in seiner Kindheit. Die Erziehung ist jedoch von Familie zu Familie und von Stand zu Stand unterschiedlich. Aber es gibt auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Kinder werden auf ihr Leben in der Erwachsenenwelt vorbereitet. Sie sollen alle Fertigkeiten erlernen, die man später in der Gesellschaft und im Beruf benötigt. Das gilt für damals ebenso wie für heute. Auch heute werden Kinder von den Eltern auf die Welt vorbereitet.

Während im Mittelalter Erziehung und Bildung dem Adel und dem Klerus vorbehalten war, kamen in der Renaissance neben den kirchlichen Schulen sogenannte „Bürgerschulen“ auf.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fordert Johann Amos Comenius in seiner Abhandlung „Didactica Magna“ von 1632 Allgemeinbildung für alle, unabhängig der Herkunft oder des Geschlechts. Später in der Aufklärung wird die Kindheit zum ersten Mal als ein wichtiger Lebensabschnitt begriffen.

In der frühen Neuzeit, hier ein festgelegter Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, waren die Geschlechterrollen klar definiert.

Der Mann ist das Oberhaupt der Familie und der Ernährer. Er repräsentiert die Familie nach außen. Die Frau hingegen ist abhängig von ihrem Mann, der sie ernährt und beschützt. Sie hütet die Kinder und kümmert sich um den Haushalt. Ihre sozialen Kontakte gehen mehr nach innen in die Familie.

In meiner Arbeit möchte ich mich vor allem mit der Erziehung und Bildung der Frau beschäftigen. Wieso unterscheidet sich die Erziehung der Mädchen von der der Jungen? Wie sah es mit der Bildung aus? Gab es auch eine gemeinsame Erziehung der Geschlechter?

Zu Beantwortung dieser Fragen habe ich hauptsächlich Literatur aus der Pädagogik mit dem Schwerpunkt Frauenbildung benutzt. Um das Thema weiter einzugrenzen, konzentriere ich mich nur auf die höheren Stände wie Bürgertum und Adel.

Im ersten Abschnitt werde ich auf das Leben der Frau in der frühen Neuzeit eingehen, um einen Überblick zu schaffen und auf die Frage einzugehen, warum die Mädchenerziehung anders ist und worauf das zurückzuführen ist.

Dann möchte ich einen Blick in die Erziehung und Bildung werfen, um schließlich auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Mädchen- und Jungenerziehung zu kommen.

Meine Arbeit soll nicht eine ausführliche Abhandlung des gesamten, sehr umfangreichen Themas sein, sondern einen Einblick in den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und den Unterschieden in der Erziehung sowie Bildung zum männlichen Geschlecht erlauben.

Bei meinen Recherchen zu diesem Thema haben mir vor allem die Publikationen der Autorin Heide Wunder geholfen, die sich gründlich mit den Geschlechterbeziehungen und der Frauenbildung in der frühen Neuzeit beschäftigt. Grundlegend für diese Arbeit war dabei auch das Buch „Er ist die Sonn´, sie ist der Mond“ von dieser Autorin. Deswegen wählte ich diesen Titel als Überschrift des folgenden Kaptitels.

Hilfreich war ebenfalls die Arbeit „Weibliche Bildung im 18. Jahrhundert“ von Christiane Brokmann - Nooren, die einen sehr interessanten Überblick über die verschiedenen Epochen gibt und dabei noch genauer als Heide Wunder auf die Bildung der Frau eingeht.

2. „Er ist die Sonn`, sie ist der Mond“

Töchter und Söhne wurden von ihren Eltern auf ihre Zukunft vorbereitet. Für die Mädchen hieß das, Haushalt und Familie. Die Söhne sollten entweder in die Fußstapfen ihres Vaters treten oder einen ordentlichen Beruf erlernen, damit sie später eine Familie ernähren konnten.[1]

Über eine richtige Bevorzugung der Söhne lässt sich nichts Genaues sagen. Zwar galt der Sohn als wichtiger Nachfolger, die Tochter jedoch konnte durch eine vorteilhafte Heirat ihrer Familie ebenfalls helfen. Töchter verließen meist früher das Haus als Söhne. Daher war der Unterhalt für Söhne auch kostspieliger. Inwieweit Jungen eine bessere Pflege erhielten als Mädchen lässt sich nicht richtig bestimmen. Zwar starben in den Findelhäusern mehr Mädchen als Jungen, aber wodurch das geschah, lässt sich nicht eindeutig klären. Sicher ist nur, dass Jungen zunächst willkommener waren als Mädchen[2].

Beispiele für die Bevorzugung eines Geschlechts gibt es auf der Seite der Jungen genauso wie auf Seite der Mädchen. Es gab Söhne, die von ihren Eltern besonders gefördert wurden, aber auch Töchter wurden in einigen Familien bevorzugt behandelt.

Kinder, egal ob Mädchen oder Junge, verließen das Elternhaus meist recht früh. Einerseits mussten sie schon früh selbst für ihren Unterhalt aufkommen, oder sie verließen durch Heirat und Studium das Haus. Beim Adel war es üblich Kinder an kinderlose Ehepaare „auszuleihen“. Auch das diente zur Vorbereitung auf ein späteres Leben.

Wann die Kindheit endete war unterschiedlich. Der Zeitpunkt war abhängig von den äußeren Umständen. Ein Handwerker zum Beispiel musste erst jahrelang auf Wanderschaft gehen, bis er das richtige Mannesalter erreicht hatte. Für eine Übernahme des väterlichen oder des Betriebes des Schwiegervaters war eine rasche Heirat notwendig[3].

Dabei war es egal wie alt der Mann war, doch eine Frau sollte bis zum 30. Lebensjahr „unter der Haube“ sein. Ältere Männer waren dagegen im besten Mannesalter. Sie galten immer noch als stark und potent, während Frauen einfach nur alt waren. Eine Ansicht, die sich bis heute gehalten hat.

Die Dauer der Jugendzeit war in den verschiedenen Ständen unterschiedlich. Töchter aus gehobenen Ständen wurden meist früh verheiratet, während den Bürgertöchtern mehr Zeit blieb, um sich auf ihre künftige Rolle vorzubereiten. Der unteren und mittleren bäuerlichen Schicht war mehr Jugend vergönnt. Dort dienten Mädchen meistens längere Zeit bei den Eltern oder als Mägde[4]. Ihre Arbeitskraft wurde gebraucht. Da blieb erst einmal nicht so viel Platz für Ehe und Familie.

Bei der Erstehe war der Altersunterschied zwischen Braut und Bräutigam noch nicht besonders groß. Das sah bei Zweit- oder Drittehen der Männer anders aus. Sie bevorzugten „Jungfrauen“[5].

Das Leben der Frau in der frühen Neuzeit blieb von Abhängigkeiten geprägt. Ehen wurden meistens arrangiert und die Frau wechselte von der Vormundschaft des Vaters in die des Ehemannes[6]. Dabei spielten die Frauen ihre Rolle sehr gut. Sie fügten sich in ihr Schicksal und erduldeten es. Jedoch bestand privates Glück damals mehr in der Verwirklichung sozialer Normen und im Ausbleiben von Unglückfällen, deswegen waren Frauen oft mit ihrer Lage „glücklich“. Auch war das Führen eines Haushaltes sehr viel komplizierter als heute. Es musste viel organisiert und überlegt werden. Eine gute Hausfrau war also mehr als nur eine gute Köchin oder Putzfrau. Sie war eine Managerin des Hauses und allem, was dazu gehörte. Ihre Aufgaben erledigte sie mit Fleiß und Intelligenz[7].

Frauen waren im täglichen Leben wichtig. Sie bereiteten ein Nest für die Männer, die das Geld verdienten. Sie sorgten für die Kinder und waren für die Familie ein wichtiger sozialer Schlüssel. Männer hingegen vertraten die Kontakte nach außen. Ihre Umwelt nahm Männer viel eher wahr als Frauen. Der Mann hielt sich in der Öffentlichkeit und somit in der Gesellschaft auf, während die Frau meist im Hintergrund agierte und die Kontakte innerhalb einer Familie pflegte. Doch es gab auch Frauen in der Öffentlichkeit. Frauen, die etwas Besonderes leisteten wie Schriftstellerinnen oder Künstlerinnen. Diese waren jedoch eine Ausnahme. Meistens war die Bildung der Frau nicht besonders gut.

Oft waren die Kinder, besonders die Jungen, ihrer Mutter weit voraus. Für Frauen schickte es sich nicht, wenn sie klüger waren als Männer.

[...]


[1] Heide Wunder, Er ist die Sonn´, sie ist der Mond. Frauen in der frühen Neuzeit, München 1992.

[2] Vgl. Heide Wunder, Er ist die Sonn´, sie ist der Mond. Frauen in der frühen Neuzeit, München 1992, S. 39.

[3] Vgl. Heide Wunder, Er ist die Sonn´, sie ist der Mond. Frauen in der frühen Neuzeit, München 1992, S. 45.

[4] Vgl. ebd., S. 46.

[5] Vgl. ebd., S. 49.

[6] Vgl. Katherina Rutschky, Deutsche Kinderchronik. Wunsch- und Schreckensbilder aus vier Jahrhunderten, Köln 1983, S. 178.

[7] Vgl. ebd. , S. 179.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638500104
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54913
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Schlagworte
Geschlechtsspezifische Erziehung Neuzeit Proseminar Kindheit

Autor

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