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Niccolò Machiavellis - Il Principe - und der Begriff der Macht

Seminararbeit 2002 20 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Leben des Niccolò Machiavelli

Historische Umstände zu Zeiten Machiavellis

Machiavellis Menschenbild

Gliederung des Werks „Il Principe“

„Il Principe“

Virtú und occasione

Das Beispiel Cesare Borgias

„ s’egli è meglio essere amato che temuto...“

Der Begriff fortuna

Machiavellis Machtbegriff

Jago, eine typisch machiavellistische Person

Literaturverzeichnis

Einleitung

Niccolò Machiavelli ist einer der bekanntesten politischen Theoretiker. Er soll mit seinen Schriften, vor allem mit seinem Werk „Il Principe“, der Begründer des sogenannten Machiavellismus sein. Unter diesem Begriff versteht man den rücksichtslosen Machtmissbrauch des, oder der Regierenden, der einzig und alleine dazu dient, mit grausamen Methoden die Herrschaft und somit die Macht zu sichern.

So ist es auch kein Wunder, dass Machiavelli viel Kritik entgegenschlug. Die katholische Kirche beispielsweise, setzte seine Werke auf den Index und seine Schrift „Il Principe“ erschien erst knapp 200 Jahre nach seinem Tod. Friedrich der Große versuchte mit seinem „Anti-Machiavel“ die Menschlichkeit zu verteidigen, die er durch Machiavelli gefährdet sah.[1]

Diese Arbeit setzt sich mit Machiavellis Hauptwerk „Il Principe“ auseinander. Dabei soll der Schwerpunkt auf den Begriff der Macht gelegt werden.

Um Machiavellis Machtverständnis deutlich zu machen ist es nötig, zuerst auf die Biographie des Autors sowie auf die gesellschaftlichen und politischen Umstände zu seinen Lebzeiten, einzugehen.

Im Folgenden werden die Anleitungen für einen Fürsten betrachtet, die ihm sagen, wie er die Macht in einem Staat erringen und später auch erfolgreich verteidigen kann. Hier werden auch die jeweiligen Beispiele berühmter Persönlichkeiten aus der Geschichte behandelt, die Machiavelli in jedem Kapitel anfügt. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Schlüsselbegriff „virtù“ und „fortuna“ gelegt .

Zum Schluss soll nochmals Machiavellis Machtverständnis deutlich gemacht werden, hierbei wird auch erläutert inwieweit „Il Principe“ in der Tradition des klassischen Fürstenspiegels steht. Abschließend wird noch kurz ein, aus Machiavellis Sicht, Idealbeispiel für das tugendhafte Verhalten eines Mannes, aus der Literatur betrachtet: die Figur des Jago aus Shakespeares Tragödie „Othello“.

Das Leben des Niccolò Machiavelli

Niccolò Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 als Sohn eines Notars in Florenz geboren. Diese florentinische Familie war seit jeher republikanisch eingestellt und so sollte auch Niccolò Machiavelli, nach einer üblichen Schulausbildung, in den Staatsdienst von Florenz eintreten. Machiavelli wurde durch seine Eltern schon früh mit der antiken Literatur vertraut gemacht,[2]

er besuchte jedoch nie eine Universität. Der Grund hierfür waren wahrscheinlich die beschränkten finanziellen Verhältnisse der Familie. Ansonsten ist über Machiavellis Kindheit und Jugend sehr wenig bekannt.

Am 19. Juni 1498 begann Machiavellis politische Laufbahn. Er wurde zum „Segretario della Repubblica“ gewählt und musste sich mit militärischen Angelegenheiten und außenpolitischen Beziehungen befassen. Kurze Zeit später erhielt er den Vorsitz im „Rat der Zehn“, der die zweite Kanzlei leitete. In den nächsten Jahren war Machiavelli viel unterwegs. Im Jahre 1509 siegte er noch als militärischer Heerführer über Pisa, wurde aber 1512

all seiner Ämter enthoben. 1513 musste er für kurze Zeit ins Gefängnis. Er wurde verdächtigt an einer Verschwörung gegen die Medici beteiligt gewesen zu sein. In dieser Zeit begann er auch seine Werke zu verfassen. Die Themen waren: Die Geschichte sowie die Theorie und Praxis der Politik. 1524 und 1525 wurde er wieder in die Dienste der Stadt Florenz aufgenommen, doch schon wenig später, am 22. Juni 1527 verstarb Machiavelli in Armut, Verbitterung und Verzweiflung.

Machiavellis Position zog viele Reisen nach sich, so reiste er z.B. nach Frankreich zu

Ludwig XII., an den Hof der römischen Kurie oder zu italienischen Kleinfürsten, beispielsweise besuchte er den Sohn von Papst Alexander VI., Cesare Borgia. Dieser zeichnete sich durch seine skrupellose Handlungsweise aus, so brach er jeden Widerstand gegen seine Person in den eigenen Reihen, um so seine Macht zu sichern. Genau dieser Cesare Borgia inspirierte Machiavelli zu seiner Schrift „Il Principe“.[3]

Historische Umstände zu Zeiten Machiavellis

Zu Zeiten Machiavellis herrschte in Florenz das Geschlecht der Medici, dem das damals größte Handels- und Bankhaus Europas gehörte.

Lorenzo de’ Medici hatte durch die Vergabe aller politischen Ämter an Medici-Anhänger, eine Monarchie gegründet, obwohl der Stadtstaat Florenz zu jener Zeit eigentlich eine Republik war.

In Italien gab es damals fünf Hauptmächte: Mailand, Venedig, Florenz, Neapel und der Kirchenstaat. Diese Staaten standen sich gleichgewichtig gegenüber und so war der Friede nach außen und innen gesichert.

Florenz selbst galt als kulturelles Zentrum Italiens, wenn nicht gar Europas. So befanden sich hier viele bedeutende Renaissancekünstler wie Michelangelo Buonaroti, Leonardo da Vinci oder Sandro Botticelli. Sie alle wurden von Lorenzo de’ Medici gefördert. Doch 1492 veränderte sich mit der Machtübernahme von Piero de Medici die politische Situation von Grund auf. Florenz verbündete sich mit Neapel und Mailand, die Isolation fürchtend, wandte sich an Frankreich. Der französische König, Karl VII., marschierte in Italien ein, was wiederum zu Zwistigkeiten mit Spanien und Österreich führte. Dies hatte zur Folge, dass der italienische Staatenbund zerfiel und sich die nun einzelnen Staaten untereinander bekämpften. Aus diesem Grund wurden Söldnerheere angeworben. Die Stimmung in Florenz wurde immer schlechter und so wurden die Medici 1494 aus der Stadt vertrieben. Ab 1496 versuchte der Dominikanermönch Savonarola durch strenge Religiosität und durch Verzicht auf Luxus die Krise zu überwinden, doch wegen seines fanatischen und waffenlosen Kampfes gegen die Kirche und den Papst, ließ ihn dieser im Jahre 1498 hinrichten.

Einige Jahre später wurde das französische Heer aus Italien vertrieben, in Florenz wurde die republikanische Regierung gestürzt und 1512 konnten die Medici die Macht wieder ergreifen.

Florenz war im 15. Jahrhundert aber auch Zentrum des Humanismus, denn im Jahre 1439 fand dort das Allgemeine Konzil der römischen Kirche statt. Dadurch kamen viele griechische Philosophen in die Stadt und durch die daraus resultierende Gründung der „Platonischen Akademie“ wurde Florenz zum humanistischen Mittelpunkt. Ziel dieses Humanismus‘ war der „universale Mensch“, der sich durch die Kenntnisse der Antike herausbilden sollte. Verantwortlich für die Schaffung dieses geistigen Zentrums waren die Medici.[4]

Machiavellis Menschenbild

Um die radikale Einstellung Machiavellis betrachten zu können, ist es jetzt noch notwendig, Machiavellis Menschenbild zu betrachten. Machiavelli ist davon überzeugt, dass sich der Mensch in seinem Innersten nicht ändern kann. Sein Hauptziel ist die Machtmaximierung und er wird dies immer ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen. Der Mensch wird zum Erreichen seiner Ziele alle ihm zu Verfügung stehenden Mittel gebrauchen, dabei ist es ihm egal, ob seine Methoden gut oder falsch sind. Hauptsache er kann so sein Vorhaben verwirklichen. In den Augen Machiavellis ist der Mensch: „...ingrati, volubili, simulatori e dissimulatori, fuggitari de’pericoli, cupidi di guadagno...“ ( S. 128 )[5] und deshalb ist es nötig, dass es einen Fürsten gibt, der das Volk lenkt und führt.[6]

Gliederung des Werks „Il Principe“

Machiavellis „Il Principe“ lässt sich in vier Teile gliedern. Die Kapitel I bis XI gehen auf die verschiedenen Herrschaftsformen ein. Alle Staaten werden in Republiken und Fürstentümer unterteilt, wobei die principati in ererbte, neu erworbene und kirchliche gegliedert werden können. Diese verschiedenen Arten werden in den Kapiteln II bis XI behandelt. Machiavelli setzt seinen Schwerpunkt allerdings auf die neu erworbenen Fürstentümer.

Der zweite Abschnitt umfasst die Kapitel XII bis XIV, sie beschäftigen sich mit den Problemen der militärischen Ordnung. Hierauf folgt eine Abhandlung über das Fundament der Fürstentümer. Diese Basis besteh aus „guten Gesetzen und guten Waffen“, wobei vor allem auf das Heerwesen ausführlich eingegangen wird.

Im dritten Teil folgen die Verhaltensprinzipien, die sich ein Fürst, laut Machiavelli, anzueignen hat, um die Macht zu erringen bzw. sie zu erhalten. Dieser Teil bildet zugleich das Kernstück der Schrift.

Die letzten drei Kapitel gehen nochmals ganz deutlich auf die Gründe für Herrschaftsverluste ein. Hier bezieht sich Machiavelli explizit auf die Zustände in Italien. Das Werk schließt mit einer Aufforderung an den Fürsten von Florenz, endlich etwas gegen die damals gegenwärtige Situation zu unternehmen.

[...]


[1] Wolfgang Kersting, Niccolò Machiavelli. C.H. Beck, München, 1988. S. 163

[2] Hans-Joachim Lieber, Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart. Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn, 1993, S.146

[3] Kersting, Niccolò Machiavelli. S. 13ff., S. 27f.

[4] Kersting, Niccolò Machiavelli. S. 14f., S. 27f.

[5] Alle italienischsprachigen Zitate entstammen der Ausgabe: Niccolò Machiavelli, Il Principe. Der Fürst. Übersetzt von Philipp Rippel. Philipp Reclam jun. Stuttgart, 2001

[6] Frank Deppe, Niccolò Machiavelli. Zur Kritik der reinen Politik. Pahl- Rugenstein, Köln, 1987, S. 297f.

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638133531
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5495
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Institut für Politikwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Niccolò Machiavellis Principe Begriff Macht

Autor

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Titel: Niccolò Machiavellis - Il Principe - und der Begriff der Macht