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Sprachkontrastive Darstellung Deutsch-Türkisch

Seminararbeit 2004 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeine Informationen zur türkischen Sprache
1.1 Sprachfamilie
1.2 Die Entstehung der türkischen Sprache
1.3 Dialekte
1.4 Besonderheiten der Grammatik

2. Phonetik
2.1 Das Alphabet
2.2 Akzent und Intonation
2.3 Vokalharmonien
2.3.1 Große Vokalharmonie
2.3.2 Kleine Vokalharmonie

3. Orthographie
3.1 Groß- und Kleinschreibung
3.2 Konsonantenhäufungen
3.3 Phonem- Graphem Entsprechungen

4. Morphologie
4.1 Kasusformen
4.2 Artikel
4.3 Personalpronomen
4.4 Possesivpronomen
4.5 Pluralbildung
4.6 Adjektive
4.7 Komparation
4.8 Negation, Passiv und das Modalverb “können”
4.9 Zusammengesetzte Verbformen
4.10 Tempusformen

5. Syntax
5.1 Satzbau
5.2 Türkische Verbsonderformen (Nebensätze)
5.3 Fragesätze

6. Resümee

7. Literaturangaben

Einleitung

Bei der Sprachvermittlung muss berücksichtigt werden, dass verschiedene Sprachen unterschiedliche Laute und Zeichen haben, was nicht nur für die Aussprache, sondern auch für die schriftliche Umsetzung von Bedeutung ist. Denn es können Laute in der einen Sprache existieren und in der anderen wiederum nicht. Doch neben den Unterschieden in der Phonetik variieren Sprachen auch in den morphologischen, syntaktischen, lexikalischen und semantischen Bereichen.

Diese Unterschiede innerhalb von zwei Sprachen sollen am Beispiel ‚Deutsch’ und ‚Türkisch’ dargestellt werden. Denn die Türken bilden in Deutschland die höchste Ausländeranzahl und somit werden die meisten Deutsch als Fremdsprache Kurse in Deutschland (vor allem in Berlin) von türkischen Bewohnern besucht. Deshalb ist es auch wichtig, wenn Deutsch als Fremdsprachelehrer den Deutschlernern diese Sprache näher bringen wollen, sich auch mit einigen Schwierigkeiten bzw. Besonderheiten der türkischen und natürlich auch der deutschen Sprache vertraut machen. Denn nur so können Lösungswege zur Fehleranalyse und zur Fehlertherapie gefunden werden.

Grundlegende Eigenschaften der türkischen Sprache zu kennen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Deutschlehrer, der die Interferenzprobleme seiner türkischen Deutschlerner verstehen will bzw. seine didaktischen Lernziele sinnvoll und erfolgreich einsetzen möchte. Die Untersuchung soll daher in erster Linie einen praktischen Nutzen für den "Deutschen als Fremdsprache" Unterricht haben.

Dieses Ziel soll in der vorliegenden Untersuchung auf folgender Weise realisiert werden: Zunächst erfolgt eine allgemeine Information zur türkischen Sprache, die die Anfänge und die Besonderheiten der Sprache erläutert. Anschließend wird die türkische Sprache vorgestellt, angefangen von der Phonetik, der Orthographie, der Morphologie und zuletzt der Syntax. (Auf Semantik und Lexik wird in dieser Arbeit verzichtet, da dies einen größeren Umfang in Anspruch nehmen würde). Dabei wurden die morphologischen und syntaktischen Aspekte der Sprache intensiver als die anderen Bereiche behandelt. Der Sprachvergleich erfolgt jeweils im Anschluss des Türkischen, so dass die Kontraste besonders betont werden.

Der vorliegende Sprachvergleich versucht besonders, den didaktischen Aspekt einer kontrastiven Sprachvermittlung anhand konkreter Beispiele zu berücksichtigen. Um die Darstellung der Beispiele zu veranschaulichen, sind sie mit Farben besonders hervorgehoben worden: Türkische Wörter und Sätze sind ausschließlich in rot geschrieben, wortwörtliche Übersetzungen ins Deutsche sind grün und in Klammern markiert, in blau hingegen sind die deutschen sinngemäßen Übersetzungen. Außerdem wurden folgende Zeichen verwendet:

- eckige Klammern [ ] für phonetische Umschrift
- Schrägstriche / / für Phoneme
- Spitze Klammern < > für Grapheme

1.Allgemeine Informationen zur türkischen Sprache

1.1 Sprachfamilie

Die türkische Sprache gehört zur ural- altaischen Sprachgruppe und weist - allein von der Struktur her- im Vergleich zu Deutsch bzw. zu den anderen westeuropäischen Sprachen recht große Unterschiede auf. Das Deutsche dagegen gehört dem Stamm der germanischen Sprachen an. Die Heimat der türkischen Sprache ist Zentralasien. In den weiteren Gebieten Zentralasiens sowie im iranischen Aserbaidschan, in Afghanistan und in chinesischen Grenzgebieten (genannt Sinkiang) werden verschiedene Turksprachen wie Turkmenisch, Usbekisch, Kirgisisch, Jakutisch, Aserisch, Uigurisch, Tadschikisch usw. von etwa 60 Mio. Menschen als Muttersprache gesprochen.

1.2 Die Entstehung der türkischen Sprache

Mit der Islamisierung der Türkei wurde das Türkische- besonders in der Periode des Osmanischen- stark mit arabischen und persischen Wörtern durchsetzt. Dies betrifft vor allem die Schriftsprache. Die Grammatik wurde von persischem und arabischem Einfluss wenig berührt. Die türkische Orthographie ist 1928 latinisiert worden. Bis dahin wurde das Türkische mit arabischen Schriftzeichen geschrieben. Nach der Einführung des türkischen Alphabets, das sich stark an das Lateinische anlehnt, gründete Atatürk 1932 eine Institution zur Erforschung der türkischen Sprache, die unter anderem für arabische und persische Lexeme türkische finden und verbreiten sollte. Der Einfluss des Persischen und Arabischen zeigt sich aber auch heute noch sehr stark in der Lexik, obwohl für die meisten ursprünglich arabischen oder persischen Wörter rein türkische vorhanden sind.

1.3 Dialekte

Dialektunterschiede sind in der Türkei weniger ausgeprägt als z. B. im deutschen Sprachraum. Sie betreffen vorwiegend den phonetischen Bereich. In der Regel bleibt die Verständigungsmöglichkeit trotz der Dialektunterschiede erhalten.

Die Schriftsprache entspricht dem Türkischen, das in Istanbul gesprochen wird. Eine Unterscheidung in Hoch- und Volkssprache, wie z. B. im Griechischen, gibt es nicht. Unterschiede sind in den verschiedenen Fachbereichen aber auch in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten begründet. In der Sprache des Rechts z. B. werden noch viele Bezeichnungen aus dem Osmanischen benutzt, wodurch Verständnisschwierigkeiten bei Uneingeweihten hervorgerufen werden.

Außerdem werden einige Minderheitensprachen, die in der Türkei weitgehend verboten oder unterdrückt sind, wie das Kurdische, das Griechische, das Lasische und das Armenische, gesprochen.

1.4 Besonderheiten der Grammatik

Das Türkische ist eine synthetische Sprache, d. h. auf der Morphologieebene herrscht das Prinzip der Agglutination (dt. Zusammenballung). Agglutinierende Sprache bedeutet, dass alle grammatischen Beziehungen (Kasus, Numerus etc.) durch Aneinanderreihung bestimmter grammatischer Morpheme an unveränderlich bleibende Wortstämme gekennzeichnet werden. Das Bezugswort ändert dabei durch die Suffixe Inhalt oder Funktion. Wortbildung, Grammatik und Syntax sind nach diesem Prinzip organisiert, d. h. an den Wortstamm wird zum Ausdruck jeder grammatischen Kategorie ein formal eindeutiges und in fester Reihenfolge stehendes Suffix angehängt.

Beispiel: masa masa + lar masa +lar + ımız

Wortstamm (Wst) Wst + Plural (Pl) Ws t+ Pl + Possesivpronomen 1. Pers. Pl

der Tisch die Tische unsere Tische

Im Gegensatz dazu steht das Deutsche als analytische Sprache. Bei analytischen Sprachen werden die grammatisch- syntaktischen Beziehungen im Satz außerhalb des einzelnen Wortes, etwa durch den Gebrauch von Partikeln (z. B. Präpositionen) oder durch die Wortstellung angezeigt.

2. Phonetik

Die türkische Orthographie ist seit der Schriftreform im Wesentlichen phonematisch strukturiert. Dadurch gibt es eindeutigere Phonem-Graphem- Beziehungen als im Deutschen.

Im Allgemeinen steht im Türkischen für die Schreibung eines Phonems nur ein Graphem zur Verfügung und fast immer bezeichnet ein Graphem ein und dasselbe Phonem. Diese klareren Phonem-Graphem-Beziehungen erleichtern das Lesen und Schreiben sehr, wohingegen im Deutschen für die schriftliche Wiedergabe oft mehrere Möglichkeiten vorliegen. Im Großen und Ganzen stimmt der Phonembestand beider Sprachen überein.

Der Vokalbestand im Deutschen ist größer als der im Türkischen, denn das Türkische hat nur 8 Vokalphoneme während beim Deutschen ca. 14 Vokalphoneme sind (siehe Phonemtabelle im Anhang). So kommen im Türkischen /ε:/, /e:/, /Э/, /o:/, /Ø:/, /y:/ nicht vor. /a:/, /i:/, /u:/ treten nur in ursprünglich arabischen Wörtern auf.

2.1 Das Alphabet

Das türkische Alphabet besteht aus 29 Buchstaben und das Deutsche hingegen besteht aus 26 Buchstaben. Die türkischen Buchstaben entsprechen mit wenigen Veränderungen denen des deutschen Alphabets. Abweichende Grapheme wären im Türkischen <ç> [tsch], <ş> [sch], <ı> /Э/ (ähnlich dem unbetonten „e“ am Wortend e), <ğ> /v/ (ähnlich dem Dehnungs- h) und im deutschen Alphabet sind ebenso Grapheme vorhanden, die es im Türkischen nicht gibt, das sind: <w> und <x>. Das deutsche <z> (phonetisch: [ts]), das Dehnungs- <h> gibt es ebenso wie die Affrikata <pf> im Türkischen nicht.

2.2 Akzent und Intonation

Im Türkischen kann man von Wort- und Satzakzent sprechen. Wort- und Satzakzent tendieren dazu, gegen Ende des Wortes bzw. des Satzes aufzutreten. Beim Satzakzent wird der Satzteil, der entsprechend der Bedeutung hervorgehoben werden soll, betont und zwar dort auch nach den Regeln des Wortakzentes. Im Deutschen hingegen liegt der Hauptakzent eines Wortes auf der Stammsilbe (meistens die erste).

Besondere Schwierigkeiten bereiten deutschlernenden Türken die Akzentuierung und Intonation deutscher Sätze und Wörter.

Kurze und lange Vokale

Das Türkische kennt auch keine Unterscheidung zwischen kurzen und langen Vokalen wie im Deutschen, sondern kennt nur Kurzvokale.

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Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638500319
ISBN (Buch)
9783638806688
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54954
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Sprachkontrastive Darstellung Deutsch-Türkisch Proseminar Interkulturelle Kommunikation

Autor

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Titel: Sprachkontrastive Darstellung Deutsch-Türkisch