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Journalismus aus Sicht der Cultural Studies und der Systemtheorie

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Informations- vs. Populärer Journalismus

2 Journalismusforschung heute
2.1 Aktueller Trend
2.1.1 Die Kritik an der momentanen Journalismusforschung
2.2 Was sind Cultural Studies?
2.2.1 Wissenschaftstheoretisches Verständnis
2.2.2 Kulturbegriff
2.2.3 Machtbegriff
2.2.4 Theorien
2.3 Die Systemtheorie

3 Journalismusforschung im Rahmen der Cultural Studies und der Systemtheorie
3.1 Definition
3.2 Gegenstand
3.3 Macht
3.4 Kultur
3.5 Leistung des Journalismus
3.6 Rezipientenrolle
3.7 Empirische Studien

4 Schlusswort

5 Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Erklärung

1 Informations- vs. populärer Journalismus

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat der Journalismus einen Wandel erfahren. Vor allem mit dem Aufkommen der privaten Fernsehanstalten Mitte der 1980er Jahre hat das deutsche Medienpublikum eine Fülle an Unterhaltungsprogrammen erhalten. Der Journalismus, nun zunehmend auf wirtschaftliche Interessen bedacht, hat sich mehr und mehr auf Unterhaltung spezialisiert, zu Lasten des an Fakten orientierten Informationsjournalismus.

„Entpolitisierung“, „Personalisierung“, „Boulevardisierung“, ja, sogar „Schreinemakerisierung“ (Weischenberg 1997, zitiert nach Klaus/Lünenborg 2000) lauten die – meist negativ belasteten – Begriffe, die den heutigen populären Journalismus charakterisieren ( vgl. Klaus/Lünenborg 2000, Renger 2004).

Diese Tendenz ist auch durch das Aufkommen neuer Formate und Genres zwischen Faktizität und Fiktionalität, die insbesondere die aktuellen Fernsehangebote prägen, zu beobachten. Reality-TV, politische Talk-Shows und Doku-Dramen bieten Information und Unterhaltung zugleich (Lünenborg 2002).

„Journalismus ist [...] nicht mehr über seine Informationsfunktion und über die Erfüllung einer öffentlichen, am Gemeinwohl ausgerichteten Aufgabe definierbar, sondern dient zunehmend der Unterhaltung und befriedigt ökonomische Interessen“ (Scholl 1997, S. 483).

Um diese Entwicklung angemessen erfassen zu können, wird der Ruf nach einer veränderten Journalismusforschung laut. Innerhalb der Diskussion in der Deutschen Kommunikationswissenschaft (vgl. Klaus/Lünenborg 2000, Scholl 2000), haben sich zwei Konzepte herauskristallisiert: Der Cultural Studies Approach einerseits und die Systemtheorie auf der anderen Seite.

Die Hauptvertreter im deutschen Raum sind Rudi Renger, Elisabeth Klaus und Margreth Lünenborg, sowie Armin Scholl und Siegfried Weischenberg.

In der vorliegenden Arbeit soll nun der jeweilige Journalismusbegriff der beiden theoretischen Ansatzpunkte herausgearbeitet und gegenübergestellt werden. Ferner werden grundlegende Eigenschaften der beiden Forschungsdisziplinen erklärt und ihr erhoffter Ertrag für die Journalismusforschung erläutert.

Da es kein einheitliches Konzept von Cultural Studies bzw. nicht die Systemtheorie gibt, beschränken sich die folgenden Ausarbeitungen auf die Literatur der oben genannten Vertreter, um den Rahmen der Seminararbeit nicht zu sprengen.

2 Journalismusforschung heute

2.1 Der aktuelle Trend:

Getreu dem Motto „minimale journalistische Leistungen [führen] zu maximalen ökonomischen Erfolg“ (Renger 2004, S. 359) geht das Medienprogramm weg vom Informations- hin zum marktorientierten und populären Journalismus, denn mit Unterhaltungsangeboten können nicht nur mehr Leser bzw. Zuseher erreicht werden, sondern dessen Produktion ist auch noch günstiger als die von Nachrichtenangeboten. Das führt unter anderem auch dazu, dass die Medienmacher zwischen ihrer journalistischen Verantwortlichkeit, die ihnen gesetzlich durch das Grundgesetz und die Staatsverträge auferlegt ist, einerseits und der Verantwortlichkeit gegenüber Märkten, Verlegern, Teilhabern und Geldgebern andererseits stehen. (Renger 2004).

Den Gesetzen der Medienökonomie folgend, ist das Erreichen eines großen Publikums überlebenswichtig für Medien. Und das Publikum konsumiert Medien nicht nur aus kognitiven, sondern viel mehr aus affektiven Gründen. Habitualisierung oder Eskapismus sind nur einige der Gründe, warum Rezipienten ein bestimmtes Nutzungsverhalten zeigen. Zur Befriedigung dieser Bedürfnisse eignen sich Unterhaltungsangebote besser als Orientierungsangebote, die vom Rezipienten größere Aufmerksamkeit fordern. (Lünenborg 2002).

2.1.1 Die Kritik an der momentanen Journalismusforschung

Die Vertreter der Cultural Studies werfen der hiesigen Journalismusforschung vor, nur den Informationsjournalismus zu betrachten und Unterhaltungsprogramme zu marginalisieren. Es gebe jedoch keine strikte Trennung mehr zwischen Nachrichten und Unterhaltung, sondern es tauchten zunehmend Mischformen dergleichen auf. Auch das Publikum teile sich nicht in ein informations- und ein unterhaltungsorientiertes, es suche beides (Klaus/Lünenborg 2000).

Elisabeth Klaus und Margreth Lünenborg (2000, S. 192) machen vier Problemfelder der empirischen Journalismusforschung aus, die es zu beheben gilt. Zum einen kritisieren sie den Fokus auf die Kommunikatorforschung, hierbei die Dominanz der Nachrichtenschreiber, damit einhergehend das Übergewicht an politischen Formaten, die analysiert werden, und schließlich die Exklusion des Publikums aus der Journalismusforschung.

Die Cultural Studies werden als ein geeigneter Forschungsrahmen proklamiert, um die neueren Veränderungen im Journalismus analytisch erfassen zu können.

2.2 Was sind Cultural Studies?

Cultural Studies nehmen ihren Ursprung Ende der 1950er Jahre in Großbritannien und breiteten sich dann vornehmlich im englischen Sprachraum aus. Sie bilden eine kritische Gesellschaftstheorie und sehen Medien im Dreieck von Kultur und Macht. Cultural Studies sind ein Projekt, welches sich mit Alltagskultur, sozialen Ritualen und gesellschaftlichen Machtstrukturen beschäftigt. (Hepp 2004).

Das besondere ist ihr interventionistischer und kontextueller Charakter. Studien der Cultural Studies sind meist politisch motiviert und wollen bestehende Machtverhältnisse in der Gesellschaft aufdecken oder sogar verändern. (Hepp/Winter 1999).

Lawrence Grossberg (1997) prägte das Bild einer „crossroad“, einer Straßenkreuzung für die Definition des Cultural Studies Approach als „ein inter- und transdisziplinäres Projekt, das sich sowohl aus Blickwinkel von Akteuren als auch Strukturen gut zur Analyse von kulturellen Distinktionen und Bedeutungssystemen eignet“ (Renger 2003, S. 157).

Cultural Studies fungieren als ein Sammelbecken für qualitative Forschungsansätze, welches Theorien und Methoden unterschiedlicher Disziplinen vereint. Das Vorgehen ist stark interdisziplinär, quasi eine Bastelei aus theoretischen Ansätzen unterschiedlichster Wissenschaften. (Renger 2003).

Die mittlerweile als eigenständige Disziplin zu betrachtenden Cultural Studies erlebten ihren Boom in Deutschland erst Ende des 20. Jahrhunderts. Noch heute ist dieser Forschungsansatz innerhalb der Kommunikationswissenschaft nicht wirklich etabliert. Es existieren zwar einige Studien zu Aneignungsprozessen und innerhalb der Medienforschung sind Cultural Studies weitgehend bekannt, jedoch gibt es Vorbehalte hinsichtlich des methodologischen und theoretischen Vorgehens (vgl. Renger 2003, Schwer 2005).

2.2.1 Wissenschaftstheoretisches Verständnis

Bei den Cultural Studies steht das handelnde Subjekt in seinem sozialen und historischen Kontext im Mittelpunkt (Klaus/Lünenborg 2000).

Wie schon erwähnt, bevorzugen Studien im Sinne der Cultural Studies qualitative Methoden. Durch die starke Kontextualisierung der Cultural Studies ist die Verwendung von quantitativen Methoden auch gar nicht möglich. Ferner wird der Wissenschaftler in seine Forschung integriert. Er fungiert nicht als neutraler Außenstehender, sondern als Teilnehmer gemäß des interventionistischen Charakters der Cultural Studies. (Schwer 2005).

Diese Art und Weise von empirischer Forschung lässt nur kontextgebundene Theorien zu. Diese können nicht aus ihrer sozialen und kulturellen Umwelt herausgerissen und generalisiert werden. Somit sind die Forschungsergebnisse auch nicht repräsentativ.

Ferner sind Studien der Cultural Studies nicht intersubjektiv nachvollziehbar, da der durchführende Wissenschaftler keine Neutralität gewahrt hat (Schwer 2005).

2.2.2 Kulturbegriff

Der Kulturbegriff der Cultural Studies ist von zwei grundlegenden Paradigmen geprägt (Schwer 2005). Zunächst gibt es die kulturalistische Perspektive, die Kultur im anthropologischen Sinne als alltägliche Lebensweise, als „whole way of life“ (Williams 1977, S. 45) definiert. Hier umfasst Kultur die gesellschaftlichen Bedingungen, nach welchen Normen, Werte und Bedeutungen strukturiert und artikuliert werden, weiter die tägliche symbolische Interaktion zwischen Individuen und Gruppen (Renger 2003).

Als zweite ist die strukturalistische bzw. semiotische Perspektive zu nennen. Kultur wird verstanden „als bedeutungsgenerierendes System [...], durch das soziale Wirklichkeit erst produziert wird“ (Schwer 2005).

Im Gegensatz zu einem engen Kulturbegriff, der mit Hochkultur gleichzusetzen ist, folgen die Cultural Studies einem weiten Kulturbegriff, der auch Populärkultur mit einschließt.

Außerdem ist dieser machtgeprägt und konfliktgeladen. Kultur ist immer mit der Ausführung von Macht verknüpft (Renger 2003) und wird als ein sich kontinuierlich vollziehende sozialer Prozess verstanden, der gesellschaftliche Machtverhältnisse prägt und reproduziert (Schwer 2005).

Allerdings ist auch hier wieder kein kulturelles Produkt und keine kulturelle Praxis außerhalb des Kontexts, in dem sie stehen, fassbar (Hepp 2004).

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638500432
ISBN (Buch)
9783638782555
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54977
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Note
1,3
Schlagworte
Journalismus Sicht Cultural Studies Systemtheorie Journalismusforschung

Autor

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Titel: Journalismus aus Sicht der Cultural Studies und der Systemtheorie