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Archaismus und Aufklärung in Ernst Jüngers "In Stahlgewittern"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 29 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Jünger und „Jünger“

III. Die kollektiven Körper

IV. Natur und Technik

V. Orientierung im Labyrinth der Gräben

VI. Die bare Existenz des Einzelnen

VII. Schlusswort

VIII. Literatur

I. Einleitung

„Denk nicht, schau!“

Wittgenstein

Jüngers Romanerstling „In Stahlgewittern“ ist ein Phänomen, das seit seinem Erscheinen die unterschiedlichsten Reaktionen hervorgerufen hat - von trunkener Begeisterung bis zu bitterster Ablehnung. Dabei ist er einer der wenigen Texte der Kriegsliteratur, der eine weite Verbreitung erfuhr, ohne völlig in ideologischen Trivialitäten zu ertrinken. Auch die Literaturwissenschaft hat sich angestrengt zu ergründen, was es eigentlich ist, das diesem Text seine provokante Wirkung verleiht. So liegen bis heute die verschiedensten Interpretationen vor: Interpretationen, die die mythologisch-religiöse Bedeutungsebene in den Vordergrund rücken; psychoanalytische, die den komplexen Wechselwirkungen von Psyche und Krieg nachspüren. Es gibt politisch motivierte Kritik, die Jüngers amoralische Haltung kritisiert und die offensichtlichen stilistischen Mängel des Buchs ausbreitet; schließlich Interpretationen, die Jünger in einer Tradition des decadence und des Ästhetizismus sehen und ihr Augenmerk auf die Wahrnehmungsweisen richteten, die der Krieg hervorbringt. Wie immer stehen bemerkenswert scharfsinnige Interpretationen neben redundanten Seichtheiten, doch fällt auf, dass gerade bei einem so polarisierenden Autor wie Jünger – wo man Textnähe in der Interpretation erwarten müsste – die meisten Interpretationen nur als Fallbeispiel für ihren Interpretationsansatz erscheinen. Und trotz aller Interpretationen bleibt der Text immer noch als Rätsel stehen. Nun ist es natürlich nicht meine Absicht, das Rätsel dieses Textes aufzuschlüsseln und zu leisten, wozu die anderen - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Lage waren. Meiner Ansicht nach ist Jünger - wie Sade und Nietzsche - ein Autor der „dunklen Aufklärung“. Er reflektiert die Dialektik des Archaischen und der modernen Rationalität in einer ihrer grausamsten Erscheinungsformen: dem ersten Weltkrieg. Wie andere bedeutende Autoren des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts ist er in dem Paradox gefangen, dass er auf das Archaische in all seinen Formen (Mythos, Schmerz und Ekstase) zurückgreifen muss, um das Neuartige seiner Gegenwart – der technisch entfesselten Rationalität – fassen zu können. In dieser Arbeit geht es mir darum, eine Lektüre der Stahlgewitter vorzulegen, die keine geschlossene Deutung darstellt, sondern die Widersprüche zwischen Archaischem und Rationalität akzentuiert und auf verschiedenen Gebieten exemplarisch vorführt. Meine These für diese Arbeit in einem Satz wäre also, dass es diese Widersprüche sind, die die Rätselhaftigkeit des Textes ausmachen und die die zahlreichen Interpretationen provozieren. Dabei fürchte ich kein systematisches abschließbares Wissen zu produzieren. Die verschiedenen Kapitel dieser Arbeit sind eher Wanderungen, die von unterschiedlichen Anfangspunkten durch den Text führen; an manchen Stellen kreuzen sie sich, an anderen scheint kein Zusammenhang zu bestehen oder sich gar zu widersprechen. Mit diesem Vorgehen glaube ich, den inneren Widersprüchen der Stahlgewitter am ehesten gerecht zu werden, die Theorie also dem Text anzupassen und nicht umgekehrt. Am Ende dieser Arbeit hoffe ich aber trotzdem, den Eindruck zu erwecken, das Buch im weitesten durchschritten zu haben.

Trotz dieser methodologischen Einschränkung verzichte ich nicht auf theoretische Vorbilder. In meiner theoretischen Sicht des Krieges, der ja das zentrale Sujet von Jüngers Text ist, wurde ich inspiriert von der Massenanalyse, wie sie Elias Canettis in seinem philosophisch-anthropologischen Hauptwerk „Masse und Macht“ entwickelt hat. Die Parallelen dieser beiden Denker des Archaischen im Modernen reichen in einigen Aspekten sehr weit, klaffen aber an anderen Stellen wiederum weit auseinander. Weil mir nicht daran gelegen ist, die „Stahlgewitter“ an „Masse und Macht“ zu messen, werde ich an diesen Punkten Canettis Massenanalyse verlassen, um stärker auf die Eigenheiten des Jüngerschen Textes einzugehen. Dessen ungeachtet sehe ich in Canettis Ansatz eine Möglichkeit, den Fallstricken einer ästhetisierenden oder moralisierenden Interpretation der Stahlgewitter zu entgehen. Canetti entwickelt in „Masse und Macht“ ein Verfahren des „fremden Blicks“: Er liest Mythen und Quellen aus nicht-europäischen Kulturen und bildet sich aus ihnen strukturale Theorien über die Mechanismen der Macht, die sich auch wieder im europäischen Kontext anwenden ließen. Dieses Verfahren will ich auf Jüngers Stahlgewitter übertragen und eine Lektüre liefern, die den Text als eine ethnologische Quelle zur Conditio Humana zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts betrachtet.

II. Jünger und „Jünger“

„So inhaltlos erschienen mir diese Gedanken, so pompös und ausgewalzt ihre Darlegung, daß ich sie unmittelbar mit Literatur in Verbindung brachte; ich sagte ihm, er solle sie doch niederschreiben. Wie vorauszusehen erwiderte er, das habe er bereits getan.“

Jorge Luis Borges: Das Aleph

Jünger war der erste, der mit „In Stahlgewittern“ das Geschehen des ersten Weltkrieges an die literarische Tradition angliederte und damit der Kriegsgeneration die Möglichkeit einer eigenen Lebensgeschichte lieferte. Um als Sprachrohr der Kriegsgeneration anerkannt zu sein, verfolgte Jünger eine Doppelstrategie: Die Stahlgewitter als literarisches Werk erhielten die Beglaubigung ihrer Authentizität durch den biographisch bezeugten Erfolg des Soldaten Ernst Jünger. Andererseits wurde Jünger als Soldat wiederum durch sein Werk zum Literaten ästhetisiert. Diese beiden Aspekte stehen in einem engen Bezug zueinander, durchdringen sich soweit, dass es ununterscheidbar scheint, ob die Stahlgewitter eine Erzählung oder eine Quelle sind. Volker Mergenthaler stellt in seiner Untersuchung fest, dass in der Forschungsdebatte weitgehend ein naiver Konsens darüber besteht, dass Autor-Ich, Tagebuch-Ich und Stahlgewitter-Ich identisch seien, so dass der Text zu einer Art literarischer Beichte werden muss, aus der man nur den Autor herauszulesen braucht.[1] Wie in jedem Text bleibt der Autor hermeneutisch uneinholbar, doch scheint es Jünger bei den Stahlgewittern gelungen zu sein, die Lektüre über die Paratexte derart zu steuern, dass der naive Leser eine Einheit von Text und Leben zu erkennen glaubt: Der literarische Text erzeugt die Fiktion zugleich auch historische Quelle zu sein.[2]

Jünger steht zudem vor einem anderen Problem, dem der Beschreibbarkeit des Krieges. Ein Text kann nicht einfach die Wirklichkeit des Krieges abbilden. Die sinnliche Wirklichkeit, wie Jünger sie seinerzeit erfahren hat, war selbst ihm sprachlich nicht unmittelbar zugänglich. Seine Aufgabe war es, die Erinnerungen dieser Empfindungen, die er nach einem rationalen Selektionsprozess in seinen Kriegstagebüchern stichwortartig niedergelegt hat, in eine sprachliche Form zu gießen, die es Lesern auf eine noch zu klärende Art ermöglichte, an den Geschehnissen des Kriegs teilzuhaben, ohne ihn selber miterlebt zu haben. Diese Problematik gilt natürlich grundsätzlich für alle Literatur, wo sie den naiven Realismus der Abbildung unterläuft. Gerade aber für die Kriegsliteratur erscheint das Problem bedeutender, da eine Erfahrungsdifferenz zwischen dem kriegserfahrenen Autor und dem kriegsunerfahrenen Leser besteht. Der Autor steht also vor der Aufgabe, diese Differenz zu überbrücken und den Krieg literarisch goutierbar zu machen.[3] In Jüngers Fall gelingt es, indem er sich Anschluss an die literarische Tradition sucht und diese an die Gegebenheiten des ersten Weltkrieges anpasst. Interessant hieran ist, dass der Versuch, den Krieg durch Bezüge auf das literarische Erbe zu beschreiben, zu einigen völlig neuen Formen führt, andererseits aber auch viele zufällige Strukturähnlichkeiten zu anderen Schriftstellern sich finden lassen, z.B. zu Marinetti oder einigen früheren Expressionisten. Letztlich bleibt aber für unsere Problemstellung die Frage müßig, ob der erste Weltkrieg diese literarische Strukturgleichheit erzwang oder ob doch direkte Intertextualität vorlag.

Literarisch konnten die Stahlgewitter an einige Motive des Expressionismus anknüpfen: Der Vater als Chemiker steht für die positivistisch-naturwissenschaftlich geprägte Einstellung und die überkommenen starren Verhältnisse der Wilhelminischen Zeit. Jünger musste die Erfahrung machen, dass ein einfacher Ausbruchsversuch in die vermeintliche Wildnis – das gescheiterte Afrikaabenteuer – nicht ausreicht, um dem Einfluss des Vaters zu entkommen.[4] Eine Flucht ist unmöglich, Europa scheint überall. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs dagegen verspricht eine neue Möglichkeit „dem lähmenden Dasein des Zeitalters der Sicherheit“ zu entkommen. Die Richtung ist dieses Mal eine andere: Jünger bewegt sich nicht von Europa fort, sondern durch es hindurch. Der erste Weltkrieg wird für Jünger das Schlüsselerlebnis zur Deutung der Moderne.[5] Es ist das europäische Erlebnis par excellance, erstmals wird das Wesen der abendländischen Aufklärung - die Technik - offen entfesselt. Jünger gelangt in den Stahlgewittern zu der Überzeugung (bis zu seiner Wende „an den Marmorklippen“), dass die Krisenhaftigkeit der Moderne nicht überwunden werden kann indem man vor ihr flieht, sondern dass sie nur durch eine Perfektionierung ihrer eigenen Mittel und Verschärfung ihrer Tendenzen überwunden werden kann. Diese Überzeugung wird von Jünger in verschiedenen Geschichten und Essays weitergebildet, bis sie schließlich im Großessay „der Arbeiter“ seine definitive theoretische Form findet. Die Tendenz des europäischen Nihilismus, die im Positivismus schon angelegt ist, muss verschärft werden, bis zur Erreichung des historischen „Nullpunkts“. Der Bürger des überkommenen Wilhelminismus soll transformiert werden in den Arbeiter des technischen Zeitalters. Die ersten Exemplare des Arbeiters als Typus tauchen in den Schützengräben des ersten Weltkriegs auf: Sie sind eine neue Art von Held. Unter dem ständigen Beschuss der Materialschlacht haben sie selbst den Nullpunkt des Nihilismus durchschritten, sie zeichnet nicht mehr die überkommene physisch-psychische Individualität des bürgerlichen Zeitalters aus, sondern die Fähigkeit mutig in jede Situation zu springen und sie zu meistern, gespeist aus einer unerschöpflichen Quelle der Gleichgültigkeit (ggü. dem Tod, der Gefahr, den Feinden usw.)[6]. Sie sind eine Kreuzung aus Nietzscheanischen Übermenschen und entindividualisiertem Industrieproletariat. Dem Krieg kommt also nicht nur eine geschichtsmächtige, sondern auch eine anthropologische Funktion zu: er wird metaphysisch erhöht zur „Schule des neuen Menschen“.

III. Die kollektiven Körper

„Ohne Harmonie im Staate kann kein militärischer Feldzug unternommen werden; Ohne Harmonie in der Armee kann kein Kampfverband gebildet werden“

Sunzi: die Kunst des Krieges

Jüngers Stahlgewitter setzt mitten im Krieg ein: Die Kriegsmaschinerie ist bereits entfesselt und Jünger wird erst in einer zweiten Rekrutierungswelle eingezogen. Zu Beginn ist er von großer Begeisterung überwältigt:

„Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. „Kein schönrer Tod ist auf der Welt…“ Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen!“[7]

Zentral an dieser Textstelle ist, was Canetti in seiner Massenanalyse als „Entladung“ bezeichnet. Was an der historischen Situation zuvor als beklemmend erlebt wurde - die bedrückende Sicherheit des Wilhelminismus – entlädt sich in einer Massenbewegung. Die Reihung von Studenten, Schülern und Arbeitern in einem Satz zeigt an, dass Jünger es empfindet, als würden die sozialen Hierarchien einschmelzen, die im bürgerlichen Leben die Menschen voneinander trennen. Sein elitäres Bewusstsein wird sich erst später herausbilden. Klaus Theweleit interpretiert diese Stelle ähnlich, aber unter dem psychoanalytischen Gesichtspunkt, dass der soldatische Mann noch keine Vaterüberwindung geleistet hat, deshalb noch nicht ganz zu Ende geboren, noch unvollständig ist. Er sucht deshalb Organisationen als Mütterleiber auf, in denen er ganz sein kann.[8] Canetti beschreibt den Krieg als eine Bildung von Doppelmassen, die sich gegenseitig mit dem Tode bedrohen. Erst mit der Todesdrohung setzt die Identitätsbildung der Gruppe ein, indem die Kriegserklärung als eine Drohung gegen jedes einzelne Mitglied der Masse verstanden wird.

„Ab und zu, beim Schein einer Leuchtkugel sah ich Stahlhelm an Stahlhelm, Klinge an Klinge blinken und wurde von einem Gefühl der Unverletzbarkeit erfüllt. Wir konnten zermalmt, aber nicht besiegt werden.“[9]

Der kollektive Körper[10], der hier als Meer von Stahlhelmen charakterisiert ist, findet nach Canetti im gegnerischen Kollektivkörper eine Manifestation des Todes. Der Tod ist nicht mehr der unbekannte Tod, der jeden Einzelnen bedroht, sondern er hat das Gesicht des Gegners angenommen und damit eine Gestalt bekommen, die gemeinsam bekämpft werden kann. Das Gefühl der Unverletzbarkeit, das Jünger überkommt, ist die Identifikation des Einzelnen mit der gesamten kämpfenden Masse; die Gefahr der Zermalmung betrifft so nur noch das Mitglied der Masse, nicht aber die Masse selbst. Sie selbst erscheint unbesiegbar. Der Vorgang der Identifikation mit der Masse wird noch deutlicher an einer Textpassage kurz vor dem Ausbruch der großen Schlacht:

„Der Endkampf, der letzte Anlauf schien gekommen. Hier wurde das Schicksal von Völkern zum Austrag gebracht, es ging um die Zukunft der Welt[11]. Ich empfand die Bedeutung der Stunde, und ich glaubte, daß jeder damals das Persönliche sich auflösen fühlte und daß die Furcht ihn verließ.“[12]

Die Doppelmassen stehen sich gegenüber mit der Entschlossenheit eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Die Zuspitzung, sich als Masse dem Tod entgegen zu stellen, benötigt die totale Identifikation jedes Einzelnen mit dem Kollektiv. Es scheint, als könne der Endkampf nur gewonnen werden, wenn die Masse völlig homogenisiert ist. Und andersherum wird der Einzelne auch erst durch die gelungene Identifikation mit der Masse befreit von der Furcht des einsamen Todes.

Nach den ersten Kampfhandlungen macht Jünger, als Vorbereitung zu seiner Offizierslaufbahn, einige Ausflüge, um die Mechanismen des Krieges hinter der Front kennen zu lernen.

[...]


[1] Volker Mergenthaler: Versuch, ein Dekameron des Unterstandes zu schreiben, Heidelberg 2001, S. 37 ff.

[2] Die Authentizität der Stahlgewitter sind Michael Gnädinger zu Folge durch zwei Faktoren wesentlich bestimmt: zum einen die Doppellegitimierung des Schriftstellers Jünger durch den hoch dekorierten Soldaten Jünger und vice versa. Zweitens durch das lange Leben Jüngers, das bewirkte, dass er als einziger prominenter noch lebender Zeitzeuge in aktuellen Diskussionen seine Deutungshoheit ausweiten konnte. Siehe auch: Michael Gnädinger: Zwischen Traum und Trauma – Ernst Jüngers Frühwerk, Frankfurt 2003, S. 14 ff

[3] Peter Koslowski sieht Jüngers Frühwerk als „Epos des modernen Krieges“ an. Um von der Verschränktheit von Opfer und Täter im Krieg zu erzählen ohne auf fragwürdige ethische Kategorien zurückgreifen zu müssen, bedient sich Jünger der vormodernen Erzählform des Mythos. Vgl. Peter Koslowski: Der Mythos der Moderne – Die dichterische Philosophie Ernst Jüngers, München 1991, 38 ff

[4] Vgl. Helmuth Kiesel: Wissenschaftliche Diagnose und dichterische Vision der Moderne: Max Weber und Ernst Jünger, Heidelberg 1994, S. 85 ff

[5] Sehr scharfsinnig sieht K.H. Bohrer in Jünger das Paradigma des modernen Schriftstellers, das darin besteht, dass der Schriftsteller sich in dem Paradox befindet, sich im archaischen Gestus zurückbewegen zu müssen, um eine neue Bewusstheit für Gegenwart und Zukunft zu erhalten. In dieser Perspektive ist letztlich auch Jüngers Abwendung von den aufklärerischen Elementen der Moderne zu sehen. Siehe: Karl Heinz Bohrer: Die Ästhetik des Schreckens – Die pessimistische Romantik und Ernst Jüngers Frühwerk, München 1978, S. 76

[6] Kron zu Folge schafft Jünger einen neuen Heldenbegriff, der nicht mehr die physisch-psychische Verfassung des Einzelnen im Mittelpunkt stehen lässt, sondern das Exemplarische seines Schicksals in den Vordergrund rückt. Dieser Held ist nur noch das Exemplar eines Kollektivs, seine subjektiven Erlebnisse sind nur Ausdruck einer kollektiven Gestimmtheit. Deshalb wird in den Stahlgewittern weder von Vorgeschichte, Gefühlen, noch dem weiteren Werdegang „Jüngers“ berichtet. Vgl. Kron, Jürgen: Seismographie der Moderne: Modernität und Postmodernität in Ernst Jüngers Schriften von In Stahlgewittern bis Eumeswil, Frankfurt 1998 S. 33 ff.

[7] Ernst Jünger: In Stahlgewittern, S. 7

[8] Klaus Theweleit: Männerphantasien Bd. II: Männerkörper – zur Psychoanalyse des weißen Terrors, München 2000, S. 212

[9] In Stahlgewittern, S. 113

[10] Siehe auch: Steffen Martus: Ernst Jünger, Stuttgart 2001, S. 28

[11] Martin Meyer verweist auf eine interessante Differenz zwischen der zitierten Stuttgarter Spätfassung und der Urfassung, in der es heißt: „Es ging um den Besitz der Welt.“ Die Metapher des Besitzens deutet Meyer als Bestreben Jüngers, sich der entgleitenden Welt ein für alle Mal zu versichern und so die Sehnsucht nach einer Rückkehr in den Urzustand zu stillen. Vgl. Martin Meyer: Ernst Jünger, München 1990, S. 38

[12] In Stahlgewittern, S. 259f.

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638500463
ISBN (Buch)
9783638662093
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54983
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
1,0
Schlagworte
Archaismus Aufklärung Ernst Jüngers Stahlgewittern Hauptseminar

Autor

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Titel: Archaismus und Aufklärung in Ernst Jüngers "In Stahlgewittern"