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Thomas Hobbes' Leviathan: Die Entstehung des Leviathan und die Folgen für Mensch und Staat

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hobbes’ Grundannahmen
1. Der Mensch im Naturzustand
2. Der Naturzustand und der Krieg aller gegen alle

III. Vom Naturzustand zum Staat
1. Die Entstehung des Staatsvertrags
2. Der Leviathan, seine Rechte und Pflichten
3. Der Bürger, seine Rechte und Pflichten

IV. Schluss

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Thomas Hobbes gilt auch heute noch als einer der wichtigsten politischen Denker, die jemals gelebt haben und daher sind seine Theorien aus Lehrplänen und Studienordnungen nicht mehr wegzudenken. Hobbes entwickelte im 17. Jahrhundert eine Staatstheorie, die im Gegensatz zu anderen Denkern seiner Zeit, die sich für die Freiheit des Volks eingesetzt haben (Locke, etc.), für einen absolutistischen Staat argumentierte und versuchte somit eine absolutistische Herrschaft zu legitimieren. Auch prägte Hobbes einen wichtigen Aspekt der Anschauung des Menschen: Die Feststellung, dass jeder Mensch eine schlechte Seite in sich trägt. Somit ist sein Einfluss auf die heutige Zeit nicht abzustreiten.

Das Hauptziel dieser Hausarbeit aber soll sein, aufzuzeigen, wie Hobbes in seinem Staatsmodell die Entwicklung vom Naturzustand bis hin zum Staat darstellt und welche Folgen dies sowohl für Herrscher als auch Beherrschte mit sich trägt. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf das Phänomen der Abgabe der eigenen Souveränität des Menschen an einen einzelnen Herrscher gelegt werden. Um analysieren zu können, wie Hobbes die Herrschaft des Leviathan legitimiert, müssen zunächst einmal die Grundannahmen dargestellt werden, von denen Hobbes ausgeht. Dabei wird der Fokus auf die Beschreibung des Menschenbilds und des Naturzustands in Hobbes’ Theorie gerichtet. Wie sieht Hobbes den Menschen an sich? Wie sieht eine Gesellschaft ohne bindende Regeln und Gesetze aus? Diese Fragen sollen zuerst geklärt werden, bevor auf die Entstehung des Staates eingegangen wird. Im dritten Teil möchte ich die Entwicklung vom Naturzustand hin zum Leviathan, dem Staat, darstellen. Hier soll geklärt werden, wie es dazu kommt, dass der Mensch seine individuelle Souveränität größtenteils an einen Staat abgibt. Was erhofft der Mensch sich davon? Mit welchen Pflichten ist dies für den Staat verbunden? Welche Rechte erlangt der Mensch dadurch? Am Schluss sollen die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst werden, um die Entwicklung des Naturzustands zum Staat hin mit Blick auf die menschliche Souveränität aufzuzeigen.

II. Hobbes’ Grundannahmen

1. Der Mensch im Naturzustand

Thomas Hobbes geht in seiner Arbeitsweise rein wissenschaftlich vor, und so verwundert es auch nicht, dass er den Menschen zunächst einmal als „matter in motion“ bezeichnet[1] ; Materie in Bewegung. Somit ist der Mensch erst einmal nicht mehr als ein Tier. Doch der entscheidende Unterschied ist die dem Menschen naturgegebene Reflektionsgabe[2]. Der Mensch ist aber nicht nur mit Vernunft, sondern auch mit einer Sprachbegabung ausgestattet, was ihn dazu befähigt, Vergangenes in Erinnerung zu behalten und über Zukünftiges zu spekulieren[3]. Des weiteren ist der Mensch getrieben von Leidenschaften, die von Mensch zu Mensch gleich sind, sich allerdings in den Objekten ihrer Begierde unterscheiden[4]. Der Streit über diese begehrten Güter macht die Menschen untereinander zu Feinden[5] und treibt den Menschen letztendlich in den Krieg aller gegen alle[6]. Dieser Punkt soll aber weiter unten ausführlicher behandelt werden.

Bei näherer Betrachtung der Hobbesschen Beschreibung des Menschen fällt auf, dass in erster Linie zwei Merkmale das Individuum im Naturzustand charakterisieren. Als erstes wäre das Streben nach Selbsterhaltung zu nennen[7]. Der zweite Punkt besteht in der Gleichheit des Menschen in Körper und Geist[8]. Hobbes sagt, dass alle Menschen von Natur aus in Körper und Geist grundsätzlich gleich sind. Manch einer sei körperlich stärker als ein anderer, ein anderer möglicherweise geistig überlegen. Diese minimalen Unterschiede sind in Hobbes’ Anschauung allerdings zu vernachlässigen, da die eigenen Schwächen zur Selbsterhaltung im Naturzustand immer durch Zusammenschlüsse mit anderen oder mit Waffengewalt ausgeglichen werden können[9]. Aus dem Problem der eigenen Existenzsicherung ergibt sich für den Menschen die Wichtigkeit, Macht und Machtmittel zu akkumulieren, da es keine staatliche Instanz gibt, die für die individuelle Sicherheit sorgen könnte[10]. Die Gleichheit, von der Hobbes ausgeht, macht das Individuum zu einem universellen Geschöpf ohne Gesicht und ohne herausragende Eigenschaften oder Interessen[11]. Durch die konstante Unsicherheit, in der der Mensch lebt, wird sein Egoismus zu einem herausragenden Charakteristikum. Seine primären Anliegen bestehen darin, seine Existenz zu sichern und begehrte Güter anzuhäufen.

Im „Leviathan“ betrachtet Hobbes den Menschen isoliert, ohne jegliches gesellschaftliches Gefüge. Er veranschaulicht so die Tatsache, das der Mensch erst einmal Mensch ist, ohne durch die Gesellschaft definiert zu werden[12]. Durch diese theoretische Isolation kommt Hobbes zu der Annahme, dass der Mensch für sich selbst entscheiden kann und muss. Hiermit wird die Mutmaßung, das der Mensch einen freien Willen hat, verdeutlicht[13].

Vereinfacht wird oft behauptet, Hobbes sage, der Mensch sei von Natur aus böse. Begründet wird diese Behauptung oft mit dem Zitat von Hobbes „homo homini lupus“ – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Jeder Mensch denkt in dieser isolierten Situation also zuerst einmal an das eigene Wohl; vorangestellt natürlich das Überleben und die Erhaltung des eigenen Besitzes. Alle sind durch alle anderen gleich gefährdet. Somit werden Menschen, sofern sie das gleiche Gut begehren welches nicht teilbar ist, zu Feinden[14]. Daraus ergibt sich durchaus eine feindliche Einstellung gegenüber anderen, die allerdings nicht auf purer Bösartigkeit des Menschen beruht, sondern aus Egoismus aus einer Situation heraus.

Wie sich dieser egoistische Mensch im Naturzustand verhält soll im nächsten Abschnitt geklärt werden.

2. Der Naturzustand und der Krieg aller gegen alle

Hobbes lehnt die Vorstellung ab, dass der Mensch von Geburt an ein soziales Wesen ist ab, und schafft somit die Grundlage für die Annahme eines Naturzustands, der als theoretische Abstraktion gesehen werden muss[15]. Dieser ist ein Konstrukt, in dem die bürgerliche Gesellschaft aufgelöst wird und der Mensch alleine ist[16]. Der Naturzustand ist charakterisiert durch die Abwesenheit von bindenden Regeln oder Gesetzen. In dieser Situation hat der Mensch das Recht alle Mittel zu ergreifen, mit denen er seine eigene Sicherheit und seinen Besitz zu erhalten versucht[17]. Hobbes legitimiert das Kriegsrecht in dieser Situation damit, dass es in einem Zustand kompletter Anarchie kein Unrecht geben kann, da keine Gesetze existieren, gegen die man verstoßen könnte[18]. Somit findet sich der Mensch in einem Krieg aller gegen alle wieder. Hobbes definiert Krieg als einen Zustand, in dem keine Gesetze existieren, die dem Menschen Erfurcht einflößen. Dieser Krieg ist der eines jeden gegen jeden. Der Kriegszustand besteht nicht primär darin, dass Kämpfe stattfinden, sondern allein schon darin, dass keine Zusicherung für das Gegenteilige, also Frieden, besteht[19]. Der Naturzustand ist dabei nur die logische Ableitung aus der Natur des Menschen, die von Selbsterhaltung und Egoismus geprägt ist. Da jeder Mensch durch alle anderen gleich gefährdet ist[20], kommt es zu Konflikten, die mehrere Ursprünge haben können.

Hobbes nennt drei Hauptgründe, weshalb Menschen im Naturzustand in Konflikt miteinander geraten[21]. Der erste Punkt ist der Wettbewerb; hierbei versucht der Mensch anderen ihre Güter wegzunehmen, um sich selbst zu bereichern. Das am häufigsten eingesetzte Mittel hierbei ist Gewalt. Der zweite Grund ist Misstrauen. Der Mensch hat im Naturzustand nichts als seinen eigenen Besitz und um diesen zu beschützen, muss er präventiv gegen seine Feinde vorgehen, um seinen Besitz zu verteidigen, da er konstant auch der Gefahr ausgesetzt ist, Opfer eines Angriffs zu werden. Der dritte und letzte von Hobbes angesprochene Punkt ist Ruhm. Je mehr Menschen er unterwerfen kann, desto höher der Respekt und die Angst, aber auch die Anerkennung der Feinde[22].

Das naturgegebene Streben nach Macht hat, genau wie der Naturzustand, kein natürliches Ende[23]. Das Streben nach Macht endet genau mit dem Tod, wobei der Naturzustand durch menschliche Vernunft überwunden werden muss. Der Mensch hat sich um Frieden zu bemühen, falls er jedoch nicht hergestellt werden kann, hat er das so genannte „Right to every thing“[24]. Er darf z.B. dem Körper eines anderen alles antun[25]. In diesem Zustand kann sich folglich kein Mensch sicher fühlen, was allerdings ein Hauptanliegen seiner Spezies ist. Neben der mangelnden Sicherheit des Individuums durch die ständige Bedrohung durch andere, fällt auch der Sinn von körperlicher Arbeit aber auch von kulturellen Aspekten weg, da die Früchte der Arbeit ungewiss sind[26]. Ein Punkt, in dem sich jedoch alle Menschen einig sind, ist, dass der Kriegszustand als solcher nicht wünschenswert ist und somit überwunden werden muss. Frieden ist gut und das ultimative Ziel der Menschheit besteht in der Erreichung desselbigen.

Durch die Gleichheit der Menschen, die sich nicht nur in der körperlichen Ausstattung, sondern auch in den selben Lebensumständen widerspiegelt, ergibt sich logischerweise auch die Gleichheit der Gefährdung. In dem ständigen Kampf um die Erhaltung des eigenen Lebens weisen Vernunft und einige Leidenschaften dem Menschen den Weg zu einem gemeinsamen positiven Gut: dem Streben nach Frieden, das zu Hobbes Naturgesetzen gehört[27]. Somit wird unter der Berücksichtigung der Naturgesetze ein Staatsvertrag abgeschlossen, dessen genaue Entstehung Thema des nächsten Abschnitts sein soll.

[...]


[1] vgl. Willms, Bernard, Die Antwort des Leviathan. Thomas Hobbes’ politische Theorie; Hermann Luchtermann Verlag GmbH; Neuwied und Berlin; 1970; S. 83

[2] ebda.

[3] vgl. Hobbes, Thomas, Leviathan; Edt. Richard Tuck – Revised Student Edition, Cambridge University Press;

Cambridge; 2005 (8. Aufl.); S. 24 f

[4] vgl. Zarka, Yves Charles; The Political Subject; in: Leviathan after 350 years; Sorell, Tom und Luc Foisneau (Hrsg.); Oxford University Press; Oxford; 2004; S. 170

[5] vgl. Hobbes, S. 86-88

[6] ebda.

[7] vgl. Hobbes, S. 92

[8] vgl. Hobbes, S. 86-88

[9] ebda.

[10] vgl. Speth, Rudolf; Thomas Hobbes; in: Demokratie-Theorien – Von der Antike bis zur Gegenwart; Breit, Gotthard und Peter Massing (Hrsg.); Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts.; 2002 (2. Aufl.).

[11] vgl. Zarka S. 167 f

[12] vgl.Freund, Julien; Anthropologische Voraussetzungen zur Theorie des Politischen bei Thomas Hobbes; in: Furcht und Freiheit; Bermbach, Udo und Klaus-M. Kodalle (Hrsg.); Opladen; Hamburg; 1982; S. 111

[13] vgl. Willms, S. 91

[14] vgl. Hobbes, S. 87

[15] vgl. Freund, S. 108

[16] vgl. Willms, S. 91

[17] vgl. Hobbes, S. 91

[18] vgl. Hobbes, S. 90

[19] vgl. Hobbes, S. 88-89

[20] Schelsky, S. 335

[21] vgl. Hobbes, S. 88

[22] ebda.

[23] vgl. Willms, S. 112

[24] vgl. Hobbes, S. 91

[25] ebda.

[26] vgl. Hobbes, S. 89

[27] vgl. Hobbes, S. 92

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638501941
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55166
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Johannes Gutenberg
Note
2,7
Schlagworte
Thomas Hobbes Leviathan Entstehung Folgen Mensch Staat

Autor

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Titel: Thomas Hobbes' Leviathan: Die Entstehung des Leviathan und die Folgen für Mensch und Staat