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Portfolioanalyse als Instrument absatzpolitischer Entscheidungen

Erstellung eines Wandplakates unter besonderer Berücksichtigung der Förderung der Methodenkompetenz

Unterrichtsentwurf 2005 27 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

1. Angaben zur Lerngruppe

1.1 Lerngruppenzusammensetzung

Die Klasse 04HH2 ist eine Unterstufe der zweijährigen Berufsfachschule und besteht aus 20 Schülern/Schülerinnen, 8 Schülerinnen und 12 Schülern im Alter von 16 bis 21 Jahren. Neben 14 deutschen Schülern bilden 3 türkische Schüler, eine iranische Schülerin, eine Schülerin aus Mazedonien und ein Schüler aus dem Libanon die Klassengemeinschaft. Im Unterrichtsgespräch sowie bei der Bearbeitung von schriftlichen Arbeitsaufträgen bestanden bisher keine sprachlichen Schwierigkeiten.

1.2 Besonderheiten der Lerngruppe

Die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Schüler[1] sind als heterogen einzustufen. Neben vier Leistungsträgern gibt es drei äußerst schwache Schüler.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die vier Leistungsträger in der Klasse beteiligen sich rege am Unterricht, in dem sie regelmäßig qualitativ gute Beiträge zum Unterricht beitragen. Im Vergleich zum Rest

der Klasse verfügen sie über ein hohes Abstraktionsvermögen. Die drei schwächeren Schüler können nur wenig abstrahieren. Ein Schüler von ihnen sucht zurzeit einen Ausbildungsplatz, und bleibt aufgrund von Bewerbungsgesprächen und Einstellungstests auch öfters dem Unterricht fern. Allerdings ist in den letzten Stunden ein deutliches Bemühen dieses Schülers zu erkennen. Er meldet sich und präsentiert freiwillig die Arbeitsergebnisse seiner Arbeitsgruppe. Die unterschiedlichen Leistungsniveaus und -verhalten der Schüler werden durch die Lehrkraft dadurch aufgefangen, dass die stilleren und weniger motivierten Schüler regelmäßig im Unterrichtsgespräch angesprochen und zur Unterrichtsbeteiligung aufgefordert werden. Die leistungsstarken Schüler müssen ihre Meldungen zeitlich zurückstellen.

Das Lernklima in der Klasse ist offen und freundlich. Auffällig ist in diesem Zusammenhang der harmonische Umgang der Schüler untereinander.

1.3 Ausprägungen der Kompetenzbereiche in der Lerngruppe

Bei der Beurteilung des Leistungsvermögens dieser Lerngruppe ist die Handlungskompetenz insgesamt in einem durchschnittlichen Bereich einzustufen.

- Fachkompetenz / Sprachkompetenz

Bei dem Umgang mit betriebswirtschaftlichen Problemstellungen zeigen die Schüler ein unterschiedliches Leistungsniveau. Einige Schüler zeigen sich kompetent bei der Bearbeitung von Aufgabenstellungen, während es den schwächeren Schülern schwer fällt, Ergebnisse eigenständig zu fixieren. Im Zusammenhang mit dem Thema der Unterrichtsreihe sind die Schüler in der Lage Marketinginstrumente zu nennen, Marketingziele zu formulieren, und diese auf konkrete Fallsituationen anzuwenden.

Der Produktlebenszyklus ist den Schülern bekannt. Sie kennen die einzelnen Phasen des Lebenszyklus und können die Umsatzentwicklung der Produkte in den einzelnen Phasen nennen.

Einzelnen Schülern fällt es schwer, sich in einer adäquaten Weise mündlich wie schriftlich auszudrücken.

- Personal- und Sozialkompetenz

Kennzeichen der Klasse ist ein überaus positives Klassenklima, das am freundlichen Umgangston untereinander und der Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfestellung ablesbar ist. Es sind keine Gruppenbildungen zu beobachten. Die leistungsstarken Schüler unterstützen die schwächeren Schüler in der Klasse bei komplexen wie auch bei einfachen Arbeitsaufträgen. Sie sind offen für eine Kritik ihrer Ergebnisse, was im Wesentlichen aus dem angenehmen Klassenklima und der guten Sozialkompetenz der Lerngruppe resultiert.

Ich hatte die Möglichkeit, die Klasse außerhalb des Unterrichts, als wir mit der Lehrerfußballmannschaft gegen diese Klasse gespielt haben, kennen zu lernen. Mein positiver Eindruck in Bezug auf das Sozialverhalten der Klasse wurde bestärkt. Der Zusammenhalt in der Klasse wurde zudem dadurch deutlich, dass die Mannschaft der Schüler durch einige Mitschüler lautstark unterstützt wurde.

- Methodenkompetenz

Seit Beginn des Schuljahres wurde auf Schülerselbstständigkeit großen Wert gelegt. Bei der häufig durchgeführten Gruppenarbeit konnte beobachtet werden, dass die Schüler sehr lange brauchen, bis sie Arbeitsergebnisse hervorbringen. In den letzten Wochen haben die Schüler durch Einführung eines Zeitwächters in den Gruppenarbeitsphasen das Einhalten von strikten Zeitangaben geübt. Bei der Foliengestaltung fällt es den Schülern noch schwer, Zusammenhänge in Stichworten bzw. kurzen Sätzen zusammen zu fassen. Die Metaplan-Technik ist den Schülern ebenso vertraut wie die Methoden des Mind-Mapping und des Brainstormings. Die Einübung und Beobachtung von Rollenspielen ist zum Ende der Unterrichtsreihe geplant. Das Präsentieren von Arbeitsergebnissen vor einem Plenum ist den Schülern bekannt, allerdings muss durch den Einsatz verschiedener Präsentationstechniken und -medien die Methodenkompetenz noch verbessert werden.

1.4 Unterrichtseinsatz in der Klasse

Die Klasse ist mir seit dem 12. Januar 2005 durch Hospitationen in dem Teilbereich Betriebswirtschaftslehre des Faches RW/B (Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen) bekannt. Ich erteile seit vier Unterrichtswochen, d.h. seit dem 18. Februar 2005 die zwei Wochenstunden in dieser Unterstufe. Diese Klasse erhält wöchentlich 3 Stunden Unterricht im Teilbereich Rechnungswesen und 2 Stunden Unterricht im Teilbereich Betriebswirtschaftslehre. In der ersten Woche habe ich den Unterricht alleine ohne Anleitung geführt. Mein Ziel war es, einen besseren Bezug zu der Klasse zu bekommen. Meine Unterrichtserfahrungen in dieser Klasse sind sehr positiv, da sich die Schüler mir gegenüber sehr freundlich und aufgeschlossen verhalten.

2. Didaktisch-methodische Analyse

2.1 Vorgaben der Richtlinien/ Legitimation des Themas

Das Thema der heutigen Stunde wird durch den Lehrplan für die zweijährige Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung (Höhere Handelsschule) legitimiert. In diesem finden sich die Inhalte der heutigen Stunde im Themenbereich Absatzwirtschaft der Jahrgangsstufe 11 des Faches Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen wieder.

Die vorläufige didaktische Jahresplanung des Robert-Schuman-Berufskollegs sieht die Behandlung der Unterrichtsreihe „Absatzmarketing“ in der Unterstufe im Fach RW/B vor.

2.2 Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die heutige Stunde erfolgt in Form eines didaktischen Fensters, damit den Schülern genügend Zeit gegeben wird, sich in die komplexe Thematik einzuarbeiten. Meine Beobachtungen in dieser Lerngruppe haben ergeben, dass die Schüler sehr viel Zeit in den Gruppenarbeitsphasen benötigen, um zu Ergebnissen zu kommen. In den letzten Stunden wurde von mir deshalb ein Zeitwächter eingeführt, der für die Einhaltung der Zeit verantwortlich ist. Der Zeitwächter bekommt eine Zeitwächterkarte, die ihn an seine Verpflichtung erinnern soll. Zudem habe ich bei der Durchführung unterschiedlicher Methoden (z.B. Mind-Map) festgestellt, dass die Schüler Freude daran haben, etwas zu gestalten und dabei kreativ zu sein. Einzelne Schüler neigen aber dazu, die Arbeitsaufgaben aus den Augen zu verlieren, so dass Sie von der Lehrkraft darauf hingewiesen werden müssen, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Aufgrund der Heterogenität der Lerngruppe, resultierend aus völlig unterschiedlichen Vorerfahrungen der einzelnen Schüler, werden in einer Präsentationsphase sehr viele unterschiedliche Punkte/Argumente von den Schülern genannt.

2.3 Hauptintention

Der didaktische Schwerpunkt der heutigen Stunde liegt darin, dass die Schüler die wirtschaftliche Situation der Zart & Bitter GmbH mit Hilfe der Portfolioanalyse beschreiben können. Sie sollen nicht nur lernen, wie Produkte in eine Portfoliomatrix eingeordnet werden, sondern auch den Zusammenhang zu einem konkreten Beispiel verstehen und erklären können.

2.4 Didaktische Reduktion

Aufgrund der hohen Komplexität eines Modells wie der Portfolioanalyse, muss die Darstellung der Portfolio-Matrix stark vereinfacht werden. Um die Schüler nicht zu überfordern, wird auf die Verwendung von bestimmten Fachbegriffen (Strategische Geschäftseinheiten, desinvestieren, abschöpfen etc.) verzichtet. Stattdessen wird auf für Schüler sofort verständliche Begriffe wie z.B. Produkte, beobachten, fördern zurückgegriffen. Auf die Verdeutlichung des Umsatzvolumens von Produkten durch unterschiedlich große Kreise wird verzichtet.

Zudem wird auf eine ausführliche kritische Beurteilung der Portfolioanalyse der Boston Consulting Group nicht eingegangen. Mit einer Erörterung dieser Problematik, wäre die Lernkapazität der Schüler sicherlich erheblich überschritten. Es erfolgt eine Reduktion darauf, dass die Schüler die Vorteile der Portfolioanalyse gegenüber dem Produktlebenszyklus erkennen. Sie erkennen, dass die Portfolioanalyse einen Überblick über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche des Unternehmens vermittelt, somit Informationslieferant für die Marketingplanung ist, und die Ableitung von strategischen Stoßrichtungen zulässt.

2.5 Methodisches Vorgehen

Zu Beginn der Unterrichtsreihe wurde von mir das Unternehmen Zart & Bitter eingeführt. Es handelt sich um einen Schokoladenhersteller mit Sitz in Essen-Werden, dessen Hautabnehmer Supermärkte im Ruhrgebiet sind. Das Unternehmen feierte unlängst ihr 5-jähriges Jubiläum. Allerdings ist niemandem dort zurzeit zum Feiern zumute, da der Absatz schon seit einigen Monaten äußerst schleppend verläuft.

Der Einstiegsmotivation dient eine E-Mail des neuen Geschäftsführers Herrn Becker. Er möchte sich zusammen mit seinen Assistenten um 8:45 Uhr einen Überblick über die wirtschaftliche Situation der Zart & Bitter GmbH verschaffen. Die Ausgangssituation zieht sich als roter Faden durch die Doppelstunde und ermöglicht dadurch eine Verlaufsmotivation. Der Einstieg ist bewusst sehr offen gewählt, um die Schüler zum selbstständigen Handeln anzuregen. Es schließt sich eine fragend-entwickelnde Phase auf der Basis des erklärend-induktiven Unterrichtsverfahrens an. Die Schüler argumentieren, dass es notwendig sei, sich alle Produkte von Zart & Bitter anzuschauen, um die wirtschaftliche Situation abschließend beurteilen zu können. Da der Begriff der Portfolioanalyse den Schülern nicht bekannt ist, wird er von mir genannt. Nun gilt es zu klären, was eine Portfolioanalyse ist. Ein Auszubildender hat schon im Internet recherchiert, aber allerdings nur einen kurzen Informationstext gefunden. Die Schüler erhalten diesen Informationstext und erarbeiten in Einzelarbeit den Begriff der Portfolioanalyse. Die Schüler stellen sich anschließend selbst die Aufgabe, dass sie eine Portfolioanalyse der Zart & Bitter GmbH erstellen müssen. Für die arbeitsgleiche Gruppenarbeit erhalten die Schüler einen Arbeitsauftrag, der bewusst kleinschrittige Aufgaben enthält, und ein Plakat zum Festhalten der Ergebnisse. Durch den Wechsel der Sozialform kann die Lernmotivation der Schüler zusätzlich erhöht werden. Die Schüler bestimmen einen Zeitwächter und überreichen ihm die Zeitwächterkarte. Diese soll ihn an seine Verpflichtung, die Gruppe zum Einhalten der Zeit aufzufordern, erinnern. Dieser Auftrag wurde von mir nicht in den Arbeitsauftrag auf dem Arbeitsblatt übernommen, da die Schüler nicht zu viel Zeit mit dem Lesen der Arbeitsaufgaben verwenden sollen. Auf dem Plakat werden aus Zeitgründen die Achsen und die Achsenbezeichnungen von mir vorgegeben. Die Strukturierung und Visualisierung in Form eines Plakates ist von grundlegender Bedeutung. Die Schüler werden in ihrer Fähigkeit Dinge zu visualisieren gefördert und lernen Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Da zum Ende der zweiten Stunde eine Methodenreflexion erfolgt, erhalten die Schüler einen Beobachtungsbogen, auf dem sie sich Notizen über die Präsentationen der anderen Gruppen machen sollen.

Die zweite Stunde beginnt mit den Präsentationen der einzelnen Gruppen. Jede Gruppe präsentiert ein Feld der Portfolio-Matrix. Im Anschluss an jede Präsentation wird im Unterrichtsgespräch diskutiert, inwieweit die anderen Gruppen Punkte zuergänzen haben bzw. zu anderen Ergebnissen gekommen sind. Eine fachlich fundierte Argumentation ist nötig und von grundlegender Bedeutung für das Leben der Schüler. Im Anschluss an die Präsentationen werden die Leitfragen der ersten Stunde aufgegriffen, und es erfolgt im Unterrichtsgespräch eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Danach beurteilen die Schüler mit Hilfe des Beobachtungsbogens die Präsentationen der anderen Gruppen. Die Schüler äußern, was ihnen an den Präsentationen der anderen Gruppen besonders gut gefallen hat, und was man noch verbessern könnte. Die Methodenreflexion soll den Schülern helfen, Fehler bei einer Präsentation zu erkennen und diese zu beheben. Als Vertiefung erhalten die Schüler eine Hausaufgabe, in der sie ein Kurzreferat über die wirtschaftliche Situation der Zart & Bitter GmbH erstellen.

[...]


[1] Im Folgenden werden alle personenbezogenen Bezeichnungen aus Gründen eines besseren Leseflusses in der männlichen Form geführt. Sie gelten für Frauen gleichermaßen.

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638502146
Dateigröße
904 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55189
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Wuppertal - Lehramt Berufskolleg
Note
2,3
Schlagworte
Erarbeitung Anwendung Reflexion Portfolioanalyse Instrument Entscheidungen Hilfe Erstellung Wandplakates Modellunternehmens Zart Bitter Berücksichtigung Förderung Methodenkompetenz Rahmen Fensters Wirtschaftswissenschaften

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Titel: Portfolioanalyse als Instrument absatzpolitischer Entscheidungen