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Fallorientierte Einführung in Erfolgskonten

Erfassung der Geschäftsfälle im Grundbuch und Erarbeitung ausgewählter Erfolgskonten mit dem Ziel der Erfolgsermittlung

Unterrichtsentwurf 2005 23 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

1. Angaben zur Lerngruppe

1.1 Lerngruppenzusammensetzung

Die Klasse 05RT2 ist eine Unterstufe in Teilzeitform und besteht aus 17 Schülerinnen und einem Schüler. Alle Schüler[1] absolvieren eine dreijährige Ausbildung zur/zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/n. Die meisten Schüler sind im Alter zwischen 17 und 23 Jahren. Lediglich zwei Schüler unterscheiden sich mit 28 bzw. 40 Jahren deutlich bezüglich ihres Alters von dem Rest der Klasse. Beide Auszubildenden sind aber fest in die Klassengemeinschaft integriert.

1.2 Besonderheiten der Lerngruppe

Die schulische Vorbildung in der Klasse ist, wie aus der nachfolgenden Übersicht entnommen werden kann, als heterogen zu bezeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz dieser Heterogenität der Schulabschlüsse ist die Unterrichtsbeteiligung der meisten Schüler jedoch als gut einzuordnen. Einige Schüler sind eher still und introvertiert. Sie zeigen aber nach direkter Ansprache, dass sie aufmerksam dem Unterrichtsgespräch folgen und gute Beiträge leisten können. Der 28-jährige Schüler hat bereits eine Ausbildung als Steuerfachangestellter absolviert. Er verfügt aus diesem Grunde bereits über Kenntnisse im Themengebiet der Buchführung. Allerdings konnten bei ihm fachliche Defizite seitens der Lehrpersonen festgestellt werden. Die 40-jährige Schülerin hat, bedingt durch ihre Herkunft (Kasachstan), Sprach- und Schreibschwierigkeiten, was dazu führt, dass es ihr oft nicht gelingt, inhaltliche Zusammenhänge nachzuvollziehen.

1.3 Ausprägungen der Kompetenzbereiche in der Lerngruppe

Bei der Beurteilung des Leistungsvermögens dieser Lerngruppe ist die Handlungskompetenz insgesamt in einem guten Bereich einzustufen.

- Fachkompetenz
Die Schüler bringen durch ihre praktische Tätigkeit in den Anwaltskanzleien unterschiedliche Vorkenntnisse mit in den Unterricht ein. Dies resultiert aus der Tatsache, dass die Lernenden aus unterschiedlich großen Kanzleien stammen. Dabei verfügen die Schüler aus den kleineren Kanzleien teilweise bereits über Vorkenntnisse aus dem Bereich der Buchführung, da sie die Möglichkeit haben, die Buchführung selber zu machen bzw. für den Steuerberater vorzubereiten. Die Schüler aus den größeren Kanzleien hingegen erhalten teilweise gar keinen bzw. nur einen punktuellen Einblick in die Buchführung. Anhand der ersten Klassenarbeit im Fach Rechnungswesen wurde sichtbar, dass die schriftliche Leistungsfähigkeit der Schüler gut ausgeprägt ist. Gerade die im Unterricht stilleren Schüler haben sehr gute Klassenarbeiten geschrieben.
- Sozialkompetenz
Das Lernklima kann als sehr positiv bezeichnet werden, was auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die meisten Schüler gut untereinander verstehen. Eine feste Gruppenkonstellation oder Ausgrenzungen einzelner Schüler sind nicht zu beobachten. Die Schüler zeigen zudem ausgeprägte Fähigkeiten zur Kooperation und Kollegialem Verhalten. Dies zeigte sich in der Vorbereitung zur 1. Klassenarbeit, zu der sich die Schüler in Lerngruppen organisierten. Die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfestellung ist vorhanden. Des Weiteren werden Unterrichtsmaterialien regelmäßig für die fehlenden Mitschüler mitgenommen und weitergegeben.
- Methodenkompetenz
Das in der Buchführung erforderliche methodische und saubere Arbeiten ist den Schülern aus den vorherigen Unterrichtstunden bekannt. Allerdings sind das Lerntempo und die Arbeitsweisen aufgrund der heterogenen Vorkenntnisse sehr unterschiedlich. In Erarbeitungsphasen werden im Rahmen der Partnerarbeit, jeweils ein Schüler mit Vorkenntnissen und ein Schüler ohne Vorkenntnisse zusammengesetzt.

1.4 Unterrichtseinsatz in der Klasse

Die Klasse ist mir seit dem 29. August 2005 durch Hospitationen in dem Fach Rechnungswesen bekannt. Ich erteile seit dem 26. September im Wechsel mit meiner Ausbildungslehrerin den Unterricht.

Meine Unterrichtserfahrungen in dieser Klasse sind sehr positiv, da sich die Schüler mir gegenüber sehr freundlich und aufgeschlossen verhalten.

Der Rechnungswesen-Unterricht findet normalerweise montags in den ersten beiden Stunden statt. Aufgrund des Unterrichtsbesuchs findet heute eine zusätzliche Unterrichtsstunde in diesem Fach statt.

2. Didaktisch-methodische Analyse

2.1 Vorgaben der Richtlinien/ Legitimation des Themas

Das Thema der Unterrichtsstunde ist durch den Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r legitimiert. Die Inhalte der Unterrichtsreihe sind gemäß der Richtlinien thematisch dem Lernfeld 4 “Bestände und Werteflüsse erfassen und dokumentieren“ zugeordnet. In der Zielformulierung heißt es: „Die Schülerinnen und Schüler ermitteln den Gewinn…durch Gegenüberstellung von Aufwendungen und Erträgen (Gewinn- und Verlustkonto).“

Die didaktische Jahresplanung des Robert-Schuman-Berufskollegs sieht die Behandlung der Unterrichtsreihe “Grundlagen der Buchführung“ in der Unterstufe im Fach Rechnungswesen vor.

2.2 Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe

In der nachfolgenden Übersicht wird die heutige Unterrichtsstunde im Zusammenhang mit der Unterrichtsreihe dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Hauptintention

Der didaktische Schwerpunkt der heutigen Stunde besteht darin, den Schülern das System der Erfolgskonten verständlich zu machen. Sie sollen das Wesen von Erfolgsvorgängen erkennen, und das Buchen von erfolgswirksamen Vorgängen auf Aufwands- und Ertragskonten sowie den Abschluss über das GuV-Konto beherrschen. Die Schüler sollen zudem die Notwendigkeit erkennen, Unterkonten des Eigenkapitalkontos zu errichten und die Gewinnentwicklung in seiner Kanzlei zu kennen. Sie lernen, dass auf dem GuV-Konto der Erfolg nicht nur der Höhe nach, sondern auch der Zusammensetzung nach erkennbar ist.

2.4 Didaktische Transformation

Die komplexe Thematik der heutigen Unterrichtseinheit verlangt nach einer didaktischen Reduktion.

Um in der heutigen Unterrichtsstunde den Schülern das System der Erfolgskonten zu veranschaulichen, werden ausschließlich die ausgewählten Aufwands- und Ertragskonten betrachtet. Die entsprechenden Bestandskonten werden aus Gründen der Veranschaulichung ausgeblendet. Zudem werden die Aufwendungen und Erträge des Rechtsanwalts nur ausschnittsweise betrachtet. Beispielsweise werden Kraftfahrzeugaufwendungen, Zinsaufwendungen und Einnahmen aus Nebentätigkeit nicht angesprochen. Auch die inhaltliche Fülle der betrachteten Konten erfolgt nur rudimentär. So wird beispielsweise die Miete - als eine Raumaufwendung des Rechtsanwalts - betrachtet, nicht aber Aufwendungen wie Strom, Wasser und Reinigungskosten, die ebenfalls auf dem Konto Raumaufwendungen gebucht werden.

Der Saldo des GuV-Kontos zeigt den Erfolg der anwaltlichen bzw. notariellen Tätigkeit. In dem heute betrachteten Fallbeispiel handelt es sich dabei nicht um ein aussagekräftiges GuV-Konto, sondern lediglich um einen Zwischenstand der wirtschaftlichen Tätigkeit des Rechtsanwalts. Da es aber als durchaus legitim erscheint, sich mehrfach einen Überblick über den Erfolg einer Kanzlei zu verschaffen, wird auf diese Verfahrensweise zurückgegriffen.

Den Abschluss des Eigenkapitalkontos über das Schlussbilanzkonto (SBK) wird aus Gründen der Vereinfachung und Veranschaulichung erst in der nächsten Stunde betrachtet.

Laut Umsatzsteuergesetz müssen Rechtsanwälte für alle steuerbaren Umsätze (z.B. Honorare) Umsatzsteuer einziehen und später an das Finanzamt abführen. Des Weiteren hat der Rechtsanwalt dem Finanzamt gegenüber Vorsteuerforderungen (z.B. für Raumaufwendungen), d.h. Beträge die der Rechtsanwalt ausgibt und vom Finanzamt später erstattet bekommt. Um die Lernkapazität der Schüler nicht zu übersteigen, kann die Thematik der Umsatz- und Vorsteuer in dieser Unterrichtsstunde nicht angesprochen werden. Sie wird zu Beginn der Mittelstufe behandelt.

Neben dem Prinzip der didaktischen Reduktion werden in dieser Stunde insbesondere folgende Unterrichtsprinzipien berücksichtigt:[2]

- Prinzip der Gegenwarts-/ Zukunftsbedeutung:
Wie bereits schon beschrieben, ist der Kontakt der Schüler mit dem Themengebiet der Buchführung aufgrund der unterschiedlichen Größen ihrer Kanzleien sehr unterschiedlich. Einige Schüler haben die Möglichkeit die gesamte Buchführung in ihrer Kanzlei zu machen, während andere nie oder nur punktuell mit der Buchführung in Berührung kommen werden. Einige Rechtsanwälte und Notare ermitteln ihren Erfolg durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung In Zukunft kann der Aspekt der Buchführung allerdings auch für sie an Bedeutung gewinnen, wenn sie nach Beendigung ihrer Ausbildung die Kanzlei wechseln oder aber in einem anderen Beruf eine Bürotätigkeit übernehmen.
- Prinzip der Zugänglichkeit:
Der Kontoauszug als Beleg in der Buchführung ist den Schülern als Bestandteil ihrer beruflichen als auch privaten Praxis bekannt. Das Identifikationspotential der Schüler mit dem betrachteten Fallbeispiel wird erhöht und die Relevanz der betrachteten Thematik von den Schülern erkannt.
- Prinzip der Exemplarität:
Die Komplexität des Buchens auf Erfolgskonten kann durch eine exemplarische Erarbeitung vereinfacht werden. Anhand eines konkreten Beispieles werden nur ausgewählte Erfolgskonten betrachtet. In der nächsten Unterrichtstunde kann das System der Erfolgskonten anhand von weiteren Aufwands- und Ertragskonten erweitert werden.
- Prinzip der Sachstruktur:
Die Erfolgskonten müssen als Unterkonto des Eigenkapitalkontos auch über dieses abgeschlossen werden. Damit das Eigenkapitalkonto aber beim Jahresabschluss nicht so unübersichtlich wird, schaltet man das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) dazwischen. Das GuV-Konto stellt somit ein Sammelkonto aller Aufwands- und Ertragssalden dar. Auf diesem Wege erfolgt beim Jahresabschluss nur eine Buchung auf dem Eigenkapitalkonto: Buchung eines Gewinns oder eines Verlusts.

2.5 Methodisches Vorgehen

Einstieg:

Den Schülern wird die Einstiegssituation erläutert. Die Auszubildende Linda erhält in ihrer Kanzlei von dem Rechtsanwalt Kuhnt einen Kontoauszug mit der Bitte die notwendigen Schritte einzuleiten. Ihr ist das ein wenig zu ungenau und sie möchte wissen, was sie genau machen soll. Durch den am OHP aufgelegten Kontoauszug (vgl. Anhang 1) wird ein direkter Praxisbezug hergestellt und die Schüler werden somit motiviert sich mit den vorliegenden Geschäftsfällen auseinander zu setzen. Das Unterrichtsverfahren ist induktiv: ausgehend von Fällen wird auf das Allgemeine geschlossen.

Erarbeitung:

Daraufhin werden gemeinsam im Unterrichtsgespräch die entsprechenden Buchungssätze aufgestellt und das Grundbuch erstellt. Der Kontoauszug wurde in der Weise gestaltet, dass durch zwei bereits bekannte Geschäftsfälle den schwächeren Schülern die Gelegenheit gegeben wird, die Lösungen vorzutragen und zu interpretieren. Den Schülern wird zur Sicherung der Ergebnisse ein Arbeitsblatt zur Verfügung gestellt, in dem sie das vorskizzierte Grundbuch nur noch ausfüllen müssen (vgl. Anhang 2, Arbeitsblatt 1).

Es folgt ein Zwischenimpuls (vgl. Anhang 3). Der Rechtsanwalt Kuhnt möchte wissen, welchen Erfolg die Kanzlei gemacht hat. An dieser Stelle wird die Frage geklärt, was man in der Buchführung unter dem Begriff Erfolg versteht.

Das Buchen von erfolgswirksamen Vorgängen auf Aufwands- und Ertragskonten wird in fragend-entwickelnder Form erarbeitet. Anschließend werden die Erfolgskonten über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen und der Saldo des GuV-Kontos auf dem Eigenkapitalkonto gegen gebucht. Auch in dieser Phase erhalten die Schüler ein vorgefertigtes Arbeitsblatt (vgl. Anhang 3, Arbeitsblatt 2), das gewährleistet, dass sie dem Unterrichtsgespräch weiterhin aufmerksam folgen können.[3]

[...]


[1] Zur Vereinfachung des Leseflusses sind mit der Bezeichnung Schüler im laufenden Text Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gemeint.

[2] In Anlehnung an Klafki 1962; die fünf Grundfragen der Didaktik

[3] An dieser Stelle sei angemerkt, dass die mögliche Schülerlösung des Arbeitsblattes 2 (vgl. Anhang 3) dem Tafelbild nur in etwa entspricht. Um Doppelungen zu vermeiden, wurde auf die Bezeichnung der einzelnen Konten in der Lösung verzichtet.

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638502160
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55191
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Wuppertal - Lehramt Berufskolleg
Note
2,3
Schlagworte
Fallorientierte Einführung Erfolgskonten Form Berücksichtigung Förderung Fachkompetenz Erfassung Geschäftsfälle Grundbuch Erarbeitung Ziel Erfolgsermittlung Wirtschaftswissenschaften

Autor

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Titel: Fallorientierte Einführung in Erfolgskonten