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Die Friedensbewegung zur Zeit des Vietnamkriegs. Erfolg und Misserfolg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellun

2. Messlatte des Erfolges

3. Strömungen der Friedensbewegung in den USA

4. Bedeutende Gruppen des Protests
4.1. Studenten
4.2. Widerstand der Soldaten

5. Besondere Ziele der Friedensbewegung
5.1. Widerstand gegen die Waffenindustrie in den USA
5.2. Widerstand gegen das Einberufungssystem

6. Massendemonstrationen und besondere Protestformen

7. Literatur

1. Problemstellung

Der Vietnamkrieg war in vieler Hinsicht einzigartig. So war es beispielsweise der längste, als auch der erste Krieg, in dem sich die USA geschlagen geben mussten. Für die USA war diese Niederlage ein Schock, mit der Folge, dass nach 1975 Konflikte eher vermieden als heraufbeschworen wurden. Der Vietnamkonflikt polarisierte die Bevölkerung der USA wie kein zweiter. Für die einen hätte der Krieg durchaus mit einem Sieg enden können, für die anderen war die Intervention in Südostasien von vornherein ein Fehler.

Die Antikriegsbewegung war ein Faktor, der die öffentliche Meinung sicherlich genauso prägte, wie der Vietnamkrieg selbst. Durch die Antikriegsbewegung wurde die Diskussion um Vietnam innenpolitisch erbittert geführt.

Diese Hausarbeit versucht die Erfolge und Misserfolge der Friedensbewegung zur Zeit des Vietnamkrieges zu analysieren. Um diese Fragestellung zu beantworten, ist es zunächst notwendig ein geeignetes Messinstrument zu entwickeln (2), um den Erfolg bzw. Misserfolg bewerten zu können. Danach werde ich einen Überblick über die verschiedenen Strömungen der Friedensbewegung geben (3). Als zwei besonders bedeutende Friedensbewegungen (4) möchte ich die der Studenten (4.1) und der Soldaten (4.2) beleuchten. Zum einen weil diese beiden Gruppen besonders einflussreich waren, zum anderen, weil sie Unterschiede hinsichtlich ihrer Protestmotive aufwiesen und sich zusätzlich gegenseitig beeinflussten. Am Ende der jeweiligen Kapitel werde ich die beiden Gruppen mit dem in Kapitel zwei entworfenen Messinstrument bewerten.

Nach der Betrachtung der einzelnen Gruppen und zwei weiteren herausragenden Gruppen, werde ich zwei wichtige Ziele der Friedensbewegung vorstellen. Dies war einmal der Widerstand gegen die Waffenindustrie (5.1) und der Widerstand gegen das Einbe­rufungs­system (5.2). Schließlich werde ich mit der Bewertung einer weit verbreiteten Protestform dieser Zeit, der Massendemonstrationen (6) und ihren Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg der Friedensbewegung meine Hausarbeit abschließen.

2. Messlatte des Erfolges

Als Erfolg definiert die Brockhaus Enzyklopädie ein „positives Ereignis einer Bemühung, das Eintreten einer erstrebten Wirkung.“ (Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden 1988, S. 514) Da eine erstrebte Wirkung immer auf die Zukunft gerichtet ist, muss der Erfolg mit Zielen ver­knüpft sein. Erfolg ist als Ergebnis zielorientierten Handelns zu verstehen. Dabei können Personen als auch Institutionen Ziele verfolgen. Will man die Friedensbewegung bewerten, müssen sinnvolle Messkriterien geschaffen werden. Dabei bietet es sich an, neben den Zielen der einzelnen Gruppen, auch auf die Motive einzugehen. Werden Ziele nicht vollständig erreicht, so konnten vielleicht Teilziele verwirklicht werden. Beispielsweise kann als Teilziel gesehen werden, wenn eine Gruppe die Kriegsbemühungen stark behindert, das eigentliche Ziel, die Regierung zum Beenden des Krieges zu bewegen, jedoch nicht erreicht.

Es erscheint sinnvoll, nicht immer von Erfolg einer ganzen Bewegung zu sprechen, sondern bereits die Erfolge und Misserfolge von einzelnen Aktionen zu sehen, da diese sich besser beobachten und beurteilen lassen. Aufgrund zahlreicher fehlgeleiteter Aktionen zerfielen viele Gruppen in kleinere Teile, die weniger Einfluss ausüben konnten. Einige konnten jedoch durch geschickte Politik, Mitglieder werben und dadurch wachsen. Die Größe und das Wachstum der Gruppe, kann bereits als ein Erfolgskriterium gewertet werden. Denn je größer eine Gruppe, umso mehr Gehör kann sie sich verschaffen und um so größer werden ihre Einflussmöglichkeiten.

Mitglieder von Friedensorganisationen oder speziell Menschen mit politischen Anliegen, streben danach sich Gehör zu verschaffen. Es kann also als ein allgemeines Ziel von solchen Gruppen oder Personen angesehen werden, andere von ihrer Meinung zu überzeugen. Die Medien sind ein Schlüsselwerkzeug, um solche Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Medien für die Sache zu gewinnen und einzusetzen kann als weiterer Erfolgsfaktor angesehen wer­den. Der Begriff Medien umfasst Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften.

3. Strömungen der Friedensbewegung in den USA

Bereits vor 1965 gab es zahlreiche Friedensbewegungen in den USA, die häufig aus religi­ösen Kreisen stammten. Zur Zeit des Korea Krieges waren schon weite Teile der Bevölkerung in der Friedensbewegung involviert. Gleichwohl war die Friedensbewegung zur Zeit des Viet­namkrieges in Bezug auf Größe, Dauer und Intensität ein Novum. Als Mitglied der Friedens­bewegung befand man sich in einer ständig verändernden und komplexen Koalition von Pazifisten, Liberalen, Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und anderen Gruppie­rungen, von denen einige Studenten, Arbeiter, Vorstädter, Priester, Politiker, Journalisten oder Intellektuelle waren (vgl. Small 2002, 3). Wobei der wirklich aktive Teil der Friedens­bewegung nur von einem kleinen Anteil der amerikanischen Bevölkerung repräsentiert wurde. Die Mehrheit wird oft als die „schweigende Mehrheit“ bezeichnet, deren Einfluss allerdings nicht zu vernachlässigen war, denn sie konnte durch Meinungsumfragen einen wesentlichen Einfluss auf die Regierung ausüben, wenn auch nur passiv.

Ebenso vielfältig wie die Bewegung selbst, waren die Motive ihrer Mitglieder. Die einen lehnten den Krieg aus moralischen Gründen ab, andere sahen in ihrer Opposition eine Mög­lich­keit ebenfalls ihrem Unmut über das politische und wirtschaftliche System zum Ausdruck zu bringen. Manche waren gegen den Krieg, weil ihnen oder einer nahe stehenden Person der Einsatz in Vietnam bevorstand (vgl. Small 2002, 4).

Die Friedensbewegung war neben ihrer Vielfältigkeit dezentral organisiert und außerordent­lich tolerant, was die Aufnahme von neuen Mitgliedern erleichterte. Nur so war es möglich die Massendemonstrationen mit ausreichend Menschen zu versorgen und damit Aufmerk­sam­keit der Medien zu erregen. Des Weiteren hatte die Regierung aufgrund der vielfältigen Orga­ni­sationsstrukturen Schwierigkeiten die Friedensbewegung zu analysieren und zu kontrol­lieren. Ihre Offenheit zog allerdings auch Radikale an, was vor allem auf Massende­monstrationen von Nachteil war, da sich die Medien häufig auf extreme Ereignisse oder Personen in ihrer Berichterstattung beschränkten und somit die Bewegung bei der Bevöl­kerung in ein falsches Licht rückte. Die unterschiedlichen Gedankenmodelle innerhalb der Bewegung kosteten häufig Zeit und Energie, da sich Gruppierungen untereinander um Ziele oder deren Verwirklichungen stritten, denn die verschiedenen Strömungen der Friedensbe­wegungen waren äußerst unterschiedlich hinsichtlich ihrer Motive und Ziele.

Die Ursprünge des Vietnamprotests sind häufig schon vor dem Ausbruch des Krieges zu finden. Das erklärt, warum 1964 bereits 150000 Amerikaner Friedensgruppen angehörten(vgl. Small 2002, 9). Viele Friedensgruppen konnten somit auf Führungsmitglieder zurückgreifen, die schon viel Erfahrungen im politischen Protest oder in der Menschenrechtsbewegung gesammelt hatten.

Es gab Organisationen aus dem Bereich der radikalen Pazifisten, die Kriegsdienstverweigerer unterstützten und zivilen Ungehorsam forderten. Zu nennen sind hier u.a. „the Fellowship of Re­con­ciliation” (FOR) gegründet 1914 oder “the American Friends Service Committee” (AFSC) gegründet 1917. In diesem Bereich war auch die „War Resisters League“ (WRL) aus dem Jahr 1923 angesiedelt, die auf dem Easter Peace Walk im April 1963 in New York als erste Friedensorganisation öffentlich auf den Konflikt in Vietnam aufmerksam machte. Eine weitere traditionelle Friedensorganisation war „Committee for a Sane Nuclear Policy“ (SANE), eine Gruppe aus dem Lager der Atomwaffengegner.

Andere Gruppen waren in religiösen Kreisen angesiedelt, wie z.B. die „Clergy and Laymen Concerned about Vietnam“ oder die Quäker, die traditionell schon immer eine Opposition gegen Krieg bildete.

Viele Gruppen bestanden aus Weißen und wurden auch von diesen geführt. Daneben gab es vereinzelt auch Gruppen mit hauptsächlich oder nur schwarzen Mitgliedern. Vereinigungen dieser Art waren z.B. „The Student Non-Violent Coordinating Comitee“ (SNCC). Das SNCC stellte eine der bedeutendsten Organisationen der schwarzen Bürgerrechts­bewegung in den USA dar. Sie wurde 1960 von weißen und schwarzen Studenten zusammen gegründet. Später wurden neben Themen der Bürgerrechtsbewegung auch der Vietnamkrieg thematisiert. Nachdem die Gruppe, insbesondere auch weiße Mitglieder, immer militantere Formen annahm, führte dies u.a. zum Ausschluss der weißen Mitglieder.

Andere Organisationen setzten sich ausschließlich aus Frauen zusammen; einige weil sie die Kriegsbemühungen der Regierung als chauvinistisch männliches Verhalten ansahen, andere, weil sie schlichtweg Angst um Ihre Männer in Vietnam hatten. Die Women Strike for Peace (WSP) war eine dieser Gruppen, die sich 1961 gebildet hatte, um gegen Atombombentests zu protestieren. Sie waren u.a. auch an umstrittenen Treffen mit dem Vietcong in Nordvietnam beteiligt. Bekannter Slogan für Frauen, die sich gegen den Krieg einsetzten war „Girls Say Yes to Men Say No“ (Small 2002 57), was sich auf kriegsdienstverweigernde Männer bezog.

„Viele Mitglieder dieser Gruppen, entweder einzeln oder unter dem Gruppenbanner, nahmen an Antikriegs- Märschen und Demonstrationen teil und bildeten den Grundstock für die Anti – Vietnamkriegs Bewegung (Übers. d. Verf.) (Small, 2002 6).“

Zahlreiche prominente Personen und Senatoren machten sich im Verlauf des Krieges für die Friedensbewegung stark. So z.B. die Senatoren J. William Fulbright aus Arkansas, Wayne Morse aus Oregon oder Ernest Gruening aus Alaska. Morse und Gruening waren die einzigen Senatoren, die sich gegen die Golf-von-Tonking-Resolution aussprachen, die als Legiti­mierung der Bombenangriffe gegen Nordvietnam angesehen wurde. Über Personen, die Unter­stützungstelegramme an Morse sendeten, sammelte das FBI Informationen.

Gegenstimmen bei Kundgebungen zu den Anti- Kriegsprotesten, gab es nur vereinzelt. Sie kamen meist aus dem rechten Lager, dazu zählte z.B. der Motorradclub „Hell´s Angels“, mit einer sehr patriotischen Einstellung. Gegendemonstranten versuchten u.a. das Verbrennen der Einberufungsunterlagen zu stören (vgl. Small 2002, 33). Das Vernichten dieser Unterlagen, das vor allem anlässlich von Demonstrationen sehr verbreitet war, wurde mit einer Totalverweigerung gleichgesetzt. Die Störung der Verbrennung und Sicherstellung der Unterlagen durch die Gegendemonstranten sollte es anwesenden FBI-Beamten ermöglichen die Namen der Täter zu entziffern und somit die Strafverfolgung zu erleichtern.

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Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638502993
ISBN (Buch)
9783638765039
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55304
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
Friedensbewegung Zeit Vietnamkriegs Erfolg Misserfolg Pazifismus Friedensbewegungen Politik

Autor

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Titel: Die Friedensbewegung zur Zeit des Vietnamkriegs. Erfolg und Misserfolg