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Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS HISTORISCHE UMFELD

3. DIE SYSTEME DER POLITISCHEN ÖKONOMIE
3.1 DAS SYSTEM DER MERKANTILISTEN
3.2 DAS SYSTEM DER PHYSIOKRATIE

4. DIE SYSTEME DER POTLITISCHEN ÖKNOMIE IM VER- GELICH: GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE

5. WOHLSTAND DER NATIONEN
5.1 KRITIK AM MERKANTILISMUS
5.2 KRITIK UND WERTSCHÄTZUNG DER PHYSIOKRATIE

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. einleitung

In der vorliegenden Proseminararbeit möchte ich das Verhältnis von Adam Smith zur merkantilistischen Wirtschaftsweise des Absolutismus und zur Schule der Physiokratie erläutern. Zuerst werde ich die wirtschaftlichen und politischen Ziele des Merkantilismus und der Physiokratie etwas genauer darstellen. Danach werde ich beide Systeme vergleichen und in Relation dazu den Wohlstand der Nationen von Adam Smith stellen und auf dessen Kritik an beiden Systemen näher eingehen.

„Mit dem Namen Adam Smith werden im allgemeinen drei Begriffe verbunden: die unsichtbare Hand, die Arbeitsteilung und ökonomischer Liberalismus.“ (Winter/Rommel 1999, 7) Weniger geläufig aber ist, dass Adam Smith auch ein Moralphilosoph war, der das Wesen des Menschen untersuchte. „1776 hatte Adam Smith (1723 – 1790) sein Werk Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen [An Inquiry into the nature and causes into the Wealth of Nations] veröffentlicht – eine monumentale, in fünf ‚Bücher’ gegliederte Abhandlung von mehr als 1000 Seiten.“ (Fischermann 1999, 1) Smith schuf ein einheitliches System der liberalen Wirtschaftslehre, in der er die Ideen seiner Vorgänger zusammenfasste und erweiterte. Seine Lehre fußte auf den Ideen der Aufklärung, des Naturrechts und der englischen Moralphilosophie. Die Quelle des nationalen Reichtums sei nicht der Geldvorrat (vgl. Merkantilismus) oder die landwirtschaftliche Produktion (vgl. Physiokratie), sondern die geleistete Arbeit des Volkes. Die Ergiebigkeit der Arbeit werde durch die Arbeitsteilung gesteigert und eine Vorrausetzung dafür, sei das Funktionieren des Marktautonomismus, der über den Marktpreis Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringe. Die treibende Kraft aller wirtschaftlichen Vorgänge sei der Eigennutz, den Smith als wirtschaftliches Ordnungsprinzip ansah. Wirtschaftpolitisch forderte Smith den Freihandel und dass der Staat möglichst wenig eingreife, da der freie Wettbewerb zu einer natürlichen Harmonie des sozialen und wirtschaftlichen Lebens führe. Mit dem Wohlstand der Nationen gelang Smith ein Klassiker. „Smith zählt, zusammen mit David Ricardo und John Stuart Mill, zu den Begründern der sogenannten klassischen Nationalökonomie.“ (Winter/Rommel 1999, 7) Smiths Ideen wirken auch noch in den heutigen Marktwirtschaften nach.

2. das historische umfeld

Das Fundament des kapitalistischen Welthandels legten während des 15. und des 16. Jahrhunderts die Königshäuser von Portugal und Spanien. Beide Staaten versuchten das Welthandelsmonopol an sich zu reißen und verhinderten dadurch daheim die private Kapitalakkumulation, was schließlich zum wirtschaftlichen Niedergang der Länder führte. Nach dem erfolgreichen Aufstand der städtischen Bourgeoise gegen die spanische Herrschaft hatten sich in den heutigen Niederlanden die „Vereinigten Provinzen“ zu einer Republik zusammengeschlossen, in welcher der Privatkapitalismus während des 17. Jahrhunderts die größten Fortschritte machte. Die Industrie entwickelte sich und der Fortschritt war besonders im Textilsektor spürbar. Die ausländische Konkurrenz allerdings zwang Holland seine liberale Politik aufzugeben. In ganz Westeuropa förderte der Staat Industrie und Handel. Er schützte die einheimische Produktion durch hohe Zölle und erschloss dem Handel Absatzmärkte in anderen europäischen Ländern und in den Kolonien. Dabei wurde meist mit Handelsverträgen operiert (z. B. der Methuen-Vertrag zwischen England und Portugal von 1703). Der Aufschwung des europäischen Kapitalismus war von verbissenen Konkurrenzkämpfen der Großmächte begleitet.

Der Niedergang der Industrie in Spanien, im heutigen Italien und Belgien begünstigte den französischen Aufschwung. Ludwig XIV. setzte das französische Wirtschaftspotential weitgehend dazu ein, um die französische Hegemonie über ganz Europa auszuweiten, wodurch zahlreiche Kriege ausgelöst wurden. Obwohl der Kapitalismus während des 17. Jahrhunderts in England einen besonders raschen Aufschwung nahm, waren auch Frankreich und die Niederlande an der Entwicklung von Handel und Industrie beteiligt, während die übrigen Länder in wirtschaftlicher Stagnation verharrten.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts blühten in England und Frankreich das Finanzgeschäft und die Spekulationen auf. In England wurden durch die hohen Schutzzölle zahlreiche Manufakturen gegründet und der Export nahm schnell zu. Auch in Frankreich war die Wachstumsrate in Industrie und Handel in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beträchtlich.

In der englischen Landwirtschaft fanden tiefgreifende Veränderungen statt. Eine Welle von Landenteignungen setzte ein und die Entwicklung des Handels und der zunehmende Wohlstand der Bourgeoise regten erneut zu Bemühungen an, um die Erträge zu steigern. Die Großgrundbesitzer bemächtigten sich des Brachlands und der Allmenden. In Frankreich verlief die Entwicklung ganz anders. Der alteingesessene Adel und der Hohe Klerus hatten weit besser als in England ihre Stellung als privilegierte Klassen bewahren können. Die Großgrundbesitzer versuchten ihre Einkommen zu erhöhen und die aus dem Gebrauch gekommenen Feudalrechte wieder geltend zu machen. Sie betrieben aber keine quasikapitalistische Bodennutzung auf der Basis der Großproduktion wie in England.

In Großbritannien (England und Schottland seit 1707) begann in der Mitte des 18. Jahrhunderts der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Es entstanden die ersten großen Webereien und Manufakturen. Eine regelrechte Bevölkerungsexplosion und die Entwicklung neuer Produktionstechniken (Mechanisierung) bewirkten soziale, wirtschaftliche und politische Umwälzungen. Die Industrielle Revolution, die sich in Großbritannien als erstem Staat der Welt vollzog, machte das Königreich zur führenden Wirtschaftsmacht. Die starren Klassenschranken verhinderten jedoch den gesellschaftlichen Aufstieg oder auch eine soziale Veränderung. Eine besondere Gruppe von Menschen konnte und wollte sich damit nicht zufrieden geben. „Der aufkommende Handel mit Europa, den britischen Kolonien und Übersee ermöglichte es einer immer größeren Zahl von meist gut ausgebildeten, zielstrebigen Bürgerlichen, durch erfolgreiche Geschäfte erhebliche Vermögen anzuhäufen und gesellschaftlichen Einfluss zu erringen.“ (Winter/Rommel 1999, 19)

In dieser Umbruchphase lebte Adam Smith. Er erkannte, dass der Merkantilismus mit den neuen Produktionsweisen nicht mehr mithalten konnte und das System gegenüber der freien Marktwirtschaft unterlegen war. Aber auch die Schule der Physiokratie beinhaltete als Gegenmodell einige gravierende Fehleinschätzungen der wirtschaftlichen Situation in Frankreich.

3. die systeme der politischen ökonomie

„Die Zeitspanne, der wir uns nun zuwenden, ist vor allem durch die überaus ausgeprägte Neigung gekennzeichnet, die Autorität der Kirche und den vom Mittelalter überkommenen Glauben an den Primat des Übernatürlichen in Frage zu stellen.“ (Denis 1991, 84-85) Seit dem 13. Jahrhundert waren in Europa Schriften erschienen, in denen Autonomie des Staates gegenüber der Kirche gefordert wurde. In der Renaissance wurde die Aristotelische Theorie vom Staate als ein „natürliches Gebildes“ aufgegeben. Es verbreitete sich die Lehre, dass der Staat die Folge eines Gesellschaftsvertrages sei (z. B. Machiavelli, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau). „Die neue politische Philosophie sah den Staat nicht als eine der Kirche untergeordnete, sondern als eine autonome Einrichtung an.“ (Denis 1991, 86)

In Frankreich bildete sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Staats- und Regierungsform des Absolutismus heraus, die unter Ludwig XIV. (1643 – 1715) voll zur Entfaltung kam. Der König beanspruchte einen absoluten Herrschaftsanspruch, aber im Unterschied zum Despoten erkannte er jedoch das göttliche und historische Recht an. Der Absolutismus setzte einen Prozess des Ausbaus staatlicher Macht in Gang (z. B. stehendes Heer und eine straffe Bürokratie). Um die Ausgaben des absolutistischen Staates finanzieren zu können wurde auf die merkantilistische Wirtschaftsweise gesetzt.

3.1 DAS SYSTEM DER MERKANTILISTEN

„Unter Merkantilismus wird in der Wirtschaftsgeschichte jene Wirtschaftspolitik verstanden, die während der Zeit des Absolutismus durch bewusst betriebene staatliche Wirtschaftsförderung eine Erhöhung des Wohlstandsniveau der Nationalwirtschaft durch eine ‚Aktivierung’ der Handelsbilanz zum Zweck einer Anhebung anstrebte.“ (Schaefer 1993, 8) Der Merkantilismus bestimmte während des 17. und 18. Jahrhunderts die Wirtschaftspolitik fast aller europäischen Länder. „Während die englische, französische, italienische und niederländische Ausprägung des Merkantilismus - teils geographisch bedingt - mehr auf den Handel gerichtet war, konzentrierte sich in [den] überwiegenden Binnenstaaten [...] das wirtschaftspolitische Interesse auf die Förderung von Gewerbe und Landwirtschaft sowie auf die Wohlfahrt des absoluten Fürstenstaates bzw. dessen Schatzkammer, die ‚camera’ (daher ‚Kameralismus’).“ (Walter 2000, 22)

Nachdem die Merkantilisten dem Wohlstand den ersten Platz in der Rangordnung der für den Menschen relevanten Werte zugewiesen hatten, suchten sie die Faktoren seines Wachstums zu ermitteln. „Die Wirtschaftslehre des Merkantilismus geht von einer unterbeschäftigten Wirtschaft aus.“ (Walter 2000, 22) Durch die häufigen Kriege lagen Produktionsfaktoren brach und die Unterbeschäftigung wurde vergrößert (z. B. 30jähriger Krieg). Im 16. Jahrhundert lag das Hauptgewicht der Analysen auf geldtheoretischem Gebiet. Die Überlegungen fußten in der simplen Gleichsetzung, dass Reichtum der Besitz von viel Geld bedeutet. „Als Konsequenz aus solchen Überlegungen wurde gefordert, ein generelles Ausfuhrverbot für Edelmetall bzw. Geld zu erlassen.“ (Schaefer 1993, 9) Die Vertreter dieser Richtung innerhalb des Merkantilismus wurden als Bullionisten (bullion = Edelmetallbarren) bezeichnet. „Die zentrale Hypothese, die dem geldtheoretischen Verständnis der französischen Merkantilisten zugrunde liegt, besagt, dass Geld zwar nicht mit dem Reichtum eines Landes gleichzusetzen ist, dass der wirtschaftliche Wohlstand aber durch eine Zunahme des Geldumlaufs entscheidend angeregt wird. (Gömmel/Klump 1994, 88) Dies führte zu einer intensiven Suche nach Bodenschätzen in allen Regionen Europas und besonders in Südamerika. Der Besitz von viel Geld bedeutete nationalen Wohlstand und internationales Ansehen. „Es war nur folgerichtig, dass die Merkantilisten, die in der Geldvermehrung und der Steigerung der Umlaufgeschwindigkeit Wohlfahrtswirkungen erkannten, vor deren Verringerung warnten, d. h. sie brandmarkten das Horten von Geld und verabscheuten ‚Sparstrümpfe’.“ (Walter 2000, 27) Wichtig aber war, dass das gekaufte Produkt aus inländischen Manufakturen stammte.

Die Förderung von Handel und gewerblicher Produktion stand im Mittelpunkt der merkantilistischen Wirtschaftpolitik. „Zum einen stellten die Gewerbebetriebe und Manufakturen den ‚modernen’ Bereich der [...] Volkswirtschaft dar, in dem eine stetig wachsende Zahl neuer Güter hergestellt werden kann, die den Wohlstand des Landes erhöhen. Gleichzeitig werden die Güter hergestellt, die bisher aus dem Ausland importiert wurden.“ (Gömmel/Klump 1994, 93) Durch Subventionen und Monopole kann die Produktion gesteigert und die Handelsbilanz verbessert werden. Dadurch fließt weniger Geld ab und der Wohlstand der Nation steigt.

Die merkantilistische Politik orientierte sich sehr stark an den anderen europäischen Nationen und die Richtlinien für die praktische Ausgestaltung der Außenwirtschaftspolitik konzentrierten sich im wesentlichen auf fünf Punkte:

1. Minimierung der Einfuhr von Fertigwaren
2. Förderung der Einfuhr von Rohstoffen
3. Minimierung der Ausfuhr von Rohstoffen
4. Förderung der Ausfuhr von Fertigwaren
5. Vergabe von Dienstleitungen an inländische Unternehmer und Institutionen (Walter 2000, 28)

Um eine aktive Handelsbilanz zu erreichen, das heißt weniger Import als Export, bedienten sich die absolutistischen Regierungen folgender Maßnahmen: Subventionen inländischer Manufakturen, Verleihung von Privilegien an Handelskompanien, Zölle und hohe Steuern auf ausländische Fertigwaren, Mengenbeschränkung von Einfuhren und Verlagerung der Zölle aus dem Binnenland an die Außengrenzen. Um den Handel innerhalb des Binnenmarktes zu fördern wurden die Handelswege und die Handlesflotte ausgebaut. Auch der Abbau von Binnenzöllen, die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Rechtsvorschriften sollten sich positiv auf den Inlandsmarkt auswirken.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638503037
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55310
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Adam Smiths Kritik Merkantilismus Physiokratie Liberalismus

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