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Schulsozialarbeit

Seminararbeit 2002 16 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Schulsozialarbeit: Was ist das überhaupt?
2.1 Ein Definitionsversuch
2.2 Schulsozialarbeit als Reaktion auf eine veränderte Lebenswelt
2.3 Ziele, Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Schulsozialarbeit

3. Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe
3.1 Das distanzierte Modell
3.2 Das integrative Modell
3.3 Die „Kooperation“ von Lehrer und Sozialarbeiter

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schule und Jugendhilfe sind die wichtigsten Einrichtungen öffentlicher Erziehung und Erzie­hungshilfen. Die Schule qualifiziert den gesamten gesellschaftlichen Nachwuchs, liest aus und weist in Berufspositionen ein. Die Jugendhilfe begleitet diesen Qualifikations- und Selek­tionsprozess, indem sie dann eingreift, wenn eine normale Sozialisation von Jugendlichen gefährdet erscheint.

Trotz der offensichtlichen Wichtigkeit des Themas, gab es in der Bundesrepublik Deutschland jahrelang so gut wie keine Diskussionen, die das Verhältnis zwischen Schule und Jugendhilfe beleuchten. Somit fiel es auch schwer eine wirkliche Beziehung zwischen Schul- und Sozial­pädagogik aufzubauen. Erst Ende der siebziger Jahre entstand mit der Schulsozialarbeit eine Kooperationsform zwischen Schule und Jugendhilfe.

Doch was ist Schulsozialarbeit eigentlich und was soll mit ihr erreicht werden? Im Verlauf meiner Hausarbeit versuche ich zu klären, was der komplexe Begriff Schulsozialarbeit bein­haltet. Bei der Beantwortung dieser Frage werde ich mich zunächst der Notwendigkeit von Schulsozialarbeit zuwenden. Im weiteren Verlauf soll diskutiert werden, welche Zielgruppen mit welchen Handlungsweisen angesprochen werden sollen, um damit ein Bild von den Auf­gaben und Tätigkeitsfeldern zu vermitteln. Weiterhin werde ich versuchen, die Zusammenar­beit von Schule und Jugendhilfe zu beleuchten. Um dies effektiv tun zu können, habe ich mich entschieden zwei Kooperationsformen vorzustellen, das distanzierte und das integrative Modell. Abschließend werde ich kurz auf das Verhältnis von Lehrer und Schulsozialarbeiter eingehen, das von der Literatur oft als Hassliebe charakterisiert wird.

Am Ende dieser Einleitung möchte ich nun noch kurz auf die Literaturlage eingehen. Er­schwerend kam bei der Besprechung des Themas hinzu, dass in der Fülle der Publikationen wenig aktuelles Material zu finden war. Daraus resultiert, dass ich mich zum Grossteil auf das Buch von Matthias Drilling und auf die drei Zeitschriftenartikel von Wilfried Wulfers bezie­hen werde. Trotzdem habe ich versucht, dem Leser im folgenden den größtmöglichen Ein­blick zum Thema Schulsozialarbeit zu vermitteln.

2 Schulsozialarbeit : Was ist das überhaupt?

2.1 Ein Definitionsversuch

Versucht man das Phänomen Schulsozialarbeit theoretisch zu erfassen, so steht man vor dem ersten Problem, nämlich dem der Definition. Die unterschiedlichen Bezeichnungen, die ver­wendet werden, zum Beispiel Sozialarbeit in der Schule, außerschulisches Angebot oder Schülersozialarbeit, und die Tatsache, dass es Schulsozialarbeit sowohl in Trägerschaft der Schule als auch der Jugendhilfe gibt, zeigt wie ungeklärt dieser Bereich noch ist. (Gross­mann/Stickelmann 1982, S. 42-44)

Somit ist die Frage, was konkret unter Schulsozialarbeit zu verstehen ist, nicht leicht zu be­antworten. Wenn der Pädagoge Wilfried Wulfers über Schulsozialarbeit spricht, versucht er Ziele der Schule und der Jugendhilfe miteinander zu verbinden. Für ihn ist Schulsozialarbeit als Oberbegriff einzusetzen, „der alle Aktivitäten einschließt, die dazu geeignet sind, Konflik­te und Diskrepanzen bei SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen auf der Grundlage adäquater Methoden der Sozialarbeit (bzw. Sozialpädagogik) innerhalb der Schule oder auf die Schule bezogen abzubauen.“ (Wulfers 1999, S. 14) Somit soll die unterrichtliche, soziale und psychi­sche Situation der genannten Personen verbessert werden. Gleichzeitig sollten die gewählten Aktivitäten zu einer Öffnung der Schule nach innen und außen beitragen und somit eine soziale Verbesserung des Schullebens erwirken.(vgl. Wulfers 1998, S. 10)

Schulsozialarbeit soll also mit sozialpädagogischen Mitteln direkt im Einflussbereich der Schule wirken und versuchen manches anders zu machen oder gar Methoden der Schule im gesamten zu verändern. Dabei geht die Schulsozialarbeit davon aus, dass die Schule ihre So­zialisationsaufgaben bewusst und gezielt mit neuen Mitteln wahrnehmen muss. Mit sozialpä­dagogischen Unterrichtsangeboten, Einzelfallhilfen für Schüler in Konfliktlagen, Freizeitan­geboten, Betreuung von sozialen Problemgruppen, Elternarbeit und vielem mehr soll von Sei­ten der Schulsozialarbeit dieses Ziel erreicht werden. (vgl. Barz 1981, S. 8-10)

2.2 Schulsozialarbeit als Reaktion auf eine veränderte Lebenswelt

Das Erwachsenwerden in unserer heutigen Zeit fällt vielen Jugendlichen schwer. Unsere Risi­kogesellschaft konfrontiert viele Kinder und Jugendliche mit Herausforderungen, die ent­scheidend auf das Erwachsenwerden einwirken.(vgl. Drilling 2001, S. 17-19) Diese Heraus­forderungen auch zu meistern, stellt sich als keineswegs einfach dar, denn die persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Kontexte, in denen junge Menschen heute aufwachsen, un­terscheiden sich doch sehr von denen, die noch vor dreißig bis vierzig Jahren gegeben wa- ren.(vgl. Drilling 2001, S. 8-9) Deshalb halte ich es persönlich erst einmal für sinnvoll zu­nächst diese Kontexte, die Probleme schaffen, zu untersuchen.

Als ersten Kontext werde ich die Familie betrachten, die eine zentrale Rolle für die Entwick­lung des Kindes spielt. Hier lässt sich schnell ein Trend von der Großfamilie hin zur Kleinfa­milie bzw. Kernfamilie feststellen. In der vorindustriellen Großfamilie lebten bis zu vier Ge­nerationen unter einem Dach. Das Arbeiten, Aufwachsen und Erziehen fand in einem Umfeld, im gleichen Haus statt. Im Laufe der Industrialisierung folgte die Trennung von Wohnen und Arbeiten. Eine moderne Kleinfamilie umfasst in der Regel Vater, Mutter und ein bis zwei Kinder. Nähere Verwandte, wie beispielsweise die Großeltern, sind oft nicht mehr in der un­mittelbaren Umgebung der Kinder zu finden.(vgl. Drilling 2001, S. 18-21) Hinzu kommt, dass meist beide Elternteile berufstätig sind und obendrein noch weite Strecken zwischen Woh­nung und Arbeitsplatz zurück legen müssen. Für die Entwicklung von Kinder und Jugendliche hat all dies Folgen. Durch die beruflich gestressten Eltern ist die Familie und das Familienle­ben im traditionellen Sinn nur noch schemenhaft vorhanden. Oft entziehen diese sich ihren Erziehungsaufgaben, weil es ihnen an Zeit und/oder Motivation fehlt. In diesen Überlas­tungssituationen „dient der Fernseher als Kindermädchen“ (Drilling 2001, S. 19)

All diese Faktoren können Folgen für den Entwicklungsprozess von Kindern und Jugendli­chen haben. Oft resultiert aus der mangelnden Kommunikation zu hause auch eine weitrei­chende Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der den Wandel der Familie betrifft ist der, dass viele Kinder heutzutage geschwisterlos aufwachsen. Dies hat zur Folge, dass das Individuum ohne Ge­schwisterrivalität aufwächst und es somit nicht lernt beim Verfolgen der eigenen Interessen gleichzeitig konkurrierende Interessen zu respektieren. Ein weiterer Trend geht zu einer Viel­zahl von Singlehaushalten, die sich oft aus sich einer immer weiter erhöhenden Scheidungs­quote ergeben. Dies fordert von den Kindern hohe Anpassungsleistungen, in denen sie mit wechselnden Familienstrukturen, Verlust von Bezugspersonen und neuem Wohnumfeld zu kämpfen haben.

Laut UNICEF leiden Kinder vermehrt an Krankheiten wie Stress, Leistungsdruck und Angst vor familiären Spannungen. (vgl. Drilling 2001, S. 20-21)

Der Wandel der Familie wirkt sich auch auf den zweiten Kontext, die Freizeit, aus. Das Auf­wachsen in einer Gleichaltrigengruppe spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Persönlichkeit und der Selbstständigkeit der Kinder. Durch die geringe Anzahl der Kinder in den Kleinfamilien kommt den sozialen Kontakten zu anderen Familien grosse Bedeutung zu. Häufig gestattet es die Wohnsituation aber nicht, dass diese Kontakte im Wohnumfeld statt­finden können. Kinder müssen unüberbrückbaren Distanzen zwischen Freunden, Bekannten und Spielgruppen mit Auto, Bus oder Eisenbahn zurückgelegen, man spricht hier auch von einer Verinselung.(vgl. Drilling 2001, S. 21) Durch das Wohnumfeld, die Verkehrsentwick­lung und die Bebauungsformen kommt es zu einer sozialen Isolation der Kinder, was zur Fol­ge hat, dass sie den Grossteil ihrer Freizeit allein zu Hause verbringen.(vgl. Radema­cker/Scherer 1986, S.166-168)

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Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638133784
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5533
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Schulsozialarbeit Proseminar Soziales Lernen Kategorie Bildung

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Titel: Schulsozialarbeit