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Die Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode

Hausarbeit 2004 26 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Pflegeprozess
2.1 Definition
2.2 Die Pflegeprozessschritte

3 Die Pflegevisite
3.1 Definition
3.2 Ziele
3.3 Rahmenbedingungen

4 Integration der Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode
4.1 Organisatorische Aspekte
4.2 Integration in den Pflegeprozess am Beispiel der Evaluation
4.3 Ablauf
4.3.2 Die Durchführung der Pflegevisite
4.4 Grenzen und Chancen
4.5 Patientenorientierung und Zufriedenheit

5 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang

Anlagenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Flussdiagramm der Pflegeauswertung

Abb. 2: Der gesamte Pflegeprozess im Fokus der Pflegevisite

Abb. 3: Pflegeprozessmodelle

Abb. 4: Pflegevisite und Übergabe am Patientenbett

Abb. 5: Pflegevisitebilder

Begriffsdefinitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der stationären Akutversorgung auf einer internistischen Station mit dem Schwerpunkt Kardiologie/Nephrologie arbeitete ich nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester. Oft stellte ich mir die Frage, mit welchem Instrument der Pflegeprozess für den Patienten/die Patientin transparent, die Evaluierung des Pflegeprozesses erfolgreich gesichert und die aktive Beteiligung des Patienten/der Patientin am Pflegeprozess gewährleistet werden kann. Mit dem Pflegeprozess wurde gearbeitet, dieser jedoch nicht in vollständigem Umfang umgesetzt und die Patienten/Patientinnen waren meistens nur an der Anamnese aktiv beteiligt. Die Bereichspflege sowie die Dienstübergabe am Patientenbett waren bereits eingeführt; dies erschien mir jedoch nicht ausreichend genug zu sein. Der Gedanke, die Pflegevisite als Möglichkeit in Betracht zu ziehen erschien mir nicht sinnvoll zu sein, da dies zusätzlich viel Zeit und Personalressourcen kosten würde. Außerdem wurde, wie bereits erwähnt, die Dienstübergabe am Patientenbett durchgeführt. Ich hatte der Pflegevisite gegenüber also eine ziemlich negative Einstellung. Aus dieser Motivation heraus habe ich das Thema jedoch gewählt: Ich möchte in dieser Hausarbeit herausfinden, ob die Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode doch eine sinnvolle und durchführbare Möglichkeit darstellt um die oben genannten Aspekte zu erfüllen bzw. zu verbessern. Es interessiert mich auch, ob in diesem Zusammenhang eine wirklich patientenzentrierte Pflege möglich wird und ob die Zufriedenheit der an der Pflege beteiligten – einschließlich die der Patienten/Patientinnen – gesteigert werden kann.

Zum Thema Pflegevisite gibt es nur wenig wissenschaftliche Literatur. Oftmals sind Artikel in Fachzeitschriften zu finden. Die Zeitschriften selbst sind überwiegend nicht wissenschaftlich (wie z. B. Die Schwester/Der Pfleger), diese werden allerdings hauptsächlich von den Mitarbeitern aus der Pflegepraxis gelesen und aus diesem Grund von mir in die Hausarbeit mit einbezogen.

In der Literatur zum Thema Pflegevisite wird der Pflegeempfänger/die Pflegeempfängerin oft als Klient/Klientin bezeichnet, um die Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit des Menschen in den Mittelpunkt zu rücken (vgl. Pschyrembel Wörterbuch Pflege 2003, 482). In meiner Hausarbeit verwende ich den Begriff Patient/Patientin, da ich von der Situation im Krankenhaus ausgehe und dort bisher diese Begrifflichkeit gebräuchlich ist, obwohl die Autonomie des/der Betroffenen in diesem Bereich eine immer größere Bedeutung erlangt.

Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich den Pflegeprozess vorstellen, da er im Mittelpunkt der Pflegevisite steht. Anschließend werde ich auf die Pflegevisite selbst eingehen. Den Schwerpunkt bildet der Einsatz der Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode in Kapitel 4 einschließlich der Patientenorientierung und Zufriedenheit. Abschließend möchte ich kurz auf die Frage eingehen, ob dieses Instrument geeignet ist, um Pflege transparenter und patientenzentrierter zu gestalten und die Evaluation der Pflege zu gewährleisten.

2 Der Pflegeprozess

2.1 Definition

Der Pflegeprozess wird in verschiedenen Definitionen beschrieben. Exemplarisch zitiere ich die pflegewissenschaftliche Definition von Brobst et al. (1999):

„Der Pflegeprozeß ist ein systematischer Ansatz, um die Probleme eines Patienten zu erkennen und Pflegehandlungen zur Lösung dieser Probleme in Gang zu setzten. Der Pflegeprozeß beruht auf wissenschaftlichen Grundlagen und bietet eine Struktur, die darauf zielt, das Wohlbefinden des Patienten zu verbessern oder zu erhalten.“

(Brobst et al. 1999, 17)

Der Pflegeprozess stellt ein Instrument dar, das systematisierend, strukturierend und dynamisch ist. Er berücksichtigt laufende Reaktionen und Veränderungen des Patienten/der Patientin und ist an jede Einrichtung anpassungsfähig (vgl. Reimer/Füller 1998, 82). Der Pflegeprozess ist ein Problemlösungs- und Beziehungsprozess, der vom Arzt unabhängig ist und die Grundlage einer patientenorientierten Pflege bildet. Der Patient/die Patientin ist nicht nur leidende/r, sondern auch ein Mensch mit gesunden Anteilen, da sich der Pflegeprozess auch auf die „gesunden Kräfte des Menschen“, dessen Ressourcen bezieht (vgl. Henke 2000, 11f).

2.2 Die Pflegeprozessschritte

In der Literatur sind verschiedene Modelle zu finden, die sich in der Anzahl ihrer Phasen unterscheiden. Der direkte Vergleich der Modelle zeigt keine wesentlichen Unterschiede. Es werden nur Stufen zusammengefügt (vgl. Pflege heute 1998, 31), (s. Anl. 1). In meiner Hausarbeit werde ich mich auf das 6-Stufen-Modell nach Fiechter/Meier beziehen. In der Praxis habe ich nach diesem Modell gearbeitet, außerdem halte ich es auch für den Bereich der Ausbildung als gut geeignet, da die genaue Aufschlüsselung eine Erleichterung für die Lernenden darstellen kann und wichtige Elemente, wie z. B. die Einbeziehung der Ressourcen, weniger vergessen werden. Die sechs Phasen lauten:

1. Informationssammlung
2. Erkennen von Problemen und Ressourcen des Patienten
3. Festlegung der Pflegeziele
5. Durchführung des Pflegeplans
4. Planung der Pflegemaßnahmen
6. Beurteilung der Wirkung der Pflege auf den Patienten (Evaluation)

In dieser Hausarbeit werde ich nur auf die sechste Phase genauer eingehen, da ich in Kapitel 4 anhand der Evaluation die Einbeziehung der Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode darstellen möchte. Diese Phase habe ich gewählt, da „die Evaluation der pflegerischen Arbeit der vernachlässigte Teil des Pflegeprozesses“ ist (Görres et al. 2002, 30). Diese letzte Phase stellt die professionelle Auseinandersetzung mit dem Pflegeprozess dar, bei der eine Auswertung vorgenommen wird (vgl. Brunen/Herold 1995, 111): Der Erfolg des pflegerischen Handelns wird überprüft, eine Neueinschätzung des Zustands des Patienten vorgenommen, nach Gründen gesucht, wenn der Patient die geplanten Ziele nicht erreicht hat und bei Bedarf eine Veränderung des Pflegeplans vorgenommen. Die einzelnen Schritte des Pflegeprozesses stehen in einer Wechselbeziehung, deshalb kann ein genauer Zeitpunkt der Evaluation nicht genannt werden: Es findet eine gleichzeitige Auswertung statt, während der Patient gepflegt wird, und eine rückblickende, wenn der Patient entlassen wird (vgl. Brobst et al. 1999, 156 ff). In der stationären Akutpflege bietet sich das Ende der Akutphase an, die sog. Stabilisierungsphase, z. B. nach einer OP (vgl. Pflege heute 1998, 29). Wie in Abb. 1 deutlich wird, ist die Evaluation selbst ein Prozess in sich, der als Flussdiagramm gesehen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Flussdiagramm der Pflegeauswertung

Laut Gültekin/Liebchen (2003, 32 f) spiegelt der Pflegeprozess die Entwicklung der Pflege am Patienten/an der Patientin wieder: „Der Pflegeprozess ist ein dynamischer Verlauf zwischen Gesundheit und Krankheit und bildet die Grundlage für eine individuelle ganzheitliche Pflege.“

3 Die Pflegevisite

3.1 Definition

Ein wesentlicher Unterschied zur Arztvisite sind die Aufgaben: bei der Arztvisite geht es um Diagnostik und Therapie, medizinische Aspekte stehen im Vordergrund. Bei der Pflegevisite geht es darum, zusammen mit dem Patienten/der Patientin Probleme und Ressourcen im Bereich der Pflege zu erkennen, Maßnahmen und Ziele festzulegen und zu überprüfen (evaluieren). Von den Pflegenden aus der Praxis wird die Pflegevisite eher als Dienstübergabe am Patientenbett geschildert. Wenn man in die Literatur schaut, sieht man, dass sich auch die Autoren uneinig sind, was die Definition betrifft (vgl. Augsten et al. 1997, 1049). Allerdings gibt es wesentliche Merkmale und Unterschiede zwischen der Pflegevisite und der Dienstübergabe am Patientenbett (s. Anl. 2) (vgl. Schlenker-Ferth 1998, 5). Dass die Pflegevisite in der Literatur unterschiedlich definiert wird liegt auch daran, dass sie unterschiedliche Zielrichtungen aufweist: Sie dient als Instrument zur Qualitätssicherung und als Führungsinstrument, als Kommunikationsmittel und ist außerdem innerhalb der Pflegeprozessmethode zu finden. Vergleicht man verschiedene Definitionen miteinander, werden diese Zielrichtungen deutlich sichtbar: Im Mittelpunkt der Pflegevisite stehen die Pflegequalität sowie Fachaufsicht und Wirtschaftlichkeit, die Individualisierung und Aspekte des Pflegeprozesses. Da ich die Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode darstelle ist folgende Definition zutreffend:

„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der KlientIn/dem Klienten über ihren/seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw. der Pflegediagnose, Vereinbarung der Pflegeziele, Vereinbarung der Pflegeinterventionen, Überprüfung der Pflege.“

(Heering et al. 1997, XX)

3.2 Ziele

Der Patient soll im Mittelpunkt stehen und aktiv Mitwirkender sein. Neben der Planung soll die Auswertung und Neueinschätzung der geplanten und durchgeführten Maßnahmen unter Einbeziehung des Patienten geschehen (vgl. Hollik 2004, 150). Dies führt zu Patientenorientierung und Verbesserung der Pflegequalität. Außerdem wird die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Pflegenden gefördert (vgl. Görres et al. 2002, 28+31).

3.3 Rahmenbedingungen

Um die Pflegevisite ein– und durchführen zu können, müssen bestimmte Dinge beachtet und gewisse Rahmenbedingungen gegeben sein oder geschaffen werden. Aus der Literatur habe ich die Punkte herausgesucht, die mir am wichtigsten erscheinen:

- Die Mitarbeiter sollten mit dem Pflegeprozess vertraut sein und bereits verbindlich mit der Pflegeplanung arbeiten (Rudnik 1998, 109). Eine zeitgleiche Einführung von Pflegeprozess/Pflegeplanung und Pflegevisite ist nicht sinnvoll. Außerdem sollte das Bezugspflegesystem bereits eingeführt sein.
- Ein wichtiger Aspekt sind die personellen Ressourcen. Evtl. müssen mögliche und nützliche Umstrukturierungen (z. B. Dienstzeiten verändern) in Betracht gezogen werden, laut Hollik (2004, 72) sollen trotz Personalknappheit die Ressourcen so ausgenutzt werden können, dass eine Durchführung der Pflegevisite möglich wird.
- den Mitarbeitern sollte der Grundgedanke der Pflegevisite bekannt sein, da deren Akzeptanz und Motivation bei der Ein– und Durchführung der Pflegevisite eine wichtige Rolle spielt (vgl. Gültekin/Liebchen 2003, 18).
- Laut Heering et al. (1997) sollte mindestens ein Jahr Prozessdauer einkalkuliert werden. Außerdem sind
- für alle Mitarbeiter Fortbildungen und Schulungen in Gesprächsführung, insbesondere der narrativen Gesprächstechnik notwendig. Laut Hollik (2004, 72) sollten alle Mitarbeiter eine ergänzende und regelmäßig stattfindende Schulung in der patientenzentrierten Gesprächsführung sowie Supervisionen erhalten um Schwachstellen zu erkennen.
- Eine wichtige Rolle spielen auch die Räumlichkeiten: es sollte die Möglichkeit geben, die Pflegvisite mit einem/einer mobilen Patienten/Patientin in einem separaten Raum durchzuführen, der die Voraussetzungen „für ein persönliches Gespräch“ erfüllt (DBfK-Leitfaden 2002, 7).

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Details

Seiten
26
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638503419
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55385
Institution / Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,0
Schlagworte
Pflegevisite Pflegeprozessmethode Neue Entwicklungen Pflegediagnosen Pflegeprozess Innovative Pflegemethoden

Autor

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Titel: Die Pflegevisite innerhalb der Pflegeprozessmethode