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Themistokles und die zweite Phase der Perserkriege. Die Auswirkungen der Perserabwehr 480/79 v. Chr. auf die innere Entwicklung Athens

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 35 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Tendenzen der inneren Entwicklung Athens im Jahrzehnt nach Marathon

3. Die attische Flottenrüstung
3.1 Persien, Themistokles und das Flottenbauprogramm
3.2 Das Kriegsschiff Triere: technische Eigenschaften, Besatzung und Kampfweise
3.3 Die innenpolitische Komponente der Seerüstung: Ruderdienst als Instrument der Demokratisierung?

4. Die Auswirkungen der Perserabwehr auf Athen
4.1 Skizze des Kriegsverlaufs
4.2 Die Auswirkungen des hellenischen Sieges auf die innere Entwicklung Athens

5. Der Seebund und die Politisierung der Theten

6. Schlussbetrachtung

7. Quellen und Literatur
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1. Einleitung

Die Perserkriege und ihre Fortsetzung unter athenischer Führung, formuliert Christian Meier, waren die conditio sine qua non der attischen Demokratie.[1] Schließlich war die Abwehr der persischen Angriffe ja unerlässlich für das Überleben der von Kleisthenes begründeten isonomen Verfassung, da ein Erfolg der Perser die Wiedererrichtung der Tyrannis bedeutet hätte. Der Kampf mit dem äußeren Feind hatte jedoch auch weitreichende Folgen für die innere Entwicklung der Polis. Entscheidend war hierbei der Entschluss der Athener, der zu befürchtenden Invasion des Xerxes durch den Aufbau einer starken Kriegsflotte zu begegnen: War Marathon noch der Erfolg der Hopliten, also der Land besitzenden Bürger, gewesen, wurden zum Dienst in der neuen Flotte nun alle Wehrfähigen, vor allem die unbemittelten Bürger, herangezogen. Da Kriegsdienst und das Recht auf politische Mitsprache nach damaliger Auffassung eine gedankliche Einheit bildeten, erwarben nun auch die Unbemittelten, die bislang weitgehend abseits des Heeresdienstes und somit auch des politischen Lebens gestanden hatten, Anspruch auf aktive politische Partizipation. Die großen Seesiege über die Perser und insbesondere die Entscheidung der Athener, ihre Flotte nach dem persischen Abzug nicht abzumustern, sondern im Rahmen einer groß angelegten maritimen Bündnispolitik einzusetzen, politisierten die als Rudermannschaften dienenden Massen und führten schließlich zur Entstehung der attischen Demokratie.

Die vorliegende Seminararbeit untersucht den Perserkrieg von 480/79 im Hinblick auf seine Bedeutung für die Entwicklung der kleisthenischen isonomen Gesellschaftsordnung zur klassischen Demokratie, wie diese nach 462/61 in Erscheinung trat. Inwieweit war kann die Außenpolitik, die in Athen seit dem themistokleischen Flottenbauprogramm praktisch Flottenpolitik war, als entscheidende Triebkraft für die Entstehung der attischen Demokratie gewertet werden? Lassen sich dementsprechend die Perserkriege als Initialzündung der politischen Aktivierung der Massen und somit der Demokratie interpretieren?

Der Untersuchungszeitraum dieser Arbeit umfasst die gut drei Jahrzehnte von der Schlacht bei Marathon (490) bis zu den Reformen des Ephialtes (462/61). Hauptquelle für die Perserkriege sind die in den 420er Jahren verfassten Historien des Herodot (Bücher 6-9). An dessen Bericht knüpft Thukydides’ Darstellung des Peloponnesischen Krieges (entstanden um 400) an, deren erstes Buch einen knappen Überblick über die rund 50 Jahre zwischen dem Ende der Perserkriege und dem Beginn des Peloponnesischen Krieges liefert. Zur inneren Entwicklung Athens ist insbesondere die Aristoteles zugeschriebene, um die Mitte der 320er Jahre abgefasste Athenaion Politeia heranzuziehen. Unter den späteren Autoren ist vor allem Plutarch (ca. 50-120 n. Chr.) zu nennen, dessen Themistokles-Biographie eine Vielzahl von nicht überlieferten Autoren des 5. und 4. Jahrhunderts berücksichtigt. Über die genannten Autoren hinaus werden in diesem Papier weitere literarische Quellen, daneben aber auch epigraphisches und bildliches Material untersucht.

Zur Entwicklung der attischen Demokratie liegt mittlerweile eine kaum überschaubare Fülle an Forschungsliteratur vor. Grundlegend für die Fragestellung dieser Arbeit ist die mittlerweile in vierter Auflage vorliegende Gesamtdarstellung Die athenische Demokratie von Jochen Bleicken.[2] Die entsprechenden Kapitel dieses Buches sowie Bleickens Aufsatz „Wann begann die athenische Demokratie?“ arbeiten den Zusammenhang von Perserkriegen und innerer Entwicklung heraus.[3] Vor wenigen Jahren hat Karl-Wilhelm Welwei mit Das klassische Athen eine Gesamtdarstellung der athenischen Geschichte des 5. und 4. Jahrhunderts vorgelegt, die einen Überblick über die Außenpolitik und die inneren Strukturen Athens liefert.[4] Derselbe Autor untersucht in Die griechische Polis (2. Aufl., 1998) Verfassung und Gesellschaft in archaiischer und klassischer Zeit, wobei das Hauptaugenmerk auf Sparta und Athen gelegt wird.[5] Grundlegend für die Entwicklung der kleisthenischen isonomen Verfassung zur Demokratie ist nach wie vor Jochen Martins Aufsatz „Von Kleisthenes zu Ephialtes“ (1974), der die Demokratie in erster Linie als Produkt der außenpolitischen Entwicklungen des 5. Jahrhunderts interpretiert.[6]

Die Perserkriege werden in diesem Papier in erster Linie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Entstehung der Demokratie behandelt. Strategische Entscheidungen und der Kriegsverlauf werden daher nur zu einem knappen Überblick zusammengefasst. Die militärischen Aspekte der Perserkriege sind vor allen in der englischsprachigen Forschung gründlich untersucht worden. Nachdem die in den 1960er Jahren veröffentlichten Gesamtdarstellungen von A.R. Burn und C. Hignett über drei Jahrzehnte hinweg maßgeblich waren,[7] legte John F. Lazenby mit The Defence of Greece (1993) erstmal wieder eine umfassende Darstellung der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Persern vor.[8] Auch die entsprechenden Kapitel in Welweis Athen-Gesamtdarstellung liefern einen gründlichen Überblick über den Kriegsverlauf und seine politischen Auswirkungen.

Vor allem das athenische Seekriegswesen ist im Zusammenhang dieser Arbeit von Interesse. Auch hier ist Jochen Bleickens Gesamtdarstellung zu nennen, die einen Überblick über die technischen Eigenschaften, Kampfweise und weitere Aspekte der Triere bietet. Eine Gesamtdarstellung der antiken Seefahrt liegt mit Ships and Seamanship in the Ancient World (1971) von Lionel Casson vor.[9] Christopher Haas setzt sich in seinem Aufsatz „Athenian Naval Power before Themistocles“ (1985) mit dem Seekriegswesen vor allem der archaiischen Zeit auseinander.[10] Hinsichtlich des themistokleischen Flottenbaus ist auch auf Wolfgang Blösels Studie Themistokles bei Herodot (2004) zu verweisen, die die Schwierigkeiten hervorhebt, mit denen sich die Forschung im Hinblick auf die attische Seerüstung der 480er Jahre konfrontiert sieht.[11]

2. Tendenzen der inneren Entwicklung Athens im Jahrzehnt nach Marathon

Der Sieg bei Marathon bedeutete für Athen nicht nur die Abwehr fremder Herrschaft, sondern auch die Verteidigung der unter Kleisthenes etablierten isonomen Gesellschaftsordnung gegen eine Erneuerung der Tyrannis unter persischer Ägide – der vertriebene Tyrann Hippias war ja im Gefolge von Datis und Artaphernes zurückgekehrt.[12] Der Organisator des großen Sieges, Miltiades, stand im Zenith seines Ansehens und genoss das nahezu uneingeschränkte Vertrauen des attischen Demos.[13] Die politische Szene in Athen geriet jedoch bald darauf in Bewegung. Hier ist in erster Linie das Ende des Miltiades, der wiederaufflammende Konflikt mit Aigina, die erstmalige Anwendung des Ostrakismos und die Reform der Archontenbestellung zu nennen. Inwieweit lassen sich bei den genannten Maßnahmen „demokratische“ Tendenzen erkennen?

Miltiades kommandierte 489 eine Flotte von 70 Schiffen,[14] die die Kykladeninseln, über die der persische Angriff von 490 vorgetragen worden war, unter athenische Kontrolle bringen sollte.[15] Gegen die westlichen Kykladen operierten die Athener offenbar erfolgreich,[16] die Belagerung von Paros musste jedoch abgebrochen werden.[17] Zurück in Athen wurde Miltiades, der sich auf Paros verletzt hatte und bereits an Wundbrand litt, vor der Volksversammlung des Betruges angeklagt. Sein Ankläger, der mit den Alkmeoniden verschwägerte Xanthippos, beantragte die Todesstrafe. Die Ekklesia verurteilte Miltiades angesichts seiner Verdienste um die Polis (Marathon und die Eroberung von Lemnos) jedoch nur zu einer hohen Geldstrafe. Kurz darauf erlag er dem Wundbrand; die Strafe – angeblich 50 Talente – soll sein Sohn Kimon gezahlt haben.[18] Mit Miltiades war die einflussreichste Führungsfigur in Athen gestürzt; in den folgenden Jahren rivalisierten verschiedene Adelige um die politische Spitzenposition. Form und Verlauf von Miltiades’ Prozess demonstrieren die Konsolidierung der kleinsthenischen Verfassung sowie die Handlungsmöglichkeiten und –grenzen des Adels innerhalb dieser Ordnung. Adelige Führungsfiguren, auch herausragende Gestalten wie Miltiades, mussten sich vor den in der Volksversammlung anwesenden Teilen der Bürgerschaft, also in erster Linie vor den Bürgern des Hoplitenzensus, verantworten und wurden für Fehlentscheidungen mit aller Härte zur Rechenschaft gezogen. Ihre adeligen Gegenspieler nutzten dabei jede Chance, sich als Vertreter der Interessen des Demos zu profilieren und dadurch ihren eigenen politischen Einfluss zu vergrößern.[19]

An die Parosexpedition schloss sich ein weiterer militärischer Rückschlag an. Anfang der 480er Jahre flammte der Konflikt mit der seemächtigen Inselpolis Aigina wieder auf. Die Athener unterstützten einen Umsturzversuch der aiginetischen Opposition, der jedoch fehlschlug, weil die um 20 korinthische Trieren erweiterte athenische Flotte verspätet eintraf.[20] Zwar konnten die Athener eine Seeschlacht zu ihren Gunsten entscheiden, mussten sich jedoch nach weiteren Gefechten zu Lande und zur See zurückziehen.[21] Weder die Initiatoren dieses Unternehmens noch seine unmittelbaren innenpolitischen Konsequenzen sind bekannt.[22] Der Krieg mit Aigina blieb jedoch während der gesamten 480er Jahren eines der zentralen Themen der politischen Debatte in Athen und lieferte den Befürwortern der maritimen Aufrüstung, insbesondere Themistokles, stichhaltige Argumente.

Zwischen Marathon und der erstmaligen Anwendung des Ostrakismos (488/87) besteht laut der aristotelischen Athenaion Politeia ein direkter Zusammenhang: Durch den Sieg über die Perser habe das Volk an Mut gewonnen und schließlich die Ostrakophorie angewandt, da es die Inhaber von Machtstellungen verdächtigte, eine Tyrannis errichten zu wollen. Die Bürgerschaft ostrakisierte den Peisistratiden Hipparchos, um dessentwillen bereits Kleisthenes das Verfahren eingeführt hätte.[23] Von der Frage, ob der Ostrakismos schon unter Kleisthenes oder erst 488/87 eingeführt wurde, einmal abgesehen, ist keineswegs klar, welchem Zweck er tatsächlich diente. In den späteren Quellen erscheint er als Präventivmaßnahme der Demokratie gegen herausragende Einzelpersonen: Nach Aristoteles’ Politik ist er kennzeichnend für demokratisch verfasste Staaten.[24] Die Athenaion Politeia ordnet ihn in das kleisthenische Reformwerk ein, durch das die Verfassung „viel demokratischer“[25] wurde; demnach handelt es sich um einen demokratischen Schutzmechanismus gegen die Tyrannis, konkret gesagt, gegen die Peisistratiden.[26] Als Schutzmaßnahme der Demokratie gegen die übergroße Macht einzelner ist die Ostrakophorie jedoch fragwürdig. Wenn man davon ausgeht, dass die letztgültige Entscheidungsgewalt bei der Ekklesia lag, konnte kein einzelner etwas gegen ihren Willen ausrichten. Die Ostrakophorie wäre dann obsolet; nach 462/61 wurde sie ja auch schnell anachronistisch und nur noch zweimal angewandt.[27] Ebenfalls nicht einleuchtend ist die Annahme, dass die Institution die im Konsolidierungsprozess begriffene isonome Verfassung habe schützen sollen. Derjenige, der so viel politische Macht auf sich vereinigte, dass er die innere Ordnung gefährdete, verdankte dies ja eben der Tatsache, dass er die meiste Zustimmung in der Volksversammlung fand. Es wäre daher völlig unplausibel, wenn die Volksversammlung gerade denjenigen, den sie doch am meisten unterstütze, ostrakisiert hätte.[28] Der Ostrakismos ist vielmehr „Ausdruck der politischen Rivalitäten prominenter Adliger“[29] ; als Mittel des inneraristokratischen Machtkampfes unter den Bedingungen der kleisthenischen Reform ergibt er einen guten Sinn.[30] Die Quellen sagen wenig über die näheren Umstände der Ostrakophorien. Die ersten drei Verfahren hätten sich gegen Anhänger der Peisistratiden gerichtet, so die Athenaion Politeia, mit Xanthippos (485/84) sei dann jedoch erstmals ein Bürger ostrakisiert worden, der der Tyrannis fern stand.[31] Hinter den Ostrakophorien standen wahrscheinlich heftige Auseinandersetzungen um den Kurs der athenischen Außen- und Wehrpolitik, bei denen die Bedrohung durch einen erneuten persischen Angriff eine prominente Rolle spielte: Kallias (vermutlich 486/85 ostrakisiert) wird auf einigen Ostrakafunden unter anderem als „Meder“ bezeichnet und in persischer Tracht dargestellt, Aristeides auf einer Scherbe als „Bruder des Datis“ diffamiert.[32] Letzterer wurde im demselben Jahr, in dem Themistokles die drastische Aufrüstung der Flotte beantragte, ostrakisiert.[33] Es lässt sich freilich nicht nachweisen, dass Aristeides gegen das Flottengesetz opponierte,[34] jedoch ist denkbar, dass er in seinen außenpolitischen und militärischen Konzeptionen andere Akzente setzte als Themistokles.[35] Es ist somit nicht erkennbar, dass die Bürgerschaft die Ostrakisierten als grundsätzliche Bedrohung für die innere Ordnung und Autonomie der Polis empfand – die Tatsache, dass man sie am Vorabend des Xerxes-Zuges zurück rief sowie Aristeides und Xanthippos in den Kämpfen von 480/79 mit Führungsaufgaben betraute, legt dies zumindest nahe.[36] Beim Ostrakismos handelt es sich demnach um ein Instrument des politischen Machtkampfes, um „eine Reaktion auf die Tatsache, daß infolge der kleisthenischen Reformen die Auseinandersetzungen zwischen den adligen Herren vor der Volksversammlung ausgetragen wurden“[37].

Weitere Neuerungen ergaben sich im Bereich der Bestellung der Archonten. Waren die Archonten bislang von der Volksversammlung gewählt worden, wurde erstmals 487/86 ein kombiniertes Verfahren aus Vorwahl und Losung angewandt. Dabei wurden 100 Kandidaten (10 pro Phyle) in den Demen vorgewählt, aus denen dann die neun Archonten und der Schreiber der Thesmotheten erlost wurden.[38] Als Konsequenz der Reform ergab sich eine Abwertung des Archontats, da ja nicht länger die politische Autorität der Kandidaten, sondern die Beliebigkeit des Loses über die Besetzung der Beamtenstellen entschied. Das Amt wurde für politisch ambitionierte Mitglieder der Oberschicht unattraktiv.[39] Der Polemarch verlor im Zuge der Reform möglicherweise seine militärischen Befugnisse: Stand er bei Marathon noch (zumindest nominell) dem Strategenkollegium vor, spielte er in den Kämpfen von 480/79 allem Anschein nach keine Rolle mehr. Dagegen blieb das Strategenamt weiterhin ein Wahlamt, das zwar jeweils auf ein Jahr begrenzt war, jedoch iteriert und kontinuiert werden konnte. Die Einführung der Archontenlosung führte somit auch zu einer Aufwertung des Strategenamtes.[40]

Die Motive dieser Reform sind umstritten. Möglicherweise diente sie in Verbindung mit dem Ostrakismos einer weiteren Schwächung der Amtsträger, da durch das Prinzip der Losung von vornherein vermieden wurde, dass sich einflussreiche und ehrgeizige Persönlichkeiten bemühten, ihre Macht mithilfe des Archontats zu konsolidieren.[41] Eine solche Erklärung lässt jedoch die gestiegene Bedeutung der Strategen außer Acht. Es ist auch denkbar, dass die Archonten bereits vor der Reform wesentliche Kompetenzen verloren hatten und das Amt zwar weiterhin prestigeträchtig war, die tatsächliche Macht jedoch längst bei den Strategen lag. In diesem Falle hätte es sich bei der Reform lediglich um die formelle Anerkennung einer bereits gängigen Praxis gehandelt.[42] Die Neuregelung der Archontenbestellung lässt sich jedoch auch –ähnlich wie der Ostrakismos– als Mittel des Machtkampfes unter den dominierenden Adligen interpretieren. Vielleicht war es Themistokles, der die Reform initiierte, um zu verhindern, dass seine politischen Kontrahenten das Amt des Polemarchen als politische Plattform benutzten, um sein Programm der maritimen Aufrüstung gegen Aigina und Persien zu blockieren. Demokratische Ziele hätte Themistokles dann jedoch in keinem Falle verfolgt.[43]

Die innere Entwicklung Athens zeigt, dass sich die isonome Gesellschaftsordnung konsolidiert hatte. Zwar lag die politische Führung der Polis weiterhin in den Händen prominenter Adeliger, jedoch konnte sich der einzelne Adelige nur gegenüber seinen Rivalen durchsetzen, wenn es ihm gelang, die Unterstützung der in der Volksversammlung aktiven Teile des Demos für sich zu mobilisieren. Die Ostrakophorien und möglicherweise auch die Reform der Archontenbestellung zielten nicht primär auf eine Schwächung der adeligen Amtsträger zugunsten des Demos ab. Vielmehr standen die 480er Jahre im Zeichen schwerer Machtkämpfe, in denen führende Mitglieder der Oberschicht, unter ihnen Themistokles, um den Kurs der Außen- und Wehrpolitik ihrer Polis rangen.

[...]


[1] Christian Meier, Die Rolle des Krieges im klassischen Athen, HZ 251 (1990), S. 555-605.

[2] Jochen Bleicken, Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn u.a. 1995.

[3] Jochen Bleicken, Wann begann die athenische Demokratie?, HZ 260 (1995), S. 337-364.

[4] Karl-Wilhelm Welwei, Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999.

[5] Karl-Wilhelm Welwei, Die griechische Polis, 2. Aufl., Stuttgart 1998.

[6] Jochen Martin, Von Kleisthenes zu Ephialtes, Chiron 4 (1974), S. 5-42.

[7] A.R. Burn, Persia and the Greeks. The Defence of the West, c. 546-478 B.C., 2. Aufl., London 1984; C. Hignett, Xerxes’ Invasion of Greece, Oxford 1963.

[8] John F. Lazenby, The Defence of Greece 490-479 B.C., Warminster 1993.

[9] Lionel Casson, Ships and Seamanship in the Ancient World, Princeton 1971.

[10] Christopher J. Haas, Athenian Naval Power before Themistocles, Historia 34 (1985), S. 29-46.

[11] Wolfgang Blösel, Themistokles bei Herodot: Spiegel Athens im fünften Jahrhundert. Studien zur Geschichte und historiographischen Konstruktion des griechischen Freiheitskampfes 480 v. Chr., Stuttgart 2004.

[12] Bleicken, Wann begann die athenische Demokratie?, S. 355; Hdt. 6,107,1-3.

[13] Hdt. 6,132; Welwei, Athen, S. 40; Welwei, Polis, S. 167.

[14] Hdt. 6,132.

[15] Welwei, Athen, S. 39; Martin Dreher, Athen und Sparta, München 2001, S. 74.

[16] Keos, Kythnos, Seriphos und Melos schlossen sich dem 481 gegründeten sogenannten Hellenenbund an.

[17] Hdt. 6,135,1.

[18] Hdt. 6,136.

[19] Welwei, Athen, S. 40; Welwei, Polis, S. 167.

[20] Hdt. 6,87-90.

[21] Hdt. 6,92-93.

[22] Welwei, Athen, S. 41.

[23] Aristot. Ath. Pol. 22,3-4.

[24] Aristot. Pol. 1284, a15-20.

[25] Aristot. Ath. Pol. 22,1.

[26] Aristot. Ath. Pol. 22,3f.

[27] Martin, Von Kleisthenes zu Ephialtes, S. 25.

[28] Ebd.

[29] Welwei, Polis, S. 167f.

[30] Martin, von Kleisthenes zu Ephialtes, S. 25.

[31] Aristot. Ath. Pol. 22,6.

[32] Welwei, Athen, S. 45f.

[33] Aristot. Ath. Pol. 22,7.

[34] Welwei, Athen, S. 47; Lazenby, Defence, S. 83.

[35] Welwei, Athen, S. 47; Martin, Von Kleisthenes zu Ephialtes, S. 26; Dreher, Athen und Sparta, S. 75; A.J. Holladay, The Forethought of Themistocles, JHS 107 (1987), S. 185.

[36] Welwei, Athen, S. 46.

[37] Martin, von Kleisthenes zu Ephialtes, S. 26.

[38] Aristot. Ath. Pol. 22,5. Die dort genannte Zahl von 500 bzw. 50 vorgewählten Kandidaten je Phyle wird in der Forschung durchweg als zu hoch angesehen.

[39] Bleicken, Die athenische Demokratie, S. 48; Welwei, Polis, S. 168.

[40] Welwei, Athen, S. 43; Welwei, Polis, S. 168f.

[41] Bleicken, Die athenische Demokratie, S. 60f.

[42] Lazenby, Defence, S. 82; Welwei, Athen, S. 44f.

[43] Martin, Von Kleisthenes zu Ephialtes, S. 28.

Details

Seiten
35
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638503624
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55414
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Alte Geschichte
Note
1
Schlagworte
Themistokles Phase Perserkriege Auswirkungen Perserabwehr Entwicklung Athens Attische Demokratie

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Titel: Themistokles und die zweite Phase der Perserkriege. Die Auswirkungen der Perserabwehr 480/79 v. Chr. auf die innere Entwicklung Athens