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Gestalttherapie zur Identitätssuche in der Adolesenz

Hausarbeit 2003 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Lebensphase Jugend
1.1. Einleitung, die Lebensphase Jugend
1.2. Identitätssuche in der heutigen Gesellschaft
1.3. Erwartungen Jugendlicher an die Zukunft
1.4. Definition von Identität
1.5. Allgemeine Lebenssituation Jugendlicher
1.5.1. Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle
1.5.2. Die psychosoziale Ablösung von den Eltern:
1.5.3. Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz:
1.5.4. Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsummarktes, für die Gestaltung der Freizeit und den Umgang mit den Medien
1.5.5. Entwicklung eines Werte- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewußtseins

2. Gestalttherapie
2.1. Therapeutisches Verfahren: Gestalttherapie (nach Frederick Perls/ Patricia Baumgardner)
2.2. Planung von Interventionsstrategien
2.3. „Tree of Sience“ ( nach Petzold)
2.4. Therapeutische Methode: Kunsttherapie
2.5. Kunsttherapeutische Techniken; zwei Praxisbeispiele
I. Partnerübung
II. Workshop Actionpainting

3. Literaturverzeichnis

1. Lebensphase Jugend

1.1 Einleitung, die Lebensphase Jugend

Um mit Jugendlichen arbeiten zu können ist es notwendig sich vorab einen Eindruck über diese Lebensphase zu verschaffen. Es ist hilfreich sich an seine eigene Jugend zu erinnern und diese „Revue“ passieren zu lassen.

Eines ist sicher, wie kaum eine andere Phase des Lebens lässt sich diese als turbulent und bisweilen belastend, aber auch als besonders anregend und voller neuer Perspektiven beschreiben. Es ist die Lebensphase der intensiven Auseinandersetzung mit sich, also mit inneren, psychischen und physischen Aspekten, und mit der umgebenden äußeren und sozialen Umwelt.

1.2 Identitätssuche in der Adolesenz in der heutigen Gesellschaft

Die früheren eher statischen und intakten Gesellschaftsstrukturen waren gekennzeichnet durch einen engen Sozialverbund und starke traditionelle Bindungen. Der Übergang in eine moderne Gesellschaft ist hingegen durch die Freisetzung des Individuums von traditionellen, lokalen, familialen, ständischen und religiösen Bindungen gekennzeichnet (vgl. Peuckert 1996). Also nimmt der gesellschaftliche Wandel auf alle Lebensbereiche der Jugendlichen Einfluß.

Heute hat sich ein Bruch zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, bzw. der Gemeinschaft vollzogen. Die Frage „ wohin gehöre ich“ stellt sich natürlich besonders in der Phase der Adoleszenz: „Junge Menschen stehen heute vor wesentlich schwierigeren Problemen bei der Suche nach einer sicheren Zukunft als frühere Jugendgenerationen. (...). So müssen die gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen einschließlich der sozialen und kulturellen Folgen für die Alltagsgestaltung der Menschen berücksichtigt werden.“ (Landesregierung Nordrhein-Westfalen, 1999).

Durch die zunehmende Industrialisierung während der Moderne (16./17. Jh.) wurde ein sozialer Wandlungsprozeß von erheblicher Bedeutung in Gang gesetzt. Dies zeigt sich zum einen durch einen Wegfall von Normen und Rollenzwängen und andererseits durch eine Pluralisierung der Lebensformen (z.B.: verschiedenste „Lifestyle“-formen oder der Wegfall von Rollenstereotypen; der Mann als Ernährer der Familie, autoritär und dominant, die Frau als Hausfrau, gefühlsbetont, weich und nachgiebig).

Dies beinhaltet aber auch einen Wandel der sozialen Beziehungen, z. B. das Bild der traditionellen Familie.

Ebenso vollzog sich ein sozialer Wertewandel. Pflicht- und Akzeptanzwerte, wie Ordnung, Leistung oder Pflichterfüllung traten in den Hintergrund und Selbstentfaltungs- bzw. postmaterialistische Werte, wie Autonomie, Gleichbehandlung und Selbstverwirklichung, gewinnen an Bedeutung. Für die Jugendlichen bedeutet dies dass sich für sie alte und neue Wertevorstellungen zu einem heterogenen, diffusen und instabilen Wertesystem zusammensetzen (Vgl. Peuckert 1996).

Durch diese Pluralisierung sind viele Jugendliche heute mit einer Wahlfreiheit konfrontiert, die oftmals als ein Wahlzwang empfunden werden kann. „Die Menschen sind nun gezwungen sich selbst zum Zentrum ihrer eigenen Lebensplanung zu machen. „Normalbiographie“ wird zur „Wahlbiographie“. (Peuckert, 1996) (Bastel- oder Drahtseilbiographie ).

Die Jugendlichen sind heute mehr als zuvor gefordert ihre Biographie selbst zu gestalten und eigenständig und in Selbstverantwortung Entscheidungen zu treffen. Denn war es früher eindeutig, wie der weitere Lebensweg aussehen würde so fehlt es heute an Orientierung, z. B. in der Berufswahl. Diese hervorgerufene Verunsicherung und höhere Belastung ist die Ursache warum ein höheres Bedürfnis an allgemeinen Verbindlichkeiten und Standardisierungen entsteht.

In der Adolesenz strebt der Jugendliche danach sich selbst zu finden und seine Eigenheit benennbar zu machen. Eine mögliche Umsetzung dieser Suche ist die Individualisierung, die zunächst einmal die eigenen Interessen, Bedürfnisse und Rechte als vorrangig gegenüber denen seiner sozialen Umgebung definiert.

Ein Grund dafür könnte, der oben angesprochene Verlust an Orientierung und Anhaltspunkten sein, mit dem Jugendliche in der heutigen Gesellschaft konfrontiert sind. Den Mangel an Orientierung versuchen viele Jugendliche durch ein immer stärkeres Bemühen nach Selbstverwirklichung zu kompensieren, um dann die individuellen Handlungsmuter auf die verschiedenen Lebenssituationen zu übertragen. Hier greift die Gestalttherapie ein, um dieses Gestaltungskompetenz aufzubauen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Identitätsarbeit stets ein Ausbalancieren von individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderungen darstellt.

1.3. Erwartungen Jugendlicher an die Zukunft

„Ein wichtiger Gesichtspunkt dafür, ob sich junge Menschen positiv oder negativ auf die Gesellschaft beziehen, sind ihre persönlichen Zukunftserwartungen. Diese sehen heute viele junge Menschen eher skeptisch. So hat die Shell-Studie ermittelt, dass von den 15- bis 24-Jährigen nur 35% ihre Zukunftschancen eher zuversichtlich sehen. Hingegen haben 51% eher gemischte Erwartungen und 14% eher düstere Perspektiven." (Landesregierung Nordrhein-Westfalen, 1999).

Die Erwartungen an die eigene Zukunft sind nicht loszulösen mit den Erwartungen an die Zukunft der Gesellschaft in der Jugendliche heute leben.

Folgende Problemfelder kristallisierten sich nach Befragung für Jugendliche in der Shell-Studie heraus:

a) Verschärfung der Arbeitslosigkeit (88%)
b) Verschärfung wirtschaftlicher Krisen (73%)
c) Zunahme gewalttätiger Konflikte (etwa 82%)
d) Zerstörung der Umwelt durch Technik und Chemie (61%)

(Vgl. Jugendwerk der Deutschen Shell, 1997)

1.4. Definition von Identität

Die Identität (oder gleichbedeutend), das Selbst einer Person, ist deren Fähigkeit, ihr Leben als sinnvolles und zusammenhängendes Ganzes zu erleben und zu gestalten.

Problematisch hieran sind die immer unterschiedlichen und wechselnden Anforderungen an das eigene Handeln, die sich im Laufe des Lebens ergeben.

Im Jugendalter sind da z.B. die anstehenden Entwicklungsaufgaben zunennen (s. 1.4. Diagnose (a)), die nicht isoliert sondern in einem aufeinander bezogenen Gefüge gelöst werden wollen. Diese Auseinandersetzung und Bewältigung stellt sozusagen den „psychischen Kern“ der Entwicklung in der Jugendphase dar. Zwar wird die Identitätsbildung in der Jugend nicht abgeschlossen, aber es kommt zu einem vorläufigen Abschluß, der die Basis für spätere Weiterentwicklungen setzt (vgl. Olbrich 1984).

Identität bedeutet also, das Empfinden und Erleben situations- und lebensgeschichtlicher Kontinuität oder anders formuliert das Erleben des Sich- Selbst- Gleichseins. Das heisst der Jugendliche sollte über verschiedene Handlungssituationen und über lebensgeschichtliche Einzelschritte der eigenen Entwicklung hinweg eine gewisse Kontinuität wahren, wobei er sich mit sich selbst identisch erleben sollte, wenn er zum Handeln fähig seien will.

Die Voraussetzungen hierfür sind die Entwicklung folgender Fähigkeiten:

- Selbstwahrnehmung (das Wissen um das eigene Ich oder Selbst ( unabhängig von der Außenwelt, das als innere Einheit erlebt wird und sich immer gleichbleibt)
- Selbstbewertung (die eigene Wertigkeit bewußt erkennen und in Bezug setzten können)
- und Selbstreflexion.(das Nachdenken, Überlegen und abwägende Denken über das eigene Selbst, die vergleichende und prüfende Selbstbetrachtung)

Ebenso sollte eine Balance und Abstimmung zwischen der eigenen inneren, also der körperlichen und seelische Realität und der äußeren und sozialen Realität, dem Umfeld erzielt werden (vgl. Hurrelmann 1993).

Bei diesem spezifischen Auseinandersetzungs- und Verarbeitungsprozess kann die Kunsttherapie begleitend und unterstützend sein.

Es geht darum die Jugendlichen zu befähigen, die notwendigen Fähigkeiten zur Wahrung und Entwicklung der eigenen Identität aufzubauen und zu fördern, um einer möglichen Diffusion (Zerstreuung) oder Fragmentierung ( Bruchstücke ) der Identitätsbildung entgegen zu wirken.

1.5. Diagnose: In welcher allgemeinen Lebenssituation befinden sich Jugendlichen?

Entwicklungspsychologische Betrachtung durch folgende Entwicklungsaufgaben/-bereiche :

1.) Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle:
à Durch das Eintreten der Geschlechtsreife , der sogenannten Pubertät ist der gesamte Körper in anatomische, physiologische und hormonale Veränderungen einbezogen, was eine umfassende Anpassung auf körperlichen, seelischen und auch sozialen Ebenen notwendig macht. (Vgl. Oerter & Montada, 1987).
2.) Die psychosoziale Ablösung von den Eltern:
à Es findet eine innerliche Ablösung von den primären Bezugspersonen, meist Mutter und Vater statt. Waren in der Kindheitsphase noch Imitation und Identifikation mit den Eltern die vorherrschenden psychischen Mechanismen, so treten sie jetzt deutlich in den Hintergrund. Die Jugendlichen entwickeln eigenständige Bewältigungsstrategien, als Voraussetzung für die eigene Steuerung des persönlichen Entwicklungsprozesses. (Lerner & Spanier, 1980).
3.) Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz:
à Diese Kompetenz ist notwendig, um „selbstverantwortlich schulischen und anschließend beruflichen Qualifikationen nachzukommen, mit dem Ziel, eine berufliche Erwerbsarbeit aufzunehmen und dadurch die eigene, ökonomische und materielle Basis für die selbstständige Existenz als Erwachsene zu sichern.“( Hurrelmann, 1994).

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Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638505444
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55651
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund – Sozialpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Gestalttherapie Identitätssuche Adolesenz

Autor

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Titel: Gestalttherapie zur Identitätssuche in der Adolesenz