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Prophet oder Scharlatan? Eine Untersuchung der Gestalt Bileams in Numeri 22-24

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 17 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zauberei und Magie
2.1 Magie
2.1.1 Definition
2.1.2 Magie im Alten Testament
2.2 Zauberei

3. Die Bileamperikope (Num 22-24)
3.1 Die Erzählung und ihr Kontext
3.2 Zur Gestalt des Bileam
3.2.1 Bileam innerhalb des Alten Testaments
3.2.2 Bileam in den Inschriften von Deir (Alla
3.3 Die unterschiedlichen Charakterisierungen Bileams
3.3.1 Num 22-24 als Einheit
3.3.2 Die Bezeichnungen der Gestalt Bileams
3.4 Resümee
3.5 Wirkungsgeschichte der Gestalt Bileams

4. War Bileam ein Zauberer?

Bibliographie

Prophet oder Scharlatan?

Eine Untersuchung der Gestalt Bileams in Num 22-24

1. Einleitung

Prophet oder Scharlatan? Diese Frage stellte sich sinngemäß schon George W. Coats in seinem viel zitierten Artikel „Balaam: Sinner or Saint?“ aus dem Jahr 1973. Einiges ist seither dazu geschrieben worden, angeregt wurde die Diskussion nicht zuletzt durch die 1976 und nochmals 1989 von Jacob Hoftijzer publizierten Ausgrabungsergebnisse welche - einmalig in der Forschungsgeschichte – eine biblische Person des neunten vorchristlichen Jahrhunderts außerbiblisch zu bezeugen scheinen.

Ausgehend von einer möglichst knappen Definition wollen wir Magie bzw. Zauberei auf die Folie des Alten Testaments legen und anhand der Perikope über den heidnischen Magier Bileam in Numeri 22-24 herausfiltern, wie der kanonisierte Text damit umgeht. Schlaglichter auf die Umwelt des Alten Orient und die Nachwirkung des biblischen Textes sollen schließlich die Sicht der Dinge vervollständigen und abrunden.

2. Zauberei und Magie

Im profanen Sprachgebrauch werden Magie und Zauberei meist synonym verwendet, und auch in der Religionswissenschaft und Theologie lässt sich kein einheitlicher Sprachgebrauch feststellen.

2.1 Magie

2.1.1 Definition

Das Wort ´Magie´ leitet sich vom lat. magia (griech. mageia, iran.-altpers. magu[s]) her, ist verwandt mit dem gotischen mahts, dt. Macht, und bedeutet im indogermanischen Verbalstamm *magh ´können, vermögen, helfen´. In der abendländischen Begriffsgeschichte kann man das Substantiv ´Magie´ in drei Aspekte zerlegen, nämlich „1. ´Magie´ als Wissenschaft und Weisheit von den göttlichen Kräften der Natur und Schöpfung (magia naturalis), 2. ´Magie´ als die praktische Nutzung dieses Wissens … 3. Betrügerische Zauberei; eine Qualifizierung, an die die christliche Dämonisierung anknüpfen konnte“[1].

Allgemein wird Magie meist als Gegensatz von Religion bzw. christlicher Religion definiert. Während sich der religiöse Mensch von einer prinzipiell souveränen personalen Macht abhängig versteht deren Zuwendung er nur betend erbitten kann, versucht der Magier auf seine Gottheit einzuwirken und sie zu seinem Nutzen oder zum Schaden anderer zu manipulieren. So unterscheidet man grundsätzlich zwischen weißer und schwarzer Magie (Hexerei), wobei erstere dem Nutzen der eigenen Person oder Gemeinschaft, letztere dem Schaden anderer dienen soll. Eine magische Handlung bedarf der Verwendung bestimmter (magischer) Gegenstände, begleitender Worte, Gesänge oder Gesten, des magischen Ritus an sich sowie der Durchführung durch einen Magier welcher sich in einem Dschungel von Vorschriften und Tabus zurechtfinden muss, die es strikt zu beachten gilt.[2]

Daneben findet sich der Begriff Magie verbunden mit der Beschreibung von vor- und außergeschichtlichen Kulturen und Religionen. In diesem Fall beschreibt Magie nicht nur ex opere operato wirkende Riten an sich sondern die Gesamtheit einer Religion oder Kultur. Die Angemessenheit einer solchen Beschreibung ist jedoch fraglich.[3]

2.1.2 Magie im Alten Testament

Angesichts der Stellung der Prophetie im Alten Testament wirkt die Magie natürlich blass, dennoch kannte Israel Magie nicht nur als Bestandteil der Nachbarreligionen in Mesopotamien und Ägypten, sondern auch im eigenen Bereich in erstaunlicher Vielfalt wie eine Reihe verschiedenster biblischer Belege zeigt. Diese lassen sich den beiden religionsgeschichtlich belegten Haupttypen Ähnlichkeitsmagie (Analogiezauber; z.B. Gen 30,37-39; 2 Kön 6,6) und Kontaktmagie (z.B. Ex 12,22f; 1 Kön 17,19-23; 2 Kön 4,33-37) zuordnen und sind in Traditionen vom 9. bis zum 2. Jh. v. Chr. verstreut, sodass man annehmen kann, dass über die ganze alttestamentliche Epoche hinweg Magie in Israel praktiziert wurde.[4] Von einer generellen Ächtung der Magie kann man in der biblischen Tradition jedenfalls nicht sprechen, auch wenn sie aus verschiedenen Gründen nicht die Bedeutung wie in den benachbarten Religionen und Kulturen innehatte.[5]

2.2 Zauberei

Zauber bzw. Zauberei sind in der christlichen Religion mindestens ebenso negativ besetzt wie Magie, wobei in der wissenschaftlichen Literatur der Begriff Magie bevorzugt wird. Die unterschiedlichen Arten von Zauber werden meist nach ihrer Zielrichtung oder Methode benannt, so z.B. Wetter-, Fruchtbarkeits-, Liebes-, Heil-, Schutz-, Abwehr-, oder Schadenszauber. Die Betreiber von Zauberei werden folgerichtig Zauberer/Zauberin genannt, oder - insofern es sich um schwarze Magie handelt - auch Hexer bzw. Hexe.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch werden diese unscharfen und überwiegend negativ konnotierten Begriffe weitestgehend vermieden; stattdessen benennt man Personen nach ihrer Tätigkeit oder ihrem kulturellen Kontext. (z.B. Priester/Priesterinnen, Wahrsager/Wahrsagerinnen, Heiler/Heilerinnen, Medizinmänner/Medizinfrauen)

Daneben unterscheidet man davon in der Alltagssprache die Zauber- oder Illusionskünste bzw. die Zauber- oder Illusionskünstler.[6]

[...]


[1] Krause: TRE, 696.

[2] Vgl. Kasper: LThK, 1186.

[3] Vgl. Krause: TRE, 686-690.

[4] Krause: TRE, 692.

[5] Krause: TRE, 694f.

[6] Vgl. Kasper: LThK, 1387.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638506090
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55730
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Alttestamentliche Bibelwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Prophet Scharlatan Eine Untersuchung Gestalt Bileams Numeri

Autor

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