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Utilitarismus und sein Bezug zur Pädagogik

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Vorangehende Anmerkungen

B Utilitarismus
B.1 Einordnung des Utilitarismus in die Ethik als Teilgebiet der Philosophie
B.2 Historische Entwicklung des Utilitarismus
B.3 Begrifflichkeiten
B.3.1 Teleologie
B.3.2 Konsequentialismus
B.3.2.1 Konsequentialismus Allgemein
B.3.2.2 Konsequentialismus im Utilitarismus
B.3.3 Maximierungsprinzip
B.3.4 Ein-Gut-Axiologie
B.3.5 Universalität
B.3.6 Der ethische Egoismus
B.3.7 Präferenzutilitarismus
B.3.8 Handlungsutilitarismus und Regelutilitarismus
B.3.9 Durchschnittsnutzenutilitarismus
B.3.10 Das Menschenbild im Utilitarismus

C Utilitarismus und Pädagogik
C.1 Bezug des Utilitarismus zu praktischen Anwendungsgebieten allgemein
C.2 Bezug des Utilitarismus zur Bildungspolitik
C.3 Wie sieht eine utilitaristische Pädagogik aus?
C.4 Utilitaristische Züge des aktuellen Bildungsplans
C.5 Vermittlung von Ethik
C.5.1 Vermittlung von Ethik im Unterricht
C.5.2 Der heimliche Lehrplan
C.5.3 Mediatoren und Streitschlichterprogramme

D Fazit – Inwieweit kann der Utilitarismus eine sinnvolle Grundlage für die Pädagogik sein?

A Vorangehende Anmerkungen

In der vorliegenden Arbeit stelle ich die Grundzüge des Utilitarismus dar und setze sie in Bezug zur Pädagogik.

Dabei ist das Kapitel Utilitarismus der darstellende Teil. In diesem führe ich wichtige Begriffe aus, deren Inhalt für das folgende Kapitel Utilitarismus und Pädagogik von Bedeutung ist. Eine umfassende und vollständige Darstellung des Utilitarismus und all seiner Varianten würde den Rahmen der Hausarbeit sprengen und ist hier auch nicht das Ziel.

Das Kapitel Utilitarismus und Pädagogik setzt den Utilitarismus in Bezug zur Pädagogik. Bei meinen Recherchen bin ich kaum auf Literatur gestoßen, die sich primär mit den Zusammenhängen zwischen Pädagogik und Utilitarismus befasst. Meine Erkenntnisse stammen daher hauptsächlich entweder aus allgemein gehaltenen Werken, welche die Thematik am Rande ansprechen, aus Werken, die andere praktische Anwendungen des Utilitarismus behandeln, welche auf die vorliegende Aufgabenstellung übertragen werden können, oder sind eigene Schlussfolgerungen.

Zusätzlich ziehe ich im letzten Kapitel ein Fazit, in dem ich abwäge, welche Vorteile eine utilitaristische Pädagogik und ein utilitaristisches Bildungssystem haben und worin die Grenzen bestehen.

B Utilitarismus

Der Utilitarismus bezeichnet eine Richtung der normativen Ethik. Dabei ist das Moralkriterium die Nützlichkeit, das Glück aller Betroffenen soll möglichst groß sein. Darin enthalten sind vier Teilprinzipien:
Im Utilitarismus herrscht ein Folgenprinzip: Handlungen werden nach ihrer Konsequenz beurteilt. Das Utilitäts/Nutzenprinzip besagt, dass der Maßstab das Gute sei. Das Ziel sei das Glück, dabei bleibe es aber dem Einzelnen überlassen, was er nach dem hedonistischen Prinzip darunter versteht. Das allgemeine Wohlergehen steht im Utilitarismus vor dem Wohlergehen eines Einzelnen (Egoismus), somit gilt auch das universalistische Prinzip . (Vgl. Höffe: 1986, S. 261)

Der Utilitarismus ist die am meisten ausgearbeitete Variante einer konsequentialistischen Ethik. Der Begriff des Utilitarismus bezeichnet heute keine einheitliche Theorie mehr, sondern verschiedene Varianten und Ansätze mit einem gleichen Kern (vgl. Birnbacher: 2002, S. 95). „In seiner Standardform ist der Utilitarismus durch fünf Eigenschaften gekennzeichnet: Konsequentialismus, Teleologie, Ein-Gut-Axiologie, Maximierungsprinzip und Universalismus.“ (Birnbacher: 2002, S. 95)

B.1 Einordnung des Utilitarismus in die Ethik als Teilgebiet der Philosophie

Aristoteles prägte den Begriff Ethik als eine philosophische Disziplin, wobei die Inhalte der Ethik schon seit der Sokratischen Wende eine zentrale Stelle in der Philosophie einnahmen.

Die Ethik beschäftigt sich mit dem menschlichen Handeln und speziell damit, welche Merkmale schlechtes oder gutes Handeln ausmachen. Dazu wurden verschiedene Ethiken entwickelt, die sich bezüglich der Gewichtung der Bereiche Methoden , Motive und die Folgen menschlichen Handelns sowie der Herkunft der ethischen Normen unterscheiden.

Die verschiedenen Ethiksysteme werden üblicherweise in teleologische Ansätze und in deontologische Ansätze unterteilt. Teleologische Ethiken gelten als Strebensethiken, das heißt dass in ihnen Werte und Güter im Vordergrund stehen. Dabei ist an der Handlung an sich nur die Handlungsfolge von Interesse (vgl. Birnbacher: 2002, S. 96). Im Gegensatz dazu stehen bei deontologischen Ansätzen Gebote und Verbote im Mittelpunkt. Da nur die menschliche Handlung gegen die Gebote und Verbote verstoßen oder ihnen folgen kann, soll sie hier im Vordergrund stehen.

Der Utilitarismus ist ein konsequentialistisches Ethiksystem. Konsequentialistisch deshalb, weil die moralische Beurteilung einer utilitaristischen Handlung ausschließlich auf der Beurteilung der Handlungsfolge beruht (vgl. Birnbacher: 2002, S. 95). Dabei gilt der Konsequentialismus als der weitgefasstere Begriff als die Teleologie, das heißt, „jede teleologische Theorie ist konsequentialistisch, aber nicht jede konsequentialistische Theorie ist teleologisch“ (Ricken: 1983, S. 284). Somit ist der Utilitarismus als ein konsequentialistisch-teleologisches Ethiksystem einzuordnen.

B.2 Historische Entwicklung des Utilitarismus

Beim Utilitarismus handelt es sich um eine sozialreformerische Bewegung des 18. und 19. Jahrhunderts aus Großbritannien. Sie war gedacht als ein humanistischer Gesellschaftsentwurf als Gegensatz zur ausbeuterischen Bürokratie. Die Bewegung stellte das Wohl der Gesamtgesellschaft in den Mittelpunkt allen Handelns. Dabei sollte die utilitaristische Denkweise praktisch anwendbar sein, etwa in der Politik. „Jeder zählt als einer, keiner mehr als einer“ (Jeremy Bentham, zitiert nach: Gesang: 2003). Bentham stellte sich so in die Tradition englischer Moralphilosophen wie D. Hume und anderen. Der Utilitarismus war eine der ersten Bewegungen für das Wohl der gesamten Gesellschaft und bezog sich nicht nur auf eine bestimmte Klasse oder auf ein Einzelinteresse. Die Utilitaristen zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht nur eine eigene Philosophie entwickelten, sondern immer an der politischen und gesellschaftlichen Umsetzung interessiert waren.

Im Laufe der Entwicklung fand eine stetige Ausdifferenzierung der ursprünglichen Idee Jeremy Benthams statt. Bentham hatte das britische Strafrecht bei der Entwicklung seiner Ideen im Auge, das ihm grausam und ineffizient vorkam. Darüberhinaus war er gemeinsam mit Hume und Rousseau einer der ersten, welche Tiere in ihrem System als leidensfähige Wesen berücksichtigten (vgl. Birnbacher: 2002, S. 98). Bentham verwendet einen eindimensionalen Nutzenbegriff. Dabei bemisst sich der Nutzen „nach Differenz zwischen Menge und Intensität der bewirkten Lust ( pleasure) und Menge und Intensität der bewirkten Unlust ( pain)“ (Birnbacher: 2002, S. 98), wobei er keinen Unterschied zwischen geistiger Lust und sinnlicher Lust macht. Bentham entwickelte auch eine Idee des „Glückskalküls“, in der alle materiellen und immateriellen Güter mit einem gewissen Wert gewichtet sind. Die konkrete Ausarbeitung erfolgte aber erst später durch die Wohlfahrtsökonomen.

John Stuart Mill versuchte, den Utilitarismus unabhängig von der Weltanschauung zu konzipieren und entwickelte ihn von Prinzipienmonismus zum Prinzipienpluralismus weiter (vgl. Wolf: 1993, S. 9). Im Gegensatz zu Bentham machte Mill einen Unterschied zwischen geistiger und sinnlicher Lust und führte dazu eine qualitative Wertdimension ein. Die qualitative Einordnung soll höheren Freuden einen entsprechend höheren Wert zuteilen, wobei die Beurteilung durch Experten erfolgen sollte. Auch die Unterscheidung „zwischen der moralischen Richtigkeit von Handlungen und der moralischen Qualität der Handlungsmotive“ (Birnbacher: 2002, S. 99) erfolgt bei Mill nach schärferen Kriterien.

Während die meisten Utilitaristen das Hauptanwendungsgebiet des Utilitarismus im Handeln des Staates oder von Institutionen sahen, legte Henry Sidgwick den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Anwendbarkeit des Utilitarismus im Alltag. Sidgwick arbeitete die Idee weiter aus und prägte dazu Begriffe wie Regelutilitarismus , Handlungsutilitarismus , Durchschnittsnutzenutilitarismus und Nutzensummenutilitarismus . Dadurch sollte eine Überforderung des Handelnden vermieden und alltägliche Entscheidungen vorhersehbarer werden.

In den Ausarbeitungen von Richard M. Hare wird der Utilitarismus eher als Metaprinzip aufgefasst, auf dessen Basis konkrete Normen überprüft werden sollen. Die Normen an sich sollten aber im Gewissen des Einzelnen verankert sein und nicht nur zur Anwendung kommen, wenn für eine gründliche Abwägung keine Zeit ist oder keine Möglichkeit besteht.

B.3 Begrifflichkeiten

B.3.1 Teleologie

Teleologie bezeichnet ein Denken, welches sich auf ein Ziel („telos“ für griechisch „Ziel“) bezieht. Das Ziel wird auf praktische Folgen überprüft (Lustgewinn, Nützlichkeit,...), die einen moralischen Wertgewinn zur Folge haben. In teleologischen Ethiksystemen stehen also die Folgen der menschlichen Handlung im Mittelpunkt. Eine moralische Beurteilung erfolgt nur aufgrund der Handlungsfolge, die der Handelnde zu verantworten hat. Eine Beurteilung aufgrund der Handlung selbst ist nicht vorgesehen. Daher werden teleologische Ethiken auch Strebensethiken genannt.

B.3.2 Konsequentialismus

B.3.2.1 Konsequentialismus Allgemein

Im Konsequentialismus werden menschliche Handlungen danach bewertet, wie positiv oder wünschenswert ihre Folgen sind. Dem gleichgesetzt sind auch die positiven oder negativen Folgen einer Handlungsunterlassung. Aus konsequentialistischer Sicht kann eine Handlung aus sich selbst heraus richtig sein, etwa weil die vorhergegangene Abwägung umsichtig und richtig war. „Utilitaristische Handlungsbeurteilungen sind deshalb zweiteilig“ (Birnbacher: 2002, S. 95). Neben einem normativen Teil muss eine Theorie bestehen, die festlegt, was als gut gilt.

Der normative Teil legt fest, was als moralische Handlung gelten soll, wenn die Möglichkeit, einen moralischen Wert zu erreichen oder ein Risiko einen solchen Wert zu verlieren, besteht. Das bedeutet, dass jeder so handeln soll, dass der Wert nach einer Handlung größer ist als zuvor. Darüberhinaus heißt das aber auch, dass jeder Akteur handeln soll, wenn es die Möglichkeit gibt einen Wert zu erlangen, zu vergrößern oder die Gefahr besteht, dass ein Wert verloren gehen oder verringert werden könnte.

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Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638506373
ISBN (Buch)
9783638664097
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55769
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
2,0
Schlagworte
Utilitarismus Bezug Pädagogik Wissenschaftliche Hausarbeit Seminar Pädagogische Ethik

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