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Krise und Untergang der Römischen Republik

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Prolegomena

2 Momente der Krise
2.1 Der Untergang der römischen Republik aus antiker Sicht
2.2 Von der Geldwirtschaft zur Etablierung einer neuen Wirtschaftsordnung
2.3 Krise der Agrar- und Heeresverfassung
2.4 Überforderung des politischen Systems
2.5 Die Bundesgenossenfrage

3 Reformversuche und ihr Scheitern
3.1 Die Reformversuche der Gracchen
3.2 Sulla oder die verunglückte Restauration
3.3 Auf dem Weg zum „bellum civile“ oder Caesar gegen Pompeius
3.4 Caesar und die Diktatur auf Lebenszeit

4 Nachwort

5 Literaturverzeichnis

„O tempora, o mores. Senatus haec intellegit, consul videt: hic tamen vivit. Vivit?“ [1]

Marcus Tullius Cicero: oratorio in Catilinam I 1-4

1 Prolegomena

Das der Arbeit vorangestellte Zitat des römischen Geschichtsschreibers Marcus Tullius Cicero verdeutlicht auf anschauliche Weise die Ambivalenz zwischen der offiziellen, römischen Wahrnehmung der Krise und der handfesten Tagespolitik des 1. Jh. v. Chr. Die zum Sprichwort avancierte Klage über den Verfall der Sitten stand ursprünglich im Zusammenhang mit einer Rede Ciceros gegen den von der späteren Geschichtsschreibung weitgehend zum Verschwörer gestempelten Catilina[2] – tatsächlich jedoch eher eine Nebenepisode der Geschichte – und zeigt jenen Horizont auf, der zwischen der bewussten Tradierung von restaurativen Werten und dem persönlichen Machtstreben einzelner Politiker liegt. Und obwohl in diesem Fall Cicero falsch diagnostiziert, treffen seine Worte doch den Kern der Krise. Zwar sind es die Vertreter der neuen Werte, die durch bewussten Rückgriff auf die Traditionen der römischen Republik, der „mos maiorum“[3], dem Untergang der res publica ihren Stempel aufdrücken. Dennoch ist gerade zu sagen, dass die konservativen Kräfte Roms, zu denen Cicero mit Abstrichen zu zählen ist und welche auch zugunsten ihrer sozialen und wirtschaftlichen Vorragstellung auf die Einhaltung der alten Werte pochten, aufgrund ihren Unbeweglichkeit die Auslöser der Krise provozierten und somit zumindest Anteil am Ende der Römischen Republik tragen.

Von der Position vieler Wissenschaftlicher, die über das Ende der Römischen Republik mit Verweis auf ihre persönliche Identifikation mit demokratischen Werten wehklagen, soll hier bewusst Abstand genommen werden. Eine Wertung der historischen Ereignisse wird von mir abgelehnt, den Kampf um die römische Republik als Kampf zwischen Demokratie und Diktatur zu stilisieren, ist als durchaus vermessen zu betrachten und historisch nicht haltbar.

Die zwei grundlegenden politischen Strömungen der Späten Republik, die Optimaten und Popularen, strapazierten lediglich die Hülle der Römischen Republik, um damit ihre persönlichen Interessen (und hier besonders die Interessen der einzelnen Politiker) zu erweitern. Die Verklärung ihrer Reformen als Befreiung des römischen Volkes vom Joch unterschiedlicher Übel wurde zwar versucht, glückte aber letztlich nicht.

Das Ziel meiner Arbeit sollte vielmehr die Entwicklung jener langfristigen Prozesse und Strukturen sein, die das Ende der römischen Republik bewirkten und denen im Vergleich zum Auslöser, dem Bürgerkrieg, durchaus mehr Gewicht eingeräumt werden muss. Anschließend möchte ich meinen Blick noch auf jene unterschiedlichen Taktiken und Antworten werfen, welche die Menschen entwickelten, um den Problemen ihrer Zeit Herr zu werden.

2 Momente der Krise

2.1 Der Untergang der römischen Republik aus antiker Sicht

Bevor wir uns jedoch näher mit den tatsächlichen Problemen der römischen Herrschaft auseinandersetzen können, erweist es sich als notwendig die Krise der Republik aus antiker Sicht zu betrachten.

Klaus Bringmann schreibt in einem äußerst tiefschürfenden Werk zu dieser Problemstellung folgendes: „Zwischen den Jahren 133 und 42, die den offenen Ausbruch der Krise und das Ende der Republik markieren, schritt der Ausbau des mediterranen Provinzialreiches unaufhaltsam voran. Als selbstständige Großmacht trat Rom nur das Reich der iranischen Parther am Euphrat gegenüber. Alle übrigen Staaten der Mittelmeerwelt waren von Rom abhängig.“[4]

Welche Erkenntnisse können wir daraus ziehen: Erstens die Krise der Römischen Republik wird unmittelbar im Anschluss an die Punischen Kriege akut und endet mit der Errichtung des Prinzipats durch Augustus rund 100 Jahre später.[5] Zweitens die Republik hat in der Epoche ihrer inneren Krise die Phase existenzieller äußerer Bedrohung längst hinter sich lassen, umso schockierender war für die Römer die Erfahrung jetzt nach der Ausschaltung der außenpolitischen Rivalen mit ihren inneren Problemen nicht mehr fertig zu werden.

Die Erklärungsversuche der Zeitgenossen beruhen auf 2 grundlegenden Vorstellungen.[6] Der Erste bezieht sich auf den Zustrom von Geld, Edelmetallen und Luxusgütern, die in Folge der siegreichen Kriege insbesondere gegen die hellenistischen Mächte nach Rom flossen und die Untergrabung der Werte und Verhaltensnormen bewirkten, die Rom groß gemacht hatten, die mos maiorum (Sitte der Vorfahren).[7] Der zweite Gesichtspunkt knüpft an die Vorstellung an, dass die Politiker nicht mehr das Wohl des Staates, sondern die einseitige Befriedigung ihrer Interessen und persönlichen Machtzuwachs anstrebten.[8] Die Krise der Republik auf einen moralischen Verfall der Bürgerschaft zurückzuführen, kommt nicht von ungefähr und stammt vom Optimaten Cicero, der in seinem Werk res publica[9] die alt eingewurzelte Überzeugung vertrat, dass Roms Größe auf die Vatersitte und den von ihr geprägten großen Männern beruhe. Jene Orientierung an der idealisierten Tradition fixierte das Reformdenken der Späten Republik, das in Wahrheit unerreichbare und ideelle Ziel der Wiederherstellung der alten Ordnung. Es gab keine Alternative zu dieser Krise, man war nicht bereit einen Neuanfang zu wagen.[10] Die Republik war völlig unterhöhlt von dem Machtstreben einzelner Politiker. Die Identifikation mit der Republik als gemeinsames, zum Wohl des Staates ausgerichtetes Unternehmen, wenn es das überhaupt einmal gegeben hat, war nun nicht mehr vorhanden. Selbst der am Ende der Republik stehende Übergang zur Militärdiktatur wurde erst mit Rückgriff auf Traditionselemente der Republik möglich, während man die Rückkehr zu Gesetz und Recht proklamierte.[11]

Von der Geldwirtschaft zur Etablierung einer neuen Wirtschaftsordnung

Im Laufe der Späten Republik ist ein allmählicher Verlust der Regierungsgewalt von Seiten der Senatsaristokratie zugunsten einzelner Personen beobachtbar, dem immer wieder Einhalt geboten wurde, um die Vorherrschaft des Senats zu restaurieren. Dieser Desintegration der Senatsaristokratie lief ein sozialer Differenzierungsprozess parallel, welcher die Republik nun erstmals die Aufgabe stellte ständig wachsende besitzlose Massen mit grundlegenden materiellen Gütern zu versorgen und bei Laune zu halten. Daraus entsprangen Konflikte über Landverteilung und Kolonisation sowie über eine subventionierte bzw. kostenlose Verteilung des Grundnahrungsmittels Getreide an die stadtrömische Bevölkerung.[12]

Die Übernahme der hellenistischen Geldwirtschaft im 2. Jahrhundert v. Chr. revolutionierte alle Lebensverhältnisse. Luxus, Korruption und Ausbeutung prägten nun intensiver das Verhalten der Menschen und wurde zum Motor eines sozialen Differenzierungssystems, in dem die reichen Römer immer reicher und die Armen immer ärmer wurden.[13] Da zur politischen Karriere der intensive Einsatz von finanziellen Mittel notwendig war, um ein eigenes Klientel aufzubauen und Bestechungen zu finanzieren, wurden Ämter zu legitimen Quellen der persönlichen Bereicherung. Senatoren avancierten zu stillen Teilhabern am Geschäft mit dem Staat. Kriege, als Resultat der Profilierungssucht junger Nobiles, wurden zum Mittel persönlicher Bereicherung. Beute und Kontributionsgelder wurden unterschlagen, und auch die zivile Administration bot den senatorischen Statthaltern Gelegenheit zu Erpressung und finanziellen Manipulationen.[14] Ein Großteil der Beute und Einnahmen, welche durch die Eroberungen nach Rom flossen, wanderten in private Taschen. Aber Gesetze, zensorische Rügen und Strafen sowie Gerichtsverfahren hatten nicht den Erfolg den ausufernden Korruptionssumpf zu bekämpfen. Sie dienten einzig allein im intensivierten politischen Konkurrenzkampf um Ämter und Ehren diese Mittel dazu zu missbrauchen, um Gegner und Konkurrenten zu Fall zu bringen. Eine neue marktorientierte, „auf Gewinnmaximierung bedachte Wirtschaftsgesinnung“[15], welche bewusst auf die günstige Ressource der Sklavenarbeit zurückgriff, hatte Rom erfasst.

[...]


[1] Zitiert nach: Walter Freinbichler: Lateinische Redekunst. In: http://www.braumueller.at/files/latein_redekunst/kapitel1.pdf Abgerufen am: 13.6.2005. S. 12.

[2] Vgl. dazu: Karl Christ: Krise und Untergang der Römischen Republik. 2. durchgeseh. u. erw. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1984. S. 262-268. Vgl. weiters Quellen des Sallust:

Andreas Mehl / Wolfgang Christian Schneider: Die Krise der Römischen Republik. Von der res publica zum Prinzipat. 1. Aufl. Stuttgart: Ernst Klett 1988 (Tempora. Quellen zur Geschichte und Politik Sekundarstufe 2 / Kollegstufe hg. v. Peter Alter und Erhard Rumpf). S. 58f. 64f.

[3] M. Tullius Cicero: De republica 5,2-3. Zitiert nach: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik (133-42 v. Chr.). Berlin: Akademie 2003 (Studienbücher Geschichte und Kultur der Alten Welt). S. 103f. Weiters: S. 19ff.

[4] Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 17.

[5] Für den chronologisch interessierten Leser empfehle ich: Hermann Kinder / Werner Hilgemann: dtv-Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. 35. durchgeseh. Aufl. München: dtv 2002 (dtv-Atlas Weltgeschichte Bd 1). S. 88-93.

[6] Vgl.: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 19f.

[7] Vgl. dazu: Karl Christ: Die Römische Geschichte. Einführung, Quellenkunde, Bibliographie. 4. unv. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1990 (Die Altertumswissenschaft). S. 111f. 132f.

[8] Diese Vorstellung gründet auf eine Quelle des Sallust: Vgl. dazu: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 99ff.

[9] Vgl.: Karl Christ: Die Römische Geschichte. Einführung, Quellenkunde, Bibliographie. a.a.O. S. 111f. 132f.

[10] Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 90.

[11] Vgl.: Wolfgang Schuller: Das Römische Weltreich. Von der Entstehung der Republik bis zum Ausgang der Antike. 2. Aufl. Stuttgart: Theiss 2003 (Theiss Weltgeschichte Bd 3). S. 123.

[12] Im vorhergehenden Absatz beziehe ich mich, wenn nicht anders angegeben auf: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 23.

[13] Vgl.: Karl Christ: Krise und Untergang der Römischen Republik. a.a.O. S. 67.

[14] Vgl.: Ebenda: S. 89ff. Vgl. weiters: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 29f.

[15] Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 31. Vgl. dazu: Karl Christ: Krise und Untergang der Römischen Republik. a.a.O. S. 67.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638507318
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55895
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Schlagworte
Krise Untergang Römischen Republik

Autor

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Titel: Krise und Untergang der Römischen Republik