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Erziehungsstile. Gibt es "gute" und "schlechte" Erziehung überhaupt?

Hausarbeit 2004 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Deckblatt

Hausarbeit:

1. Einleitung

2. Erziehungsstile
2.1 Was ist Erziehung?
2.2 Was sind Erziehungsstile?
2.3 Welche Erziehungsstile gibt es?
1. Der autokratische Erziehungsstil
2. Der autoritäre/autoritative Erziehungsstil
3. Der demokratische Erziehungsstil
4. Der egalitäre Erziehungsstil
5. Der permissive Erziehungsstil
6. Der laissez-faire Erziehungsstil
7. Der negierende Erziehungsstil
2.4 Die Einteilungen von Erziehungsstilen nach Spranger, nach Lewin, Lippitt & White und nach Tausch & Tausch
2.4.1 Idealtypische Merkmale nach E. Spranger: Grundstile der Erziehung
1. Weltnaher und isolierender Erziehungsstil
2. Freier und gebundener Erziehungsstil
3. Vorgreifender und entwicklungstreuer Erziehungsstil
2.4.2 Typologische Untersuchungen nach K. Lewin, R. Lippitt und R. K. White
1. Der autokratische Erziehungsstil und seine Auswirkungen auf die Kinder
2. Der demokratische Erziehungsstil und seine Auswirkungen auf die Kinder
3. Der laissez-faire Erziehungsstil und seine Auswirkungen auf die Kinder
2.4.3 Merkmalsdimensionen nach R. Tausch und A. Tausch
1. Merkmale der Lenkungsdimension:
2. Merkmale der emotionalen Dimension:

3. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Kind, das sich artig und höflich mit einem Handgeben und eventuell sogar mit einem Kopfnicken bzw. Knicks von den Erwachsenen verabschiedet, wird allgemein und einstimmig als „ein gut erzogenes Kind“ bezeichnet.

Erlaubt sich dagegen das Kind, gegenüber den Eltern seine eigene Meinung zu vertreten und vielleicht auch noch die Ansicht der Eltern als einen „Quatsch“ zu bezeichnen, dann wird es von Vater und Mutter bzw. den Erwachsenen in der Regel als ungezogen deklariert. (vgl. Schröder, 1995, S.16)

Diese interessante Theorie lässt den Eindruck entstehen, dass bei dem „ungezogenen“ Kind in der Erziehung offenbar etwas schief gelaufen ist. Und es ist anzunehmen, dass hier zwei verschiedene Erziehungsstile angewendet wurden, und zwar ein „guter“ und ein „schlechter“.

Doch was genau versteht man unter dem Begriff „Erziehung“? Und was ist ein „Erziehungsstil“? Gibt es davon etwa noch mehrere? Und kann man einfach so bestimmen, dass ein Erziehungsstil besser ist als ein anderer?

Die Antworten auf diese erziehungswissenschaftlichen Fragen waren und sind seit jeher nicht nur für Eltern, Lehrer und Erzieher relevant, sondern für jedermann; denn es gibt auf dieser Welt wohl kaum ein Lebewesen, das nicht in irgendeiner Art und Weise erzogen worden ist. Und fast jeder hat sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum er so erzogen wurde und nimmt sich vor, dieselben Fehler später einmal nicht bei seinen Kindern zu wiederholen. Doch welche Möglichkeiten und Methoden gibt es um diese Fehler zu vermeiden?

Der nachfolgende Text erklärt zunächst in Kapitel 2.1 kurz den Begriff der „Erziehung“ und widmet sich dann in 2.2 dem Hauptthema „Erziehungsstile“. Es wird erläutert, was dieser Begriff beinhaltet und welche verschiedenen Stile definiert wurden. Nachdem dann in Kapitel 2.3 die Vor- und Nachteile der einzelnen Erziehungsstile genannt wurden, erläutert Kapitel 2.4 die 3 Einteilungsmöglichkeiten von Erziehungsstilen; dabei werden die Ansichten von Spranger, von Lewin, Lippitt & White und dem Ehepaar Tausch genauer dargestellt. Im Resümee wird dann noch kurz diskutiert, ob es dabei tatsächlich einen „richtigen“ Erziehungsstil gibt oder nicht.

2. Erziehungsstile

2.1 Was ist Erziehung?

„Versteht man unter Erziehung ein fortgesetztes Aufpassen, Ermahnen und Verbessern, ein mit Gerechtigkeitswaage beständig abgewogenes Lohnen und Strafen, so wurden wir gar nicht erzogen; versteht man aber unter Erziehung nichts weiter als in guter Sitte ein gutes Beispiel geben und im übrigen das Bestreben, einen jungen Baum bei kaum fühlbarer Anfestigung an einen Stab in reiner Luft frisch, fröhlich und frei aufwachsen zu lassen, so wurden wir ganz wundervoll erzogen.“ (Schröder, 1995, S.17)

Der Begriff der Erziehung wurde schon von sehr vielen Philosophen, Forschern, Wissenschaftlern, Theoretikern, Praktikern, Experten und Laien definiert. Dennoch ist es bis heute niemandem gelungen, eine umfassende und einheitliche Definition für „Erziehung“ festzulegen.

Durch dieses Zitat wird deutlich, dass es sehr viele unterschiedliche Gesichtspunkte, Kennzeichnungen und Faktoren gibt, die zu verschiedenen Beschreibungen des Erziehungsbegriffes führen.

Kant z.B. verstand die Erziehung als Wartung (Verpflegung und Unterhaltung), Disziplin (Zucht) und Unterweisung (mit Bildung), d.h. der Erzieher war dafür verantwortlich, den Edukanden (= der zu Erziehende) zu ernähren, ihm ein Zuhause zu geben, ihn etwas zu lehren oder in die Schule zu schicken und ihn durch Disziplin, Zucht und Ordnung zu einem kultivierten und moralisierten Menschen zu erziehen, der sich gut in die zivilisierte Gesellschaft einfügen konnte.

Im Lexikon steht hingegen die Definition: „Erziehung ist die planmäßige Tätigkeit zur körperlichen, geistigen und sittlichen Formung junger Menschen, i. w. S. die Gesamtheit aller Bestrebungen, Vorgänge, Tätigkeiten usw., die den Erziehungsvorgang absichtlich oder unabsichtlich beeinflussen.“ (Bertelsmann, 1957, S.481)

Allgemein lässt sich zur Erziehung sagen: Erzieherisches Verhalten bedeutet, dass Menschen sich gegenseitig in ihrer Entwicklung beeinflussen. Besonders häufig wollen Erwachsene auf Heranwachsende einwirken, sie zu erwünschten Verhaltensmustern motivieren und so den Fortbestand von Kultur und Gesellschaft sichern. Dabei soll jedoch niemandem die Möglichkeit genommen werden, sich selbst zu entfalten und eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Deswegen will man die Erziehung nicht dem Zufall überlassen, sondern versucht den Edukanden durch bestimmte vorgegebene Erziehungsstile zu einem guten und gesellschaftsfähigen Menschen zu formen.

2.2 Was sind Erziehungsstile?

Eine der am häufigsten zitierten Definitionen des Begriffes „Erziehungsstil“ wurde von J. Dolch verfasst. Sie lautet: „Erziehungsstil ist der gemeinsame charakteristische Grundzug, die besondere Ausprägung des erzieherischen Verhaltens und Handelns eines Einzelerziehers oder einer Gesinnungs- und Altersgruppe von Erziehern.“ (Dolch, 1965, S. 58 f.)

Natürlich ist auch dies nur eine von vielen Definitionen, denn genau wie den Begriff der Erziehung, ist es auch schwer „Erziehungsstil“ einheitlich und endgültig zu definieren, da sehr viele verschiedene Komponenten unter einen Hut gebracht werden müssen, wie Kultur, Gesellschaft, Familiensituation und Zeit, um nur einige zu nennen.

Welcher Erziehungsstil verwendet wird, hängt von den jeweiligen Eltern, Erziehern, Lehrern… ab. Jeder hat verschiedene Erziehungsvorstellungen und Normen, nach denen bewertet wird, welche Erziehung richtig oder falsch ist. Diese Vorstellungen, Normen und Verhaltensweisen der Erziehenden sind sicherlich, wie schon gesagt, abhängig von Kultur, Gesellschaft und der Familienstruktur, selbstverständlich aber auch von der eigenen Persönlichkeit eines jeden einzelnen.

Grundlegend kann man aber sagen, dass mit Erziehungsstil eine kategoriale Kennzeichnung von Erziehungspraktiken und Gestaltungen von Erziehungsprozessen nach bestimmten Merkmalsfeldern gemeint ist. Dabei werden typische Formen zu einer Gruppe zusammengefasst. Die Typisierung führt zu so genannten „reinen“ Erziehungsstilen, die es so in Wirklichkeit nicht gibt, da sie zu theoretisch sind und in Wirklichkeit immer mehrere Elemente aus verschiedenen Stilen angewendet werden.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass sich Erziehungsstile durch Kulturen, Gesellschaften, Persönlichkeiten, Zeiten, Einstellungen, Normen, Praxen, Verhaltensweisen, Prozessen, Merkmalen, Methoden und Mittel unterscheiden.

2.3 Welche Erziehungsstile gibt es?

Da es so viele Unterscheidungsmerkmale gibt, ist anzunehmen, dass es auch mehrere Erziehungsstile gibt. Dem ist tatsächlich so. In Erich Webers Buch „Erziehungsstile – Lehrbuch für Studierende der Pädagogik“ (1970) kann man ca. 30 bis 40 verschiedene Erziehungsstile nachlesen. In diesem Kapitel werden jedoch nur einige der bekanntesten Erziehungsstile kurz dargestellt.

Edel, ein bekannter Erziehungsstilforscher, hat bereits 1962 dem Erzieherverhalten 7 unterschiedliche Typen, die auch heute noch aktuell sind, zugeordnet. Diese werden nun im Folgenden beschrieben:

1. Der autokratische Erziehungsstil

Beim autokratischen (= einer herrscht allein) Erziehungsstil wird angenommen, dass es notwendig ist, totale Autorität gegenüber dem Edukanden auszuüben. Der Erzieher ist der alleinige „Herrscher“ und legt alle Richtlinien fest, sodass es nur einen Weg zur Zielerreichung gibt. Auf Selbstorganisation wird kein Wert gelegt und die Eigeninitiative des zu Erziehenden unterdrückt. Diese Richtlinien sowie Gebote und Verbote werden dem Zögling gegenüber in keiner Weise begründet. Auch seine Meinung interessiert nicht. Dass der Edukand Leistungen egal welcher Art erbringt, ist selbstverständlich. Die darauf folgende Kritik wird jedoch nicht-konstruktiv formuliert.

Welche Auswirkungen hat dieser Erziehungsstil?

Das Kind zeigt ein völlig unspontanes Verhalten und reagiert nur auf „Befehle“ des Erziehers. Dadurch lässt sich natürlich wenig oder gar keine eigene Individualität erkennen. Das Verhältnis zum Erziehenden ist häufig sehr gespannt, kann gar irgendwann zu starken Konflikten führen. Die Persönlichkeit des Erzogenen wird entweder Merkmale völliger Apathie, Unterwürfigkeit und Abhängigkeit oder rebellischer Aggressivität aufzeigen.

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Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638507585
ISBN (Buch)
9783638752183
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55927
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Humanwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Erziehungsstile Persönlichkeitsentwicklung Erziehung

Autor

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Titel: Erziehungsstile. Gibt es "gute" und "schlechte" Erziehung überhaupt?