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(Massen-) Medien und Politik als Gegenstände des Sozialkundeunterrichts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 32 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation und Kommunikationsmodell

3. Massenkommunikation

4. Medien und Massenmedien

5. Massenmedien und Politik

6. Massenmedien und Politik – Anforderungen für den Sozialkundeunterricht

7. Bürgerleitbilder und Medienkompetenz
7.1 Der politisch Desinteressierte
7.2 Der informierte und urteilsfähige Zuschauer
7.3 Der interventionsfähige Bürger/ Der Aktivbürger

8. Folgen für den Sozialkundeunterricht – Ein Fazit

9. Literaturangabe

Anhang

1. Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit soll auf der Grundlage des Referats „Massenmedien und Politik“ des Hauptseminars – FD – „Politische Ordnung und internationale Beziehungen als Gegenstände der politischen Bildung“ unter Leitung Prof. Dr. Carl Deichmanns den Versuch unternehmen, etwas tiefer als dies im Referat möglich war in die Thematik einzudringen und weitere Informationen zur Materie zu liefern.

Dabei soll die Gliederung des Referates in etwas abgewandelter Form eingehalten werden, was die Nachvollziehbarkeit um einiges erleichtern sollte. So wird zuerst der Frage nachgegangen, was Kommunikation an sich überhaupt bedeutet und wie ihre Funktionsweise ist. Anschließend werden die Begriffe Medien und Massenmedien in den näheren Fokus der Untersuchungen gerückt, an die sich die Fragen anschließen sollen, wie Massenmedien und Politik miteinander interagieren, welche Wechselwirkungen es zwischen ihnen gibt und was dies nicht zuletzt für die politische Bildung und den Sozialkundeunterricht bedeutet. Dies beinhaltet auch die Fragen nach den Anforderungen an die politische Bildung sowie die Möglichkeiten der Vermittlung einer Medienkompetenz, welche sicherlich im thematischen Zentrum dieser fachdidaktischen Arbeit stehen.

Anhand dieser kurzen Einleitung wird aber bereits deutlich, dass es hier weniger um den Politikbegriff als solches gehen soll als vielmehr um jenen der (Massen-) Medien. Es kann – schon aus Platzgründen – nicht der Problematik nachgegangen werden, was überhaupt Politik im engeren und weiteren Sinne ist, sondern es muss sich vielmehr damit begnügt werden, dass stillschweigend eine Definition selbiger beim Leser vorausgesetzt wird.

Außerdem soll versucht werden, in einer Art „doppelten Kursus’“ sowohl wissenschaftlich über die einzelnen Materien zu referieren als auch aufzuzeigen, was an Wissen für Schüler/ Innen[1] nötig ist, um mit medial dargestellten polity-, policy- und politics-Elementen umgehen zu können und diese sinnvoll und kritisch zu rezipieren.

Im Anhang der Arbeit befinden sich sowohl das Kommunikationsmodell, auf das sich hier berufen wird sowie eine Stundenkonzeption für die Thematik dieser Arbeit. Dieser Versuch einer Stundenplanung wird daher im Anhang näher kommentiert.

2. Kommunikation und Kommunikationsmodell

Das Wort „Kommunikation“ kommt aus dem Lateinischen („communicare“) und bedeutet soviel wie „mitteilen, gemeinschaftlich etwas tun, in Verbindung stehen, zusammenhängen, sich verständigen, miteinander sprechen“. Kommunikation ist also ein Austausch von Gedanken, der, wenn er wechselseitig erfolgt, eng mit dem Begriff der Interaktion verbunden ist. Orientiert am zugrunde liegenden Kommunikationsmodell kann man folgende Punkte als konstitutiv für eine (wechselseitige) Kommunikation annehmen[2]:

- Es gibt einen Sprecher (transmitter) und einen Hörer (receiver), die freilich die Rollen in der jeweiligen Interaktionssituation miteinander tauschen können (Rollenwechsel: sprachliche Interaktion). Diese beiden (den einfachsten Fall angenommen) Personen haben jeweils für sich eine bestimmte psychisch-physische Verfassung, einen Erfahrungshintergrund, einen gewissen Kenntnisstand, eine Sach-, Sprach- und Sozialkompetenz und freilich auch eine gewisse Intention und Erwartung mit dem und an das Gespräch. Außerdem schätzen sie das Verhalten ihres Partners ein und orientieren sich an diesem.
- Sprecher und Hörer (und vice versa) befinden sich zudem in einer bestimmten Situation, die sie beide einschätzen müssen, um ein relevantes Gespräch führen zu können. So wäre es beispielsweise unangebracht, einen Gegenüber nach dem Wetter zu fragen, wenn man gemeinsam mit ihm im Regen steht.
- Die beiden Kommunikationsteilnehmer einigen sich in der Regel auf ein Thema. Dass dieses Thema gerade in einfachen Sozialsystemen nicht von Langlebigkeit geprägt, sondern vielmehr offen und kurzlebig ist, braucht hier aber keine vordergründige Rolle spielen.
- Orientiert an diesem Thema geben beide Gesprächsteilnehmer nun Signale/ Daten ab, denen qua gesellschaftlicher Konventionen oder festgelegter Regeln bestimmte Bedeutungen inhärent sind. Diese Übermittlung findet aber durch bestimmte Codierungsprozesse statt. So müssen zum einen jeder Daten-/ Signalübermittlung kognitive Prozesse zu Grunde gelegt werden, zum anderen sind rein motorische Leistungen, wie das Bilden von Lauten, Silben, Wörtern und Sätzen (also Sprechen), Gestik und Mimik (die beiden letzteren als para- und nonverbale Art der Kommunikation) nötig.
- Diese Codierungsleistungen ergeben dann eine mehrdimensionale Nachricht, die vom Rezipienten/ Empfänger der Nachricht wiederum entschlüsselt (decodiert) werden muss. Gelingt ihm diese Transformation, kann er auf die Nachricht reagieren und eben dargestellte Teilschritte beginnen durch ihn (den Fall einer Reaktion vorausgesetzt) von neuem.
- Entscheidend für das gemeinsame Verständnis ist jedoch der gemeinsame Code, den die Gesprächsteilnehmer haben müssen! Nur in diesem kleinen Fenster der Kongruenz und des wechselseitigen Verständnisses individueller Codierungsleistungen ist eine gemeinsame mehrdimensionale Nachricht produzier- und erst recht versteh-/ decodierbar.
- Ergänzt werden kann dieses Modell durchaus noch um das Faktum des „Rauschens“ (noise). Damit sind Störungen gemeint, welche die gemeinsame Kommunikation beeinflussen und einfache Sozialsysteme gefährden können, so z.B. äußere Einflüsse oder ein Themenwechsel.

3. Massenkommunikation

Waren die bisherigen Ausführungen zur Kommunikation bezogen auf eine Individual- bzw. face-to-face Kommunikation, die gekennzeichnet ist durch mindestens zwei Personen, die unmittelbar in einem gemeinsamen Wahrnehmungsraum miteinander kommunizieren, liegt die Sache bei der Massenkommunikation etwas anders. Massenkommunikation steht – in Abgrenzung zur Individualkommunikation – für eine ,indirekte, einseitige und massenhafte Verbreitung von kommunikativen Angeboten an ein zahlenmäßig großes, verstreutes Publikum.‘“[3] Man könnte sagen, dass es sich um ein disperses Publikum handelt, dass heterogen sowie räumlich und zeitlich verstreut ist und in keinem direkten Kontakt mit dem Informationsträger bzw. -vermittler steht. Insofern hat die Massenkommunikation auch einen einseitigen Charakter, da die Option zur unmittelbaren Reaktion auf die empfangenen Informationen nicht gewährleistet ist. Folglich könnte man gar die These vertreten, dass es sich überhaupt nicht um Kommunikation im engeren Sinne handelt, sondern vielmehr um eine reine Vermittlung, da die response des/ der Rezipienten in der Regel ausbleibt. Zudem hat die Massenkommunikation immer schon per se einen öffentlichen Charakter, „weil grundsätzlich jeder Zugang zu ihr hat“.[4]

4. Medien und Massenmedien

Neuhochdeutsch „Medium“ bzw. „Medien“ kommt von dem Lateinischen Wort „medium“ und bedeutet soviel wie „Vermittler, vermittelndes Element“. Insofern lassen sich Medien „grundsätzlich als Mittler von Information bzw. als Träger von Kommunikation verstehen.“[5] Als solche fungieren sie innerhalb eines bestimmten, festgelegten Zeichensystems (Buchstaben, Bilder, Symbole usw.) dessen Kenntnis ein Verstehen überhaupt voraussetzt. Dass Medien dabei nicht nur auf ihre kommunikationstechnische Seite reduziert werden dürfen, scheint in Hinblick auf Ambiguität ihres Potentials mehr als einleuchtend. So ist ihnen neben dem o.g. kommunikationstechnischen Potential auch ein soziales inhärent, weil sie in der Lage sind, bestimmte (soziale) Wirkungen zu erzielen, auf die im Weiteren der Arbeit noch näher eingegangen werden soll. Unterschieden werden können Medien unter anderem nach der Anzahl der Empfänger. So spricht man zum einen von Medien der Individualkommunikation (one-to-one), zum anderen von solchen der Massenkommunikation (one-to-many). Dass dabei die Grenzen nicht immer eng zu ziehen sind, belegt z.B. das Internet, das eigentlich ein klassisches Massenmedium ist, aber bereits in einem persönlichen Chat zum Individualmedium, ähnlich dem (Bild-) Telefon wird.

„Massenmedien verbreiten Informationen a) dauerhaft b) über eine Vielzahl an Themen c) an ein breites disperses Publikum.“[6] Diese Verbreitung ist gekennzeichnet durch z.T. hoch technisierte Vervielfältigungs- und Übertragungstechniken und findet in gedruckter, bildlicher und/ oder akustischer Form statt. Insofern sind die klassischen Massenmedien die Printmedien, die Medien des Rundfunks (Hörfunk und Fernsehen) sowie Online Medien, denen allesamt wichtige (politische) Funktionen zukommen.[7]

- Primärfunktion: Massenmedien fungieren als Wirklichkeitsgeneratoren! – Durch die historische gewachsene Ausdifferenzierung einer komplexen Gesellschaft wie beispielsweise der der Bundesrepublik Deutschland ging ebenso eine Konstituierung verschiedener Teilsysteme einher. So gibt es die mehr oder minder autonomen (Teil-) Systeme wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion, Kunst usw. Diese Teilsysteme müssen aber zwangsläufig – ebenso wie das Gesamtsystem – legitimiert werden. Massenmedien können diese Legitimation schaffen, indem sie der notwendigen Bedingung, dass Gesellschaften über die Möglichkeit der Selbstbeobachtung verfügen und sich somit selbst legitimieren können, gerecht werden. „Massenmedien stellen das Beobachtungssystem der Gesellschaft insgesamt dar, indem sie ein nach ihrer Rationalität selektiertes Bild der Gesellschaft zeichnen und dieses der Gesellschaft zur Selbstbeobachtung zurückfunken. In der medialen Kommunikation spiegelt sich die Gesellschaft selbst.“[8] Gelingt eine (Selbst-) Beobachtung der einzelnen Teilsysteme, geht damit die Integration ihrer selbst in das jeweils größere (Gesamt-) Gefüge einher. Insofern konstituieren Massenmedien Öffentlichkeit oder zumindest öffentliche Räume.

- Sekundärfunktion: Die Sekundärfunktionen der Medien – Information und Kontrolle – können als die Leistungen verstanden werden, welche Massenmedien erbringen. Information bedeutet, dass sie als eine Art Plattform agieren, über die Informationen (jedweder Art) verbreitet, aber eben auch empfangen werden können. Dass es dabei sicherlich darauf ankommt, wer was wie zu wem mit welcher Wirkung sendet, soll weiter unten – gerade in Hinblick auf die didaktische Komponente der Arbeit – noch genauer untersucht werden. Mit Kontrolle ist gemeint, dass sie bestimmte Akteure kontrollieren, Meinungen artikulieren, Missstände aufklären, Transparenz schaffen, Kritik üben und/ oder Stellung beziehen. Außerdem können sie nicht nur ihre eigene Meinung artikulieren, sondern qua ihrer raumschaffenden Fähigkeiten verschiedensten Teilen der Gesellschaft Gehör verschaffen.

Hier ist nach wie vor der etwas in die Irre führende Begriff der „vierten Gewalt“ im Spiel, der darüber hinwegtäuscht, dass Massenmedien wenn schon, dann wenigstens eine nicht staatliche Gewalt und eben keine im Rahmen der horizontalen Gewaltenteilung sind.

- Tertiärfunktion: Hier wird Bezug auf die schon weiter oben genannten sozialspezifischen Wirkungen der (Massen-) Medien genommen. Diese sind a) die politische Sozialisation und Integration b) die politische Bildung und Erziehung und c) die politische Meinungs- und Willensbildung.

a) Die Sozialisations- und Integrationsfunktion bedeutet, dass Medien in der Lage sind, gesamtgesellschaftliche Werte, Regeln, Normen usw. zu vermitteln und somit einen Minimalkonsens gesellschaftlichen Lebens zu konstituieren oder wenigstens zu vermitteln in der Lage sind.
b) Bildung und Erziehung meint die Vermittlung politischer Inhalte, Prozesse und Strukturen (policy, politics, polity), die ebenso wie durch Kindergärten, Schulen und Universitäten als qua Massenmedien erfolgen kann.
c) Durch die Möglichkeit der unilateralen Bestimmung was vermittelt wird und was nicht, haben (Massen-) Medien einen maßgeblichen Einfluss darauf, worüber nachgedacht und vor allem auch was darüber gedacht wird. Insofern sind sie fundamental nicht nur an der politischen Meinungs- und Willensbildung beteiligt.

Es können folglich Veränderungen des Rezipienten im Bereich seines Wissens, seiner Einstellung und letztlich auch seines Verhaltens qua (Massen-) Medien hervorgerufen werden.

5. Massenmedien und Politik

Auf der Grundlage der obigen Ausführungen über (Massen-) Kommunikation und (Massen-) Medien soll dieser Abschnitt den Fragen nachgehen, inwieweit Medien und Politik miteinander agieren, voneinander abhängen und welche Folgen sich daraus ergeben.

[...]


[1] Im Folgenden der Arbeit wird „Schüler“ aus Praktikabilitätsgründen für beide Geschlechter benutzt und entzieht sich jedweder Diskriminierungsabsicht.

[2] Das hier dargestellte Modell soll sich nur auf die face-to-face Kommunikation beziehen. Modell: siehe Anhang.

[3] Steinmetz, Rüdiger, zit. in: Strohmeier, Gerd, Politik und Massenmedien. Eine Einführung (=Studienkurs Politikwissenschaft), Baden-Baden 2004, S. 26.

[4] Strohmeier, Gerd, Politik und Massenmedien. Eine Einführung, S. 27.

[5] Ebd., S. 25.

[6] Gerhards, Jürgen, Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch, in: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.), Öffentlichkeit, öffentlichen Meinung, soziale Bewegung (=Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34), Opladen 1994, S. 85.

[7] Dass Massenmedien nicht nur politische Funktionen haben, soll hier nicht verschwiegen werden. So haben sie z.B. in ökonomischen Systemen eine Art Zirkulationsfunktion (weil sie als Werbeträger u.a. auch ein wichtiger Teil im Wirtschaftskreislauf sind) oder in Bezug auf jeden Einzelnen eine Entspannungs- bzw. Freizeitgestaltungsfunktion. Hier allerdings soll sich vordergründig auf die politischen Funktionen in demokratischen Systemen beschränkt werden.

[8] Gerhards, Jürgen, Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch, in: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.), Öffentlichkeit, öffentlichen Meinung, soziale Bewegung, S. 87.

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638507974
ISBN (Buch)
9783638664271
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v55985
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Medien Politik Gegenstände Sozialkundeunterrichts Politische Ordnung Beziehungen Bildung

Autor

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