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IQ als Fähigkeit zum Problemlösen

Magisterarbeit 2006 88 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dörner: Intelligenz und Problemlösen
2.1 Problemdefinition
2.2 Lohhausen-Paradigma
2.2.1 Ergebnisse des Lohhausen-Paradigma
2.3 Diskussion der Ergebnisse des Lohhausen-Paradigma .oder warum sich kein Zusammenhang zwischen IQ-Tests und Problemlösen zeigt?

3. Schneiderwerkstattproblem (SWS)
3.1 SWS & Putz-Osterloh und Lüer
3.1.1 Ergebnisse
3.2 SWS & Funke
3.2.1 Ergebnisse 3.3 SWS & Hussy
3.3.1 Ergebnisse
3.4 Zusammenfassende Betrachtung

4. Rüppell: QI statt IQ
4.1 GIN & CHIPS – Modell
4.1.1 Das Konzept der produktiven Intelligenz
4.1.2 GIN – Die Struktur der produktiven Intelligenz
4.1.3 CHIPS – Die Prozesse der produktiven Intelligenz
4.1.4 GIN & CHIPS
– Der Struktur-Prozess-Aspekt der produktiven Intelligenz
4.1.5 Die Lehre der produktiven Intelligenz
4.1.5a Die Lehre der Mikrooperationen
4.1.5b Die Lehre der handlungsanalogen Schemata
Die Konzepte des handlungsanalogen-bildunterstützten
Schemas (HABUS) und des Simultan-Vergegenwärtigers
4.1.5c Ein Lehr- und Lernmodell für die Ausbildung der CHIPS
4.2 Der DANTE-Test
4.2.1 Analogie-Empfänglichkeit (AE)
4.2.2 Selektive Elaboration (SE)
4.2.3 Koordinationskapazität (KK)
4.2.4 Strukturierungsflexibilität (SF)
4.2.5 Synergetisches Denken (SD)
4.2.6 Operationalisierung der Qualitäten des erfinderischen Denkens
4.2.7 Entwurf des DANTE-Tests
4.3 Zusammenfassende Betrachtung

5. Die Diskussion der bisherigen Befunde

6. Internetbeiträge zum Thema der Intelligenz- und Problemlöseforschung
6.1 Komplexes Problemlösen, Funke
6.2 Determinanten komplexen Problemlösens, Wittman, Süß & Oberauer
6.3 Erfassung fächerübergreifender Problemlösekompetenzen in PISA, Baumert et al.

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Intelligenz als Fähigkeit zum Problemlösen.

Beiden Bereichen, der menschlichen Intelligenz und der Problemlösefähigkeit, wird in der psychologischen Forschung große Aufmerksamkeit gewidmet.

Auch wenn beide Phänomene so eng miteinander verbunden erscheinen, wurden sie lange Zeit getrennt erforscht, ohne miteinander in Bezug gebracht zu werden.

Der Schwerpunkt der Intelligenzforschung lag vor allem in unzähligen Theorien, wie Intelligenz definiert wird, aus welchen Faktoren sie besteht, wie sie mit IQ-Tests gemessen werden kann und welche Aussagen über die IQ-Leistungen daraus folgen.

Obwohl der Begriff der Intelligenz bis heute nicht eindeutig definiert wird, sind die Begriffe Intelligenztest (IQ-Test) und Intelligenzquotient (IQ), mit denen die Intelligenz gemessen und ausgedrückt wird, jedem Laien bekannt.

Die Problemlöseforschung beschäftigte sich vorwiegend mit dem Aufbau des Problemraumes, mit Problemlösestrategien und -vorgehensweisen, aber auch damit, wie Problemlösefähigkeit gefordert und trainiert werden kann.

Auf den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Problemlösen wurden die Psychologen erst Anfang der 80er Jahre aufmerksam, als vor allem im deutschsprachigen Raum das Lösen von komplexen Problemen untersucht wurde. Eine kleine Stadt oder eine Werkstatt wurde vom Computerprogramm simuliert und es wurden nicht nur die Leistungen der Probanden in der Rolle des Bürgermeisters bzw. des Managers untersucht, sondern auch die Korrelationen der Leistungen mit ausgewählten Persönlichkeitsmerkmalen, u.a. mit der Intelligenz.

Die besonders niedrig ausfallende Korrelation zwischen der Problemlösefähigkeit und der Intelligenz sorgte für unglaubliche Überraschung und Verwirrung und löste eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen aus, die allerdings nicht unbedingt größere Klarheit verschaffen konnten.

Dietrich Dörner, einer der bedeutendsten deutschen Psychologen, der auf dem Gebiet der Forschung zum Thema Intelligenz und Problemlösen eine besondere Rolle spielt, kommt sogar zur Schlussaussage, dass zwischen der Intelligenz und der Fähigkeit Probleme zu lösen, kein Zusammenhang besteht.

Demzufolge taucht eine Reihe von Fragen auf:

Ist Dörners These, Intelligenz hätte mit Problemlösefähigkeit nur wenig zu tun, tatsächlich berechtigt? Auf welche Fakten stützt sich seine These? Kann sie durch spätere Forschungsergebnisse bestätigt oder widerlegt werden?

Ebenso ist zu fragen, auf welchen Ursachen die fehlende Korrelation beruht? Welche Anforderungen stellen einerseits die IQ-Tests und anderseits die komplexen Probleme an die Probanden? Ist es überhaupt gerechtfertigt die Leistungen der Probanden in IQ-Tests mit ihren Leistungen beim Lösen von komplexen Problemen zu vergleichen?

Welche konkreten Ergebnisse liefert die Forschung und wie sehen die Zukunftsaussichten aus?

Um die eben gestellten Fragen beantworten zu können, wird folgende Vorgehensweise gewählt:

Anfangs wird auf die o.e. provozierende These von Dörner eingegangen.

Um untersuchen zu können, inwieweit sich seine These bestätigen lässt, werden zunächst die theoretischen Grundlagen vorgestellt, die Problemlösen definieren und verschiedene Arten von Problemen aufzählen.

In Kapitel 2.2 wird das Lohhausen-Paradigma von Dörner vorgestellt. Es werden ausführlich der Aufbau des Szenarios und die Aufgaben der Probanden beschrieben. Ebenso wird analysiert, welche Ergebnisse das Lohhausen-Paradigma liefert, die Dörner zu seiner These führten.

Weiterhin werden die nachfolgenden Untersuchungen mit der Schneiderwerkstatt, der sog. Kleinausgabe vom Lohhausen-Paradigma, vorgestellt, die von Putz-Osterloh und Lüer, Funke und Hussy geführt wurden. Es ist interessant zu beobachten, welche Faktoren des Szenarios von den Autoren jeweils modifiziert werden und welche Auswirkungen sie auf die Ausprägung der Korrelation zwischen der Intelligenz und der Fähigkeit komplexe Probleme zu lösen haben.

Daraufhin werden ausführlich die von Dörner aufgeführten Ursachen für die mangelnde Korrelation diskutiert.

In 4. Kapitel wird der neue Ansatz in der Intelligenz-Problemlöse-Forschung von Professor Hermann Rüppell vorgestellt. Nach dem Motto QI statt IQ wird das neue originelle Konzept der qualitativen Informationsverarbeitung (QI), der produktiven Intelligenz, auf den GIN- und CHIPS-Modellen dargestellt. Wie die QI getestet und gefördert werden kann, wird anhand des höchst kreativen DANTE-Tests erläutert.

Im abschließenden Teil werden die neuesten Befunde aus dem Internet zum Thema Intelligenz und Problemlösen präsentiert.

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob die anfangs zitierte These von Dörner, Intelligenz hätte mit der Problemlösefähigkeit nur wenig zu tun, verteidigt werden kann, welche Ergebnisse die Forschung zu der Korrelation zwischen Intelligenz und Problemlösefähigkeit liefert und auf welche Ursachen sie zurückgeführt werden.

Es soll daraufhin gezeigt werden, wie aktuell die Frage nach dem Zusammenhang überhaupt ist, welche Bedeutung auf dem Forschungsgebiet die Theorien von QI und DANTE-Test haben und welche Folgen sich daraus für die Zukunftsforschung ergeben.

2. Dörner: Intelligenz und Problemlösen

„Meine Grundthese ist: Intelligenz hat mit Intellekt relativ wenig zu tun! Diese in Kurzform und absichtlich provokant gehaltene Aussage lautet in Langform: Intelligentes, raffiniertes, vernünftiges, effektives Problemlösen basiert nur zum geringen Teil auf dem Funktionieren einer psychischen „Intelligenzmaschinerie“, d.h. auf rein intellektuellen Prozessen“ (Dörner 1984, S. 11).

Was veranlasste einen der bedeutendsten deutschen Psychologen zu solch einer provozierenden Aussage? Wie kann man behaupten, Fähigkeit zum Problemlösen hätte mit der Intelligenz des Menschen nichts zu tun? Auf welchen Experimenten und Befunden basiert Dörners Grundthese?

Intelligenzdiagnostik und Problemlösen, beiden Thematiken wurde in den letzten Jahren gerade im deutschen psychologischen Sprachraum große Aufmerksamkeit gewidmet. Zahlreiche Experimente auf diesem Gebiet führten bekannte Psychologen wie Dörner, Lüer, Putz-Osterloh, Funke, Hussy, usw. durch. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig Interesse die Frage nach dem Zusammenhang von Intelligenz und Problemlösefähigkeit fand. Roth sieht den Grund für die mangelhafte Forschung in diesem Bereich darin, „.dass sich die Intelligenztestforschung lange Zeit insbesondere für interindividuelle Unterschiede interessiert hat, während sich die Problemlöseforschung vor allem mit allgemeinen Gesetzmäßigkeiten kognitiver Prozesse beschäftigt“ (Roth 1998, S. 201).

Die vorliegenden Arbeiten, die sich hauptsächlich auf den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Lösen von komplexen Problemen beziehen, liefern sehr unterschiedliche Ergebnisse. Es wird abwechselnd von bedeutender, minimaler oder keiner Korrelation berichtet.

2.1 Problemdefinition

Bevor Dörners Forschung weiter verfolgt werden kann, müssen unbedingt die Begriffe „Problem“ und „komplexe Probleme“ erläutert werden.

„Was ein Problem ist, ist einfach zu definieren: Ein Individuum steht einem Problem gegenüber, wenn es sich in einem inneren oder äußeren Zustand befindet, den es aus irgendwelchen Gründen nicht für wünschenswert hält, aber im Moment nicht über die Mittel verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zielzustand zu überführen.

Ein Problem ist also gekennzeichnet durch drei Komponenten:

Unerwünschter Anfangszustand sa

Erwünschter Endzustand sw

Barriere, die die Transformation von sa in sw im Moment verhindert“

(Dörner 1979, S. 10; siehe hierzu auch Klix & Süllwold).

Dörners Problemdefinition ist so klar formuliert, dass sie an dieser Stelle keiner weiteren Erklärung bedarf. Der Anfangszustand soll mit Hilfe von bestimmten Operatoren in einen Zielzustand umgewandelt werden, wobei eine oder mehrere Barrieren zu überwinden sind. Da die Lösung des Problems nicht bekannt ist, sind als Voraussetzung produktives Denken und die Herstellung neuer logischen Verknüpfungen gefordert.

Würde man die Lösung einfach aus dem Gedächtnis abrufen, weil man sie schon kennt, würde es sich um reproduktives Denken und Aufgabelösung handeln, nicht um Problemlösen. Darin besteht der Hauptunterschied zwischen einer Aufgabe und einem Problem, denn „Aufgaben sind geistige Anforderungen, für deren Bewältigung Methoden bekannt sind“ (Dörner 1979, S. 10).

Es wird schnell deutlich, dass es von dem Wissen eines Individuums abhängt, was für ihn eine Aufgabe und was ein Problem darstellt.

Barriere, die dritte Komponente der Problemdefinition, die bei einer Aufgabe nicht vorkommt, kann sich auf verschiedene Art zeigen, bzw. die Operationen, die zu ihrer Bewältigung dienen, können in verschiedenen Konstellationen auftreten. Die Art der Barriere bestimmt, um welchen Typ des Problems es sich handelt.

Im Wesentlichen werden drei Typen von Barrieren und somit drei Typen von Problemen unterschieden:

Interpolationsproblemen

In den Interpolationsproblemen sind der Anfangs- und der Zielzustand klar definiert. Die nötige Operatoren, die zu dem gewünschten Zielzustand führen, sind bekannt, sie müssen aber richtig kombiniert, also in richtige Reihenfolge gebracht werden. Es handelt sich um eine Interpolationsbarriere.

Syntheseprobleme

Wenn der Anfangs- und Zielzustand bekannt sind, allerdings die richtigen Operatoren unbekannt sind und zunächst einmal gefunden werden müssen, handelt es sich um eine Synthesebarriere und somit um ein Syntheseproblem.

Dialektische Probleme oder komplexe Probleme

Bei dialektischen Problemen sind sowohl der Anfangs- und Zielzustand als auch die Operatoren unbekannt.

„Der Grund für die Wahl des Begriffs dialektisch ist, dass die Lösung solcher Probleme meist in einem dialektischen Prozess gefunden wird, in dem ein Vorschlag oder Entwurf für den Zielzustand auf äußere Widersprüche (Widersprüche der Komponenten des Entwurfs mit Sachverhalten außerhalb seiner selbst) oder innere Widersprüche (Widersprüche der Komponenten des Entwurfs zueinander) überprüft und entsprechend verändert wird“ (Dörner 1979, S. 13).

Der Anfangs- und Zielzustand sind also nicht klar definiert, von den Operatoren ganz zu schweigen. Man hat nur eine ungefähre Vorstellung von dem, was zu tun ist.

Dialektische Probleme werden auch als komplexe Probleme bezeichnet.

Komplexe Probleme sind nach Dörner durch fünf Merkmale gekennzeichnet[1]:

Variablenzahl - wird durch die Zahl der beteiligten Variablen bestimmt.

Variablenvernetzung - wird dadurch bestimmt, im welchem Ausmaß die einzelnen Variablen miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Variablen können linear und nicht linear sein.

Transparenz - Der Grad der Transparenz ist bestimmt dadurch, wie leicht die einzelnen Komponenten erkannt werden. Mit steigender Variablenzahl und dadurch steigender Variablenvernetzung nimmt die Intransparenz zu.

Eigendynamik - macht das Lösen von komplexen Problemen schwierig. Problemsituationen, die man eigendynamisch bezeichnet, verändern sich nämlich auch ohne Eingriffe des Problemlösers.

Dialektische Barriere - Erläuterung s.o.

Die Untersuchung von komplexen Problemen, dargestellt als computersimulierte Szenarios, wurde in den letzten Jahren mit großem Interesse verfolgt. Der Aufbau des Problemraumes wurde erforscht und insbesondere die Art und Weise, wie die Versuchspersonen mit den komplexen Problemen umgehen, welche kognitiven Fähigkeiten und Prozesse dabei entscheidend sind und nicht zuletzt ob und welcher Zusammenhang zu verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen wie Intelligenz, Kreativität, Entscheidungsfähigkeit u. Ä. besteht.

Die Studie zu Lohhausen von Dörner (1983) ist vielleicht das bekannteste Beispiel eines komplexen Problems und wird im Folgenden vorgestellt.

2.2 Lohhausen-Paradigma

Es handelt sich um eine vom Computerprogramm simulierte Kleinstadt Lohhausen, die die Versuchspersonen in der Rolle des Bürgermeisters für einen Zeitraum von zehn Jahren führen sollen. Dies können sie in acht maximal zweistündigen Sitzungen tun, zwischen denen jeweils ein Abstand von zwei Wochen liegt. Sie können maximal acht Maßnahmen ergreifen, die ihrer Ansicht nach zum Wohlergehen der Stadt führen.

Um einen besseren Eindruck von er behandelten Thematik zu bekommen, wird folgender Ausschnitt aus Dörners Instruktionen zitiert:

„Stellen Sie sich vor, Sie werden plötzlich Bürgermeister von Lohhausen (an der Lohe). Lohhausen ist ein Kleinstädtchen mit 3372 Einwohnern und liegt in einer hübschen, waldreichen Gegend etwa sechzig Kilometer von einer größeren Stadt entfernt. Auf dem Stadtplan sehen Sie, dass es einen Bahnhof gibt; außer durch die Eisenbahn ist Lohhausen noch durch Buslinien mit der Außenwelt und der näheren Umgebung verbunden. Die ökonomische Basis der Stadt, wenn auch nicht die einzige Einnahmequelle, ist eine Uhrenfabrik, die Sie leicht im Stadtplan finden werden. Außerdem gibt es eine Bank, Gaststätten, Lebensmittelhändler, Textilwaren- und andere Geschäfte. Sie betreten also nun am 2. Januar 1976 das Rathaus, um Ihr neues Amt anzutreten. Wiederum im Gegensatz zur Realität haben Sie fast diktatorische Vollmachten. Alles, was Sie beschließen, wird tatsächlich durchgeführt. Ihre Aufgabe ist es, für das Wohlergehen der Stadt in der näheren und ferneren Zukunft zu sorgen. Was Sie dafür unternehmen, ist Ihre Sache. Der Versuchsleiter präsentiert für Sie so etwas wie eine allgemeine Informationsquelle. Er hält für Sie detaillierte Informationen bereit, nach denen Sie nur fragen müssen. Fragen Sie ihn also, wenn Sie Ihr Bild über Lohhausen vervollständigen wollen. Natürlich können Sie nur solche Dinge erfragen, die in der Realität auch für Sie erfahrbar wären.

In jeder der acht folgenden Versuchssitzungen haben Sie zwei Stunden Zeit, um Maßnahmen zu überlegen und Entscheidungen zu treffen. Innerhalb dieser zwei Stunden können Sie überlegen und fragen, wie Sie wollen. Sie können sich für bestimmte Maßnahmen entschließen, diese wieder rückgängig machen, ganz wie Sie wollen. Am Schluss der Sitzung sollten Sie sich aber für bestimmte Maßnahmen fest entscheiden. Diese werden dann durchgeführt, was konkret so aussieht, dass sie dem Computer, der Lohhausen simuliert, zugeführt werden. Der Computer simuliert sodann Lohhausen für den Zeitraum, den Sie wünschen, mindestens aber einen Monat. Bei der nächsten Sitzung bekommen Sie dann Nachricht über die Effekte Ihrer Bemühungen.

Insgesamt müssen Sie in dem Versuch zehn Jahre überbrücken. D. h., dass Sie in der achten Sitzung den Zeitraum so festlegen müssen, dass er bis zum 120. Monat geht. Wie Sie den Zeitraum von 120 Monaten auf die acht Sitzungen verteilen, ist im übrigen Ihre Sache“ (Dörner et al. 1983, zit. nach Hussy 1998, S. 141-142).

Das Lohhausen-Paradigma weist vorbildlich alle Merkmale eines komplexen Problems auf. Die Zahl der Variablen ist tatsächlich ziemlich hoch, es sind über 2000 Variablen beteiligt, die sich natürlich in ihrer Relevanz unterscheiden. Sie stehen zueinander in Beziehungen, sind in verschiedener Weise voneinander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig, weisen also hohe Vernetzung auf.

Es handelt sich um Variablen wie z. B. Finanzlage der Stadt, Finanzlage der Uhrenfabrik, Arbeitslosigkeit, Freizeitangebote, Zufriedenheit der Bürger, Umweltschutzmaßnahmen. Es ist verständlich, dass z. B. durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze die Arbeitslosigkeit sinkt (lineare Beziehung), aber die Erhöhung der Löhne muss nicht automatisch höhere Arbeitszufriedenheit bedingen (nicht lineare Beziehung). Die Transparenz ist aufgrund der hohen Zahl der Variablen und ihrer Vernetzungen sehr niedrig, die Eigendynamik der Problemsituation dagegen ziemlich hoch. So kann z. B. die Versuchsperson erst spät bemerken, wie schädlich die Luftverschmutzung in dem Stadtzentrum durch den Mittagsverkehr gestiegen ist, da sie vorher den Aufbau neuer Umgehungsstraßen abgelehnt hat. Die Sorge um das Wohlergehen der Stadt stellt die dialektische Barriere dar, die jeder Versuchsperson die Freiheit lässt, was sie darunter versteht, welche Ziele sie erreichen will und welche Maßnahmen sie zu deren Erreichung für relevant hält.

2.2.1 Ergebnisse des Lohhausen-Paradigmas

Welche Befunde lieferten Dörner und seine Mitarbeiter?

Das primäre Interesse bestand darin, herauszufinden, inwiefern sich die erfolglosen Versuchspersonen von den erfolgreichen unterscheiden. Die Hauptunterschiede fasste Dörner et al. (1981) wie folgt zusammen[2]:

Schlechte Vpn „vagabundieren“ von Thema zu Thema oder kapseln sich in einem meist irrelevanten Teilthema ein.

Schlechte Vpn analysieren die jeweiligen Umstände weniger genau als gute.

Schlechte Vpn treffen wenige Entscheidungen und koordinieren ihre Entscheidungen nicht; sie handeln „ad hoc“.

Schlechte Vpn zeigen weniger Selbstreflexion und Selbstorganisation als gute.

Schlechte Vpn benötigen mehr Informationen „von außen“ als gute.

Schlechte Vpn zeigen weniger Vorausplanung und Vororganisation als gute.

Weiterhin bestimmte Dörner durch sechs relevante Erfolgskriterien ein Hauptkriterium, das sog. Generalgütekriterium (GGK). Die sechs Teilkriterien sind Versuchsperson-Selbstbeurteilung, Versuchsleiter-Urteil, Naives Urteil, Versuchsleiter-Urteil Graphik, Fabrikkapital und Einnahme/Ausgabe der Stadt. Eine genaue Übersicht befindet sich im Anhang (s. S. 79).

Anhand des GGK wurden weitere Merkmale untersucht, die mit erfolgreichem Lösen des Lohhausen-Paradigmas im Zusammenhang stehen, wie Selbstsicherheit, Rigidität, Extraversion, Kreativität und nicht zuletzt die Intelligenz. Welche Korrelation zwischen den untersuchten Merkmalen und dem GGK gefunden wurden, veranschaulicht folgende Tabelle:

Der Zusammenhang zwischen der Leistungsgüte beim Umgang mit Lohhausen (Generalgütekriterium) und einer Reihe von Persönlichkeitsmerkmalen (Produkt-Moment-Korrelationskoeffizient) (nach Dörner et al. 1983)[3]:

Persönlichkeitsmerkmal Generalgütekriterium

Intelligenz (CFT) 0,12

Intelligenz (Raven) 0,03

Kreativität (Produktivität) 0,01

Extraversion 0,356*

Rigidität 0,045

Selbstsicherheit 0,518**

*p = 0,05, **p = 0,01

An dieser Stelle ist die nicht vorhandene Korrelation zwischen der Intelligenz und dem GGK von Interesse, die anderen Ergebnisse werden hier nicht diskutiert.

Dass sich kein Zusammenhang zwischen dem GGK und der Intelligenz zeigt, unabhängig davon, ob sie nach dem CTF (Grundintelligenztest, Weiss 1971) oder dem APM (Advanced Progressive Matrices, Raven 1962) gemessen wurde, wurde auf keinen Fall erwartet. Die gelieferten Ergebnisse sorgten für Überraschung und Verwirrung, und nicht nur bei Dörner.

Nun wird verständlich, was ihn zu der anfangs zitierten These (siehe S.7) veranlasste.

Das Lohhausen Paradigma und die experimentellen Ergebnisse lösten eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und Überlegungen zum Thema Zusammenhang von Intelligenztest und komplexes Problemlösen aus. Auf Dörners Überlegungen und Analysen über mögliche Ursachen wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

2.3 Diskussion der Ergebnisse des Lohhausen-Paradigma

.oder warum sich kein Zusammenhang zwischen IQ-Tests und Problemlösen zeigt?

Die Ergebnisse über die fehlende Korrelation zwischen Problemlösen und Intelligenz, die das Lohhausen-Paradigma lieferte, blieben nicht unbeachtet. Dörner beschäftigte sich mit der Frage, was den fehlenden Zusammenhang verursachte und setzte sich damit auseinander, welche Anforderungen eigentlich die Intelligenztests und welche die Problemlösesituationen an ein Individuum stellen.

Die Analyse dieser Fragestellung war sicherlich erschwert durch die Tatsache, dass auch nach fast hundert Jahren der Intelligenzforschung immer noch keine einheitliche Definition vom Intelligenzbegriff vorliegt. Nichtsdestotrotz schließen viele Intelligenzdefinitionen den Problemlösebegriff mit ein, denn die Fähigkeit zum erfolgreichen Denken und Problemlösen wird als relevanter Teilbereich der Intelligenz verstanden.

Als Beispiel dienen folgende Definitionen:

„Intelligenz ist die Fähigkeit, zur Ausführung von Handlungen, die durch folgendes gekennzeichnet sind: Durch die Schwierigkeit und Komplexität, durch die Möglichkeit zur Erfassung und Lösung direkter Probleme; sie gehorchen dem ökonomischen Prinzip, sind auf ein Ziel gerichtet, beachten soziale Werte und besitzen Originalität“ (Stoddard 1949, zit. nach Dörner 1983, S. 303)

„Intelligenz ist der Leistungsgrad psychischer Funktionen beim Lösen neuer Probleme“ (Rohracher 1971, zit. nach Dörner 1983, S. 303)

„Intelligenz ist die allgemeine Fähigkeit eines Individuums, sein Denken bewußt auf neue Forderungen einzustellen; sie ist allgemeine geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Bedingungen des Lebens“ (Stern 1912, zit. nach Dörner 1983, S. 303)

„Intelligenz ist eine Größe, die in den zeitlichen Ablauf des Denkens eingeht und durch welche die Ausgangsordnung eines Denkaktes (die Frage- oder Problemsituation) in eine Endordnung der Antwort oder Lösung umgeformt wird“ (Meili 1951, zit. nach Dörner 1983, S. 303)

Unter der Berücksichtigung dieser Intelligenzdefinitionen fällt es schwer zu verstehen, wieso sich dann kein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Problemlösen zeigen sollte.

Dörner sieht die Intelligenzleistung in einer Problemsituation darin, „dass ein Individuum in der Lage ist, Informationen zu sammeln, diese Informationen zielgerecht zu integrieren und zu gliedern, Prognosen abzugeben, zu planen, sich zu entscheiden, Ziele aufzustellen und diese zu ändern. Um all dies leisten zu können, muss ein Individuum eine organisierte Abfolge einzelner Informationsverarbeitungsschritte produzieren können, die es flexibel den jeweiligen Erfordernissen der Situation anpasst, dann ist es intelligent“ ( Dörner 1986, S. 292).

Demgegenüber soll der Problemlöser „auch das eigene Denken zum Objekt seines Denkens machen, also über seine eigenen Lösungsansätze reflektieren können. Denken in einer Problemsituation erweist sich als eine mehr oder minder gut aufgebaute Struktur, bestehend einmal aus der zeitlichen Abfolge einzelner Schritte der Informationsverarbeitung, die zum anderen inhaltlich aufeinander bezogen sind und die mehr oder minder schnell und genau sein können“ (Dörner 1986, S. 292).

Dörner geht also davon aus, dass Problemlösesituationen an ein Individuum andere Anforderungen stellen als die Intelligenztests. Worauf basiert dieser Gedanke?

Er knüpfte an die Informationsverarbeitungstheorie der kognitiven Prozesse an, mit der er sich jahrelang wissenschaftlich beschäftigte. In der Informationsverarbeitungstheorie wird vorausgesetzt, dass ein Individuum zur erfolgreichen Bewältigung einer intellektuellen Herausforderung eine Reihe von bestimmten kognitiven Operationen benötigt, die in einer richtig organisierten Sequenz ablaufen müssen.

Dementsprechend sind die Fragen, ob ein Individuum in der Lage ist, für die allgemeinen Problemsituationen die richtigen kognitiven Operationen einzusetzen und sie auch in der richtigen Reihenfolge zu organisieren, für die Intelligenzmessung von großem Interesse.

Dörner zweifelt nicht daran, dass mit den Intelligenztests auch bestimmte kognitive Operationen gemessen werden, die ebenso für das Problemlösen relevant sind.

Woran er aber zweifelt, ist die Frage, welche kognitiven Operationen die Intelligenztests messen, die für das Lösen von komplexen Problemen erforderlich sind.

Unterschiedliche Anforderungen an die IQ-Tests und die Lösung der komplexen Probleme

Worin bestehen also nach Dörner die wesentlichen Unterschiede zwischen den Anforderungen, die an die Intelligenztests einerseits und an das Lösen von komplexen Problemen anderseits gestellt werden?[4]

Der erste wesentliche Unterschied besteht darin, dass die komplexen Probleme im Gegensatz zu den Intelligenztests auf einen offenen, nicht genau definierten Zielzustand hinweisen. Es sind ganz bestimmte kognitive Fähigkeiten und Prozesse erforderlich um herauszufinden, welcher Zielzustand eigentlich erwünscht ist. Diese bestimmten Fähigkeiten und Prozesse werden in Intelligenztests, wo jedes Item einen klar definierten Zustand aufweist, nicht gefordert.

Die Intelligenztests und die komplexen Probleme unterscheiden sich aber auch darin, auf welche Weise nach dem gewünschten Zielzustand gesucht werden soll. In den Intelligenztestitems muss nach einem bestimmten Zielzustand gesucht. Sie werden deshalb auch monotelisch genannt. In den komplexen Problemen müssen aber mehrere Zielzustände der verschiedenen Variablen gefunden werden, weshalb sie auch als polytelisch bezeichnet werden. Die verschiedenen Zielzustände können sich natürlich auch widersprechen, dann nennt man sie kontradiktorisch. Es werden kognitive Fähigkeiten zur Neubewertung der Zielzustände innerhalb des Problemlöseprozesses gefordert, die wiederum in den Intelligenztests nicht in Anspruch genommen werden.

Schließlich mangelt es den Individuen beim Lösen von komplexen Problemsituationen oft an den Kenntnissen darüber, welches Wissen und welche Erfahrungen zur Bewältigung der Problemsituation erforderlich und welche Möglichkeiten an Handlungen verfügbar sind. Um zu einer erfolgreichen Lösung zu kommen, müssen Kenntnisse über die Problemsituation erworben, aber auch Erfahrungen aus den anderen Problemlösesituationen eingesetzt werden. Eine Prüfung der Handlungsmöglichkeiten ist daher erforderlich.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Im Gegensatz zum Intelligenztest erfordert das Lösen von komplexen Problemen Explorationstätigkeit, Neubewertung des vorhandenen Wissens und Einsetzen von Erfahrungen, die schon in anderen Problemlösesituationen erworben wurden.

Durch die genaue Konstruktion und Anweisung der einzelnen Items besteht bei den Intelligenztests kaum die Notwendigkeit, die Denkprozesse zu organisieren. Da der Versuchsperson mitgeteilt wird, was genau von ihr erwartet wird, muss sie nur die kognitiven Operationen in richtiger Sequenz aktivieren. „Dies bedeutet, dass Intelligenztests zwar vielleicht einige notwendige Bedingungen für intellektuelle Leistungen erfassen, insbesondere die Verfügbarkeit über bestimmte mentale Operationen. Allerdings ist die Verfügbarkeit über einzelne mentale Operationen keinesfalls eine hinreichende Bedingung für intellektuelle Leistung. Ein ganz wesentlicher Teil menschlicher intellektueller Kapazität besteht in der operativen Fähigkeit, einzelne mentale Operationen den Erfordernissen eines Problems entsprechend zu ordnen und umzuordnen. Diese operative Fähigkeit (die beispielweise die Reflektion über den eigenen Denkprozess miteinschließt), ist zur Lösung eines Intelligenztestitems nicht erforderlich“ (Dörner 1983, S. 190).

Die Anordnung der kognitiven Operationen in richtige Reihenfolge wird also in Intelligenztests nicht verlangt, beim Lösen von komplexen Problemen ist sie von großer Bedeutung.

Allerdings werden beim Problemlösen nicht nur die kognitiven Fähigkeiten gefordert, sondern auch die Persönlichkeitsmerkmale der Individuen, die je nach Ausprägung bestimmen, wie Personen in erfolglosen Problemsituationen weiter handeln. Wie meistern sie die Stresssituation, in die sie geraten? Bewahren sie Ruhe, vertrauen sie auf eigene Fähigkeiten, bauen sie auf Erfahrungen, die sie schon in anderen erfolgreichen Problemsituationen erworben haben, halten sie durch und motivieren sie sich selber zum weitermachen, erlangen sie wieder die Kontrolle über die Situation? Oder werden sie von der Stresssituation so überfordert, dass sie zum weiterem Denken und Handeln unfähig sind? Auch diese Aspekte des menschlichen Verhaltens sind beim Problemlösen von großer Bedeutung, da sie dazu beitragen, die Handlungen weiter zu steuern. In den Intelligenztests werden sie nicht (oder kaum) gefordert.

Aufgrund der durchgeführten Analyse zu Unterschieden zwischen den Anforderungen an Intelligenztests und an Problemlösen konnte Dörner deren Ergebnisse auf die Lohhausen Studie übertragen, um näher bestimmen zu können, was konkret zu der fehlender Korrelation zwischen GGK und Intelligenz führte. Die Ursachen formuliert er wie folgt:

„Um im Lohhausen-Versuch erfolgreich abzuschneiden, muss man die Instruktion verstehen und die Vielzahl der verfügbaren Daten – durch Ordnen strukturiert und reduziert – im Gedächtnis verfügbar halten. Man muss die vorhandenen Problemfelder aktiv suchen, in ihrer Bedeutung erkennen und sich ein zutreffendes Bild von ihnen verschaffen. Man muss sich über die eigenen angestrebten Ziele klar werden und nach richtig dosierten, geeigneten Maßnahmen suchen, um sie zu verwirklichen. Man muss Planen und Entscheiden, dann aber auch tatsächlich handeln. Man muss die Trends von Verläufen in der Zeit erkennen und zutreffende Hochrechnungen erstellen. Man muss eventuelle Nebenwirkungen der beschlossenen Maßnahmen analysieren, die Effekte der Eingriffe kontrollieren und gegebenenfalls auch korrigieren. Und dies alles muss im Rahmen des zur Verfügung stehenden Zeit-Budgets erfolgen.

Darüber hinaus muss man damit zurecht kommen, dass der Kenntnisstand stets unvollständig bleibt, dass stets mehrere, verschiede Probleme gleichzeitig anstehen (deren Lösungsversuche sich in Zielkonflikten wechselseitig behindern können), dass es keine eindeutige, ideale, im mathematischen Sinne richtige oder falsche Lösung der Probleme gibt, und dass sich alles dynamisch in der Zeit verändert und weiterentwickelt, selbst, wenn man nicht eingreift.

Schließlich muss man aus den Beziehungen (der Semantik) der verfügbaren Daten dasjenige an eigenen Kenntnissen und Erfahrungen aktivieren, das erforderlich ist, um sich in dem Realitätsbereich zu orientieren; aber auch, um neue, adäquate Lösungen zu finden. Dabei werden neben intellektuellen auch rein soziale Bereiche (etwa die Bedingungen für Zufriedenheit) angesprochen“ (Dörner 1983, S. 319).

Die Erfordernisse der IQ-Tests fasst er schließlich wie folgt zusammen:

„Insgesamt gesehen, fordern Intelligenztestitems zu ihrer Bewältigung weniger übergreifende, (die Versuchssitzungen) überdauernde oder multidimensionale Leistungen; Bereiche also, die durch Konflikte, Problemsuche etc. gekennzeichnet sind und besonders anfällig für Einflüsse von Persönlichkeitsvariablen sein dürften. Statt dessen fordern die Items eher rein kognitive Leistungen in sehr engen Bereichen, unter Ausklammerung von Persönlichkeitsaspekten und Aspekten der sozialen Intelligenz. Erfahrungen und semantische Bezüge gehen in viel geringerem Maße ein, eher wird Wissen abgefragt, als Ableitungen aus einem selbst strukturierten Erfahrungsnetz. Schließlich soll als letzter wesentlicher Unterschied die untergeordnete Rolle der Eigeninitiative betont werden“ (Dörner 1983, S. 320-321).

Bewertung/Kritik der Lohhausen Studie:

Die gelieferten Ergebnisse sind doch mit gewisser Skepsis zu betrachten. Wieso wurden z. B. gerade die sechs Variablen und nicht anderen als die für den Erfolg entscheidende, also für den GGK, gesetzt?

Aufgrund einer so großen Variablenanzahl und -vernetzung bereiteten den Probanden auch andere Ursachen Schwierigkeiten, wie z. B. die nichtlinearen Beziehungen zwischen den Variablen (erhöhter Lohn bedeutet nicht automatisch erhöhte Arbeitszufriedenheit) und die verzögerten Auswirkungen mancher Maßnahmen (das in die Werbung investierte Geld wirkt sich nicht sofort aus).

Trotz der Leistungsanalyse bleibt nach Hussy das prinzipielle Problem weiterhin präsent: „Die offene Problemstellung und die damit verbundene Interpretierbarkeit des Zielzustandes verhindern bei einem komplexen System wie Lohhausen die objektive Erfassung des Leistungsaspekts. Die Folge davon ist die beeinträchtigte Gültigkeit der entsprechenden Untersuchungsergebnisse“ (Hussy 1998, S. 149).

Die Lohhausen Ergebnisse wurden auch aus anderen Gründen kritisiert. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass das Paradigma nur sehr wenig den realen komplexen Problemen entspricht, und zwar nicht nur wegen der diktatorischen Macht des Bürgermeisters.

Ebenso ist es zu fragen, wie gut die Realitätsnähe vom Computer simuliert wird. Es wird bezweifelt, dass dieses Programm die Alltagsrealität widerspiegelt.

Trotz der fehlenden Validität (s.o.), wurde die Lohhausen Studie mit großem Erfolg und Begeisterung von den Psychologen aufgenommen. Sie führte zu zahlreichen ähnlichen Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Problemlösefähigkeit und Intelligenz, Gedächtnisleistungen, Kreativität u. Ä. zum Thema hatten.

[...]


[1] Hussy, W. (1998) : Denken und Problemlösen, S.142-143

[2] Vgl. Hussy 1998, S. 144

[3] Vgl. Hussy 1998, S.147

[4] Dörner, D., & Kreuzig, H. W., (1983): Problemlösfähigkeit und Intelligenz, S. 190

Details

Seiten
88
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638508346
ISBN (Buch)
9783638693509
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56028
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,1
Schlagworte
Fähigkeit Problemlösen

Autor

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Titel: IQ als Fähigkeit zum Problemlösen