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Verantwortung in der Erziehung - Wovor und Wozu?

Essay 2000 6 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Mathias Schüz

Verantwortung in der Erziehung – wovor und wozu?

Im April 1998 erschossen zwei Schüler in Littleton im amerikanischen Bundesstaat Colorado zwölf ihrer Mitschüler, einen Lehrer und anschließend sich selbst. Vor wenigen Monaten in Meißen stach ein 15-jähriger Schüler mit einem Messer 22-mal auf seine Geschichtslehrerin ein und ermordete sie vor den Augen seiner Mitschüler. Gewaltattacken gegen Lehrer und Mitschüler scheinen inzwischen zum Schulalltag zu gehören. Wer trägt dafür die Verantwortung? Die Schüler? Deren Eltern? Die Lehrer? Die Politiker? Die wirtschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Verhältnisse? Wer die Verantwortung etwa auf einen Sündenbock abwälzt, löst das Problem jedoch nicht. Trugen in Meißen nicht auch die anwesenden Schüler Mitverantwortung, indem sie die Tat nicht zu verhindern versuchten?

Um einer Antwort näher zu kommen, sollten wir uns erst einmal darüber klar werden, was Verantwortung überhaupt heißt. Das Wort „verantworten“ hat seinen Ursprung im römischen Rechtsleben und ist eine Übersetzung des lateinischen „respondere“ - i. S. von „antworten auf eine Anklage“ - was wiederum im griechischen Wort „spendein“ wurzelt. Das bedeutet das Spenden eines Trankopfers bei Abschluß eines Vertrages, in dem etwas vereinbart und zugesichert wird. Der Vertragsabschluß war also eine geheiligte Handlung, die vor einer religiösen Instanz besiegelt wurde. Im respondere beantwortet der Angeklagte die Frage des Richters, ob man der dort eingegangen Verpflichtung gewachsen war oder nicht.

Daß der Begriff im christlichen Abendland vom Rechtsleben auf alles menschliche Handeln, also auch auf die Moral und Ethik, übertragen wurde, hängt mit der christlichen Offenbarung zusammen. Diese rückt alles menschliche Denken und Handeln unter die Erwartung des letzten Gerichts (Eschaton): „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.“ (2. Kor. 5, 10) Demnach weist Verantwortung ursprünglich immer über die Instanz eines konkreten Vertrages, Gesetzes oder einer moralischen Regel hinaus auf ein größeres Ganzes, hier: auf das verhießene Reich Gottes.

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Details

Seiten
6
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638508568
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56061
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
Schlagworte
Verantwortung Erziehung Wovor Wozu

Autor

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Titel: Verantwortung in der Erziehung - Wovor und Wozu?