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Sartres moralphilosophische Ansätze in "L’être et le neant", "L’existentialisme est un humanisme" und den "Cahiers pour une morale"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 18 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Eine existentialistische Moral
1.1. Der Mensch ist frei Angst und Unaufrichtigkeit
1.2. Eine Moral ohne den Wert Die Freiheit ist die Grundlage aller Handlungen

2. Der Zustand der Authentizität
2.1. Warum authentisch Handeln?
2.2. Nicht sein, sondern machen – die Konversion
2.2.1. Was ist Konversion?
2.2.2. Die Maßnahmen der Konversion für den Einzelnen
2.2.3. Die Haltung und das Verhalten den anderen gegenüber

3. Literatur

Vorwort

Jean-Paul Sartre (1905-1980) ist unbestritten eine herausragende Gestalt der zeitgenössischen Philosophie. Sein Werk Das Sein und das Nichts, Versuch einer phänomenologischen Ontologie gehört zu den Klassikern der philosophischen Literatur (Vgl. Bernard N. Schumacher, S.1).

In diesem Werk versucht Sartre, die menschliche Existenz und ihre Aspekte auf eine Grundlage zu bringen, die Freiheit. Er versucht die Freiheit und Notwendigkeit in Einklang oder wenigstens in eine Verbindung zu bringen.

In seinem Werk Der Existentialismus ist ein Humanismus schreibt er, dass der Mensch nur dasjenige sei, wozu er sich mache. „Auch die Vergangenheit ist in diesem Sinne nur eine gemachte, eine im Licht der Zukunft und Gegenwart gemachte.“ (Dorothea Wildenburg, S.11)

Sartre entwickelte in seinem Werk Cahiers pour une morale eine Ethik der Authentizität. Mit dieser Ethik ist es möglich, die Haltung der Unaufrichtigkeit, die Sartre in seinem Werk Das Sein und das Nichts darstellte, zu überwinden.

Er forderte eine Konversion und den Verzicht auf die „Begierde Gott zu sein“. Gleichzeitig soll der Mensch die Grundlosigkeit seiner Existenz akzeptieren. Nicht das Sein, sondern das Machen ist der einzig richtige authentische Entwurf.

Dadurch entsteht eine bestimmte Haltung gegenüber den anderen Menschen: anstatt eines grundlegenden Konflikts, steht jetzt die Solidarität im Vordergrund.

Sartre zielt auf eine Moral des Konkreten und der Endlichkeit ab. Als Mittel um die Zwecke zu realisieren, stehen die Konversion, die Solidarität und der sich an die Freiheit richtende Appell zur Verfügung. Einen absoluten, apriorischen gültigen Wert gibt es nicht.

Im Grund kann man Sartre seine Moral als eine Moral des Desillusionierung sehen, zumindest, wenn man in der Illusion lebte, in seinem Dasein gerechtfertigt zu sein, sei es durch einen Gott, durch ewige Werte oder durch eine Position. (ebd., S. 95)

1. Eine existentialistische Moral

Der Existentialismus wird als eine Lehre verstanden, die das menschliche Leben möglich macht. Weiterhin erklärt er, dass jede Wahrheit und jede Handlung ein menschliches Milieu und eine menschliche Subjektivität impliziert (Vgl. Jean-Paul Sartre: Der Existentialismus ist ein Humanismus, S.146).

Sartre vertritt den atheistischen Existentialismus: wenn es keinen Gott gibt, gibt es zumindest ein Wesen, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, dieses Wesen ist der Mensch (ebd.,S.149).

Das bedeutet, dass der Mensch erst existiert, auf sich trifft, in die Welt eintritt, und sich erst dann definiert.

Für einen Existentialisten ist der Mensch nicht definierbar, weil er zunächst nichts ist, er wird erst dann, und wird so sein, wie er sich geschaffen haben wird.

Der Mensch ist so wie er sich auffasst, wie er sich will und wie er sich nach seiner Existenz auffasst.

Der Mensch ist nur das, wozu er sich macht. Das ist das erste Prinzip des Existentialismus, es wird auch Subjektivität genannt (ebd., S. 149).

Der Mensch ist ein sich subjektiver erlebender Entwurf, es existiert nichts vor diesem Entwurf, der Mensch wird zuerst das sein, was er zu sein entworfen hat, aber nicht, was er sein will (ebd., S.150).

Da die Existenz dem Wesen vorausgeht, ist der Mensch für das was er ist, verantwortlich. Die Absicht des Existentialismus ist es, dem Menschen die Verantwortung für sich selbst aufzutragen, „... den Mensch in den Besitz seiner selbst zu bringen...“ (ebd., S.150).

Demzufolge ist unsere Verantwortung viel größer als wir vermuten, sie betrifft die gesamte Menschheit.

Der Mensch bestimmt zwar selbst, wer er sein will, und wählt die Handlungen, die er für gut befindet. Trotzdem geschieht alles so, als wenn bei jedem Menschen die gesamte Menschheit sein Handeln beobachten und sich nach seinem Handeln richten würde. Jeder Mensch muss sich fragen, bin ich auch der, der das Recht, so zu handeln, dass die Menschheit sich nach meinen Taten richten kann (ebd., S.153).

Wenn ich mich als Arbeiter entscheide, einer christlichen Gewerkschaft beizutreten, anstatt den Kommunisten, zeige ich durch meine Wahl, dass ich die Resignation als Lösung betrachte. Doch dann entscheide ich nicht nur für mich allein, resigniert zu sein, sondern für die gesamte Menschheit. Ich entscheide für die gesamte Menschheit, dass die Resignation der richtige Weg ist.

Ich schaffe ein bestimmtes Bild des Menschen, den ich wähle, mich wählend, wähle ich den Menschen. Ich bin also für mich selbst und für alle verantwortlich. (ebd., S.151)

Hinterfragt der Mensch sein Handeln nicht kritisch, versteckt er seine Angst. Diese Angst kennen alle, die Verantwortung tragen. Diese Angst beschreibt den Existentialismus, sie ist kein Vorhang, die uns vom Handeln trennt, sondern sie ist ein Teil des Handelns selbst. (ebd., S.153)

Für einen Existentialisten gibt es auch keine Leidenschaft, kein Mensch wird durch sein Schicksal zu irgendwelchen Taten gezwungen. Er kann auch die Leidenschaft nicht als Entschuldigung für sein Handeln verwenden.

Der Mensch wird durch sein Handeln definiert, nur in seinem Handeln liegt die Hoffnung und nur die Tat erlaube dem Menschen zu leben. Man spricht auch von einer Moral des Handelns und des Engagements. Diese Moral hat den Ausgangspunkt: „Ich denke, also bin ich“ (ebd., S. 165)

1.1. Der Mensch ist frei

Der Mensch ist dazu verurteilt frei zu sein, weil er sich nicht selbst geschaffen hat, aber dennoch, weil er für alles verantwortlich ist, was er tut.

Zu jeder Zeit ist man ohne Halt und Hilfe, der Mensch ist verurteilt den Mensch zu erfinden.

Ponge: „Der Mensch ist die Zukunft des Menschen“(ebd., S.155)

Allerdings darf man darunter nicht verstehen, dass die Zukunft im Himmel steht und Gott sie liest. Dann wäre es ja keine Zukunft mehr. Es ist vielmehr so gemeint, dass auf jeden Menschen, egal welcher es ist, eine Zukunft wartet, die er zu gestalten hat. Damit ist man aber verlassen.

Angst und Unaufrichtigkeit

Der Mensch ist Angst. (ebd., S.151) Das bedeutet, dass der Mensch, der sich engagiert und sich bewusst wird, dass er nicht nur jener ist, der zu sein er wählt, sondern auch ein Gesetzgeber, der mit sich die gesamte Menschheit wählt, dass dieser Mensch sich seiner Verantwortung bewusst ist.

Viele Menschen behaupten, sie hätten keine Angst, aber sie verstecken ihre Angst, sie glauben ihr Handeln betreffe nur sie und hätte keine Auswirkung auf andere. Fragt man diese Menschen, was passieren würde, wenn alle so denken und handeln würden, ist ihre Antwort, dass es nicht alle Menschen tun.

Allerdings muss man sich fragen, was wäre, wenn alle so denken und handeln würden. Die meisten Menschen entziehen sich diesen beunruhigenden Gedanken durch Selbsttäuschung. Die Angst bleibt trotzdem, „... die Angst erscheint auch, wenn sie sich verhüllt...“ (ebd., S.152).

Für Sartre ist die Verschleierung der Freiheit, so zu tun als sei man ein Ding und damit für nichts und niemanden verantwortlich zu sein, schon gar nicht für sich selbst, die größte Sünde (Vgl. Dorothea Wildenburg, S.81).

Diese Haltung nennt Sartre „Unaufrichtigkeit“ (mauvaise foi). Es ist reiner Selbstbetrug, man belügt sich selbst, weiß sogar, dass man sich belügt (wenn auch nicht immer explizit), aber man glaubt trotzdem daran (ebd., S.81).

Sartre möchte die Unaufrichtigkeit zunächst als einen rein deskriptiven Begriff verstanden wissen, es soll eine Beschreibung sein für die Art und Weise, wie wir als Für-sich immer zugleich das sind, was wir nicht sind. Man erhält aber den Eindruck, dass die Unaufrichtigkeit eine Art Abwertung des Menschen ist (ebd., S.82).

1.2. Eine Moral ohne den Wert

Für Sartre gibt es keinen Wert, wie bei anderen Philosophen.

Seiner Meinung sind alle Ethiken, die sich auf einen Wert oder eine Werteskala stützen, zum Scheitern verurteilt (Tatjana Schönwälder-Kuntze, S. 133).

Der für jede Moral vorausgesetzte und unangefochtene Begriff des Wertes ist für Sartre ein in sich widersprüchlicher, unauthentischer Begriff. Der Wert definiert sich durch ein widersprüchliches Paar an Eigenschaften: Dem Wert kommt es gleichermaßen zu, „unbedingt und nicht zu sein“ (ebd., S.137). Die doppelte Eigenschaft des Wertes, einerseits als unbedingter zu sein und andererseits als idealer nicht zu sein, entspricht genau den Eigenschaften des Sich, auf das hin sich das Bewusstsein entwirft als ein Seiendes, das Grund seiner selbst als Sein und nicht als Nichts wäre. Für Sartre leitet sich so der Begriff des Wertes aus der ontologischen Ebene ab.

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Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638509756
ISBN (Buch)
9783638797160
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56236
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Sartres Ansätze Eine Zusammenführung Gedanken L’être L’existentialisme Cahiers

Autor

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