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Das Vorurteil in 'Die Juden' von G.E. Lessing

Seminararbeit 2002 9 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe zur Entwicklung des Judenbildes im 18. Jahrhundert
2.1 Eisenmenger als Vertreter christlicher Traditionen
2.2 Rationalistisches Denken
2.3 Voltaire

3. Umgang mit Juden in der Entstehungszeit von „Die Juden“
3.1 Lessings Verhältnis zu den Juden
3.2 Judenproblematik in der Gesellschaft

4. Lessings „Die Juden“
4.1 Antisemitische Vorurteile des Pöbels
4.2 Antisemitische Vorurteile des Adels
4.3 Realitätsnähe des Stücks
4.4 Wirkung auf das Publikum
4.5 Erkenntnisse und Ergebnisse

5. Schluß

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Lustspiel „Die Juden“ nicht im Zusammenhang mit der Rolle dieser Volksgruppe in der Gesellschaft zu betrachten erscheint unsinnig. Vielmehr ist es geradezu zwingend erforderlich, sich ein Bild darüber zu machen, inwieweit Vorurteile das Handeln und Denken von Christen gegenüber Juden bestimmte.

Daher habe ich es als notwendig betrachtet, den ersten Teil meiner Arbeit den Hintergründen zur Entwicklung des Judenbildes zu widmen.

Im zweiten Kapitel nehme ich dann Bezug auf Lessings Verhältnis zu Juden in der Mitte des 18. Jahrhunderts, in der Zeit, als das Stück entstand und die Situation der Juden allgemein.

Im dritten Abschnitt beschäftige ich mich mit dem Stück an sich, beschreibe dargestellte Vorurteile, Bezüge auf reale Zustände, die Wirkung auf das Publikum und versuche abschließend zu resümieren, welche Resultate und Nachwirkungen „Die Juden“ mit sich brachte.

Zur Quellensituation lässt sich sagen, dass zwar einiges über das Verhältnis Lessings zu Juden und sein Toleranzdenken zu finden ist. Jedoch nimmt ein Großteil der Literatur dabei Bezug auf „Nathan der Weise“, welches vielen Leuten wohl auch eher ein Begriff sein wird. Dennoch finden sich aber auch Abhandlungen über sein Frühwerk „Die Juden“.

2. Hintergründe zur Entwicklung des Judenbildes im 18. Jahrhundert

Um Darzustellen, in welcher Art und Weise die Volksgemeinschaft der Juden zur Entstehungszeit von Lessings Stück von großen Teilen der Bevölkerung angesehen wurde, werde ich zwei Sichtweisen, von Eisenmenger und Voltaire, sowie die Ansicht der Rationalisten zu diesem Thema vorstellen.

Während Eisenmengers Denkweise noch ganz in der theologischen Welt des Mittelalters anzusiedeln ist, gilt Voltaire als Vorbote der Moderne.

2.1 Eisenmenger als Vertreter christlicher Traditionen

In seinem 1700 erschienenem Buch „Entdecktes Judentum“ folgt Eisenmenger den christlichen Traditionen und zeichnet ein düsteres Feindbild vom Judentum. Er beschreibt es als eine Mischung aus Aberglauben und verderbten Gesetzen und wirft ihm Verzerrung der göttlichen Eigenschaften vor. Die schwache politische und gesellschaftliche Stellung sieht er als direkte Verachtung ihrer Religion und fordert die Umkehr der Juden zum Christentum als wesentlichen Bestandteil der traditionellen christlichen Lehre. Eine Vertreibung aus christlichen Ländern oder gar ihre physische Vernichtung verlangt er nicht.[1]

2.2 Rationalistisches Denken

Der Rationalismus nähert sich dem Thema von einer anderen Seite. Ziel ist die Emanzipation der Juden in den jeweiligen Ländern als eine der gesellschaftlichen Veränderungen, die die Moderne ausmacht. Jedoch erkannte man, dass es nicht möglich war, aus den Juden, als ganz am Rande der Gesellschaft geduldeten Fremden, Staatsbürger mit allen politischen Rechten zu machen, solange die christliche Vorstellung vom Judentum vorherrschend war.[2]

2.3 Voltaire

Voltaire hat schließlich mehr als jeder andere das rationalistische Denken geformt, dass die europäische Gesellschaft dazu bringen sollte, auch die Stellung der Juden zu verbessern. Für ihn war das zweimalige Exil der Juden der Beweis dafür, dass ihnen die für die Aufrechterhaltung eines Staates notwendigen Eigenschaften fehlten, weshalb sie zu Berufen im Handel und Geldverleih neigten, in denen andere Qualitäten von Nöten waren als bei Soldaten und Staatsmännern. Den Hass der Christen über sie erklärt sich Voltaire aus dem von ihm formulierten Judenbild, wonach die Juden eine von der umgebenden Gemeinschaft entfremdete Gruppe mit fremdartiger Sprache und Lebensstiel sind. Und die sich nur ihren Glaubensgenossen gegenüber verpflichtet fühlten, allen andern aber fremdlich gegenübertraten und nur Kontakt suchten, wenn es geschäftlicher Natur war. Daher fühlten sich viele Christen überlegen und empfanden neben den Hass nur Spott und Verachtung für die Juden.[3]

[...]


[1] Katz 22,23,27,29,30

[2] Katz 31

[3] Katz 41,47,51

Details

Seiten
9
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638510127
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56287
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Schlagworte
Vorurteil Juden Lessing Drama

Autor

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Titel: Das Vorurteil in 'Die Juden' von G.E. Lessing