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Die menschliche Stimme

Hausarbeit 2006 33 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Vorwort

1 Anatomie der Stimme
1.1 Die Lunge und die Luftröhre
1.2 Der Kehlkopf
1.2.1 Die Stimmlippen
1.3 Die Resonanzräume
1.3.1 Das Ansatzrohr

2 Erzeugung der Stimme
2.1 Die drei Grundformen der Glottis
2.1.1 Abduction
2.1.2 Adduction
2.1.3 Flüsterstellung
2.2 Phonation

3 Die Sprachlaute
3.1 Entstehungsart der einzelnen Laute
3.1.1 Verschlusslaute
3.1.2 Reibelaute
3.1.3 Andere Konsonanten
3.1.4 Reine Vokale
3.1.5 Doppelvokale
3.2 Entstehungsort der einzelnen Laute

4 Das Klangbild der Stimme
4.1 Formanten
4.1.1 Vokalformanten
4.1.2 Sängerformanten

5 Besondere stimmliche Erscheinungsformen
5.1 Kastratenstimme
5.2 Bauchrednen
5.3 Human Beatboxing
5.4 Obertongesang

6 Anhang
6.1 Bildanhang
6.2 Literaturverzeichnis
6.3 Eidesstattliche Erklärung.

1 Anatomie der Stimme

An der Tongebung der menschlichen Stimme sind die Atemmuskulatur des Brustkorbes mit der Lunge als Luftgeber, die Stimmlippen im Kehlkopf als Schwingungserzeuger und die Hohlräume wie z.B. Nase, Mund, Luftröhre und Lunge als Resonatoren beteiligt.

1.1 Die Lunge und die Luftröhre

Die Lunge[1] (lat. Plumo) ist ein paariges, schwammartiges Organ, welches sich aus der Gesamtheit von Bronchien, Blutgefäßen, Lymphgefäßen und Nerven bildet und zwischen den Rippen und dem Zwerchfell liegt. Sie wird beim Einatmen von den Zwerchfellmuskeln längs (abdominal) und von den Zwischenrippenmuskeln quer (kostal) gedehnt. Daraus lassen sich zwei Grundformen der Atmung ableiten (Sallat 2001:8).

Zum einen die Abdominalatmung (Bauch- oder Zwerchfellatmung), wobei sich das gewölbte Zwerchfell beim Einatmen abflacht und sich das Lungenvolumen somit vergrößert und daraufhin Luft in die Lunge gesogen wird. Gleichzeitig kommt es zur Vorwölbung der Bauchwand.

Zum anderen gibt es Kostal- oder Thorakalatmung (Brust- oder Rippenatmung), bei der durch Kontraktion der äußeren Zwischenrippenmuskulatur der Brustkorb angehoben wird und es somit zur Vergrößerung des Lungenvolumens kommt.

Beide Atemformen sind meist in Kombination anzutreffen. Beim Entspannen der Muskeln kommt es zum Ausatmen.

Kleine Aushöhlungen innerhalb der schwammartigen Struktur sind mit den Bronchien verbunden, die in die Luftröhre (lat. Trachea) münden. Diese von der Lunge aus zum Kehlkopf reichende 2-3cm weite Röhre besteht aus durch Bänder verbundenen hufeisenförmigen Knorpeln, die nach hinten offen sind und die Beweglichkeit der Luftröhre ermöglichen. „Der oberste dieser Knorpelringe ist besonders verdickt, in sich geschlossen und hat eine siegelähnliche Form mit nach rückwärts gewendeter Platte. Er heißt daher auch Ringknorpel.“ (Habermann 1986:32)

1.2 Der Kehlkopf

Der Kehlkopf[2] (lat. Larynx) selbst bildet den oberen Abschluss der Luftröhre. In ihm mündet die Luftröhre in die elastischen Stimmlippen, die den Ton erzeugen. Primär ist der Kehlkopf eine Art Ventil, mit dem die Luftröhre abgeschlossen werden kann, um die Lunge vor dem Eindringen von Fremdkörpern zu schützen (z.B. bei der Nahrungsaufnahme).

Der Kehlkopf wird durch „Bänder gehalten, durch Muskeln bewegt und ist im Ganzen in Fortsetzung der Luftröhrenschleimhaut mit einer gleichen Schleimhaut ausgekleidet.“ (Habermann 1986:31)

Er besteht aus einem knorpeligen Stützgerüst und ist am Zungenbein, einem nicht mit dem Skelett verbundenem und nur durch Muskeln fixierten Knochen, aufgehängt. Er setzt sich zusammen aus vier wichtigen Knorpeln: dem Schildknorpel (Adamsapfel), dem beweglichen Ringknorpel mit den beiden Stellknorpeln und dem Kehldeckel. Diese Knorpel sind alle miteinander verbunden und gegeneinander beweglich (Sallat 2001:11).

Der Ringknorpel ist wie schon erwähnt der oberste Knorpelring der Luftröhre. Er bildet das Grundelement des Kehlkopfes; auf ihm ruhen alle anderen Knorpel. Auf ihm sitzt beidseitig der Schildknorpel auf, „der aus zwei schräg nach hinten außen laufenden Platten besteht, die vorn im Zusammenstoß eine spitzwinklige bis rechtwinklige Kante bilden“, den so genannten Adamsapfel. Die hinteren Enden der Platten werden durch Bänder und Muskeln geschlossen. „Im Inneren dieses Raumes liegen der Platte des Ringknorpels die beiden Stellknorpel auf“[3]. (Habermann 1986:32) Von ihren vorderen Enden, den so genannten Stimmfortsätzen, ziehen sich die beiden Stimmlippen in die Spitze des Adamsapfels.

Die Form des Kehldeckelknorpels (lat. Epiglottis) ist mit einem Fahrradsattel zu vergleichen, dessen Sitzfläche nach vorne gerichtet ist. Das Ende reicht bis zur Zungenwurzel und begrenzt den Kehlkopfeingang. Darüber hinaus ist die Epiglottis oberhalb des Stimmbandes mit dem Schildknorpel verbunden. Beim Schlucken legt sie sich schützend über den Eingang des Kehlkopfes.

1.2.1 Die Stimmlippen

Durch Bewegung der sich im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen[4], zwei horizontal von vorn nach hinten verlaufende segelartige Ausstülpungen der Larynxschleimhaut, die von den Seiten her in die lichte Öffnung des Kehlkopfes hineinragen, entsteht der Stimmklang. Die Stimmlippen setzen an der Innenseite des Schildknorpels an und verlaufen weiter zu dem dreh- und kippbaren Stellknorpel. Sie bestehen hauptsächlich aus dem Stimmband, dem Vokalismuskel (lat. M. vocalis) und der darüber bzw. darunter befindlichen umhüllenden Schleimhaut. Ihre inneren Ränder, die überwiegend aus elastischen Fasern bestehen, bezeichnet man als Stimmbänder. Je nachdem, wie die Stimmlippen stehen, beeinflusst das die Größe und den Luftstrom aus der Stimmritze (lat. Glottis)[5]. Die beiden mit den Stimmlippen verbundenen Stellknorpel ermöglichen, dass sich zwei Bewegungsvariationen der Stimmlippen unterscheiden lassen. Zum einen die respiratorische Beweglichkeit: hier ist „die relativ grobe Öffnungsbewegung für die Einatmung und die Schließbewegung gemeint, die zum Aneinanderlegen der Stimmlippen führt und verschiedene Funktionen ermöglicht: Stimmgebung, Hustenstoß, aber auch Pressverschluss.“ (Seedorf 2005:1414) Zum anderen gibt es die phoniatrische Beweglichkeit, die sich auf die feinen Schwingungsbewegungen am Stimmlippenrand während der Phonation[6] beziehen.

1.3 Die Resonanzräume

Für die Klangfarbe der Stimme sind die Resonanzräume[7] verantwortlich. Damit der Ton an den Stimmlippen für das menschliche Ohr hörbar wird, muss er in unserem Körper verstärkt werden. Die Resonanzräume unterhalb des Kehlkopfes - Luftröhre und Lungenraum - sind wichtig für die tieferen Frequenzen und oberhalb des Kehlkopfes sind Gaumen-, Nasen und Stirnhöhle, sowie der Schädel mit Schallabstrahlung durch die Knochen wichtig für die höheren Frequenzen (Michels 1991:23).

1.3.1 Das Ansatzrohr

Das Ansatzrohr[8] ist der Abschnitt oberhalb des Kehlkopfes, bestehend aus Rachen–, Mund– und Nasenhöhle mit Gaumen, Zunge, Zähnen und den Lippen. Von hier breiten sich die Schallwellen aus, welche durch die Schwingung der Stimmlippen erregt werden. Die Höhlen des Artikulationstraktes dienen als akustische Filter. Besonders die Form der Mundhöhle kann weitgehend willkürlich durch die Stellungen von Unterkiefer, Zunge, Gaumen und Lippen eingestellt werden. Ein Teil der Energie der Schallwellen wird schließlich über die Lippen bzw. die Nasenöffnungen abgestrahlt. Besonders hervorgehoben werden müssen die Taschenlippen und die Morgagnischen Taschen, sowie der Rachen, die Mundhöhle mit der Zunge, das Gaumensegel und die Nase mit ihren Nasennebenhöhlen:

Oberhalb der Stimmlippen findet sich beiderseits ein Paar weiterer kräftiger Wülste, die sich in das Kehlkopfinnere hineinwölben, die Taschenfalten[9]. Zwischen den Taschenfalten und den Stimmlippen entsteht auf jeder Seite ein taschenförmiger Raum, der „Morgagnische Tasche“[10] heißt (Habermann 1986:33). Die Morgagnischen Tasche und die Taschenfalten versorgen als Hauptfunktion die Stimmlippen mit Schleim, der die Feuchtigkeit der Stimmlippen gewährleistet. Ist diese Schleimversorgung gestört, kommt es zu Trockenheitsgefühl und Heiserkeit. Die Morgagnischen Taschen sind zusätzlich in ihrer Form veränderbar und haben einen Einfluss auf die Klangfarbe der Stimme (Habermann 1986:51).

Der Rachen (auch Gaumenhöhle)[11] bildet mit dem mittleren und oberen Rachen sowie dem Kehlraum (unterer Rachen) den größten Resonanzraum. In ihm kommt es zu den Klangabstufungen der Sprech- und Singstimme. Man spricht in diesem Zusammenhang von so genannten Klangfarben. Genau genommen kommt es innerhalb des Resonanzapparates durch die für jeden Menschen individuelle Röhrenform des Rachens (vergleichbar mit Instrumenten – Flöte etc.) zu einer individuellen Mischung der Obertöne des primären Kehlkopftones. Bei einer großen relativen Weite des Rachenraumes (faukale Weite) ist ein weicher, geschmeidiger, voller und meist dunkler Klang zu erwarten. Bei einer Einengung des Rachens (faukale Enge) kommt es zu einem härteren, spröderen und hellen Klang (Sallat 2001:24).

In der Resonanzhöhle des Mundes (Mundhöhle) kommt es schließlich zu einer endgültigen Umwandlung des primären Kehlkopftones in Sprachlaute. Dies ist durch eine gesteuerte Veränderung der Resonanzräume möglich. Die Zunge im Mundraum spielt für die Lautbildung eine besondere Rolle. „Hierfür lassen sich ihre große Beweglichkeit und Fähigkeit zur Gestaltveränderung anführen, ihre innige Verbundenheit mit den Stellungsänderungen des Kehlkopfes, dessen Höher- und Tiefertreten, verbunden mit Vortreten und Zurückweichen der Zunge.“ (Habermann 1986:54)

Das Gaumensegel[12] mit dem Zäpfchen ermöglicht im Verlauf der Phonation durch die Öffnung der Resonanzräume zur Nase hin deren Mitwirken als Resonator.

Die Aufgabe der Nase und Nasennebenhöhlen[13] ist die Aufnahme von Luft und damit verbunden ihre Anwärmung, Anfeuchtung und Reinigung. In der Vorstellung der Sänger wird

die Nase sehr oft als Resonanzraum verwendet. So ist sie für das Verstärken gewisser

Teiltöne verantwortlich und verleiht der Stimme einen helleren Klang.

Die Voraussetzungen des Ansatzrohres für Sprechen und Singen werden durch Habermann wie folgt zusammengefasst:

„Zunächst leistet es Resonatorendienste; es verstärkt die Schallschwingungen, die von den Stimmlippen ausgehen. Das geschieht nach den Prinzipien der physikalischen Resonanz durch bestimmte Form- und Größenveränderungen des Ansatzrohrs. Bei den Vokalen stellen dann Unterkiefer und Zunge in fein abgestuftem Zusammenwirken charakteristische Klangräume zur Verfügung; die Konsonanten werden dagegen durch verschiedenartige Hemmstellen im gleichen Bereich und durch die Art ihrer Überwindung gebildet. Wir stehen demnach vor der Tatsache einer gleichzeitigen Doppelaufgabe des Ansatzrohrs, nämlich einerseits Resonator und andererseits sprachlautbildender Organbezirk zu sein.“ (Habermann 1986:56)

2 Erzeugung der Stimme

Die drei im vorhergehenden Kapitel erklärten Teile des Stimmorgans erfüllen bei der Stimmerzeugung ganz spezielle Funktionen. Die Lunge hat wie schon erklärt, die Aufgabe einen Luftstrom zu bilden, der die Glottis und das Ansatzrohr durchfließen kann. Der Atemapparat fungiert also als Kompressor, der einen Überdruck der Luft erzeugt. Der von den Stimmlippen gebildete Phonationsapparat wirkt hingegen als Oszillator[14]. Dieser Oszillator wandelt den transglottischen Luftstrom in eine Folge von Luftimpulsen um, die dem Primärschall entsprechen. Die Resonanzräume dienen letztlich, wie der Name schon sagt, als Resonatoren (Sundberg 1997:22).

2.1 Die drei Grundformen der Glottis

Bevor ich genauer auf den Phonationsvorgang eingehen werde, möchte ich erst einmal die drei Grundformen der Glottis erläutern[15] (Sundberg 1997:27f).

2.1.1 Abduction

Bei normaler, stummer Atmung befinden sich die Aryknorpel in leichtem Abstand voneinander, was eine Dreiecksform der Glottis nach sich zieht. Bei tiefer Atmung wird der Abstand der Aryknorpel noch verstärkt, sie werden seitlich gedreht, sodass die Glottis bei fünfeckig wirkt, wenn man darauf schaut. Diesen Vorgang bezeichnet man als Abduction.

2.1.2 Adduction

Die Adduction tritt in zwei Fällen auf:

Beim ersten Fall dient diese Grundform der Primärfunktion des Kehlkopfes. Die Stimmlippen treten fest aneinander, sodass keine Luft mehr passieren kann. Dies geschieht wenn Fremdkörper in den subglottalen Raum gelangen.

Der zweite Fall tritt bei der Phonation auf. Hier liegen die Stimmlippen locker zusammen, die Glottis erscheint als strichförmiger Spalt.

2.1.3 Flüsterstellung

Die dritte Grundform der Glottis ist die Flüsterstellung. Hierbei sind die Stimmlippen am vorderen Teil der Glottis geschlossen, hinten an den Stimmfortsätzen jedoch geöffnet. Diese Öffnung bezeichnet man auch als Flüsterdreieck.

2.2 Phonation

Die Tonbildung oder auch Phonation ist die Aufgabe der Stimmlippen. Bedeutend ist die Phonationsbewegung während eines Phonationszykluses[16]. Die Stimmlippen werden in Vorbereitung der Tonbildung durch die Kehlkopfstellung und die inneren Kehlkopfmuskeln auf die gewünschte Tonhöhe eingestellt und dementsprechend gespannt (Phonationsstellung). Die Tonhöhe ist also vom Spannungsgrad der Stimmlippen (dick, kurz und wulstig: hoher Ton; lang und gestreckt: tiefer Ton) abhängig.

Wie aber gelangen die Stimmlippen nun in Schwingung?

Die Stimmlippen werden bei der Phonation in regelmäßige Schwingungen versetzt. Dieser Vorgang kann als myoelastisch-aerodynamischer Prozess beschrieben werden. Nach dem bereits beschriebenen Spannen der Stimmlippen beginnt ein zyklischer Prozess, der so oft wiederholt wird, bis keine Luft mehr in der Lunge ist (Mayer 2006:17).

[...]


[1] Siehe Abb.1.

[2] Siehe Abb.2, 3, 4 und 5.

[3] Die Stellknorpel in Abkürzung von lateinisch Arytänoidknorpel werden auch Aryknorpel genannt.

[4] Siehe Abb.4 und 5.

[5] Hierbei handelt es sich um den Raum zwischen den beiden Stimmlippen.

[6] Ich werde auf die so genannte Phonation – auch Tonbildung genannt – im 2. Kapitel näher eingehen.

[7] Siehe Abb.6.

[8] Synonym werden auch Begriffe aus dem phonetischen Bereich wie Artikulationstrakt und Vokaltrakt verwendet.

[9] Siehe Abb.4.

[10] Siehe Abb.4.

[11] Siehe Abb.6.

[12] Siehe Abb.6.

[13] Siehe Abb.6.

[14] Ein Oszillator ist ein Objekt, das ein Signal irgendeiner Form zu erzeugen vermag. Bei der Stimme ist das ein akustisches Signal.

[15] Siehe Abb.7.

[16] Siehe Abb.8.

Details

Seiten
33
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638512855
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56649
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
Stimme

Autor

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Titel: Die menschliche Stimme