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Die Transaktionskostentheorie der neuen Institutionenökonomik

von Peter Eimers (Autor) Robert Stamm (Autor)
Seminararbeit 2006 29 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung und Aufbau
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung

2. Transaktionskosten
2.1. Die Erstellung von Gütern und Dienstleistungen in einem vollkommenen Markt
2.2. Die Wirklichkeit: Transaktionskosten und ihr Wirken
2.2.1. Auswirkung auf die Wertschöpfung
2.2.2. Auswirkung auf die Unternehmensstruktur

3. Bedeutung der Transaktionskostentheorie für die Informationstechnologie
3.1. Transaktionskostentheorie als theoretische Basis zur Make-or-buy-Entscheidung
3.1.1. Entscheidungsansätze
3.2. Operationalisierung des Transaktionskostenansatzes
3.2.1. Direkte Operationalisierung
3.2.2. Indirekte Operationalisierung
3.2.3. Mathematischer Berechnungsansatz / Messung

4. Grenzen der Transaktionskostentheorie
4.1. Plädoyer für einen übergreifenden Ansatz

Literaturhinweise

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zusammenhang zwischen realisierter Wertschöpfung und Transaktionskosten

Abb. 2: Markt vs. Hierarchie abhängig von der Spezifität

Abb. 3.: Typologien von Informationsasymmetrien

1. Problemstellung und Aufbau

1.1. Problemstellung

"It is surely important to enquire why co-ordination is the work of the price mechanism in one case and of the entrepreneur in another."[1]

Diese zentrale Forderung von R.H. Coase (1937) gilt als Initialzündung der Transaktionskostentheoie. In seiner Abhandlung leitet Coase aus der Existenz von Transaktionskosten eine Begründung dafür her, dass es Unternehmen gibt und nicht alle zur Erstellung von Gütern notwendigen Transaktionen über den Markt abgewickelt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der optimalen Koordinationsform einer Unternehmung insbesondere, welche Teilfunktionen zur Auslagerung an spezialisierte Dienstleistungsanbieter geeignet sind und welche nicht. Die Transaktionskostentheorie als Theorie der neuen Institutionenökonomik gibt auf diese Frage eine Antwort.

1.2. Zielsetzung

Ziele dieser Arbeit sind es, die Grundbegriffe und Hauptaussagen der Transaktionskostentheorie zu beschreiben und darüber hinaus zu erläutern, warum sie sich als Analyseinstrument zur Beantwortung der Frage ,,Make-or-Buy"[2] anbietet. Es soll dargestellt werden, warum es überhaupt Organisationen gibt, worin die Vorteile liegen bestimmte Arten von Transaktionen in bestimmen institutionellen Arrangements abzuwickeln und zu organisieren. Der praktischen Anwendung dieses Analyseinstruments sind jedoch Grenzen gesetzt. In Kapitel 4 sollen neben einem Plädoyer für einen übergreifenden Ansatz letztlich Schwächen dieser Theorie aufgezeigt sowie die Grenzen ihrer Aussagekraft beurteilt werden.

2. Transaktionskosten­

Warum gibt es überhaupt Unternehmen und warum werden nicht sämtliche, zur Herstellung eines Gutes benötigten Arbeitsschritte, am Markt eingekauft, wo doch die Mechanismen des Marktes stets den – naiv ausgedrückt – günstigsten Preis bilden?

Warum gibt es überhaupt Unternehmen mit komplexen Hierarchien und Organisa­tionsformen und warum sind nicht höher arbeitsteilige bzw. spezialisierte (Ein-Mann-) Unternehmen die Hauptakteure am Markt?

2.1. Die Erstellung von Gütern und Dienstleistungen in einem vollkommenen Markt

Der Schotte Adam Smith, der in der Literatur[3] als der Begründer der klassischen National­ökonomie gilt, stellte bereits 1776[4] fest, dass Arbeitsteilung und die damit einhergehende Spezialisierung die Arbeitsproduktivität und somit den Wohlstand vergrößert. Als einer seiner Kerngedanken galt die folgende Überlegung: ,,The greatest improvement in the productive powers of labour, and the greater part of the skill, dexterity, and judgment with which it is anywhere directed, or applied, seem to have been the effects of the division of labour."[5] Diese Produktivitätssteigerung machte er dann als wahrscheinliche Ursache für das Entstehen unterschiedlicher Berufe und Branchen aus[6].

In der Annahme, dass der Spezialist in der Regel produktiver ist als der Generalist und zum anderen erkennend, dass der Markt tatsächlich höchst spezialisierte Dinge anbietet, liegt der Schluss nahe, möglichst alle Tätigkeiten eines Unternehmens am Markt zu besorgen. Der Markt, wie er sich im Idealfall bzw. im Modell darstellt[7], mit

vielen unabhängigen Anbietern und Nachfragern, die jeder für sich zu unbedeutend sind, um andere zu beeinflussen,

mit gleichwertigen, austauschbaren Gütern,

ohne persönliche Präferenzen der Teilnehmer,

mit völliger Transparenz, also vollständig informierten Teilnehmern und

mit hohen Reaktionsgeschwindigkeiten,

böte somit die Möglichkeit, sich verschiedener unternehmerischer Unbillen zu entledigen – und das zu niedrigeren Kosten.

Der Herstellungsprozess bestünde nur noch aus dem Beschaffen am Markt und könnte auf komplexe und teure Unternehmensstrukturen verzichten. Statt eine eigene Entwicklungsabteilung zu unterhalten, würden Ingenieursleistungen günstiger eingekauft. Statt sich selber um den Absatz zu kümmern, würden u. U. Makler zum Zuge kommen. Die Liste der Möglichkeiten ließe sich unendlich fortsetzen und tatsächlich finden sich viele davon auch in der Wirklichkeit wieder.

Zum Beispiel gibt der „Verband der Automobilindustrie“ für das Jahr 2001 770.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie und ungefähr eine Million in der Zulieferindustrie an[8]. Auch wenn letztere Zahl nur geschätzt werden kann, lässt sich daraus doch erahnen, welch bedeutender Teil der Wertschöpfung in dieser, dem Wettbewerb stark ausgesetzten Branche, extern erfolgt. Nimmt man nun idealisierend an, Externalisierungen in diesem Industriebereich erfolgten ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, so ließe sich daraus folgern, dass die Zulieferer der Autobauer günstiger anböten und verkauften, als es die Autobauer selbst könnten. Mutmaßend, dass Autobauer und Zulieferer ähnliche Gewinnerzielungsabsichten vorfolgten, ließe sich daraus wiederum schließen, dass die Zulieferer produktiver wären als ihre Abnehmer.

Bei der Leistungsfähigkeit der Zulieferer der Automobilindustrie könnte, konsequent zu Ende gedacht, ein Autohersteller wie Volkswagen sogar auf eine eigene Entwicklungsabteilung oder gar eigene Fertigung verzichten. Gerade Letzteres macht die Elektronikbranche vor mit zahlreichen Auftragsfertigern (OEM-Hersteller) wie Flextronics oder Quanta.

Dennoch erledigen Automobilbauer nach wie vor einen guten Teil ihrer Wertschöpfung selbst. Während die deutsche Automobilindustrie 2003 eine Wertschöpfungs­quote von nur noch 26,7 % erreichte[9], kann Toyota beispielsweise bei der Produktion des Prius ca. 70 % vorweisen[10]. Bei anderen Modellen sieht es ähnlich aus. Da Toyota als profitabelster Autohersteller der Welt gilt[11], ist offensichtlich die Abwicklung eines großen Teiles des Herstellungsprozesses über den Markt nicht unbedingt ein Garant für hohe Renditen.

2.2. Die Wirklichkeit: Transaktionskosten und ihr Wirken

Da die Erstellung von Gütern und Dienstleistungen in einem vollkommenen Markt nur ein Gedankenspiel ist und die dort beschriebenen Vorgänge in der Wirklichkeit so nicht anzutreffen sind, stellt sich die Frage, welche Einzelheiten die Wirklichkeit vom idealisierten Modell unterscheiden.

Einen Gesichtspunkt entdeckte bzw. entwickelte der Amerikaner Ronald Coase mit seinem Aufsatz „The Nature Of The Firm“ im Jahre 1937. Darin fordert er:

“In view of the fact that while economists treat the price mechanism as a co-ordinating instrument, they also admit the co-ordinating function of the 'entrepreneur', it is surely important to inquire why co-ordination is the work of the price mechanism in one case and of the entrepreneur in another.”[12]

Die eingangs aufgeworfene Frage, warum es überhaupt Unternehmen gibt, beantwortet er mit der Feststellung, dass die Inanspruchnahme des Marktes bzw. die Übertragung von Verfügungsrechten (Transaktionen) Kosten mit sich zieht[13].

Ein Student von Ronald Coase, Oliver E. Williamson, entwickelte die Gedanken weiter und unterschied zwischen ex-ante und ex-post Transaktionskosten[14], bzw. im deutschsprachigen Raum Koordinations- und Motivationskosten[15].

Dabei sind ex-ante Transaktionskosten Kosten, welche vor der Übertragung der Verfügungsrechte anfallen, wie

Informationsbeschaffungskosten (z. B. Informationssuche über potenzielle Transaktionspartner)

Anbahnungskosten (z. B. Kontaktaufnahme)

Vereinbarungskosten (z. B. Verhandlungen, Vertragsformulierung, Einigung)

Dagegen sind ex-post Transaktionskosten, Kosten welche anschließend anfallen, wie

Abwicklungskosten (z. B. Maklercourtage, Transportkosten)

[...]


[1] Vgl. Coase (1937); S. 1

[2] Vgl. Abschnitt 3.1

[3] Vgl. Brockhaus (2002)

[4] Vgl. Adam Smith (1776)

[5] Vgl. Adam Smith (1776); Chapter One

[6] Wörtlich: „The separation of different trades and employments from one another seems to have taken place in consequence of this advantage“

[7] Vgl. Kampmann/Siebe/Walter (1999); S.158

[8] Vgl. www.vda.de/de/aktuell/statistik/auto+wirtschaft/schluesselbranche.html

[9] Vgl. Hild (2005); S. 45

[10] Vgl. Sackmann (2005); S. 27

[11] Vgl. CNNMoney.COM (2.6.2006): http://money.cnn.com/magazines/fortune/fortune_archive/2003/12/08/355134/index.htm

[12] Vgl. Coase (1937); S. 3

[13] Vgl. Coase (1937); S. 4: “The main reason why it is profitable to establish a firm would seem to be that there is a cost of using the price mechanism.”

[14] Vgl. Williamson (1985); S. 5

[15] Vgl. Jost (2001); S. 38f.

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638513128
ISBN (Buch)
9783638664776
DOI
10.3239/9783638513128
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v56686
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen – FB Wirtschaft Studiengang Wirtschaftsinformatik
Note
1,7
Schlagworte
Transaktionskostentheorie Institutionenökonomik Computergestütztes Geschäftsprozessmanagment

Autoren

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