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Die Darstellung des Königspaares in Konrad Flecks 'Flore und Blanscheflur'

Seminararbeit 2001 12 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Herrschaftsverteilung zwischen dem Herrscher und seiner Frau im Mittelalter
2.2 Die Herrschaftsverteilung zwischen König und Königin in „Flôre und Blanscheflûr“
2.2.2 König Fênix
2.2.3 Die Königin

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Konrad Flecks Roman „Flôre und Blanscheflûr“ (um 1220) stellen neben den beiden Hauptfiguren auch der spanische König Fênix und seine Ehefrau ein wichtiges Figurenpaar dar. Während der Sohn Flôre mit seiner Geliebten Blanscheflûr den unbedingten Wunsch nach reiner, individueller Liebe und privatem Glück verkörpert, erscheint das Elternpaar als liebesfeindlich und als ausschließlich von politisch-genealogischen Herrschaftsansprüchen geleitet. Zwischen diesen beiden Paaren wird also ein Konflikt aufgebaut, der für das Genre des Liebes- und Abenteuerromans ein typisches Grundmuster darstellt.[1]

Einen Konflikt gibt es allerdings nicht nur zwischen diesen beiden Paaren, sondern auch innerhalb des Königspaares selbst, da die Königin offensichtlich nicht mit den allzu einfachen und unreflektierten Absichten ihres Mannes einverstanden ist und deshalb wiederholt den Versuch unternimmt, ihren Gemahl umzustimmen und zu einem klügeren und gemäßigten Verhalten zu bewegen.

Meine erkenntnisleitende Fragestellung lautet hierbei, welcher Zusammenhang zwischen dieser Darstellung des Königspaares im Roman und der gesellschaftlichen Realität am mittelalterlichen Königshof , bzw. mit den in Gesellschaft und Literatur propagierten Idealen, besteht, und welche Rückschlüsse aus diesem Zusammenhang auf die Herrschaftsauffassung des Autors gezogen werden können.

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dieser Frage befassen, indem ich zunächst die übliche Herrschaftsverteilung zwischen König und Königin im Mittelalter untersuche. Danach werde ich die Darstellung der beiden Elternfiguren im Konrad Flecks Roman analysieren, um im Anschluss daran in einem Fazit einen Rückbezug zu meiner Fragestellung herzustellen.

2. Hauptteil

2.1 Die Herrschaftsverteilung zwischen dem Herrscher und seiner Frau im Mittelalter

Die politischen Handlungsmöglichkeiten, die den Gemahlinnen der deutschen Herrscher im Mittelalter offenstanden, waren im Übergang vom frühen Mittelalter zum hohen Mittelalter einem grundlegenden Wandel unterworfen. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde von Frauen durchaus direkte politische Herrschaft ausgeübt, auch wenn die Frau dem Mann formell untergeordnet war und dabei unter dermunt-Gewalt ihres Ehemannes stand.[2]So kam es zwischen Herrscher und Herrscherin häufig zu einer Art Arbeitsteilung auf dem Gebiet der Politik, wobei die Frau durchaus auch verantwortungsvolle und wichtige Aufgaben wie das Führen von Verhandlungen oder sogar die Kriegsführung übernahm.[3]In einigen Fällen fiel Frauen nach dem Tod des Königs auch für eine beschränkte Zeit das volle Herrscheramt zu.[4]Diese relativ starke Position der Herrscherfrauen festigte sich, als Königinnen im 10. Jahrhundert offiziell als Mitregentinnen anerkannt wurden.[5]

Im Verlauf der allmählichen Entwicklung vom frühmittelalterlichen Personenverbandsstaat zum Territorialstaat im 12. und 13. Jahrhundert kam es jedoch zu einem deutlichen Rückgang der direkten politischen Einflussmöglichkeiten für Königinnen, da sich nun ein Beamtentum herausbildete, das die Teilhabe der Königin an der Regierungstätigkeit entbehrlich machte.[6]Die Handlungsspielräume für die Königin beschränkten sich nun also auf die persönliche und private Ebene. Diese Entwicklung führte allerdings keineswegs zu einem Ausschluss der Königin von jeglicher Einflussnahme im Bereich der Politik, sondern vielmehr zu einer Verlagerung dieser Einflussmöglichkeiten auf die private Ebene, also auf die Möglichkeit der persönlichen Einwirkung auf politische Entscheidungen des Ehemannes.[7]Häufig kam es zu der Situation, dass die Königin – oftmals mit Unterstützung der Kirche – ihren Gemahl zur Mäßigung bewegte, wenn dessen Entscheidungen allzu hart, grausam, geizig oder repressiv erschienen. Die Königin, deren Ansehen auch vom Umfang ihrer karitativen Tätigkeit bestimmt wurde, bewirkte dabei häufig die Begnadigung besiegter oder in Ungnade gefallener Personen und hatte auch häufig keine Scheu, derartige Maßnahmen hinter dem Rücken ihres Ehemannes in die Wege zu leiten.[8]Damit fungierte sie also häufig als Korrektiv, welches die politischen Handlungen eines Königs in die richtige Richtung lenkte, falls dieser nicht dem in der Literatur betonten Herrscherideal entsprach, das mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Großmut, Mäßigung oder Friedenssicherung als „vornehmsten Pflichten des Herrschers“[9]besetzt war.

Bemerkenswert ist, dass die Darstellung weiblicher Herrschaft in der höfischen Dichtung in der Regel eher negativ geprägt war, auch wenn die historische Realität nicht unbedingt diesem Bild entsprach.. Abgesehen von einigen Ausnahmen, wie etwa der Figur der Mutter Isolde in Gottfrieds „Tristan“, wurden Frauen in der Literatur zumeist als grundsätzlich unfähig zur Herrschaftsausübung dargestellt.[10]Offensichtlich waren viele Zeitgenossen nicht dazu bereit, Frauen – bei aller moralischen und gesellschaftlichen Verehrung – einen Platz in der Männerdomäne Politik zuzugestehen.

2.2 Die Herrschaftsverteilung zwischen König und Königin in „Flôre und Blanscheflûr“

2.2.1 König Fênix

Schon zu Beginn des Romans wird deutlich, dass der hier eingeführte König nicht dem traditionellen Herrscherideal und der damit verbundenen Verpflichtung zu einem gerechten, maßvollen und friedensstiftenden Verhalten entspricht. Vielmehr erscheint der spanische König Fênix als grausamer Kriegsherr, der einen gnadenlosen Angriffskrieg führt, welcher allem Anschein nach nicht durch legitime territoriale Ansprüche oder eine unmittelbare Bedrohung, sondern allein durch einen tiefen Hass gegen die Christenheit motiviert ist: „Der künec vonheidenlanden/ fuorte von serjanden/ samet ime über mer/ ein vil kreftigez her/ ûf der kristænen schaden“ (V. 359-363).[11]König Fênix verfügt über absolute Macht und kann sich uneingeschränkt auf die Loyalität seiner Gefolgsleute verlassen, wobei seine militärischen Erfolge ein hohes Maß an Popularität gewährleisten (vgl. V.492-503).

[...]


[1]Vgl. Werner Rö>

[2]Vgl. Hilkert Weddige: Einführung in die germanistische Mediävistik. 3. Aufl., München 1997, S.179

[3]Vgl. Peter Ketsch: Aspekte der rechtlichen und politisch-gesellschaftlichen Situation von Frauen im frühen Mittelalter (500-1150). In: Annette Kuhn/ Jörn Rüsen (Hg.): Frauen in der Geschichte II. Düsseldorf 1982, S.33

[4]So übernahm etwa nach dem Tod Heinrichs II dessen Ehefrau Kunigunde für etwa acht Wochen die volle Regierungsgewalt. (Ebd., S.40)

[5]Ebd., S.44

[6]Ebd., S.44

[7]Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 9.Aufl., München 1999, S. 490

[8]Dies geht beispielsweise aus einem Beichtspiegel von Thomas von Chobham (1216) hervor, in welchem Frauen, deren Ehemänner sich zu wenig um die Sorgen der Armen kümmerten, dazu aufgefordert wurden, „von ihrem gemeinsamen Besitz Almosen“ zu geben. (Zitiert nach: Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 9.Aufl., München 1999, S.491f.)

[9]Ebd., S.384f.

[10]Ebd., S.487ff.

[11]Alle Versangaben beziehen sich auf: Wolfgang Golther (Hg.):Flore und Blanscheflurvon Konrad Fleck. In: Joseph Kürschner (Hg.): Deutsche National-Litteratur. 4.Band. Berlin/ Stuttgart, 1888, S.249-470.

Details

Seiten
12
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638517980
ISBN (Buch)
9783638848770
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57299
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Note
1,0
Schlagworte
Darstellung Königspaares Konrad Flecks Flore Blanscheflur Liebes- Abenteuerroman

Autor

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Titel: Die Darstellung des Königspaares in Konrad Flecks 'Flore und Blanscheflur'