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Agrarpolitik vs. Industriepolitik als Basis bzw. Motor der wirtschaftlichen Entwicklung

Seminararbeit 2006 18 Seiten

VWL - Konjunktur und Wachstum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung
2.1. Agrarpolitik als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung
2.2. Agrarpolitik als Basis der wirtschaftlichen Entwicklung
2.3. Agrarpolitische Maßnahmen

3. Industrie und wirtschaftliche Entwicklung
3.1. Industriepolitik als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung
3.2. Industriepolitik als Basis der wirtschaftlichen Entwicklung

4. Dualismus

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter Entwicklungsländern versteht man jene Länder, deren bisher erreichter Lebensstandard hinter dem der als Vorbild angesehenen Industrieländer zurückgeblieben ist.[1] Da der Lebensstandard zu einem wesentlichen Teil von dem Stand der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes abhängt, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt eine wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen die Möglichkeiten der Agrar- und Industriepolitik betrachtet werden. Dabei soll untersucht werden, mit welcher Zielrichtung die Politik beider Sektoren betrieben werden soll. Die Politik kann den jeweiligen Sektor als Motor fördern, der die wirtschaftliche Entwicklung stark beschleunigt, oder als Basis nehmen, von der ausgehend und auf der aufbauend eine wirtschaftliche Entwicklung stattfindet.

Inwieweit dies die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben kann soll anhand folgenden Vorgehens analysiert werden:

Als Beginn wird der primäre Sektor betrachtet, und inwieweit er als Motor eine wirtschaftlichen Entwicklung vorantreiben kann. Anschließend wird diskutiert, ob dieser Sektor eine Basis für eine wirtschaftliche Entwicklung darstellen kann. Daran anschließend werden notwendige agrarpolitische Maßnahmen erläutert.

In Abschnitt 3.1 wird die Industrie betrachtet, und inwieweit sie wiederum in der Lage ist, als Motor den Stand der wirtschaftliche Entwicklung zu erhöhen.

In Abschnitt 3.2 wird analysiert, ob sie als Ausgangspunkt und Basis fungieren kann.

Darauf folgend werden in Abschnitt 4 die Probleme einer dualistischen Wirtschaftsstruktur erklärt, die durch das nebeneinander beider Sektoren besteht.

Anhand dieses Vorgehens soll die Frage geklärt werden:

Mit welchem Ziel die Agrar- und Industriepolitik betrieben werden sollte. Kann die Landwirtschaft oder die Industrie die Basis einer wirtschaftlichen Entwicklung darstellen? Oder kann einer dieser Sektoren sogar als Motor eine wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben?

2. Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung

Im Folgenden wird der Agrarsektor und seine Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung dargestellt. Hierzu wird analysiert, ob eine Agrarpolitik den landwirtschaftlichen Sektor als Motor oder als Basis der wirtschaftlichen Entwicklung fördern sollte, und welche Probleme dabei zu bewältigen sind. Anschließend werden die agrarpolitischen Maßnahmen, die in jedem Fall notwendig sind, um die dringend benötigte Produktivitätssteigerung zu erreichen erläutert.

2.1. Agrarpolitik als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung

Dass sich die Landwirtschaft entwickelt ist für die meisten Entwicklungsländer wichtig, da durch sie die inländische Versorgung verbessert und die Erzielung von Exporteinnahmen erreicht wird.[2] Ob sie allerdings als führender Sektor die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes vorantreiben kann und ob eine entsprechende Agrarpolitik betrieben werden sollte, ist zu hinterfragen.

Bei dieser Frage ist die Angebots- sowie Nachfrageseite zu betrachten. Die Nachfrage nach den Produkten dieses Sektors muss bei einer der Einkommensexpansion überdurchschnittlich schnell wachsen, um eine über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegende Wachstumsrate des Sektors zu ermöglichen. Diesen starken Nachfragezuwachs muss der Sektor gleichzeitig durch ein entsprechend rasches Produktionswachstum befriedigen, er muss also eine überdurchschnittliche Angebotselastizität aufweisen.[3]

Da in den meisten Entwicklungsländern der Output der Landwirtschaft gerade soviel hervorbringt, dass das Subsistenzniveau erreicht wird, müssen erst die Hindernisgründe für ein Produktivitätswachstum beseitigt werden. Diese Gründe sind vielfältig. Hauptsächlich bestehen sie in geographischen Gegebenheiten und Landbesitzverhältnissen.

So bestimmen Klima und Terrain was angebaut werden kann, andere Parameter sind die Fläche, die jedem Einwohner zur Verfügung steht und wie fruchtbar der Boden ist.

Ein sehr großes Problem, dass allerdings eine Produktivitätssteigerung behindert besteht darin, dass die ländliche Bevölkerung einerseits aus reichen Landbesitzern, und andererseits aus armen Bauern, Pächtern und Arbeitern besteht. Die Mehrzahl der Bevölkerung ist somit arm. Da die arme Bevölkerung am Subsistenzniveau lebt, ist sie risikoscheu. Eine Anbauweise auszuprobieren, die höhere Erträge verspricht wird aus diesem Grund häufig vermieden. Wenn das Experiment fehlschlagen würde, hätte es für den Bauern katastrophale Folgen. Selbst wenn eine Person bereit wäre die neuen Methoden auszuprobieren, fehlt ihr der Zugang zu Kapitalquellen, um das neue Saatgut, Dünger etc. zu kaufen.[4] Der unzureichende Zugang vieler Landwirte zu Agrarkrediten mit marktorientierten Zinsen gilt als wichtige Erklärung für das geringe Produktivitätsniveau der Landwirtschaft in vielen Entwicklungsländern.[5] Da aber die Agrarproduktion im Gegensatz zur Industrie weniger von mechanischen Techniken abhängig ist, kommt es gerade in den ersten Entwicklungsstadien vor allem auf biologische Verbesserungen, in der Bodenpflege und Düngung, der Einführung neuer Pflanzen, in der Tierhaltung und Futterwirtschaft an. Hierfür wären diese Finanzmittel aber nötig.

Ein weiteres Produktivitätshindernis ist, dass 60-80% der landwirtschaftlichen Betriebe in Entwicklungsländern kleinbäuerlich sind. Die Entwicklungsmöglichkeiten der traditionellen Landwirtschaft werden deshalb als gering angesehen. Man hält Kleinbauern für unökonomisch, bestreitet ihre Reaktion auf wirtschaftliche Impulse und fordert die Bildung hochmechanisierter, größerer Betriebe.

Einzelne, technisch besser ausgerüstete größere Betriebe treten zwar als Anbieter großer Mengen auf, aber sie benötigen mehr Kapital und Devisen. In den Entwicklungsländern ist Kapital knapp und teuer, Arbeitskräfte dagegen reichlich vorhanden und billig. Die kapitalintensive, hochmechanisierte Agrarproduktion ist daher relativ teurer, zumal bei noch geringen Flächenerträgen.

Ein Wachstum aus eigenen Kräften ist somit für Entwicklungsländer nur durch produktive Mehrleistung der breiten ländlichen Bevölkerung zu erreichen. Aber wenn jeder Bauer auch nur mit kleinen Mengen auf Produktionsanreize reagieren kann, dann kann aus der Masse der Mehrarbeit eine Art Massenproduktion hervorgehen.[6]

Auch auf der Nachfrageseite sprechen einige Argumente dagegen, dass die Landwirtschaft als Motor der Entwicklung fungieren kann.

[...]


[1] Vgl. Hemmer, Hans-Rimbert (2002): Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, 3. Auflage, München, 2002, S.5.

[2] Vgl. Kebschull, Dietrich (1988): Zur Rolle der Landwirtschaft bei der Entwicklung der Binnenmärkte, in: Körner, Heiko: Probleme der ländlichen Entwicklung in der dritten Welt, Berlin, 1988, S.40.

[3] Vgl. Hemmer (2002), S.598.

[4] Vgl. Thirlwall, Anthony (2000): Growth and Development, 6. Auflage, Basingstoke, 2000, S.132.

[5] Vgl. Hemmer (2002), S.622.

[6] Vgl. Priebe, Hermann (1988): Agrarpolitik zur Versorgungssicherung in der Dritten Welt, in: Körner, Heiko: Probleme der ländlichen Entwicklung in der dritten Welt, Berlin, 1988, S.20f.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638518666
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57393
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,7
Schlagworte
Agrarpolitik Industriepolitik Basis Motor Entwicklung Seminar Wirtschafts- Entwicklungspolitik

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Titel: Agrarpolitik vs. Industriepolitik als Basis bzw. Motor der wirtschaftlichen Entwicklung