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Wohnen und Leben in der Stadt

Hausarbeit 2000 17 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wohnen in der Stadt
2.1 Definitionen von Wohnen
2.2 Wandel des Begriffs 'Haushalt' und Entwicklung des Familien- begriffs
2.3 Wohnen und wohnungsbezogene Infrastruktur
2.4 Trennung von Arbeit und Wohnen
2.5 Entwicklung des Wohnungsmarktes
2.6 Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit

3 Wohnkultur

4 Leben in der Stadt
4.1 Lebenslauf zwischen Individualisierung und Institutionalisierung
4.2 Lokale Bindungen als Bremse oder Antrieb für Individuali- sierungsprozesse
4.2.1 Umwelt als Heimat
4.2.2 Soziale Netzwerke
4.2.3 Soziale Infrastruktur
4.2.4 Räumliche Mobilität
4.2.5 Hausbesitz

5 Resumée

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In meiner Hausarbeit geht es um die Darstellung von Leben und Wohnen in der Stadt. Wobei im Seminar schon mündlich darüber referiert wurde. In diesem Referat übernahm ich den ersten Teil über das Wohnen in der Stadt.

Zunächst werde ich anhand von zwei Definitionen die groben Unterschiede zwischen dem Begriff ‚Wohnen' früher und heute aufzeigen, um dann näher auf die Entwicklung des Wohnens anhand von Merkmalen wie Haushalt, Familie, Wohnung u.a. einzugehen. Daraufhin schneide ich kurz den Punkt Wohnkultur an und gehe zum Schluss umfassender auf das Leben in der Stadt ein.

2 Wohnen in der Stadt

2.1 Definitionen von Wohnen

Definition aus früherer Sicht:

„Der Heerd ist fast in der Mitte des Hauses und so angelegt, dass die Frau, welche bey demselben sitzt, zu gleicher Zeit alles übersehen kann. [...] Ohne von ihrem Stuhle aufzustehen, übersieht die Wirthin zu gleicher Zeit drey Thüren, dankt denen die hereinkommen, heißt solche bey sich niedersetzen, behält Kinder und Gesinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller und Boden und Kammer, spinnet immerfort und kocht dabey. Ihre Schlafstelle ist hinter diesem Feuer, und sie behält aus derselben eben diese große Ansicht, [...]. Wenn sie im Kindbette liegt, kann sie noch einen Theil dieser häuslichen Pflichten aus dieser ihrer Schlafstelle wahrnehmen."[1]

Definition aus heutiger Sicht:

„Eine Wohnung ist die Summe aller Räume, die die Führung eines Haushaltes ermöglichen, darunter ist stets eine Küche oder ein Raum mit Kochgelegenheit. Eine Wohnung hat grundsätzlich einen eigenen abschließbaren Zugang unmittelbar vom Freien, einem Treppenhaus oder einem Vorraum, ferner Wasserversorgung, Ausguß und Toilette, die auch außerhalb des Wohnungsabschlusses liegen können."[2]

Aus der früheren Definition zu entnehmen, besteht das Haus meist aus einem einzigen Raum, in dem das Leben stattfinde. Wie schlafen, essen, kochen, arbeiten, etc. Im Gegensatz hierzu hat sich bis heute eine Lebensweise entwickelt, in der die Privatsphäre hoch bewertet wird. So besteht das Haus nicht nur aus einem einzigen Raum, in dem es praktisch unmöglich ist, eine Ecke für sich alleine zu beanspruchen, sondern häufig hat jeder sein eigenes Zimmer, in das er sich zurückziehen kann. Auch werden im Laufe der Zeit Küche, Wohnzimmer, Esszimmer, Arbeitsraum voneinander getrennt. Die Stellung der Frau hat sich im Laufe der Zeit ebenfalls gewandelt. Nach der früheren Definition steht sie im Mittelpunkt des Hauses (Raumes) und überwacht das Geschehen, während sie nebenbei kocht, die Kinder hütet, putzt, etc. heutzutage werden durch die zunehmende Emanzipation auch die Männer in den Haushalt einbezogen und die Rollen werden untereinander verteilt.

Nach Otto Brunner heißt die frühere Wohnweise ‚Ganzes Haus'[3]. Die heutige Wohnweise wird meist als ‚Modernes Wohnen' bezeichnet. Beide Typen überlappen sich zeitlich, es fließt der eine in den anderen über. So gibt es schon im 16. jahrhundert Ansätze modernen Wohnens. Dagegen hat sich die Wohnweise des ‚Ganzen Hauses’ auf dem Land länger gehalten.

Erwähnt werden muss noch, dass die beiden Typen ‚Ganzes Haus’ und ‚Modernes Wohnen’ idealtypische Konstrukte sind.

Im folgenden wird ausführlicher auf die Entwicklung des Wohnens, wie unter Punkt 1 erwähnt, eingegangen.

2.2 Wandel des Begriffs ‚Haushalt’ und Entwicklung des Familienbegriffs

Ein Hauhalt ist „die häusliche Wirtschaft einer Familie oder Lebensgemeinschaft, im engeren Sinne eine Wohn- und Lebensgemeinschaft“[4]. Um 1965 lebten in Deutschland 90% aller Personen in einem Familienhaushalt.[5]

Im Mittelalter bestand ein städtischer Großhaushalt aus noch 48 bis 50 Personen. Ein mittlerer Haushalt aus 20 bis 25 Personen und schließlich ein kleiner Haushalt aus 8 bis 10 Personen.[6] Bis ins 18. jahrhundert setzt sich die Familie nicht nur aus Vater, Mutter, Kind(ern) zusammen, sondern alle Verwandten, die Dienerschaft und Arbeitskräfte zählten ebenfalls zur Familie. Zudem wurde in der damaligen Zeit nicht von Familie gesprochen, sondern allgemein von „Haus“. Der ‚Familiensinn’ als Bewusstsein einer besonderen Beziehung zwischen Eltern und Kindern gibt es zwar schon im 16. Jahrhundert, allerdings nur bei einigen Adligen.

Erst im 18. Jahrhundert kommt das Wort Familie in die deutsche Umgangssprache und löst den Begriff „Haus“ ab. Allerdings konnte sich ein Familiensinn in kleinbürgerlichen haushalten bis ins 19. Jahrhundert kaum oder gar nicht entwickeln, da es bis dahin keinen abgrenzbaren Raum zum Rückzug gab. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurden kleinbäuerlichen Haushalten ein privater Raum ohne Gesindel, Vieh zugesprochen. Folge war, dass nichtverwandte Haushaltsmitglieder ausgegrenzt wurden. Im Laufe der Zeit schließlich auch die (entfernteren) Verwandten. Bis 1939 galten jedoch noch Mehrfamilienhaushalte als Familienhaushalte. Die Zahl der Familienfremde (Angestellte, Freunde...) im Haushalt sank von 1910 mit 26,2% bis 1990 mit 1,1% stark ab. Immer seltener wohnt heute jemand zur Untermiete.

Mit der Zeit hat sich ein Zwei-Generationen-Haushalt etabliert.

Die neue Wohnweise, welche sich während des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, ist mit vier Merkmalen charakterisierbar:

„ 1. die soziale Einheit des Wohnens ist die Kleinfamilie;
2. funktional ist Wohnen das Gegenüber zur beruflichen Arbeit, Ort der Freizeit;
3. sozialpsychologisch ist Wohnen Ort der Privatheit und Intimität, das Gegen-
über zur Öffentlichkeit;
4. ökonomisch ist Wohnen eine Ware, die der einzelne Haushalt durch den
Kauf oder Miete erwirbt.“[7]

Wobei auch der Zwei-Generationen-Haushalt zunehmend an Wert verliert. Die soziale Einheit des Wohnens ist immer seltener die Familie. Es bilden sich verschiedene Haushaltstypen. So werden „als neue ‚Haushaltstypen’ die Alleinstehenden (Singles), die unverheiratet zusammenlebenden Paare, die Alleinerziehenden und die Wohngemeinschaften“[8] bezeichnet. Die Zahl der Einpersonenhaushalte ist im Laufe von ca. 30 Jahren (1961-1992) um 13,1% gestiegen. Seit 1994 können auch ledige Personen ohne Kinder einen Haushalt bilden. So steht nun im neuen Lexikon, Haushalt sei „die Wirtschaftsführung einer Wohngemeinschaft (Familie) oder Einzelperson“[9].

Doch nicht nur die Zahl der Einpersonenhaushalte, der Alleinerziehenden – in Großstädten wächst ein Drittel der Kinder in Einelternfamilien auf[10] – ist stark gestiegen, sondern auch die Zahl der nicht ehelichen Lebensgemeinschaften ist beachtlich in die Höhe geschnellt. Innerhalb von 20 Jahren stieg sie von 137.000 auf über eine Million.[11] Heute sind rund 60% aller Hauhalte reine Erwachsenenhaushalte ohne Kinder.[12]

Während die Familie im 19. jahrhundert noch als organisierendes Zentrum galt, wurde ab hier nach und nach die Freizeit und die berufliche Arbeit außerhäuslich organisiert. Bestimmte Ereignisse (Geburt, Tod, Krankheit, Feste) sind fast gänzlich in spezialisierte Orte und Einrichtungen ausgelagert worden. Alltag und Freizeit wurden individualisiert.

2.3 Wohnen und wohnungsbezogene Infrastruktur

In der Entwicklung der Wohnung werden nach Terlingen zunächst drei Grundtypen des ‚Ganzen Hauses’ unterschieden.

Zum einen der feudal-ländliche Typ des frühen Mittelalters. Hier dominiert die landwirtschaftliche Produktion für den eigenen Gebrauch. Die Vorratswirtschaft beruht demnach auf Eigengebrauch.

Den zweiten Typ nennt Terlingen ständisch-städtisch (13. - 19. Jh.). Tausch- und Gebrauchswirtschaft halten sich hier relativ die Waage. Die Vorratswirtschaft beruht (im 18. Jh.) nicht mehr auf Eigengebrauch, sondern auf dem städtischen Markt.

Der dritte Typ nennt sich die hausindustrielle Ökonomie des Ganzen Hauses. Hier dominiert die Arbeit gegen Lohn über die Arbeit für den Eigengebrauch.

Betrachtet man nun den Wohnungsstandard, erkennt man sofort erhebliche unterschiede. Die Wohnweise des 20. Jahrhunderts war im 19. Jahrhundert die Wohnweise des Bürgertums. Für Proletarier ein unerreichbarer Luxus. Bis ins 19. Jahrhundert hinein prägen Schicht- und Klassenzugehörigkeit maßgeblich die Wohnweise.

Beispiel: Noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg verfügten 58% der Mitglieder von Arbeiterhaushalten nicht über ein eigenes Bett für sich alleine. Das heißt, rund um die Uhr schlief ein anderer darin. Sogenannte Schlafburschen zahlten für ihre Übernachtung. Damit wurden die Mieten für die Mieter wieder erschwinglich.

Auch die Mobilität um 1897 kannte keine Grenzen. Arbeitsverträge galten häufig nur 11 Tage lang oder kürzer. Dadurch wurden Arbeiter gezwungen notfalls in eine andere Stadt zu ziehen um Arbeit zu finden.[13]

Erst seit 1949 richtet sich der Bau von Wohnungen nach allgemeinen Richtlinien. Die familiengerechte Wohnform ist damit gebaute Realität. Seit den 50er/60er Jahren existiert keine Schichtabhängigkeit mehr.

Auch ist die Entwicklung der neuen Wohnweise gekennzeichnet durch technische Ausstattung, Infrastruktur, Zentralheizung, Kanalisation, 39qm/Kopf, etc.

Die starke Bevölkerungszunahme zum Ende des 19. Jahrhunderts schaffte (vor allem in den Städten) dagegen ein ganz neues Problem. Durch die Zuwanderungen der Dorfbewohner in die Städte mit der Absicht dort Arbeit zu finden, prallen die gegensätzlichen Lebensweisen aufeinander. Ländliche Gewohnheiten und städtische Dichte zusammen schaffen hygienische Probleme, welche die Erhaltung der Arbeitskräfte gefährdet. 1880 hatten von tausend Wohnungen lediglich ungefähr 36 ein Bad. 1910 besaßen immer noch nur 137 Wohnungen eines.[14] Derartige Wohnverhältnisse stellen natürlich Gefahrenherde erster Ordnung dar.

Aus diesem Grund wurden 1883/87 die ersten schulärztlichen Dienste eingerichtet, da die Kinder in der Schule leichter erreichbar waren. Zur selben Zeit wurden Institutionen der Kinder- und Jugendpflege sowie der Gesundheitsfürsorge eingerichtet. 1905 gab es die ersten Gesundheitsämter und kommunale Krankenhäuser. Ebenso wurden Versorgungsleistungen, wie Energie, Entsorgung von Abwässern, Transportmittel, etc. von neu entstehenden Betrieben bereitgestellt.[15]

2.4 Trennung von Arbeiten und Wohnen

Eine Entwicklung außerhäuslicher Lohnarbeit beginnt schon im Mittelalter. Die Hauptentwicklung der Trennung von Arbeit und Wohnen beginnt jedoch erst ca. zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Arbeit wird an einem gesonderten Arbeitsort organisiert. Mit der Industrialisierung hörte die Familie immer mehr auf produzierende Arbeitsorganisation zu sein. Ihr Schwerpunkt verlagerte sich auf die Verbraucherfunktion. Der Haushalt steht nicht mehr im Mittelpunkt der Marktwirtschaft, sondern die Selbstversorgung wird von Markt und Erwerbswirtschaft an den Rand gedrängt.

[...]


[1] Kaiser 1988, S. 14f

vgl. auch Häußermann & Siebel (1996), S. 22

[2] Statistisches Bundesamt 1995b, 5

vgl. auch Häußermann & Siebel (1996), S. 17

[3] vgl. a.a.O., S. 22

[4] Brockhaus, Achter Band (1969), S. 238

[5] vgl. ebd.

[6] Vgl. Häußermann & Siebel (1996), S. 29

[7] vgl. a.a.O., S. 738

[8] Schäfers & Zapf (1998), S. 733

[9] Bertelsmann Universal Lexikon (1999), S. 355

[10] vgl. Conradi & Zöpel (1994), S. 221

[11] vgl. Schäfers & Zapf (1998), S. 739

[12] vgl. Conradi & Zöpel (1994), S. 221

[13] vgl. Häußermann & Siebel (1996), S. 19

[14] vgl. Informationen zur politischen Bildung (1993), S. 20

[15] vgl. Häußermann & Siebel (1996)m s, 21

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638135290
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5740
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Soziologie
Note
1,5
Schlagworte
Soziologie Stadtsoziologie Stadt Wohnen Leben

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