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Gesellschaftstheorie in der Epoche der Herausbildung des Kapitalismus

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Das Feudalsystem in der Krise
1.1 zum Staatsbegriff
1.2 Ursachen für die Krise
1.3 Verweltlichung des politischen Denkens
1.4 Niccolo Macchiavelli

2) Antifeudalismus als Volksbewegung
2.1 Antifeudalistische und antikapitalistische Strömungen in der Bauernbewegung
2.2 Frankreich

3) Kommunistische Utopien und Staatsideale
3.1 Thomas Morus

4) Der Vormarsch des Zentralstaats
4.1 Niederlande
4.2 Der Calvinismus

5) Entwicklungen in England
5.1 der Durchbruch der bürgerlichen Staatstheorie
5.2 Thomas Hobbes
5.3 John Locke

6) Entwicklungen in Frankreich
6.1 An der Schwelle zur französischen Revolution
6.2 Utopien in Frankreich

7) Die französische Revolution
7.1 Die erste Phase 1789-1791
7.2 Die zweite Phase 1792-1794
7.3 Die proletarisch-materialistische Perspektive

Zusammenfassung

Quellen

Einleitung _

In der hier vorliegenden Arbeit wird die Entwicklung der Gesellschaftstheorie anhand des Textes Eigentum und Staat als Gegenstand der Gesellschaftstheorie und Politik in der Epoche der Herausbildung des Kapitalismus, S. 11-48, von Frank Deppe behandelt.

Frank Deppe ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Marburg, Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung und Leiter der Forschungsgruppe Europäische Gemeinschaft am Institut für Politikwissenschaft. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschriften Sozialismus und Z – Zeitschrift für marxistische Erneuerung.

In den 60er Jahren engagierte er sich im Sozialistischen Studentenbund und sieht sich seitdem selbst als Sozialist und Marxist.

Ich werde die wichtigsten Aspekte aus Deppes Text hier wiedergeben und sowohl die bürgerlichen Staatstheorien als auch kommunistische Utopien, die von Deppe betrachtet werden, darstellen. Außerdem wird die staatstheoretische Endwicklung sowohl in Europa, speziell in England als auch in Frankreich aufgezeigt.

1.1 Zum Staatsbegriff:

Im Italien des 15. Jh. tauchte der Begriff Staat als Stato zum ersten Mal auf und beschrieb einen Zustand, eine Ordnung. Erst im 18. Jh. wurde der Begriff Staat ins Deutsche übernommen und als Begriff für das politische Gemeinwesen genutzt. Vorher bezeichneten polis oder res publica staatliche Organisationsformen.

Max Weber sieht den modernen Staat als „anstaltsmäßigen Herrschaftsverband, der innerhalb eines Gebietes die legitime physische Gewaltsamkeit als Mittel der Herrschaft zu monopolisieren mit Erfolg getrachtet hat und zu diesem Zweck die sachlichen Betriebsmittel in der Hand seiner Leiter vereinigt…“1 und dessen zentrales Anliegen es ist, die ständischen Funktionäre zu enteignen.

1) Max Weber: Staatssoziologie, in der Wirtschaft und Gesellschaft, 2. Halbband, Köln und Berlin1964, S. 1046 in Deppe, S.12

Die Monopolisierung trat an die Stelle der feudalen Partikularisierung. Es gab keine territorialen Zersplitterungen mehr und Gemeinschaftsformen wie Stamm, Familie und Gefolgschaft wurden durch rationale Formen wie Recht und Verwaltung ersetzt. Der Staat übte seine Funktion als Organ bürgerlicher Klassenherrschaft über die allgemeine Gesetzgebung aus. Die private Gewalt wurde zu einer öffentlichen Funktion, die keinen göttlichen Auftrag mehr hatte, sondern von positivem Recht und gesellschaftlichen Konsens getragen wurde.

Der Moderne Staat wurde in seiner Entwicklung von Staatstheorien begleitet, die während der Klassenkämpfe dem Bürgertum als Waffe dienten, die in Folge sozialökonomischer und politisch-ideologischer Krisen aufkamen. Diese Krisen fanden ihren Ursprung im Zerbrechen der alten Strukturen, hervorgerufen durch die Überlagerung verschiedener Produktionsweisen und die damit zusammenhängenden, ungleichzeitigen regionalen Entwicklungen. Auch das Klassensystem wirkte auf diesen Prozess ein. Mit der Forderung nach Souveränität, formale Rechtsgleichheit, Schutz von Eigentum und ideologischem Konsens schürten die Staatstheorien die aufkommende Unzufriedenheit des Bürgertums.

Sehr schnell kamen aber auch antikapitalistische Strömungen auf, die Kritik am Schutz des Eigentums und die schnell fortschreitende Modernisierung übten und gegen die sich die bürgerlichen Theorien zu wehr setzen musste.

1.2 Ursachen für die Krise:

Karl Marx sieht persönliche Abhängigkeit, persönliche Unfreiheit und Hörigkeit, durch die sich Grundeigentümer bereichern als Ursache von Produktions- und Herrschaftsverhältnissen im Feudalismus. Obwohl dem Bauer seine Produktionsmittel gehörten und er den Ackerbau und die damit verknüpfte häuslich-ländliche Industrie selbständig betrieb, wurden ihm aufgrund von außerökonomischem Zwang Abgaben abgenommen. Dieser Zustand könne nur durch freie Arbeiter aufgelöst werden. Geld als Zahlungsmittel hatte sich in diesem Stadium, in dem sich die Arbeiter von den Lehnsherren lossagten, schon weit entwickelt.2

Eben diese Entwicklung der Zahlungsmittel sowie Handel und Verkehr, gepaart mit einer Arbeitsteilung in Stadt und Land, stürzten die Feudalordnung in die Krise. Es entstanden Produktions- und Austauschverhältnisse, die die feudal-agraische Gebrauchswertökonomie zersetzten.3

Auch die Aufteilung der Gesellschaft in Freie und Unfreie veränderte sich: Immer mehr Bauern lösten sich aus der Leibeigenschaft und in den Städten entwickelten sich neue soziale Hierarchien in Form von Patriziat, Handwerkszünften und Pöbel. Diese Umstrukturierung stellte die bestehenden Herrschaftsverhältnisse komplett in Frage. Dieser Prozess verstärkte die personalen Bindungen und Privilegien und den Universalitätsanspruch der katholischen Kirche, die für den politischen Partikularismus charakterisierend waren, zunächst noch. Der Übergang zum 14. Jh. war durch eine Agrar- und Geldkrise gekennzeichnet. Es herrschten Hungersnöte, die Fürsten waren bei den Kaufherren hoch verschuldet. Streiks, Meutereien und Revolten begleiteten die Auseinandersetzungen zwischen Arm und Reich.

Doch der Einfluss der Kirche zerbrach bis zum Beginn des 14. Jh. Mit dem Exil der Päpste in Avignon (1309-1377) fanden die 300 Jahre andauernden Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaiser ein Ende.

J. Le Goff beschreibt diesen Prozess der Auseinandersetzungen wie folgt: „Im Grunde haben wir es mit einer Krise der Feudalität zu tun. Die Herren haben die kleinen Mittel – Anhebung der Feudaleinkünfte, Unterstützung durch die Fürsten, wirtschaftliche Umstellung – ausgeschöpft. Es bleibt ihnen nur noch der Krieg als ultima ratio der bedrohten Führungsschichten. Da wo dem Adel in Mittel- und Osteuropa eine friedliche `Refeudalisierung´ gelingt, verewigen sich die Schwächen der Feudalgesellschaft. Im Westen aber, wo er blutige Konflikte auslöst, entsteht aus der Krisenmisere eine wahrhaft neue, moderne Welt. Die Reaktion der Feudalwelt auf die Krise von 1270-1330 führ zur Liquidation des Mittelalters.“4

1.3 Verweltlichung des politischen Denkens

Im Zuge dieser das bestehende System erschütternde Prozesse fand eine Verweltlichung politischen Denkens statt. Theorien wie die von Thomas von Aquin, die den Staat als notwendigen Teil der göttlichen Weltordnung sieht und eine Einheit von Natur, Gesetz und göttlichem Gesetz propagiert, wurden durch die Formulierung der Souveränitätsrechte erschüttert. Politik und Staat wurden immer klarer als Produkte menschlichen Denkens und Handelns gesehen. Wirtschaftliches Kalkül, naturwissenschaftliche Analyse und philosophische Erkenntnisprinzipien verbanden sich.

Marsillius von Padua (1275-1343) formulierte eine moderne Lehre vom Staat. Er befürwortete die radikale Trennung von geistlicher und weltlicher Macht, stellte dabei zwar nicht die göttliche Einsetzung von Herrschaft in Frage, sprach jedoch dem Menschen die Freiheit, über die Form der Herrschaft frei zu entscheiden, zu. Außerdem formulierte er klare Ansätze von Volkssouveränität: das Volk wählt die Regierenden, die sich ihrerseits an das vom Volk gegebene Gesetz halten müssen. Die Formulierung Volk bezog hier jedoch nur das Bürgertum ein und schloss die unteren Schichten von den Privilegien des Bürgertums aus.

Diese Theorien formulierte von Padua jedoch nicht für einen modernen Territorialstaat, sonder für die italienischen Stadtstaaten, die sich nach dem Kampf für die Unabhängigkeit von der feudalen Ordnung herausbildeten. Ende des 13. Jh. etablierte sich in einigen Städten neben einer Verwaltung, die Schulen, Sozialpolitik und eine Rechtsordnung beinhaltete, eine demokratische Verfassung. Zunächst gewannen aus Zünften zusammengesetzte Stadtviertel-, Waffen- und Bruderschaftsverbände Einfluss auf die städtische Politik. Überall herrschten Klassenkämpfe des Kleinbürgertums gegen die Inhaber des Handelskapitals, ausgelöst durch das Anwachsen der städtischen Armut, die Verstärkung der protektionistischen Abschließung des Zunftwesens und die Konflikte zwischen Meistern und Gesellen. Es wurde gekämpft für politische Rechte und die Verbesserung der eigenen sozialen Lage.5

Als die Volksbewegungen sich auflösten, gingen auch die Stadtstaaten unter. Eine lange Periode der Stagnation und des Niedergangs wurde eingeleitet und die italienischen Stadtverfassungen wurden nicht zu Keimformen der bürgerlich-kapitalistischen Entwicklung.

Obwohl Ende des 15.Jh., Anfang des 16. Jh. die italienischen Stadtverfassungen in Vergessenheit geraten waren, entstand jedoch genau dort und in dieser Periode eine humanistische Renaissance-Bewegung, die Begriffe wie Individualismus, Sinnlichkeit, Naturbezogenheit und Wiederaneignung der antiken Welt zum Zentrum ihres Denkens machte.

[...]


1) Das Feudalsystem in der Krise

2) Karl Marx: Das Kapital, 3. Band, S.798-799, Zt. n. Deppe, S.13;

3) vgl. Deppe, S. 14;

4) J. Le Goff: Das Hochmittelalter, Frankfurt/Main, 1965 (Fischer Weltgeschichte, Band11), S.295, Zit. n. Deppe, S. 15

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638518833
ISBN (Buch)
9783656447085
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57425
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Gesellschaftstheorie Epoche Herausbildung Kapitalismus Entstehungsgeschichte Nationalstaates

Autor

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