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Die Folgen des demographischen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland

von Matthias Kaiser (Autor) Jörn Kehle (Autor)

Seminararbeit 2004 21 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Gründe für den demographischen Wandel
1.1.1 Geburtenrückgang und höhere Lebenserwartung
1.1.2 Weniger Arbeitnehmer und mehr Rentner
1.1.3 Schrumpfung der Bevölkerung
1.1.4 Umkehrung der Alterspyramide

2. Welche Auswirkungen hat der demographische Wandel?
2.1 Notwendigkeit von Zuwanderung
2.2 Infrastruktur wird in Mitleidenschaft gezogen
2.3 Die Folgen für die Rentenversicherungssysteme
2.3.1 Kann das Geld, das für die Kinder gespart wird für die Rentner verwendet werden?
2.3.2 Nehmen die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab?

3. Zusammenfassung und Fazit

1. Einleitung

Die Bevölkerungsentwicklung in der BRD ist ein Themenkomplex, dem Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit einigen Jahren bereits ihre erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Und nicht nur diese. Auch ich habe mich im Rahmen einer zu verfassenden Seminararbeit mit einem Kommilitonen entschlossen, sich dieses Themas anzunehmen.

Und das aus gutem Grunde. Es lässt sich schon länger feststellen, dass aufgrund unterschiedlicher Faktoren eine Rückwärtsentwicklung der Bevölkerung im Gange ist. Verursacht wird dies vor allem aus zwei wesentlichen Gründen:

1. ein massiver Rückgang der Geburtenrate seit den 60er Jahren
2. die drastisch gestiegene Lebenserwartung
Eine solche Entwicklung hat nicht zuletzt auch auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Sozialversicherungssystem unseres Landes nachhaltige Auswirkungen.

Die nachfolgenden Zeilen werden sich eingängiger mit dem demographischen Wandel in Deutschland und seinen Folgen auseinandersetzen.

1.1 Gründe für den demographischen Wandel

1.1.1 Geburtenrückgang & höhere Lebenserwartung

Die so genannte Geburtenhäufigkeit lässt sich durch die zusammengefasste Geburtenziffer erklären. Wie wird diese errechnet? Sie „gibt die durchschnittliche Kinderzahl an, die eine Frau im Laufe ihres Lebens hätte, wenn die Verhältnisse des betrachteten Jahres von ihrem 15. bis zu ihrem 49. Lebensjahr gelten würden. Diese Kennziffer ist unabhängig von der jeweiligen Altersstruktur der Bevölkerung.“ (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S.10)

Momentan befindet sich die zusammengefasste Geburtenziffer auf dem sehr niedrigen Niveau von 1,4 Kindern pro Frau. Für den Fortbestand der gegenwärtigen Bevölkerungszahl, müsste der Wert bei 2,1 Kinder pro Frau liegen und wenn diese erwachsen sind, müssten diese mindestens 2 Kinder gebären, damit die vorangegangenen Generationen gleichwertig ersetzt werden können.

Ein konstantes Geburtenverhalten wird auf Umstände gestützt, die aus den 50er Jahren stammen. Damals gab es in beiden deutschen Staaten eine nahezu identische Geburtenentwicklung. Es gab sogar einen kurzen Ausreißer, der zu Beginn der 60er Jahre „mit der höchsten zusammengefassten Geburtenziffer der Nachkriegszeit von 2,5 Kindern pro Frau erlebt“. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S.10)

Kurz danach gingen die Geburtenzahlen allerdings rapide zurück. In der ehemaligen DDR schon etwas früher, nämlich 1964, die alten Bundesländer folgten dann 1967 demselben Trend. In den 70er Jahren fiel die Zahl auf 1,45 in den alten Ländern und 1,54 in der damaligen DDR.

Von da an gab es in beiden Ländern sehr unterschiedliche Trends. Im Westen fiel die Zahl der Geburten weiter auf bis zu 1,3 Kinder pro Frau und pendelt seitdem um den Wert von 1,4, während der Osten Deutschlands mit „umfangreichen staatlichen Fördermaßnahmen für Familien mit Kindern einer weiteren Absenkung des Geburtenniveaus ab Mitte der 70er Jahre“ entgegenwirkte. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S.10-11)

Dies führte bis 1980 zu einem Anstieg der Geburtenziffern auf 1,94. Danach gingen aber auch hier die Geburtenzahlen wieder zurück. Ein besonders starker Einbruch lässt sich seit der Wiedervereinigung Deutschlands ausmachen, die zu sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen führte.

Gründe für diesen Geburteneinbruch finden sich en masse. Diese sind zumeist ökonomischer, sozialer und psychologischer Herkunft. Was wird unternommen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken? „Um einen dauerhaften Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer zu erreichen, wird in der politischen Diskussion neben familienfördernden Maßnahmen, welche die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbstätigkeit erleichtern, grundsätzliches Umdenken zum Stellenwert von Kindern auf politischer und individueller Ebene erörtert.“ (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 11)

Ob diese Maßnahmen aber von Erfolg gekrönt sind, lässt sich erst in einigen Jahrzehnten erkennen, dann nämlich, wenn sich diese Prozesse auch auf die Bevölkerungsentwicklung durchgeschlagen haben.

Wenn man die Geburtenentwicklung Deutschlands mit der anderer Länder der EU vergleicht, so kann man feststellen, dass z.B. Italien (1,24), Spanien (1,23), Griechenland (1,29) und Österreich (1,34) eine noch geringere Kennziffer haben als Deutschland. Länder, die nicht der EU zugehörig sind, sehen sich einer ähnlich niedrigen Rate gegenüber, z.B. die Schweiz und Japan. Dagegen liegt in den Niederlanden (1,7) und Frankreich (1,9) die Zahl der Geburten höher als in Deutschland. Die Geburtenentwicklung in den USA ist bereits seit Ende der 80er Jahre auf dem nahezu konstanten Niveau von 2,0 Kindern pro Frau.

Zur Lebenserwartung gibt es drei Annahmen. In den vergangenen Hundert Jahren nahm das Niveau der Sterblichkeit in Deutschland aufgrund vielerlei Umstände, wie Fortschritte im Gesundheitswesen, der Hygiene, der Ernährung, der Wohnsituation und der Arbeitsbedingungen sowie einem gestiegenen materiellen Wohlstand unverkennbar ab. Außerdem ging zum Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der gestorbenen Kinder und Säuglinge stark zurück. Wie sich die Entwicklung weiter fortsetzte lässt sich wie folgt darstellen: „Heute sterben nur noch 4 von 1 000 lebendgeborenen Kindern im ersten Lebensjahr, vor 100 Jahren waren es 200, vor 30 Jahren noch 21.“(Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 13)

Nicht nur bei den Kindern oder Säuglingen wurde eine Veränderung spürbar. Auch bei älteren Menschen nahm die Sterblichkeit stark ab. Insbesondere ab Mitte des 20. Jahrhunderts machte sich dies bemerkbar. „Seit Ende der 80er Jahre erleben – wie die so genannte Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes zeigt – mindestens jeder zweite Mann und 7 von 10 Frauen ihr 75. Lebensjahr. Noch 1970/72 waren es lediglich 39% aller Männer und 60% aller Frauen“. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 13)

Die Folge: eine immer höhere Lebenserwartung. Abzulesen ist diese anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung. Diese ergibt sich aus der Erwartung der Lebensjahre, die ein neugeborenes Kind hat, wenn das Sterberisiko, welches die Bevölkerung hat, in den einzelnen Altersjahren während des ganzen Lebens erhalten bleibt, d.h. sich nicht grundlegend verändert. Ab einem bestimmten Alter wird die Lebenserwartung dann „mit der ... durchschnittlichen ferneren Lebenserwartung ausgedrückt“. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 13)

Die Lebenserwartung hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts um 30 Lebensjahre erhöht. Damals, um das Jahr 1910, hatten neugeborene Jungen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 47 Jahren und neugeborene Mädchen 51 Jahre. Dies hat sich folgendermaßen verändert: „Die in den Jahren 1998 bis 2000 geborenen Jungen und Mädchen erwarten dagegen 75 bzw. 81 Lebensjahre.“ (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 14)

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass sich die Lebenserwartung nicht in stetiger Form verändert hat, sondern von Umständen abhängig gemacht wurde, die dies stärker und weniger stark beeinflussten. Denn allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vor allem zwischen 1910 und 1932, erhöhte sich die Lebenserwartung der Jungen um 13 Jahren, der Mädchen um 12 Jahre. In den 50er und 60er Jahren ging dieser Trend aber stark zurück und in den Jahren zwischen 1950 und 1970 stieg die Lebenserwartung bei Jungen nur noch um 3, bei Mädchen um 5 Jahre. „Dies lag an der erheblich stärkeren Verringerung der Säuglingssterblichkeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die später nicht mehr so stark ausfiel.“ (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 14)

1970 erhöhte sich die Sterblichkeitsrate aufgrund einer Grippeepidemie kurzfristig, als weiterer Grund dafür könnten aber auch die Nachwehen des 2. Weltkrieges ausgemacht werden. Dies führte auch dazu, dass sich der Abstand in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen neuerlich vergrößerte. In den vergangenen 30 Jahren ist die Lebenserwartung jedoch stetig gestiegen, auch wenn nicht ganz in dem Maße, der ersten Jahrhunderthälfte. „Sie erreichte im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2000 für Jungen 74,8 und für Mädchen 80,8 Jahre“. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 14)

Aber nicht nur bei der jüngeren Bevölkerung, sondern auch beim älteren Teil hat sich die weitere zu erwartende Lebenszeit erhöht. Beispielsweise hatte vor hundert Jahren ein 60-jähriger Mann eine erwartete weitere Lebenszeit von durchschnittlich 13 Jahren. Dieser Wert erhöhte sich bis 1970 auf 15 Jahre und heute auf 19 Jahre. Bei den Frauen gleichen Alters waren es vor hundert Jahren durchschnittlich 14 Jahre, 1970 waren es 19 Jahre und heute sind es 23 weitere Lebensjahre.

Diese Verlängerung der Lebenszeit hat beträchtliche Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme und die Altersvorsorge. Dies ist ein Hauptgrund, denn „die ältere Generation ist zahlenmäßig größer als frühere, es gibt potenziell mehr Rentenbezieher, und der Ruhestand dauert länger. Nach den Angaben des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer im früheren Bundesgebiet 1965 knapp 11 und 2001 über 16 Jahre. Innerhalb einer Generation haben sich also die Rentenbezugszeiten um 5,5 Jahre verlängert. Zu dieser Verlängerung der Rentenbezugszeiten hat allerdings neben der höheren Lebenserwartung auch ein früherer Rentenbeginn beigetragen.“ (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 17)

Bis Mitte der 70er Jahre gab es bei der Entwicklung der Lebenserwartung zwischen den alten Bundesländern und der damaligen DDR keine größeren Unterschiede. Die Lebenserwartung von Jungen war zu Beginn der 70er Jahre in der DDR sogar höher als in der BRD, während bei den Mädchen kein Unterschied erkennbar war. Ab 1977 veränderte sich dies allerdings, denn von da bis zum Ende der 80er Jahre stieg die Lebenserwartung in der DDR weniger stark an, als in der BRD. Dies wird an der Tatsache deutlich, dass direkt nach der Wiedervereinigung die Lebenserwartung bei Geburt in den neuen Ländern um 3 Jahre unter dem Niveau der alten Bundesländer lag. Seit dem hat sich dies jedoch etwas verändert, denn der Abstand ist geringer geworden. Bei Jungen sind es nur noch 1,6 Jahre, bei Mädchen sogar nur noch 0,6 Jahre Unterschied. Vorausberechnungen zur Folge wird sich dies bis zum Jahr 2020 vollends angleichen, was soviel heißt wie gleiche Lebenserwartung in beiden Teilen.

Vergleicht man Deutschland beim Thema Lebenserwartung mit anderen Ländern, so kann festgestellt werden, dass Deutschland hier keineswegs eine Spitzenposition einnimmt. Beispielsweise haben Island, Japan, Schweden und in der Schweiz bei Jungen eine um mehr als 2 Jahre höhere Lebenserwartung als Deutschland. Bei den Mädchen ist es noch stärker erkennbar, denn hier „liegen Japan (um 3,4 Jahre), Frankreich (um 2,2 Jahre), Italien und Spanien (um 2,1 Jahre) sowie die Schweiz (um 2,0 Jahre) vor Deutschland“. (Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050; S. 14) Im Durchschnitt der EU-Mitgliedsstaaten nimmt Deutschland ebenfalls einen hinteren Platz in der Lebenserwartung ein.

Um die Entwicklung der Lebenserwartung festzustellen, können drei Annahmen gemacht werden. Bei Annahme 1 werden die heute schon international erreichten niedrigsten Sterbewahrscheinlichkeiten jedes Altersjahres für Deutschland als Ziel für 2045 festgelegt. Bei den Annahmen 2 und 3 wird auf die Sterblichkeitsabnahme der letzten 30 Jahre zurückgegriffen. Bei Annahme 2 wird mit einer stärkeren Abschwächung des Anstiegs gerechnet. Bei Annahme 3 wird davon ausgegangen, dass sich der Anstieg weniger stark abschwächt.

1.1.2 Weniger Arbeitnehmer und mehr Rentner

Wenn man die Entwicklung der vergangenen Jahre betrachtet und einen Ausblick auf die Zukunft wagt, stellt man fest, dass die Zahl der Arbeitnehmer immer mehr zurück geht und die Zahl der Rentner immer mehr steigt.

Ein Grund dafür ist einerseits der schon zuvor beschriebene Geburtenrückgang und die damit einhergehende Steigerung der Lebenserwartung. Ebenso auch ein immer früherer Einstieg ins Rentenalter. Momentan finanzieren etwa 4 Personen einen Rentner, in 30 Jahren sind es nur noch 2. Verglichen mit früheren Generationen lässt sich feststellen, dass die heutigen Rentner reicher sind als frühere Generationen und das sie mehr von ihrer Rente haben. Dies lässt sich daran festmachen, dass das gesetzliche Rentenalter zwar 65 Jahre beträgt, die meisten aber bereits zwischen 60 und 65 mit dem Arbeiten aufhören. Deshalb wird folgendes getan: „Aufgrund dieser Entwicklung hat der Gesetzgeber zahlreiche Änderungen bei der Rentenversicherung beschlossen. Die damit verbundenen unvermeidbaren Belastungen werden gerecht auf die Schultern aller Generationen verteilt. Im Mittelpunkt der Anstrengungen steht die Stabilisierung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, denn steigende Lohnnebenkosten belasten unsere Wirtschaft zusätzlich und gefährden Arbeitsplätze“.(http://www.die-rente.info/396.php)

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Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638520089
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57576
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
Schlagworte
Folgen Wandels Bundesrepublik Deutschland Statistische Methodenlehre

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