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Die Professionalisierung der Pflege

Die Pflege auf dem Weg zur Profession?

Hausarbeit 2006 30 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Professionalisierung
2.1 Begriffserklärung zu Profession und Professionalisierung
2.2 Professionalisierungsansätze
2.2.1 Funktionalistischer Professionalisierungsansatz
2.2.2 Indikatorisch-merkmalsorientierter Professionalisierungsansatz
2.2.3 Feministischer Professionalisierungsansatz
2.2.4 Hinweise auf weitere Professionalisierungsansätze
2.3 Der Machttheoretische Ansatz
2.4 Kritik an machttheoretischen Entwicklungen

3.0 Deprofessionalisierung
3.1 Deprofessionalisierung nach Hartmann
3.2 Deprofessionalisierung nach Goode
3.3 Gründe für Deprofessionalisierung und begünstigende Faktoren
3.4 Folgen der Deprofessionalisierung

4.0 Entwicklungen zur Professionalisierung der Krankenpflege
4.1 Ausbildung in der Pflege
4.2 Pflegestudiengänge an deutschen Hochschulen und Universitäten
4.3 Pflegeforschung in Deutschland und ihre berufspolitische Bedeutung
4.4 Notwendige Institutionen einer Profession
4.5 Neue und verlorene Berufsfelder in der Pflege

5.0 Schluss

6.0 Literaturverzeichnis

7.0 Quellen im Internet

1.0 Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich die Professionalisierung der Pflegeberufe in Hinblick auf verschiedene Aspekte näher beleuchten. Nach der Begriffserklärung werde ich dem Leser im ersten Kapitel einen Überblick über einige Professionalisierungs-ansätze geben. Exemplarisch wird ein Theorieansatz zur Professionalisierung näher erörtert und kritisch betrachtet.

Da im Rahmen der Professionalisierung der Pflege auch der Entwicklung von klassischen Professionen und deren momentane Tendenz zur Deprofessionalisierung eine wesentliche Bedeutung beizumessen ist, werde ich im zweiten Kapitel dieser Arbeit darauf eingehen. In diesem Kontext werden zwei Betrachtungsweisen der Deprofessionalisierung sowie die Gründe und Folgen dieser Entwicklung geschildert.

Im letzten Teil der Hausarbeit wird die Entwicklung der Krankenpflege in den letzten fünfzehn Jahren im Bezug auf Professionalisierung diskutiert. Chancen aber auch Risiken, die sich durch die Deprofessionalisierung ergeben, sollen dargestellt und neue Berufsfelder aufgezeigt werden.

2.0 Professionalisierung

2.1 Begriffserklärung zu Profession und Professionalisierung

Schlägt man im Duden unter dem Begriff „Profession“ nach, so wird Profession als veraltete Form von Beruf und Gewerbe aus dem Lateinischen bzw. Französischen erklärt.[1]

Der Terminus „Professionalisierung“ taucht schon früh in einem Werk des SoziologenLeopold von Wieseim Jahr 1924 auf. Dieser beschreibt den Begriff als einen sozialen Prozess, der die Entstehung, Konsolidierung und die Institutionalisierung von Berufen, mit dem Ziel einen solideren Gebildezusammenhang in der vorhandenen beruflichen Struktur aufzubauen. Auf die Kräfte, die diesen gesellschaftlichen Prozess bestimmen, wird nicht eingegangen und erst Ende der Sechziger

Jahre wird der Terminus zum eigentlichen Forschungsgegenstand.[2]

Seitdem wurden sehr viele Definitionen der Begriffe „Profession“ und „Professionalisierung“ vorgeschlagen. Letztendlich werden die Begriffe auch im alltäglichen Sprachgebrauch von Laien, Mitglieder von traditionellen Professionen oder Sozialwissenschaftlern verwendet, jedoch benutzt jeder den Terminus technicus auf seine Weise.[3]

Etwas mehr Licht ins Dunkel, im Sinne von Professionalisierungsansätzen, bringt die Definition des Wortes „Profession“ im Lexikon der Soziologie, in dem es heißt: „Ein für die Gesellschaft relevanter Dienstleistungsberuf mit hohem Prestige und Einkommen, der hochgradig spezialisiertes und systematisiertes, nur im Laufe langer Ausbildung erwerbbares technisches und / oder institutionelles Wissen relativ autonom und kollektivitätsorientiert anwendet (z.B. Arzt, Richter)".[4]

Im gleichen Lexikon lautet die Definition zu Professionalisierung: „Spezialisierung und Verwissenschaftlichung von Berufspositionen auf Grund gestiegener Anforderungen an das für die Berufsausübung erforderliche Fachwissen, verbunden mit einer Höherqualifizierung der Berufsausbildung, der Einrichtung formalisierter Studiengänge, einer Kontrolle der Berufsqualifikation und des Berufszuganges durch Fachprüfungen, der Organisation der Berufsangehörigen in besonderen Berufsverbänden, der Kodifizierung berufsethischer Normen, der Zunahme universeller Leistungsorientierung und beruflicher Autonomie sowie einer Steigerung von Berufsprestige und -einkommen".[5]

Die oben genannte Definition lässt darauf schließen, dass Ärzte und Juristen zu den etablierten Professionen gehören. Carr-Saunders bemisst den Grad der Professionalisierung 1955 nach einem Verfahren, dass besonders den Aspekt eines hohen Grades an spezialisiertem Wissen berücksichtigt, welches er in einer Liste in der „professions“ bis „non-professions“ aufgeführt sind, darstellt. Dadurch war es möglich ein Schema mit vier Haupttypen von Professionen der modernen Gesellschaft aufzuzeigen. Der erste Haupttyp sind die „established professions". Hierzu gehören Juristen, Mediziner und Theologen, die alle als Basis ein fundamental, vorwiegend theoretisch-wissenschaftliches Studium absolviert haben und sich einem bestimmten ethischen Verhaltenskodex verpflichtet fühlen.

Zu der Gruppe der so genannten „new professions“ gehören vor allem Naturwissenschaftler wie Ingenieur, Chemiker und Physiker, denen es gelang, ein eigenständiges theoretisch-wissenschaftliches Studium zu entwickeln.

Zur dritten Gruppe gehören die „semi-professions“ in der z.B. Krankenschwester, Sozialarbeiter oder Optiker einzuordnen wären. Diese Gruppe ersetzten ein theoretisch-wissenschaftliches Studium durch den Erwerb von technischen Kenntnissen und praktischen Fähigkeiten, wobei ein bestimmter Grad an abstraktem Wissen vorhanden ist.

Die letzte Gruppe sind die „would-be professions“ zu denen z.B. Verkäufer oder Vertreter gehören. Hier wird weder ein theoretisches Studium, noch der Erwerb von bestimmten Techniken verlangt, jedoch eine Vertrautheit mit Tätigkeiten im Geschäftsleben, Verwaltungsaufgaben und allgemeinen Umgangsformen.[6]

Zu kritisieren an dieser Abstufung sind die zu starren Übergänge und die letztlich zu grobe Einteilung sowie das Fehlen einiger Charakteristika, wie z.B. bei den „established professions“ den kollektiven Auftrag der Gesellschaft und die autonome Selbstkontrolle. An diesem Schema ist jedenfalls ablesbar, wie die Krankenpflege ab den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gesehen wurde und zu einem großen Teil auch noch gesehen wird, nämlich als Semi-Profession.

Um sich an der Professionalsierungsdebatte beteiligen zu können, sollte man sich den Professionalisierungsansätzen nähern. Unter dem nächsten Punkt werde ich einen groben Überblick über verschiedene Professionalisierungsansätze vermitteln.

2.2 Professionalisierungsansätze

Neben dem machttheoretischen Ansatz, auf den ich später eindringlicher eingehen werde, eröffneten sich mir durch die Literaturrecherche verschiedene theoretische Ansätze zur Professionalisierung, auf die ich aufgrund des eingeschränkten Rahmens einer Hausarbeit nur zum Teil und marginal eingehen kann. Detaillierter sind die Professionaliserungsansätze im Studienbrief der Kaiserswerther Diakonie bzw. der Dissertation von Albert nachzulesen.[7]

2.2.1 Funktionalistischer Professionalisierungsansatz

Einer der ersten Professionalisierungsansätze wurde durch Parsons im Jahr 1939 veröffentlicht. Dieser wird als Funktionalistischer Ansatz bezeichnet. Hier wird das Entstehen von Professionen mit dem Rationalisierungstrend moderner Gesellschaften erklärt, die dazu führen, dass soziales Handeln rationaler und reflexiver betrieben wird. Nach Parsons zeichnen sich die Tätigkeiten der Professionellen durch die Prinzipien: Rational-wissenschaftlich, funktional-spezifisch und universalistisch aus. Als Profession nach diesem Ansatz gelten streng genommen nur Ärzte und Juristen.[8]

2.2.2 Indikatorisch-merkmalsorientierter Professionalisierungsansatz

Ein weiterer Professionalisierungsansatz ist der indikatorisch-merkmalsorientierte. Dieser sieht Professionalisierung als Prozess, sozusagen als Professionskontinuum mit zwei Endpunkten auf einer Skala.[9]Wobei der eine Endpunkt die Profession und der andere Endpunkt Arbeit ausmacht. Die Systematisierung des Wissens kennzeichnet die Profession bzw. die Entsystematisierung die Arbeit.[10]Weitere Merkmale nach diesem Professionalisierungsverständnis sind der Zusammenschluss in einer Berufsorganisation, berufsethische Standards, spezialisiertes Wissen, Ausbildung mit dem Nachweis eines Examens sowie die Kollektivorientierung.[11]Professionen gelten nach dieser Sichtweise als gehobene Berufe mit einem gesellschaftlichen Mandat und dem entsprechenden Einkommen, Status, Prestige und Einfluss.[12]

2.2.3 Feministischer Professionalisierungsansatz

Ein anderer Professionalisierungsansatz ist der Feministische Ansatz, der erklärt wie Frauen schon im 19. Jahrhundert durch lange und teuere Studien im Bezug auf die akademisierte Bildung gewissermaßen sozial ausgegrenzt wurden. Aber auch im folgenden Jahrhundert hatten Frauen grundsätzlich nur schwer Zugang zu den klassischen männerdominierten Professionen. Eine mögliche Erklärung hierfür scheint das System der Macht- bzw. Marktökonomischen Prinzipien zu sein, die durch Männer bestimmt sind. Eine „Feminisierung" steht sogar einem fortschreitenden „Professionalisierungsprozess" entgegen, was durch empirische Forschung belegbar ist. Ein hoher Frauenanteil ist bei verschiedenen Semi-Professionen festzustellen und scheinbar ein hemmender Faktor für Professionalisierung. Ein Grund hierfür scheint z.B. die Doppelorientierung zwischen Beruf und Familie bei Lehrerinnen und Krankenschwestern zu sein.[13]

2.2.4 Hinweise auf weitere Professionalisierungsansätze

Was weitere Ansätze angeht, wie z.B. den systemischen Ansatz oder den handlungsorientierten Ansatz nachOevermann, der dem funktionalistischen Ansatz erweitert, großen Wert auf die Lebenspraxis legt und hermeneutisches Fallverstehen voraussetzt, möchte ich nicht tiefer eingehen und verweise diesbezüglich aufAlbertund außerdemOevermannstheoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns.

2.3 Der Machttheoretische Ansatz

Eine kritische Betrachtung zum Prozess der Professionalisierung leistet der Machtheoretische Ansatz. Der Prozess der Professionalisierung wird als eine Strategie von Berufen verstanden, sich Kompetenzen zu sichern und letztlich ein Monopol zu erreichen, mit dem zahlreiche materielle und immaterielle Vorteile einhergehen. Solche Strategien sind auch unter gesellschaftlichen Bedingungen zu betrachten. Bei funktionalen Ansätzen steht im Mittelpunkt, einen gesellschaftlichen Auftrag unter der Prämisse der Selbstkontrolle wahrzunehmen.[14]

Diese Berufe schließen gewissermaßen einen Vertrag mit der Gesellschaft, in dem Vertrauen, Autonomie in der Berufsausübung, Freiheit von sozialer Kontrolle durch Laien, Schutz gegen unqualifizierten Wettbewerb, beträchtliche Einkommen und hohes Prestige gegen kompetente Leistung und ein glaubwürdiges Versprechen der Selbstkontrolle eingetauscht werden. Diese Kontrolle ist zunächst jedoch die Selbstkontrolle des einzelnen Berufsmitgliedes neben anderen externen Überprüfungen, wie z.B. durch eigene Berufsorganisationen.[15]

[...]


[1]Vgl. Duden Fremdwörterbuch, 2001, S.808

[2]Vgl. Hampel, Klaus, 1983, S. 73

[3]Vgl. ebenda, S. 74

[4]Vgl. Lexikon der Soziologie, 1978

[5]Vgl. ebenda

[6]Vgl. Hampel, Klaus, 1983, S. 79

[7]siehe Literaturverzeichnis, Studienbrief Kaiserswerther Diakonie, bzw. Albert Martin, Krankenpflege auf dem Weg zur Professionalisierung

[8]Vgl. Albert, Martin, 1998, S. 33

[9]Vgl. Löser-Priester, 2002, S.14

[10]Vgl. Daheim, 1973, S. 233

[11]Vgl. Albert, Martin, 1998, S. 29

[12]Vgl. Löser-Priester, 2002, S.12

[13]Vgl. Albert, Martin, 1998, S. 40ff

[14]Vgl. Albert, Martin, 1998, S. 37

[15]Vgl. Rüschemeyer, Dietrich, 1973, S. 250ff

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638522946
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v57990
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,3
Schlagworte
Professionalisierung Pflege Profession Theoriegeleitete Pflegepraxis

Autor

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