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Formen der Geschichtsschreibung im Preußen des 15. Jahrhunderts,Die Darstellung der Belagerung der Marienburg und der Eroberung von Städten in den Quellen - Februar bis August 1454

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Geschichtliche Einordnung - Preußen im 15. Jahrhundert : Von der Gründung der polnisch – litauischen Union zum Zweiten Thorner Friede

3. Vorstellung der Quellen - Die Erste Fortsetzung der älteren Hochmeisterchronik, Die Geschichten wegen eines Bundes, Die Danziger Chronik vom Bunde

4. Aussagen und Wirkungen der Quellen im Vergleich
4.1. Historischer Kontext – das Jahr 1454
4.2. Die Darstellung der Ereignisse in den Quellen – Die Belagerung der Marienburg und die Eroberung von Städten

5. Abschließende Betrachtung

6. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Der Deutsche Orden[1] nimmt in der mittelalterlichen Geschichte eine große Bedeutung ein. Er entstand aus der Gründung eines Feldhospitals während des dritten Kreuzzugs in Jahre 1190 zur Zeit der Belagerung Akkons in Palästina. Bis zum Fall der Stadt im Jahre 1291 unterhielt der Deutsche Orden seinen Hauptsitz dort. Während dieser Zeit erwarb der Orden Besitz- und Herrschaftsrechte in Palästina, in den Heimatgebieten der Ordensritter ( Deutschland ), im Burzenland, auf dem Balkan und in Preußen. Der Orden verlagerte also seine Akitvitäten in das Baltikum. Somit ist auch die Geschichte der baltischen Staaten mit der Geschichte des Ordens eng verknüpft.

Der Deutsche Orden war aber nicht nur im Baltikum aktiv – sein Gebiet erstreckte sich vom Deutschen Reich bis zum Mittelmeer. Aber auch die vergebliche Verteidigung des Heiligen Landes zeigt die Bedeutung des Ordens im Mittelalter. Der Orden beeinflußte die Politik einer ganzen Epoche, indem er eine gut funktionierende Organisation und Verwaltung aufbaute.

Eine besondere Bedeutung bei der Erweiterung des Einflußgebiets nahmen Burgen – allen voran die Marienburg als Sitz des Hochmeisters – und Städte in Preußen ein. Im 15. Jahrhundert jedoch wurden eben diese so wichtigen Städte und Burgen von Gegner des Ordens angegriffen - die folgende Arbeit will anhand einiger ausgewählter Quellen – „Die Erste Fortsetzung der älteren Hochmeisterchronik“, „Die Danziger Chronik vom Bunde“, „Die Geschichten wegen eines Bundes“ (bis 1454) - die Formen der Geschichtsschreibung im Preußen des 15. Jahrhunderts darstellen. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen hier Beispiele für die Eroberung von Städten im Gebiet des Deutschen Ordens und die Belagerung der Marienburg. Die endgültige Eroberung der Marienburg konnte ja erst nach mehrjähriger Belagerung durch den Preußischen Bund im Jahre 1457 geschehen.

In der deutschen Geschichtsforschung nimmt der Deutsche Orden gegenüber den anderen Ritterorden - Johannitern und Templern - eine übergeordnete Rolle ein.

Während die englische und amerikanische Geschichtsforschung ihr Hauptaugenmerk auf das Wirken des Ordens im Baltikum gerichtet hat, konzentrieren sich spanische, französische und italienische Forscher auf die Aktivitäten des Deutschen Ordens im Mittelmeeraum. Allerdings schenkten die Spanier dabei dem Deutschen Orden zunächst nur wenig Aufmerksamkeit im Vergleich zu anderen Ritterorden der Region.

In Polen zeigte sich immer schon ein besonderes Interesse an Forschungen zum Deutschen Orden. Die Mediävisten beschäftigen sich besonders mit dem Orden, weil die polnische Geschichte eng mit der des Ordens verbunden ist. Polen bezieht auch heute noch einen Teil seiner Identität aus der Auseinandersetzung mit dem Orden und besonders aus der gewonnenen Schlacht bei Tannenberg 1410.

In Deutschland hat die Ordensgeschichte nicht diesen Stellenwert gehabt. Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigten sich vor allem in Westdeutschland kaum Historiker mit dieser Problematik. Ein Wandel kaum erst mit der Herausgabe der Reihe „Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens“ zustande. Diese Publikationsmöglichkeit für Forschungen zum gesamten Spektrum der Ordensgeschichte rüttelte eine Vielzahl von Mediävisten wach. Seit der Gründung der „Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens“ 1985 haben die nun regelmäßig stattfindenden Tagungen dazu beigetragen, daß das Thema „Deutscher Orden“ weniger angestrengt behandelt und von vielen Seiten beleuchtet wird.

2. Geschichtliche Einordnung - Preußen im 15. Jahrhundert :
Von der Gründung der polnisch – litauischen Union zum Zweiten Thorner Friede

Bereits im 14. Jahrhundert hatte der Deutsche Orden in Preußen seine Periode der größten Machtentfaltung und wirtschaftlichen Potentials erreicht. Der Orden bemühte sich mit dem Ausklingen des 14. Jahrhunderts, die neu gegründete polnisch – litauische Union zu zerschlagen und somit seine alleinige Macht in der Region zu behaupten.

Der Konflikt mit dem vereinigten Polen – Litauen näherte sich einer Entscheidung mit Waffengewalt, obwohl der Orden seine Ziele gegenüber Litauen, die Annexion Schamaitens und die scheinbare Anerkennung der bestehenden Grenzen, erreicht hatte[2].

Neben dem Orden und der polnisch – litauischen Union stellte die Union der skandinavischen Staaten einen bedeutsamen Machtfaktor im Staatsgefüge der Region dar. Viele der expansiven Projekte des Ordens schlugen aufgrund dieser Machtkonstellation fehl. Nur der Erwerb der Neumark durch den Deutschen Orden 1402 läßt sich als großer strategisch – politischer Erfolg bezeichnen, konnte doch so der Staat Polen territorial eingerahmt und die Verbindung mit den Ländern des Reiches des Deutschen Ordens gesichert werden.

Die Festigung der Herrschaft des Ordens über die Neumark stellte eine weitere Bedrohung für Polen dar: Großpolen war bedroht und Pommern abgeschnitten. Die Neumark entwickelte sich zu einer unmittelbaren Ursache im heraufziehenden Krieg des Ordens gegen Polen.

Dieser Jahrzehnte andauernde Konflikt um die Vorherrschaft in Preußen verschärfte sich noch mit der Herrschaft des Ordenshochmeisters Ulrich von Jungingen (1407) und dessen militärischen Vorbereitungen. Litauen schien nach der Besetzung Schamaitens durch den Orden am stärksten bedroht zu sein und dieser Umstand führte zum Kriegsausbruch 1409. Der „große Krieg[3] “ endete am 15. Juli 1410 mit einer vernichtenden Niederlage des Deutschen Ordens bei Tannenberg/ Grunwald.[4]

Dieser Erfolg des polnischen Heeres unter der Führung Jagiellos erschütterte den gesamten Ordensstaat: viele Städte, Regionen, Bistümer und Landstriche unterwarfen sich den Polen und vertrieben die Ordensherren. Allerdings konnte Hochmeister Heinrich von Plauen im selben Jahr mit Unterstützung seiner livländischen Verbündeten die Ordensherrschaft in einem Großteil des Landes zurückgewinnen.

Am 01. Februar 1411 wurde in Thorn ein Friedensvertrag geschlossen. Mit den Bestimmungen[5] dieses Friedens von Thorn kündigte sich das vollständige Verschwinden der Übermacht des Ordens im Ostseeraum an. Polen bemühte sich seit dieser Zeit aktiv um die Rückgabe Pommerellens und des Kulmerlandes – 1412 erneuert es seine Ansprüche auf die Regionen. Erneute Scharmützel zwischen den Heeren der Ordens und Polens seit Juli 1414 endeten im Oktober 1414 mit einem Waffenstillstand in Straßburg, wobei beide Seiten die strittigen Fragen dem Papst, Sigismund von Luxemburg, oder dem Konzil in Konstanz zur Entscheidung vorlegen sollten. Diese Internationalisierung des Konflikts wurde bis 1418 in Konstanz verhandelt.

Nach weiteren militärischen Auseinandersetzungen[6] zwischen dem Ordensstaat und Polen – Litauen um die Sicherung Schamaitens und die Wiedergewinnung Pommerellens wurde 1422 der Friede vom Melnosee geschlossen. Dieser Friede beendete im Grunde die politischen Aktivitäten des Ordens gegen Litauen, das sich daraufhin nach Osten ausrichtete. Auch wurde der Plan eines preußisch-livländischen Ordensstaates aufgegeben. – Der Orden ging somit geschwächt aus den Kriegen seit 1409 heraus[7].


[...]

[1] Der vollständige Name des Ordens lautete: „Brüder des Hospitals der Heiligen Maria der Deutschen in Jerusalem“ und war von Beginn an eine Vereinigung vor allem von Deutschen. Vgl. H. Boockmann: Ostpreußen und Westpreußen, Deutsche Geschichte im Osten Europas, Berlin, 1992, S. 91.

[2] Zu den Hintergründen und der Vorgeschichte des Konflikts zwischen dem Orden und der polnisch-litauischen Union, vgl. M. Biskup, G. Labuda: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen: Wirtschaft, Gesellschaft, Staat, Ideologie, Osnabrück, 2000, S. 387-391.

[3] Zum Kriegsverlauf, vgl. M. Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 394-397.

[4] Über diese Schlacht bei Tannenberg wurde in ganz Europa gesprochen, nicht nur die Chronisten der Zeit, auch ganze Generationen von Historikern nach ihnen beschäftigten sich eingehend mit der Schlacht selbst und ihren Auswirkungen.

[5] Der Orden verzichtete auf Schamaiten, das Dobriner Land und Sudauerland auf Lebzeit Jagiellos. Zudem zahlte der Orden 100.000 Schock böhmischer Groschen. Allerdings blieben Pommerellen und das Kulmerland unter Herrschaft des Ordens.

[6] Zu den weiteren involvierten Regionen und Staaten, vgl. M. Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 403-406.

[7] Die Folgen für den Orden waren spürbar: die finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht, die Gesamtwirtschaft des Ordens beinahe am Boden, die bäuerliche Wirtschaftslage verschlechterte sich zusehens, ein Großteil der polnischen Bevölkerung wanderte in die Städte ein und veränderte - nicht nur durch ein anderes Erbrecht - die Gesellschaft in der Region, die wachsende wirschaftliche Bindung Pommerellens an Polen wirkte sich nur einseitig für das Königreich Polen positiv aus, die Ritterschaft und die Städte im Ordensland lehnten sich gegen die Bestimmungen des Ordens auf, auch die erworbene Neumark brachte dem Orden keinen wirtschaftlichen Nutzen, sondern Schwierigkeiten - drohte doch ein Teil der Stände sich der Herrschaft Polens zu unterwerfen -, auch die Entstehung der Ständeverteungen in Preußen hinterließen Spuren in der inneren Verwaltung des Ordenslandes (z.B.die Gesetzgebung), die die inneren Probleme des Ordens noch verstärkten (Vgl. M. Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 414-427).

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638524230
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58151
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Historisches Seminar
Note
2.0
Schlagworte
Formen Geschichtsschreibung Preußen Jahrhunderts Darstellung Belagerung Marienburg Eroberung Städten Quellen Februar August Jahrhundert Ordensland

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Titel: Formen der Geschichtsschreibung im Preußen des 15. Jahrhunderts,Die Darstellung der Belagerung der Marienburg und der Eroberung von Städten in den Quellen - Februar bis August 1454