Lade Inhalt...

Japans Expansionskurs in China und die Aufarbeitung

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Asienkunde, Asienwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1. Militar ubernimmt Kontrolle
2.2. Japans wachsender Nationalismus

3. Zwischenfall an der Marco-Polo-Brucke
3.1. Der„ChinaZwischenfall“

4. Nanjing-Massaker
4.1. Trostfrauen
4.2. Einheit 731

5. Kapitulation und Aufarbeitung
5.1. Yasukuni-Schrein
5.2. Schulbuch Skandal

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Zweiten Weltkrieg assoziiert man in Europa meist die aggressive Expansion Nazideutschlands und Millionen von Kriegsopfern, gepaart mit einem Genozid an der judischen Bevolkerung in ganz Europa. In Vergessenheit gerat dabei zumeist der pa- zifische Kriegsschauplatz, welcher nicht weniger blutig verlief.

Die heutige politische Debatte in Fernost wird haufig von Streitigkeiten urn Inseln im Sudchinesischen Meer dominiert. Unausweichlich scheinen dabei Kontroversen zwi­schen den beiden Antipoden China und Japan zu sein. Regelmaftig fallen dabei Vo- kabeln wie Yasukuni-Schrein Oder dass Japan sich von seinem ideologischen Fa- schismus leiten lieft. Ebenfalls der Vorwurf von begangenen Kriegsverbrechen der kaiserlichen Armee an verschiedenen Ethnien wird von China erhoben. Literarische Werke in Japan, die sich mit verubten Kriegsgraueltaten seitens derjapanischen kai­serlichen Armee auseinandersetzen, sind selten zu finden. Im Gegenteil herrscht die Ansicht vor, dass dies Teil des Kolonialismus sei und vieles, das geschehen sei, le- diglich dazu gehore.

Diese Hausarbeit wird den Versuch unternehmen, die politische Ausgangslage Ja­pans ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu charakterisieren und die Entwicklung bis zum Zweiten Sino-Japanischen Krieg darzustellen. Sie wird sich auf den Verlauf des Zweiten Weltkriegs aufdem Schauplatz China und die verubten Kriegsverbrechen fo- kussieren, da es anderweitig den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen wurde. Im weiteren Verlauf soil die so haufig angeprangerte, absente Kriegsaufarbeitung durch diejapanische Regierung und Bevolkerung untersucht werden.

Zum Schluss wird erortert, ob sich Japan, hinsichtlich seiner Taten und der aus dem Zweiten Weltkrieg resultierenden bedingungslosen Kapitulation, selbst als Tater Oder in der Opferrolle sieht.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Nachdem sich Japan mit der Landung „der schwarzen Schiffe" gegenuber den Verei- nigten Staaten von Amerika Mitte 1859 offnete und damit auch die gesamte Offnung des Landes voran getrieben wurde, entwickelte sich bereits eine anschwellende Ab- neigung der japanischen Bevolkerung gegenuber den westlichen Machten (Zollner : 161-165). Als dann bis 1861 auch noch Zugestandnisse an weitere Imperialmachte gemacht werden mussten - der selbstauferlegte Protektionismus schien gescheitert - nahrte dies den japanischen Nationalismus Fukoku kyohei (reiches Land, starke Streitkrafte), in der einfachen Bevolkerung und mundete in Reformbestrebungen mit dem Motto Sonnojoi (verehrt den Kaiser, vertreibt die Barbaren) (Krebs 2009 : 5).

Auf das scheinbar unvermeidliche Ende der Tokugawa Ara folgte die Meiji-Restaura- tion, welche als ineinandergreifen von drei verschiedenen Faktoren gesehen werden kann: (1) das Eindringen der westlichen Machte seit den „Schwarzen Schiffen", (2) der Wandel der wirtschaftlichen Lage der Samurai, Kaufleute und Agrarbevolkerung, (3) sowie die innenpolitischen Auseinandersetzungen der herrschenden Elite. Japan nahm sich als kurzfristig zureichendes Ziel vor, sich nach westlichem Vorbild politisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln (Krebs 2009 : 141). 1869 wurde zunachst das traditionelle Klassensystem aufgehoben (Krebs 2009 : 9). Im Dezember 1872 wurde die dreijahrige Wehrpflicht fur alle Manner ab 20 eingefuhrt, urn eigene, zentralisti- sche Anspruche im Konfliktfall durchzusetzen (Zollner 2009 : 210-211). Der Tenno sollte von nun an wieder das Zentrum der Macht bilden (Zollner 2009 : 189).

Um seine eigene Position zu starken und gleichzeitig die russische und chinesische zu schwachen, inszenierte Japan im Februar 1894 einen Staatsstreich in Korea. Am 1. August des selben Jahres mundete dieses Wagnis im ersten Sino-Japanischen Krieg, da Korea seit 1637 unter chinesischem Protektorat stand. Diesen Krieg konnte Japan unerwartet schnell fur sich entscheiden. Die daraus resultierende Unabhangig- keit Koreas hatte zur Folge, dass sich die Halbinsel einerseits politisch von China entfernte, andererseits wirkte sie weiterem westlichen Einfluss entgegen. Japan er- hielt uberdies hinaus Taiwan als seine erste formale Kolonie. Andere Verhandlungs- erfolge wie die Abtretung der Liaodong-Halbinsel musste Japan auf heftiges Interve- nieren seitens Russland, Frankreich und dem Deutschen Reich wieder ruckgangig machen. Die offentliche Meinung in Japan war aufgebracht uber diese Tripelinterven- tion. Nichtsdestotrotz wurden im Land der aufgehenden Sonne Kriegsbilder und erst- mals Kriegslieder in grower Zahl komponiert und gesungen, was den Wunsch nach einer starken Nationalitat weiter forderte (Zollner 2009 : 273-274).

Nachdem Russland 1903 verstarkt Militar auf koreanischem Territorium aufbot, er- klarte Japan seinerseits, dass es keinerlei Interesse an der Manjurei hatte, es dem Zarenreich uberlassen wurde, wenn es sich dafur von der koreanischen Halbinsel fernhielte. Bis 1904 konnten sich beide Lander nicht einigen, am 10. Februar folgte eine beidseitige Kriegserklarung. Bis zum 5. September 1905 sollte Japan Russland eine verheerende Niederlage beibringen. Es war das erste mal, dass ein asiatisches Land eine westliche Imperialmacht im Kampf schlug (Zollner 2009 : 290). Japan eta- blierte sich dadurch als Kolonial- und Hegemonialmacht. Der schleichenden Unter- werfung Koreas folgte am 22. August 1910 die Eingliederung ins Japanische Kaiser- reich unter dem Namen Chosen (Zollner 2009 : 309).

Die mit dem Datum des 24. Oktober 1929 beginnende Weltwirtschaftskrise, wirkte sich ebenfalls verheerend fur Japan aus. So brachen Aktienpreise, Warenpreise und Produktionen ein. Auf llliquiditat im Bankensektor folgten Massenentlassungen. Der- weil spitzte sich die innenpolitische Lage zu: die Guandong Armee, die Hauptarmee der Kaiserlich Japanischen Armee, sah die Annexion von Manjurei und Mongolei als essentiellen Baustein auf dem Weg derjapanischen Groftmacht an, stieR im Kabinett aber auf Ablehnung. Daraufhin tauschte die Guandong auf einem Gleisabschnitt der sudmandjurischen Eisenbahn nahe Mudken einen Bombenanschlag vor, der in den Besetzungen Mukden, Zhangchun und Jili resultierte. Ohne Einverstandnis der Re­gierung setzte die Armee weiter im November 1931 Pu-Yi als Marionettenkaiser in der Manjurei ein, welche sie bereits, trotz internationaler Einwande, besetzte (Zollner 2009 : 355-356).

Dieses Vorgehen des Militars, den Willen der Regierung ignorierend, zeigt dass das nationalistische Gedankengut in der Bevolkerung, speziell im Militarapparat, aufkeim- te. Im Umkehrschluss unterscheidet es sich aber im Grunde nicht vom aufkommen- den Nationalismus in anderen Teilen der Welt: die USA beispielsweise verstarkten ih- ren Protektionismus, so wurde es ab 1924 Japanern fur 28 Jahre untersagt, in die USA zu immigrieren (Zollner 2009 : 350). Am 1. Marz 1931 grundete die japanische Armee den Staat Mandju Gurun, welcher aber von Inukai Tsuyoshi, Premierminister der damaligen Regierung, nicht anerkannt wurde. Inukai wurde am 15. Mai 1932 durch elf junge Marineoffiziere bei einem Attentat getotet. Dies wird ruckblickend als ein Wendepunkt der innenpolitischen Situation in Japan gewertet. Sein Nachfolger Saito Makoto, ehemaliger Generalgouverneur Koreas, gait selbst als militarischer Nationalist. Der innerpolitische Widerstand gegen das Expansionstreiben der Regie­rung kam somit zum Erliegen (Zollner 2009 : 356).

2.1. Das Militar ubernimmt die Kontrolle

Unter dem neuen militant-nationalistischen Premierminister und ehemaligen Admiral Saito Makoto, propagierte Japan eine „Regierung der nationalen Einheit". Simultan wurde auch ideologisches Gedankengut indoktriniert: Zwei Studenten weigerten sich den Yasukuni-Schrein zu besuchen, urn gefallenen Soldaten zu gedenken. Das Mili­tar verurteilte dies als Verrat am Geist der Wehrerziehung. Die Presse, welche der Regierung nahestand, formte daraus eine den mangelnden Patriotismus zugeschrie- bene Kampagne (Zollner 2009 : 360-361). Von nun an war es fur jeden Japaner obli- gatorisch, an solchen Zeremonien teilzunehmen, wie folgendes Zitat eindrucklich il- lustriert: „Studenten, Schuler und Kinder zu Schreinen gehen zu lassen, beruht auf padagogischen Grunden. Die ehrfurchtige Verbeugung, die man dabei von Gruppen von Studenten, Schulern Oder Kindem verlangt, bedeutet nur, dass man patriotische Gesinnung und Treue ausdruckt" (Zollner 2009 : 360, zit. nach Nishiyama Toshihiko).

Die erste Halfte der 30er Jahre in Japan waren von Terror und Putschversuchen durch die „Blutliga“ unter Inoue Nissho, welcher der nationalistisch-buddhistischen Nichiren-Sekte angehorte, gepragt. 1932 ereignete sich ein weiterer, folgenschwerer „Rechtsruck“, als sich Proletarierparteien zur ,,Sozialistischen Massenpartei" zusam- men schlossen, mit Araki Sadao als Schlusselfigur, mit seiner sogenannten „Fraktion vom Kaiserlichen Weg“. Die GegnerArakis vereinigten sich als „Kontrollfraktion“ zu- sammen. Zum Eklat kam es im Februar 1935, als ein ehemaliger Militarangehoriger Kritik am Staatslehrer Minobe Tatsukichi ubte, welcher indirekt auch den Kaiser als nicht „gottliche“ Verkorperung des Staatsorgans verunglimpfte. Dieser Haltung schlossen sich ebenfalls Reservistenverbande, nationalistische Gruppen und die „Fraktion vom Kaiserlichen Weg“ an. Minobe trat zuruck, seine Werke galten als ver- boten. Infolgedessen verstarkte sich das Zerwurfnis der „Fraktion vom Kaiserlichen Weg“ und der „Kontrollfraktion“, mit einem Putschversuch durch Arakis Anhanger am 26. Februar 1936 als Konsequenz. Diesen lieft Kaiser Hirohito niederschlagen. Der Putschversuch verhalf der Kontrollfraktion somit zu politischer Dominanz (Zollner 2009 : 362).

2.2 Japans wachsender Nationalismus

Wie bereits angefuhrt wurde, ruhrt das nationalistische Gedankengut zum Teil aus der erzwungen Offnung des Landes und der gebundelten Antipathie gegenuber dem Westen. Ein fur sich selbst beschlossenes System der Staatslenkung, der Protektio- nismus, fand durch Fremdeinwirkung ein Ende. Auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 starkte die militarischen und nationalistischen Sektoren, alien voran Mitsubishi, dem Thyssen Krupp Japans. Dieser dominierende Krafteblock zeichnete sich durch standigen Konfrontationskurs aus. Durch die Verfassungsanderung der Meiji-Restau- ration hatte das Militar einen direkteren Zugang zum Kaiser, wodurch unter anderem eine autokratische Einflussnahme der Militar auf die Landespolitik gegeben war (Van derPijI 1996:169-171).

Wahrend sich in Japan nun also das Militar dem Einfluss des Kaisers entzog, stand dem Expansionsdrang nichts mehr im Weg. China wurde als Dreh- und Angelpunkt fur den „Aufbau einer Neuen Ordnung Ostasiens" fixiert, wie sie am 3. November 1938 proklamiert werden sollte. Japan sprach sich demnach die dauerhafte Stabilitat in Ostasien zu gewahrleisten selbst zu. Dies sollte in Kooperation mit Manju Gurun und China in Politik, Wirtschaft und Kultur geschehen. Zum Ziel gesetzt hatte sich der „Aufbau einer Neuen Ordnung in Ostasien" die Abwehr des Kommunismus, Schutz des Volkerrechts und die Errichtung einer gemeinsamen Wirtschaftszone. Westliche Einmischung in ostasiatische Angelegenheiten wurde strikt abgelehnt (Zollner 2009 : 371-372).

Fur Japans Expansionsbegehren sollte von Vorteil sein, dass sich das Reich der Mit- te bis 1949 im Burgerkrieg zwischen der Guomindang, gefuhrt von Chiang Kai-shek, und den Kommunisten unter Mao befand. Dies beflugelte Japan dazu, die Gunst der Stunde zu nutzen und seine kolonialistischen Bestrebungen zu intensivieren. Shima- zu Nariaia, ein energischer Befurworter von Japans streben nach Macht vertrat die Annahme: „Wenn wir die Initiative ergreifen, konnen wir dominieren; wenn wir es nicht tun, werden wir dominiert." (Kissinger 2012 : 93).

3. „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brucke“

Am Abend des 7. Juli 1937 kam es in der Nahe von Beijing, damals unter Beiping be- kannt, zum sogenannten „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brucke", bei dem die Kom- panie des japanischen Ichiki Bataillons ein anti-sowjetisches Nachtmanover durch- fuhrte. Es kam zu Schusswechseln zwischen chinesischen und japanischen Militars, wobei bis heute nicht endgultig geklart werden konnte, ob es sich hierbei urn eine ge- zielte Intrige - ob von japanischer Oder chinesischer Seite - Oder aber urn einen Un­fall handelte. Dieser Zwischenfall fuhrte zu weiteren Scharmutzeln, die sich bis zum 11. Juli fortsetzten (Kuhn 1999 : 46). Um Deeskalation bemuht, schlossen beide Par- teien am 11. Juli des selben Jahres einen Waffenstillstandsvertrag. Doch noch am selben Tag propagierte die japanische Fuhrung den Vorfall als einen „planmaG>igen bewaffneten Angriff Chinas auf Japan", welcher von der japanischen Offentlichkeit massiven Zuspruch erhielt. Parallel dazu riefen auf chinesischer Seite die Kommu­nisten, unter Mao Zedong, zum Kampf gegen die Japaner auf. Auch Chiang Kai-shek forderte „unserem Endsieg nachzujagen" (Zollner 2009 : 365).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346164926
ISBN (Buch)
9783346164933
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v583715
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,3
Schlagworte
aufarbeitung china expansionskurs japans

Autor

Zurück

Titel: Japans Expansionskurs in China und die Aufarbeitung