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Minna von Barnhelm als Nachkriegsdrama

Hausarbeit 2002 8 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Siebenjährige Krieg
2.1 Preußen im Siebenjährigen Krieg
2.2 Rolle der Offiziere
2.3 Lazarettwesen

3. Nachkriegssituation – allgemein und im Drama
3.1 Freibataillone
3.2 Desertion
3.3 Kriegsgeschädigte und Invalidenversorgung
3.4 Bettlerei
3.5 Allgemeines Elend
3.6 Geldgeschäfte und Finanzkrise

4. Die Figur Major Telheim

5. Schluß

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Drama Minna von Barnhelm nicht im Zusammenhang mit dem Siebenjährigen Krieg und dessen Auswirkungen zu betrachten erscheint unsinnig. Vielmehr ist es geradezu zwingend erforderlich sich ein Bild über die damaligen Verhältnisse in Preußen, die militärischen Strukturen und die gesellschaftlichen Begebenheiten, die durch den Krieg hervorgerufen wurden, zu machen.

Daher beschäftige ich mich im ersten Teil meiner Arbeit kurz mit den Kriegsjahren. Das zweite Kapitel beschreibt dann umfangreicher die Lage nach Kriegsende. In beiden Kapiteln nehme ich Bezug auf das Drama, sofern Anlass dazu gegeben ist. Im dritten Abschnitt befasse ich mich mit der Dramenfigur des Major Tellheim und versuche zu erläutern, ob diese Figur den Standard eines preußischen Offiziers, wenn auch eines abgedankten, und den wirklichen Umständen entsprach.

Zur Quellensituation lässt sich sagen, dass an Sekundärliteratur über das Drama an sich einiges gefunden werden kann. Zur Bearbeitung meines Themas war jedoch ein großer Teil davon kaum brauchbar. Größtenteils berufe ich mich daher auf die Abhandlung Joachim Dycks, der es, wie ich meine, sehr gut verstand, die Umstände der damaligen Zeit, sowohl die militärischen, als auch die sozialen, wiederzugeben und verständlich zu machen.

2. Der Siebenjährige Krieg

2.1 Preußen im Siebenjährigen Krieg

Um das von Friedrich den Großen im 1. und 2. Schlesischen Krieg eroberte Schlesien zurückzugewinnen, verbündete sich Österreich u.a. mit Russland und Frankreich. Preußen stand nur im Bunde mit Großbritannien. Nach Siegen und Niederlagen beider Seiten konnte sich Preußen nach dem Ausscheiden Russlands durchsetzen und im Frieden von Hubertusburg seine Großmachtstellung behaupten.

Die Kriegserfolge verdankte Preußen der militärischen Stärke, die durch die von König Friedrich II. verkündete Forderung nach „Disziplin, Gehorsam und Pünktlichkeit“ zu maximieren versucht wurde. Selbst die leiseste Kritik an Anordnungen eines Ranghöheren war strengstens verboten. Zudem wurden Offiziere sogar angewiesen, sich allen Umgang mit Bürgerlichen zu enthalten, um ihre ganze Aufmerksamkeit dem Militärapparat zukommen zu lassen.[1]

1.2 Rolle der Offiziere

Zu dieser Zeit setzte sich der Offiziersstand ausnahmslos aus Personen des Adels zusammen und galt als erster Stand der Gesellschaft. Dennoch betrachtete der Kriegsherr Friedrich II. seine Offiziere als bloßes Werkzeug, das in allen Fällen austauschbar sei. Weiterhin konnten die Offiziere vom Sold nicht standesgemäß leben. In ihrer Funktion als Kompaniechef waren sie so etwas wie Unternehmer auf Gewinn und Verlust, und mussten mit dem zur Verfügung stehendem Geld haushalten, konnten aber auch z.B. durch Handel die Kriegskasse aufbessern.[2] Aus zeitgenössischen Quellen wurde ermittelt, dass Major Tellheim mit seiner Kompanie 2700-3000 Taler im Jahr verdienen konnte, was heutzutage rund 60000-70000 € entspricht.[3]

1.3 Lazarettwesen

Da Just einige Zeit im Lazarett lag(I,8), werde ich mich auch kurz mit diesem Aspekt befassen. Just sagt selber, dass Tellheim ihn dort hätte krepieren lassen sollen. Wahrscheinlich wäre das passiert, hätte Tellheim nicht eingegriffen, denn um das preußische Lazarettwesen war es nicht gut bestellt, insbesondere im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Zum einen war die medizinische Versorgung und die Zahl der Ärzte unzureichend, zum anderen war das Befördern der Verwundeten vom Schlachtfeld auf Befehl des Königs untersagt, was dazu führte, das den erst nach Schlachtende Eingelieferten kaum noch geholfen werden konnte und die Zahl der Kriegsopfer auf preußischer Seite mit 180.000 Soldaten sehr hoch war.

2. Nachkriegssituation – allgemein und im Drama

2.1 Freibataillone

Die preußischen Freibataillone setzten sich hauptsächlich aus ausländischen Soldaten zusammen, wodurch das Ansehen dieser Truppenteile bei den einheimischen Einheiten verhältnismäßig gering war. Nach Kriegsende wurden diese Bataillone aus Kostengründen aufgelöst. Insgesamt waren 15000 Männer davon betroffen, sodass Offiziere wie Mannschaftssoldaten ab 1763 ziellos umherirrten.

Major Tellheim, aus Kurland stammend und damit ebenfalls Ausländer in Preußen, traf zusammen mit seiner Einheit das gleiche Schicksal.[4]

2.2 Desertion

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Desertion Armeeangehöriger in Preußen in den Zeiten stärker anstieg, in denen es schlechter um das Land stand. In und nach dem Siebenjährigen Krieg war dies der Fall. Kröger meint sogar, dass die Desertion, trotz harter Strafen, gang und gäbe war.[5]

Auch Tellheims Einheit ist davon betroffen. Deutlich wird dies im Gespräch zwischen Franziska und Just in Kapitel III,2. Auf die Frage Franziskas, wo denn die anderen Bedienten des Majors seien, antwortet Just mit „dahin, dorthin, überall hin“.

Die Einzelfälle im Drama sehen folgendermaßen aus. Wilhelm ist mitsamt der Garderobe des Majors bei Nürnberg stiften gegangen. Der Jäger Fritz muss für drei Jahre ins Gefängnis, weil man ihn beim Versuch sechs Mann die Flucht zu verschaffen erwischt. Der Kutscher Martin wird gehängt, nachdem er sich mit dem letzten Reitpferd Tellheims auf und davon macht. Dem Läufer Fritz ereilt dasselbe Schicksal, da er u.a. auf Tellheims Namen Schulden macht und vom Major daraufhin dem Galgen übergeben wird.

[...]


[1] Dyck 46f

[2] Dyck 101, 104, 107f

[3] Dyck 108

[4] Dyck 83-85; Kröger 18

[5] Kröger 17

Details

Seiten
8
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638135832
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5845
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Fachbereich für Geistes- und Erziehungswissenschaften
Note
2+
Schlagworte
Minna Barnhelm Nachkriegsdrama

Autor

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Titel: Minna von Barnhelm als Nachkriegsdrama