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Wilhelm von Humboldt und seine Theorie der Bildung

Hausarbeit 2006 24 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung, Fragestellung, Eingrenzung

2. Das Leben des Wilhelm von Humboldt
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Wilhelm von Humboldts Lehrer Johann Heinrich Campe
2.3 Studienzeit und beruflicher Werdegang

3. Humboldts Bildungsverständnis
3.1 Bildungsbegriff
3.2 Theorie der Bildung des Menschen
3.3 Verhältnis Mensch- Welt
3.4 Zweck und Bestimmung des Menschen

4. Bildungsreform
4.1 Allgemeinbildung
4.2 Gliederung des Bildungsganges
4.2.1 Elementarunterricht
4.2.2 Schulunterricht
4.2.3 Universitätsunterricht
4.3 Lehrerbildung

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

7. Internetadressen

„ Der Universität ist vorbehalten, was nur der Mensch durch und in sich selbst finden kann, die Einsicht in die reine Wissenschaft. Zu diesem Selbst- Actus im eigentlichsten Verstand ist nothwendig Freiheit, und hülfreich Einsamkeit, und aus diesen beiden Punkten fließt zugleich die ganze äußere Organisation der Universitäten.“

Wilhelm von Humboldt im Litauischen Schulplan, 1809

1. Einleitung, Fragestellung, Eingrenzung

Diese Hausarbeit entstand zur Vertiefung der Vorlesung „Einführung in die Bildungstheorie“ im Rahmen des Grundstudiums und dient dem Erwerb eines Leistungsscheines. Wenn in Deutschland von Bildung und Universitäten gesprochen wird, fällt immer wieder der Name Humboldt. Den meisten Menschen ist er bekannt als Miturheber der heutigen Humboldt- Universität zu Berlin. Aber Humboldt war deutlich mehr. Er war preußischer Resident in Rom, Reformator des preußischen Bildungswesens, Diplomat im Befreiungskrieg und Bevollmächtigter auf dem Wiener Kongress. Humboldt war, kurz gesagt, sehr vielfältig. Wilhelm von Humboldt hatte ein ganz spezielles Verständnis von Bildung. Als Beispiel dafür sprach er fünf Sprachen fließend. Dazu gehörten unter Anderem Latein und Griechisch. Er wurde aber auch nicht müde noch weitere zu erlernen. Um etwas zum Bildungsverständnis von Friedrich Wilhelm Christian Karl Ferdinand Freiherr von Humboldt sagen zu können und dies auch richtig zu bewerten, ist es notwendig, seine Biografie zu betrachten. Dieser Abschnitt gliedert sich in drei Teile, die Kindheit und Jugend, seinen Lehrer Johann Heinrich Campe, sowie die Studienzeit und sein beruflicher Werdegang. Danach geht es um Grundsätze Wilhelm von Humboldts. Dabei werde ich speziell auf den Bildungsbegriff, seine Theorie der Bildung des Menschen, das Verhältnis Mensch und Welt und auf die Bestimmung des Menschen eingehen. Der letzte inhaltliche Teil beschäftigt sich mit der von ihm initiierten Bildungsreform. Genauer werden die Allgemeinbildung, die Lehrerbildung und die Gliederung des Bildungsganges beschrieben. In der Schlussbemerkung werde ich versuchen, die Frage nach der Aktualität und noch bestehenden Umsetzungen der damaligen Bildungsreform.

2. Das Leben des Wilhelm von Humboldt

Friedrich Wilhelm Christian Karl Ferdinand Freiherr von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren[1]. Zu diesem Zeitpunkt litt Preußen noch unter den wirtschaftlichen Folgen des siebenjährigen Krieges. Preußen hatte aber sein Staatsgebiet durch die polnische Teilung erweitern können und war durch den Frieden von Hubertusburg als Großmacht anerkannt worden[2]. Humboldts Vater war nach Kriegsende auf Grund einer schweren Brustverletzung als Major verabschiedet wurden.

2.1 Eltern, Kindheit und Jugend

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Die Familie Humboldt stammt aus Pommern und war eine strebsame und tüchtige Familie von Beamten und Offizieren im Dienste der Hohenzollern. Wilhelm von Humboldts Vater Alexander Georg von Humboldt (1720- 1779) (siehe Abbildung) war preußischer Offizier und nahm an den drei schlesischen Kriegen teil. Vier Jahre nach Ende seiner Dienste in der Armee wurde er zum Kammerherrn der Gemahlin des Thronfolgers. Aus dieser Anstellung wurde er 1769 wieder entlassen. Er gehörte bis zu seinem eigenen Tod dem Freundeskreis von Friedrich Wilhelm II. an. In der Literatur wird Humboldts Vater als liebenswürdiger und geschmackvoller Mann beschrieben, der leider viel zu früh stirbt. Zum Zeitpunkt seines Todes war Wilhelm gerade zwölf Jahre alt.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]1766 heiratete der 46- jährige die um mehr als zwei Jahrzehnte jüngere Marie Elisabeth Colomb (siehe Abbildung rechts). Die Mutter von Wilhelm von Humboldt brachte nicht nur materiellen Reichtum mit, wie zum Beispiel das Schloss Tegel, sondern auch „ein weitgespanntes europäisches Bluts- und Kulturerbe“[3]. Dieses Blut- und Kulturerbe, gemischt mit dem pommerschen Erbe, eröffnete den Brüdern Wilhelm und Alexander später ein breites Wirkungsfeld. Durch das frühe Sterben ihres Mannes und dem Vater ihrer Kinder hatte Frau von Humboldt die ganze Last der Verantwortung für die Erziehung der beiden Brüder allein zu tragen[4].

Wie die meisten aristokratischen Kinder der damaligen Zeit, besuchten auch Wilhelm und Alexander von Humboldt nie eine öffentliche Schule. Sie erhielten Privatunterricht. Von 1769 bis 1777 oblag die Erziehung und Ausbildung dem Hauslehrer des älteren Stiefbruders, Joachim Heinrich Campe. Ab dem Jahre 1777 unterrichtete dann Gottlob Johann Christian Kunth Wilhelm und Alexander in den Fächern Mathematik, Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch und Geschichte. Kunth konnte außerdem durch seine Verbindungen zu bedeutenden Wissenschaftlern veranlassen, dass der Unterricht durch Privatvorlesungen zu den Themen: Nationalökonomie, Staatsrecht und Statistik, Naturrecht, Philosophie und Botanik ergänzt wurde. Dieses sehr große und allgemeine Wissen sollte die Brüder auf ein Studium an einer Universität vorbereiten. Ab dem Wintersemester 1787/ 1788 studierte Wilhelm von Humboldt für ein Semester in Frankfurt/ Oder um Ostern 1788 an die Universität Göttingen zu wechseln, und verfolgte das Ziel, sein Studium für Jurisprudenz und Altertumswissenschaften fortzusetzen.

2.2 Wilhelm von Humboldts Lehrer Johann Heinrich Campe

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Johann Heinrich Campe(siehe Abbildung) wurde 1746 bei Holzminden als Sohn eines Kaufmanns und einer Pfarrerstochter geboren. Er studierte in Helmstedt und Halle Evangelische Theologie und Philosophie. Während des Studiums verdient er sich schon ein wenig Geld durch das Schreiben von Gedichten. 1769 wird er Hofmeister der Familie Humboldt in Tegel und kurz darauf Lehrer und Erzieher von Wilhelm und Alexander von Humboldt. Er war als Pädagoge immer sehr engagiert und hauptsächlich mit damals sehr neuen aufklärerisch- philanthropischen Ideen à la Rousseau beschäftigt. Diese Leistungen würdigte man damit, dass er damit beauftragt wurde das Landschulwesen zu reformieren und berief ihn nach Braunschweig. In dieser Zeit entstand auch ein wichtiges Werk von Campe: „Joachim Heinrich Campe, Allgemeine Revision des gesamten Schul- u. Erziehungswesens, 16 Bde., Braunschweig 1785-91.“ Aber Campe scheiterte in Braunschweig bei dem Versuch einer Reform, da er deutlichen Widerstand gegen zu viel Volksbildung bekam[5]. Er übersetzte auch Bücher in eine für Kinder verständliche Literatur wie zum Beispiel seine freie Übersetzung und Bearbeitung des Robinson Crusoe von Daniel Defoe in den Robinson der Jüngere. Dieses Buch wurde in viele Sprachen übersetzt. Campe war sehr vielseitig. Das beweist auch, dass er für zahlreiche Fremdwörter Eindeutschungen entwickelte[6]. Johann Heinrich Campe starb 1818 in Braunschweig.

2.3 Studienzeit und beruflicher Werdegang

Ab dem Wintersemester studierte Wilhelm von Humboldt, wie bereits erwähnt, Jurisprudenz und Altertumswissenschaften in Frankfurt/ Oder. Im Jahr darauf wechselte er zu Ostern an die Universität nach Göttingen. Nach seinem Wechsel an die Universität Göttingen hörte er dort neben den Vorlesungen seiner Fächer auch Vorlesungen von Lichtenberg und Schlözer[7] und beschäftigte sich im Selbststudium mit Immanuel Kant[8] und seiner kritischen Philosophie. In den Vorlesungen von Christian Gottlob Heyne[9] nahm Humboldt sehr interessiert Wissen zum Thema Neuhumanismus auf. Im Juli 1789 beendete Humboldt sein Universitätsstudium und unternahm mit Campe eine Bildungsreise nach Frankreich. Dort erlebte er die französische Revolution in ihrem Anfangsstadium in Paris mit.

Nach Beendigung der Reise trat Humboldt eine Stelle als Auskultator[10] am Stadtgericht in Berlin an, um bald darauf Referendar beim Kammergericht in Berlin zu werden. Es folgten weitere juristische Verwendungen, denen Humboldt wenig Freude abgewinnen konnte.

Durch die Hochzeit mit Caroline von Dacheröde [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (siehe Abbildung rechts) zog sich Humboldt in deren thüringische Landgüter in Weimar und Erfurt zurück. Wenig später widmete er sich dem Selbststudium in Jena. Zu dieser Zeit verfasste er einige Artikel und führte regen Gedankenaustausch mit Goethe, Schiller, Fichte, Schlegel und Wolf.

Im Mai 1802 wurde Humboldt zum Gesandten Preußens am Heiligen Stuhl in Rom berufen. Diese staatliche Tätigkeit übte er bis 1808 aus. Dieses Amt gefiel ihm vermutlich auch wegen der Möglichkeit zur Vertiefung seines Studiums der Antike sehr. Diese Tätigkeit war Voraussetzung für sein späteres Amt als Cultus- und Unterrichtssektionsleiter im Preußischen Innenministerium. 1808 ging er zur Klärung einiger familiärer Angelegenheiten aus Rom weg. Freiherr von Stein hatte als Staatsminister vorgeschlagen, Wilhelm von Humboldt als Leiter des preußischen Unterrichtswesens zu beauftragen. Stein wurde von Humboldts früherem Lehrer Kunth auf Humboldt aufmerksam gemacht, denn dieser war seit 1805 Mitglied im Generaldirektorium und enger Vertrauter Steins. Humboldt konnte sich jedoch nicht gleich für das Amt begeistern, da er lieber in Rom geblieben wäre und bat deshalb um Absehung. Er nahm diese Stelle dann am 28. Februar 1809 doch an. „Als geheimer Staatsrat und Sektionschef organisierte er von nun an die Neugestaltung des Bildungswesens in Preußen“[11]. Ziel der Bildungsreform sollte es sein, ein allgemein gebildetes, dem Staat verbundenes Volke heraus zu bilden, und das voran Treiben der Alphabetisierung Preußens. Am 29. April 1810 reichte Humboldt sein Entlassungsgesuch ein und gab sein Amt des Leiters der Sektion am 23. Juni 1810 ab. Grund dafür soll gewesen sein, dass er seine untergeordnete Stellung im Staatsrat nicht länger akzeptieren wollte.

[...]


[1] Kopetz, Hedwig: Forschung und Lehre : die Idee der Universität bei Humboldt, Jaspers, Schelsky und Mittelstraß. Wien: Böhlau, 2002. S.35.

[2] Vgl.: Steinberg, Heinz: Wilhelm von Humboldt. Berlin : Stapp, 2001.S. 7.

[3] Berglar, Peter: Wilhelm von Humboldt. 9. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt- Taschenbuchverlag, 2003. S.17.

[4] Vgl. Berglar: Wilhelm von Humboldt, 2003. S. 16ff.

[5] Vgl. Tenorth, Heinz- Elmar: Geschichte der Erziehung: Einführung in die Grundzüge neuzeitlicher Entwicklung. 3. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Weinheim: Juventa- Verlag, 2000. S. 91.

[6] Vgl. Berglar: Wilhelm von Humboldt, 2003. S. 20 .

[7] „August Ludwig Schlözer, ab 1803 von Schlözer (* 5. Juli 1735 in Gagstatt, † 9. September 1809 in Göttingen, Niedersachsen) war ein deutscher Historiker, Philologe, Pädagoge und Statistiker der Aufklärung.“

http://de.wikipedia.org/wiki/August_Ludwig_Schl%C3%B6zer

[8] „Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 Königsberg) gilt als einer der bedeutendsten Philosophen.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant

[9] “Christian Gottlob Heyne (* 25. September 1729 in Chemnitz; † 14. Juli 1812 in Göttingen) war ein deutscher Professor und Bibliothekar, der sich mit Altertumswissenschaft, Klassischer Philologie, Sprachforschung und Archäologie befasste.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Gottlob_Heyne

[10]„Ein Gerichtsreferendar oder Auskultator (von lat. auscultator: Zuhörer) ist ein Jurist mit dem ersten juristischen Staatsexamen, der seine Referendarszeit (praktischer Teil der Juristenausbildung) bei Gericht absolviert. Der Begriff ist nicht mehr gebräuchlich. Es wird heute nur noch die Bezeichnung (Rechts-) Referendarin bzw. (Rechts-)Referendar verwendet.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtsreferendar

[11] Max, Pascal: Wilhelm von Humboldts Vorstellungen zur Neuordnung des öffentlichen Schulwesens und deren Beurteilung im deutschsprachigen Raum während des 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main: Haag und Herrchen, 1996. S. 20.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638528139
ISBN (Buch)
9783638908528
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58681
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Wilhelm Humboldt Theorie Bildung Allgemeine Pädagogik

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