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Alterskunst als umgekehrte Maieutik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 20 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Sokrates
3.1 Die Entstehung des Begriffs Maieutik

4. Exkurs über die Hebammenkunst
4.1 Die sokratische Maieutik
4.2 Die sokratische Maieutik übertragen auf die Pädagogik

5. Die umgekehrte Maieutik

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Im Folgenden beschäftige ich mich mit dem Thema „Alterskunst als umgekehrte Maieutik“. Um den Zugang zu der Thematik zu erleichtern, werde ich zuvor den Begriff der Maieutik klären, der auf Sokrates zurückzuführen ist. Da die Maieutik eng mit seinem Leben verbunden ist, werde ich hierzu eine kurze Übersicht geben, um anschließend die Entstehung von Begriff und Methode vorzunehmen. Wie also ist Sokrates auf den Begriff der Maieutik gestoßen? Was will er damit ausdrücken?

Darüber hinaus werde ich die Maieutik auf die Pädagogik übertragen, was sich am Beispiel von Sokrates Dialog mit Theaitetos gut verdeutlichen lässt. Ferner werde ich untersuchen, inwieweit sich die Maieutik auf das heutige Schulsystem übertragen lässt, beziehungsweise welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um sie in der Schule anzuwenden.

Anschließend beschäftige ich mich mit der Alterskunst als umgekehrte Maieutik und versuche zu klären, wie eine umgekehrte Maieutik auszusehen hat und angewandt werden kann.

In meinem Resümee werde ich abschließend die wichtigsten Punkte zusammenfassen sowie die Bewertung des Referats vornehmen.

3. Sokrates

Da der Begriff der Maieutik auf Sokrates zurückzuführen ist, möchte ich zuerst eine kurze Übersicht über Sokrates und dessen Leben geben und im Anschluss daran auf die Entstehung der sokratischen Maieutik und die damit verbundenen Konsequenzen eingehen.

Sokrates wurde um das Jahr 469 v. Chr. im Demos Alopeke geboren. Sein Vater Sophróniskos war ein angesehener Bildhauer. Seine Mutter Phainarete führte den Beruf einer Hebamme aus. Somit wurde Sokrates in die gehobene Mittelschicht Athens hineingeboren.[1]Während seiner Jugend war Sokrates von den Berufen seiner Eltern sehr begeistert. Besonders die Fähigkeit seiner Mutter hatte es im angetan und so hat er sich später oft auf sie berufen, um Gleichnisse, die seine Philosophie anschaulicher machen sollten, am Beruf der Hebamme zu erklären.

Er führte philosophisch-pädagogische Gespräche, die später von Platon überliefert wurden. Des weiteren entwickelte er erzieherische Methoden und versuchte, mit Leuten aller Schichten, jeden Alters und Geschlechts ins Gespräch zu kommen. Oft wurden dabei banale, manchmal auch mathematische und philosophische Fragen ins Gespräch gebracht.

Sokrates nahm an, dass in jedem Menschen ein bestimmtes Wissen liegt. Dieses Wissen wollte er durch bestimmte Befragungsarten herauslocken, sozusagen eine existierende Idee durch Erziehung herausziehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um 399 v. Chr. wurde der damals 70 jährige Sokrates von Anytos und Lykon, zwei angesehenen Männern aus Athen, angeklagt. Allerdings war der damals bekannte Meletos der Hauptkläger. Sokrates hatte sich also gegenüber einer öffentlichen Klage zu verantworten.[2]

Der Gerichtshof, vor dem sich Sokrates zu verantworten hatte, bestand aus 501 Geschworenen, wie es bei größeren Prozessen üblich war.

Der Wortlaut der Anklage ist derjenige, der bei Diogenes Laertios, Xenophon und Platon vorkommt:

Zur Niederschrift gegeben und beschworen hat dies Meletos, der Sohn des Meletos aus Pitthos, gegen Sokrates, den Sohn des Sophróniskos aus Alopeke: Sokrates handelt rechtswidrig, indem er die Götter, die der Staat anerkennt, nicht anerkennt und andere, neuartige göttliche (dämonische) Wesen einzuführen sucht; er handelt außerdem rechtswidrig, indem er die jungen Leute verdirbt. Strafantrag: der Tod.[3]

Das Orakel von Delphi, welches zu seiner Zeit die Allwissenheit darstellte, hatte Sokrates als den klügsten Mann seiner Zeit betitelt.[4]Ferner hatte es Sokrates von Geburt an von jeder Erziehung freigesprochen, da er etwas in sich trage, dass an die Stelle des Orakels und jeder anderen Fremderziehung treten würde.

Sokrates selbst bezeichnete dieses „Etwas“ später als seinen „daimónion (Daimon), als seinen Vermittler zwischen ihm und Gott oder Göttin. Der Daimon war seine innere Stimme auf die er hörte, wenn er nicht mehr weiter wusste.[5]Sokrates glaubte, dass sie ihn in seinem Handeln leiten würde. Er erwähnte seine innere Stimme noch kurz vor seinem Tode. So wies er darauf hin, dass dasdaimónionihm nicht davon abgeraten habe, sich dem Prozess zu stellen.[6]

Heutzutage würde man wohl eher von „Gewissen“ sprechen, das einen Menschen leitet und den Weg weist.

Der Daimon gestaltete seinen Entwicklungsweg und ist der Impulsator seiner Selbsterziehung. Seine Selbstführung bahnte sich somit von Entscheidung zu Entscheidung ihren eigenen Weg. Sokrates hatte diesen Daimon in sich als sein integrales Selbst manifestiert, und so vollzog sich bei ihm eine Selbstinitiation. Da er nur an seine Daimon als wahren Gott glaubte, hatte er die Initiation der athenischen Stadtmysterien vermieden.

Da alles Existierende vergöttert wurde, war der Götterglaube gleichzeitig auch der Staatsglaube. Verachtete nun jemand wie Sokrates diesen Glauben, dann verachtete er auch den Staat. Daher war, in der Augen der Griechen, eine Bestrafung notwendig und ein Prozess unausweichlich.

Ferner warfen ihm seine Ankläger vor, dass er sich ein Wissen anmaßen würde, dass allein den Göttern vorbehalten war und „daß Sokrates mit seiner ehrfurchtslosen Haltung den Göttern gegenüber die Grundlagen des gemeinsamen Lebens [...] in Frage stellt und damit die Stadt von Grund auf gefährdet.“[7]

Sokrates verteidigte sich vor Gericht selbst, was durchaus der attischen Prozessordnung entsprach. Zwar bestand die Möglichkeit, eine vorgefertigte Rede eines Schreibers anzunehmen, doch Sokrates lehnte dieses bestimmt ab.[8]

Schließlich wurde Sokrates wegen Verletzung des Götterglaubens und Verführung der Jugend zum Tode verurteilt. Von 501 Richter waren 281 für den Tod und 220 dagegen.[9]

Ein Ankläger wurde später ebenfalls verurteilt.

Sokrates verbrachte eine ungewöhnlich lange Zeit zwischen Todesurteil und dessen Vollstreckung, da die Urteilsverkündung in einen Zeitraum fiel, in dem keinerlei Todesstrafen ausgeführt werden durften.

[...]


[1]Vgl. De Crescenzo: Geschichte der griechischen Philosophie, S. 11

[2]Vgl. Platon : Apologie des Sokrates, S. 99

[3]Ebd. , S. 100

[4]Vgl. Platon: Apologie des Sokrates, S. 111

[5]Vgl. ebd., S. 101

[6]Vgl. Kemper: Erziehung als Dialog, S. 190

[7]Ebd., S. 181 f.

[8]Vgl. ebd., S. 103

[9]Vgl. Kemper: Erziehung als Dialog, S. 188

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638528252
ISBN (Buch)
9783656522980
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58701
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Schlagworte
Alterskunst Maieutik Hauptseminar Alter Beruf

Autor

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Titel: Alterskunst als umgekehrte Maieutik