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Die Vergeblichkeit der Satire in Jean Pauls "Des Luftschiffer Giannozzo Seebuch"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 27 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

Einführung zum Thema

Vorrede

Erste Fahrt

Zweite Fahrt

Dritte Fahrt

Vierte Fahrt

Fünfte Fahrt

Sechste Fahrt

Siebente Fahrt

Achte Fahrt

Neunte Fahrt

Zehnte Fahrt

Dreizehnte Fahrt

Vierzehnte Fahrt

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Der Traum vom Fliegen mag so alt sein, wie die Menschheit selbst. Sich in die Lüfte zu erheben, die Freiheit zu empfinden, losgelöst zu sein vom Irdischen, wie ein Vogel die Welt aus einer erhabenen Perspektive zu überschauen, den Sternen näher und doch mit dem Unten, auf dem alles Leben existiert, verbunden zu sein.

Unter anderem durch Blanchard rückte diese Vision in den Bereich des Möglichen. Er „hatte schon 1781 ein Flugschiff gebaut, das sich allerdings nicht vom Boden erheben konnte, und 1782 in Paris ausgestellt: nach seinem ersten Aufstieg am 2. März 1784 in Paris – mit einem Ballon, für dessen Gondel er die Schiffskonstruktion beibehielt“[1] bereiste er eine Anzahl deutscher Städte. Die Literatur reagierte auf „die Eroberung des Luftraumes“[2] nicht nur mit „feierlichen Gedichten“. „ Speziell der mehrfach angesagte, verschobene und schließlich ganz abgeblasene Aufstieg des Barons Lütgendorf – des ersten deutschen Luftschiffers – 1786 in Augsburg löste eine wahre Flut an ironisch-satirischen Kommentierungen aus.“[3]

Es ist davon auszugehen, dass Jean Paul über den wachsenden Fortschritt der Luftschifffahrt unterrichtet war. So kritisierte „der von Jean Paul geschätzte ... Jonas Ludwig von Heß“[4] die Aeronauten, welchen es allgemein um des Wettbewerbs willen „nur auf die Höhe, nicht auf den Raum“ ankomme, ehrgeizig und um neue Rekorde heischend. Meiner Meinung nach möchte der Luftschiffer Giannozzo aus diesem Grunde sein Luftschiffsjournal unter dem Titel „Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten“ herausgegeben wissen. In Jean Pauls Werk findet man tatsächlich keine technischen Angaben den Flug des Siechkobels betreffend, derartige Informationen scheinen wohlweißlich ausgelassen; der Matrose, wie er sein sollte, begnügt sich mit einer bildhaften Darstellung seiner Beobachtungen aus einer bisher fremden, erdentfernten Position. Auch der Name, den Giannozzo seinem Luftschiff verleiht, Siechkobel, soll, entgegengesetzt zu den prunkvoll Benannten jener Zeit, nicht die Freude ausdrücken, die ein Ballonreisender erfährt, wenn er sich über die Welt erhebt, sondern eher das Leid schildern, welches aus den erschütternden Beobachtungen der, im wahrsten Sinn des Wortes, menschlichen Abgründe erwächst. „Der Satiriker lässt sich auf die Beschwernisse dieser Welt ein und erhofft sich vom Leser ein Gleiches. Er tut dies, obwohl er sich dabei eines doppelten Risikos bewusst ist, nämlich entweder zu seinen Lebzeiten unpopulär zu sein oder von der Nachwelt vergessen zu werden“[5] wohl auch aus diesem Grunde hofft Giannozzo, dass sein Werk posthum gefunden und veröffentlicht werde.

Der komische Anhang zum Titan, die Satire „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“, kann als jene definiert werden, nicht nur durch „die Verwendung von Sarkasmus, Ironie und Spott usw. in Wort und Schrift, um Laster, Torheit, Missbräuche und Übel aller Art aufzuzeigen, bloßzustellen oder lächerlich zu machen.“[6] Alleine die Konzeption eines Giannozzo, der, so weit er sich doch von dem Unten entfernt wissen möchte, dennoch ganz in ihm verhaftet ist, der, wutentbrannt die menschlichen Defizite angreifend, doch ungehört bleibt, der, so sehr ihm das Alleinsein verhasst ist, einsam in seinem Siechkobel die Welt bereist.

Im Folgenden werde ich mich damit beschäftigen, inwiefern diese Satire, die Bemühungen des Giannozzo im Komischen Anhang, vergeblich ist, nicht diese Menschen trifft, auf die sie sich bezieht, und auf welche Weise dies zum Ausdruck gebracht wird. Hierbei werde ich chronologisch vorgehen, also „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“ Kapitel für Kapitel analysieren, um einen gewissen Überblick zu wahren.

Vorrede

Die Vorrede Jean Pauls zum komischen Anhang weist darauf hin, dass ein doppeltes Publikum angesprochen wird. Jean Paul spricht weniger den „Leser von Verstand“ an, welcher wohl die Kritik der Satire aufnimmt und der persona, der Maske Giannozzo, gewahr ist, als den „andern“ Leser, der nicht von sich aus fähig zu sein scheint, einen Unterschied zwischen Autor und Giannozzos Charakter zu machen, obgleich die Namen Jean und Giannozzo ausgesprochen nahezu dem gleichen Klangmuster entsprechen. Es bleibt nur zu sagen, dass keine zufälligen Gemeinsamkeiten bestehen, sondern gewiss gewollt sind. „Ein Teil der Zuhörer lässt sich durch die Oberflächenbedeutung der Worte täuschen, ein anderer Teil begreift den verborgenen Sinn und lacht mit dem Autor auf Kosten der Betrogenen.“[7] Schon zu Beginn wird von den Freunden Giannozzos, wozu ich die verständige Leserschaft zähle, gesagt, ihnen seien „Menschen ohne allen poetischen und philosophischen Geist viel zu verhaßt“[8], dem gegenüber wird die „Partei der Leute“ gestellt, „denen alles Kräftige Gift“ ist. Genau aus diesem Gift besteht der komische Anhang, auch wenn Jean Paul seine Vorrede mit dem Wunsch beschließt: „Und nun geb´ uns allen der Himmel... einige Artigkeit gegeneinander!“[9]

Erste Fahrt

Giannozzo, der sich selbst als „Schwarzkopf im grünen Mantel“ beschreibt, erhebt sich nicht nur körperlich, vielmehr durch seinen Spott über das Unten, welches ihm so sehr verhasst ist. Ein wesentliches Thema der Satire, die Religion, wird gleich in den ersten Zeilen aufgegriffen, wobei er die Christen als Wochenmenschen bezeichnet. Ich interpretiere dies folgendermaßen, vielleicht auch etwas weitgegriffen, dass ein Wochenmensch einmal die Woche, des Sonntags, die Kirche betritt, um Gott nahe zu sein, die Beichte abzulegen, um somit, der Sünde rein, wieder Mensch zu sein. Den Allermannsseelen, welchen unheilige Bücher verboten sind, sollten eher die Heiligen verboten sein, wohl weil deren geistiger Gehalt weniger in das Verständnis der genannten Personengruppe Einzug halten wird. Dennoch hofft Giannozzo, dass er durch eine Lektüre seines Seebuchs „die Allermannsseelen recht damit in Ärger setze.“[10] Obgleich der Luftschiffer sich weitmöglichst von der Erde entfernen möchte, bleibt er ihr doch durch die Freundschaft verbunden. „Bruder Graul“, in einem Vorwerk als Leibgeber bekannt, wünschte er, solle bei ihm sein, um mit ihm das Gefühl der Freiheit zu teilen und zu erleben, „wie man oben in der stillen, heiligen Region nichts merkt, was drunten quäkt und schwillt.“[11] So erhaben, wie Giannozzo sich erlebt, die „Ameisenkongresse der Menschen“ so vernichtend klein unter seinem Luftschiff, so merkt er doch, „was drunten quäkt“, nur um diesem bestimmter zu begegnen. Die Welt- und Menschenverlachung, die aus diesem Zitat hervorgeht, ist ein Symbol für Giannozzos humoristische Totalität. Obwohl Jean Paul in seiner Vorrede bemerkt, er hätte dieser Geschichte „nicht ins Wort fallen dürfen“, so tut er dies doch zuerst an jener Stelle, da Giannozzo „dieses Revolutionsrezept“, eine Anleitung für die chemische Zusammensetzung des Ballongases preisgegeben hat, unter dem Deckmantel des Herausgebers, welcher später unter dem Kürzel D.H. in Erscheinung treten wird. Durch die Person des Herausgebers gelingt es Jean Paul, in seiner Satire indirekt mitzuwirken und doch eine gewisse Distanz zum Geschehen zu wahren. Wie überheblich äußert sich Giannozzo, durch das Wort „revenant“ auf aberwitzige Ideen gebracht: „ich dachte an das Himmelsglück, ein Gespenst zu sein ... daß ich in schrecklicher Gestalt umgehen und jedem Schelm, der mir gefiele, das Gesicht zu einem physiognomischen Anagramm umzeichnen könnte“[12], indem er die Menschen, „diese statistischen, kleinstädtischen Achtzehnjahrhunderter ohne Geister und Religion“ demaskiere, dadurch ihren wahren Kern zum Vorschein bringe. Seine Vorstellungen vom Umgehen als dämonische Gestalt bezeichnet er als „sanfte Idyllenträume“, als er dann aber bei seinem Aufstieg am ersten Pfingsttag bemerkt, dass er, über den Köpfen schwebend, tatsächlich Macht besitzt, äußert er sich in Vorfreude, dass sich ihm „Mittel und Wege gezeigt, besser auf die Menschen zu wirken, es sei nun, daß ich einige Steine meines Ballastes auf sie werfe, oder daß ich als herabkommender revenant wie ein Falke auf ihre Sünden stoße“[13]. Für Giannozzo liegt es nahe, an eben einem Feiertage gleich bei der Kirche in die Luft zu steigen, um die Andächtigen im Gotteshaus recht zu stören. Ihn ergötzen „ihre galanten Gelehrten..., die stets einen schönen Mittelweg zu halten wissen“[14], nirgends anecken, keine extremen Gedanken oder Gefühle an sich heranlassen wollen, an dieser Stelle sei auf das Kräftige verwiesen, welches für manche Personengruppen Gift ist, so wohl auch für die galanten Gelehrten.

Zweite Fahrt

Ausweglos gefangen in seinem Hass präsentiert sich Giannozzo bei seinem Frühstück eines weichen Eies mit Tintenwein in den Lüften über Sachsen. „Ich könnte ein pläsantes Leben hier oben führen, wenn ich mich nicht den ganzen Tag über alles erboste, was ich mir denke und finde.“[15] Er berichtet, wie er mit seinem Kriegsperspektiv – dies sinnbildlich für den Kampf Giannozzos gegen die menschliche Unzulänglichkeit - durch seinen verglasten Boden des Luftschiffes winzige Städte und das unbedeutende Treiben der Bewohner beobachtete, „nicht gerechnet eine Sammlung gepuderter, zarter Junkergesichter, die aus Billards und Schlössern vorgucken, wie aus dem durchlöcherten Kaninchenberg weißköpfige Kaninchen.“[16] Wieder erscheinen maskierte Figuren, die karikiert beschrieben, Kaninchen ähneln, welche symbolhaft für zarte, niedliche, jedoch auch faule, ängstliche und gefräßige Kreaturen stehen. Schon lässt sich der Luftschiffer im „Fürstentümlein Vierreuter“ nieder, trifft dort allerdings auf den Wehrstand und den Widerstand jener, „die nie außerordentlichen Lärm in der Welt gemacht außer vor ihren eignen Ohren, wenn sie eben Gurken aßen.“[17] Als die Wachen jedoch versuchen, Giannozzo handgreiflich zu begehen, lässt er seinen „Mantel ein wenig auseinanderfallen; sogleich schlug [er] den Heerbann aus dem Felde – mit einer Kröte.“[18] Gerade durch das Symbol der Kröte, durch die Destruktion des Symbols der französischen Wappenlilie, die der Gestalt dieses Tieres ähnelt, welches wenig ruhmreich und wohl eher weniger statthaft eines stolzen Fürstentums ist und dadurch dieses Fürstentum entlarvt, verschafft sich Giannozzo einen Vorteil in der schnöden Welt, kann durch seine Mitgliedschaft im Krötenorden nicht ganz von den Menschen getrennt sein. Denn „der Frosch setzt mich und meine Injurien in Sicherheit und Achtung und darauf in den Gasthof“, allerdings hat sich der Luftschiffer nicht zu seinem Wohle diesen Vorteil verschafft. „Um die Wahrheit zu sagen, wollt´ ich dem Hofe Verdruß machen und mich nachher wieder in die Luft.“[19] Wie könnte es anders kommen, als dass Giannozzo an der Tafel des Frankenmeisters und seiner Meisterin Platz nimmt. Bildhaft wird beschrieben, dass der Luftschiffer, wegen seiner nicht hofgemäßen Kleidung aus dem Rahmen fällt, wegen seiner Gesinnung erst recht, dennoch als Spaßmacher geduldet und verehrt wird. „Vierundvierzig Worte wurden zur Tafel geliefert und an fünfundvierzigtausend Seufzer - - ich hatte Zeit zum Zählen der Lieferungen als der größte Seufzerlieferant. O ihr Deutschen, warum sprecht ihr so wenig, zumal am Hofe, und vollends die Vierreuter! Sprechen ist Wachen. Schweigen nur Schlaf.“[20] Kritik wird hier an der Schweigsamkeit der Tischgesellschaft geübt, denn wenn Schweigen Schlaf ist, so träumen die Personen nur und wer träumt zielt an der Realität vorbei. Gerade von Leuten am Hofe erwartet sich Giannozzo gebildete Konversation, durch die Schweigsamkeit kommt der Deutsche so „gar nicht wie der Franzose erst recht ins ästhetische und philosophische Sprechen hinein, sondern er ist schon fertig mit allem.“[21] Die Hofgesellschaft scheint an intellektuellen Gesprächen nicht interessiert, welches darauf schließen lässt, dass auch das Verständnis für jene Themenbereiche nicht existiert, oder man sich unter den Schein des weisen Schweigens begibt. Durch Langeweile geplagt, entsinnt sich Giannozzo einen Spaß, indem er Ohnmacht und Übelkeit vorspielt, was die Tischgesellschaft in Freude versetzt. „Die kahlköpfigsten Hofleute wollen sich – wie sie mir abermals schmeichelten – keines so amüsanten Diners entsonnen haben, als dieses durch meine mimischen Konfigurationen war.“ Das eigentliche Hoffen Giannozzos, meiner Meinung nach, setzte wohl darauf, dass die Tafelgäste aufgeweckt würden und einsähen, dass ein gepflegtes Gespräch eine größere Freude bedeutet hätte, als die Grimassen des Luftschiffers. Ganz anders jedoch freuten sich gerade die „kahlköpfigsten“, die perückentragenden Maskierten, oder auch, mit einfachen Worten, vielleicht Dümmsten, am meisten an der flachen Komödie. Um die feine Gesellschaft noch einmal mehr zu demaskieren, trägt Giannozzo ein paar Fledermäuse mit sich, um diese an der abendlichen Tafel im Novitätentempel, „so hieß als Widerspiel des Antikentempels ein schlechter Speisesaal im Park“[22], unter dem Tisch freizulassen. „Der offizielle Bericht“ verdient bekannt zu werden, so schrieb ihn der Luftschiffer nieder, um auch „auswärtige Mächte“ davon in Kenntnis zu setzen, was natürlich dem allgemeinen Ansehen des Fürstentums eher schädlich angedeihen könnte. „Der Zorn des Satirikers wird durch sein Überlegenheitsgefühl und seine Verachtung gegenüber dem Opfer kompensiert. Er setzt alles daran, um sein Opfer in Misskredit zu bringen.“[23] Giannozzo wählte den „imposanten Titel: Frosch- und Mäusekrieg im Novitätentempel zu Vierreuter“. Es folgt eine Darstellung des gegen die Fledermäuse kämpfenden Hofadels in grotesker, rasch aufeinanderfolgender Montage einzelner Beobachtungen. Kunstvoll werden hier die einst gewandten Fürsten bloßgestellt: „Die schwere Kolonne, deren Backen und Bauch am Hofpol wie Wasser im Frost konvex geworden waren, erwartete den Feind auf dem Fußboden und hielt die Hüftenbajonette vor.“[24] Angedeutet wird hierbei, wie sehr die Muße, die Faulheit und das reichliche Essen die stolzen Krieger langsam und träge werden ließ. Durch die Verwendung von Kriegsvokabular wird die Szenerie in ein lächerlich verzerrtes Geschehen verwandelt, die Kunstform der Satire kommt hierbei vollends zum Ausdruck , da es sich lediglich um einige Fledermäuse handelt, die den Gegner ausmachen. „Offensichtlich kann die satirische Grundhaltung nur dann in Kunst übergehen, wenn sich Aggression und Lust an der Bloßstellung mit ästhetischen Merkmalen verbinden, die im Zuschauer zweckfreies Vergnügen hervorrufen.“[25] Das Vergnügen ist auf des Luftschiffers Seite, wohl auch auf Seiten der Leserschaft. Nicht nur das verständige Lesepublikum, auch das „andere“ wird sich durch diese Darstellungen köstlich unterhalten fühlen. „Es entstand ein Handgemenge ohnegleichen – die Krötenritterschaft nahm sich zusammen, und das Flugstechen fing nun erst, da die Ritter bisher öfters vom Geflügel überflügelt worden und der Übermacht gewichen waren, recht erbittert und glücklich an. - - Wahrlich das jetzige Geschrei der Weiber – das Blinken der Stoßgewehre – das Flattern der Fahnen und Mäuse – das Sturmlaufen der Froschmäusler..“[26]. Durch die rasche Bildmontage wird eine Schnelligkeit, ein Durcheinander erzielt, welches die Komödie dieses Kriegs im Novitätentempel besser vorstellbar macht. „Nach den Krötenritterspielen stand die Lust wie ein langes Morgenrot über der Tischgenossenschaft.“ Die Gesellschaft scheint, von der Aufregung und den Anstrengungen schwitzend und gerötet, ganz aufgeweckt, hat eine wahre Kriegsschlacht wohl schon zu lange auf sich warten lassen. Den Kämpfenden scheint gar nicht aufgefallen zu sein, wie mindernd sich ihr Verhalten im Kampf auf ihren Stand auswirkte. Ihren Mut und ihre Kühnheit konnten die Edelherren zur Schau stellen, rühmen sich wohl ob der gewonnenen Schlacht. Ein anderer hätte wohl ein Fenster geöffnet und den Fledermäusen einen Ausgang geschaffen; die Chance jedoch, einem Gegner parieren zu können und ihn schließlich besiegt zu haben, wenngleich der Feind ein kleiner gewesen, erhöht wohl das Selbstbewusstsein der Hofgesellschaft. Auch zu Gesprächen, wenngleich nicht philosophischer oder ästhetischer Natur, wird dieses Geschehen den Tafelgästen Anlass geben. Giannozzo versuchte vergeblich, sie auf deren Unzulänglichkeit aufmerksam zu machen. Nicht durch schmale Scheinkünste, wie Gesellschafter, die „wie Hähne krähen oder fünf Kartenkünste machen konnten“[27] fühlt sich Giannozzo im Herzen und im Denken erhoben, sondern „durch die ärostatische“, das Wunder der Technik und des Fortschritts, einmal wieder im Gegensatz zu den Tafelgästen, die auch durch niedere Fertigkeiten zu beeindrucken sind. Ein letztes gibt ihnen der Luftschiffer zu seinem Abschied noch mit: „Zur Belohnung bat ich den Hof, nach meiner Auffahrt eine Stunde lang achtzugeben, ich würde oben unter den Sternen dreimal den Novitätentempel umkreisen und mich senken. Ich ging ins Wirtshaus und fuhr auf – und davon.“[28]

[...]


[1] Riha, Karl. Reisen im Luftmeer. Ballonfahrten und Ballonfahrer als Motive der Literatur. In: Höllerer, Walter und Miller, Norbert (Hrsg.) Sprache im technischen Zeitalter. Berlin, 1983. Seite 112

[2] ebda, Seite 112

[3] ebda, Seite 112

[4] ebda, Seite 115

[5] Hodgart, Matthew. Die Satire. Verona, 1969. Seite 38

[6] ebda, Seite 9

[7] ebda, Seite 137

[8] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 3

[9] ebda, Seite 4

[10] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 5

[11] ebda, Seite 5

[12] ebda, Seite 6

[13] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 7

[14] ebda, Seite 7

[15] ebda, Seite 8

[16] ebda, Seite 9

[17] ebda, Seite 10

[18] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 11

[19] ebda, Seite 11

[20] ebda, Seite 12

[21] ebda, Seite 13

[22] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 13

[23] Hodgart, Matthew. Die Satire. Verona, 1969. Seite 16

[24] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 14

[25] Hodgart, Matthew. Die Satire. Verona, 1969. Seite 16

[26] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 15

[27] Paul, Jean. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Hamburger Lesehefte, Husum. Seite 15

[28] ebda, Seite 15

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638529914
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v58928
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Neuere deutsche Literaturgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
Vergeblichkeit Satire Jean Pauls Luftschiffer Giannozzo Seebuch

Autor

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