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Scheidung - Zusammenbleiben fürs Kind, oder lieber scheiden lassen?

Diplomarbeit 2005 103 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Definition von Familie
1.3 Die Stellung der Familie in der heutigen Zeit
1.4 Verschiedene Formen von Familie
1.5 Die Bedeutung der Familie für das Kind

2. Statistik
2.1 Ehe- und Scheidungszahlen Deutschlands
2.2 Ehe- und Scheidungszahlen Nordrhein-Westfalens

3. Familiale Krisen und Konflikte
3.1 Das Abc-X Modell von Reuben Hill
3.2 Krisenbewältigung

4. Lösungsversuche der Familien
4.1 Ignoranz der Konflikte
4.2 „Zusammenraffen“ & Kompromisse eingehen
4.3 Ehe- und Paarberatung
4.4 Trennung auf Zeit
4.5 Scheidung
4.5.1 Scheidungszyklus (Phasen)
4.5.1.1 Vorscheidungsphase / Ambivalenzphase
4.5.1.1.1. Merkmale der Vorscheidungs- bzw. Ambivalenzphase
4.5.1.1.2 Die Vorscheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1.2 Trennungsphase / Scheidungsphase
4.5.1.2.1 Merkmale der Trennungs- und Scheidungsphase
4.5.1.2.2 Die Trennungs- und Scheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1.3 Nachscheidungsphase
4.5.1.3.1 Die Beschreibung der Merkmale der Nachscheidungsphase
4.5.1.3.2 Die Nachscheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1 Altersspezifische Reaktionen des Kindes

5. Positive Aspekte der Scheidung

6. Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten für die Kinder
6.1 Hilfen durch die Eltern
6.2 Hilfen in der Schule
6.3 Mediation
6.4 Bücher für Kinder und Jugendliche
6.5 Beratungsstellen
6.5.1 Ziele der Beratungsarbeit
6.5.2 Ebenen in der Beratungsarbeit
6.5.3 Beratung in den Scheidungs-Phasen

7. Fazit

8. Anhang
8.1 Literatur
8.2 Bücher / Broschüren für Kinder zum Thema „Scheidung“

1. Einleitung

1.1 Einführung

Jährlich geben sich mehrere Tausend Paare beim Standesamt und in der Kirche das „Ja-Wort“. Sie schwören sich die Treue und versprechen sich ein gemeinsames Leben, „bis dass der Tod sie scheidet“.

Die Ehe ist zwar inzwischen nicht mehr als ausschließliche Form des Zusammenlebens, erfreut sie sich aber nach wie vor großer Beliebtheit. Neben dem einfachen Zusammenleben ohne Trauschein entscheiden sich „drei von vier Personen mindestens einmal in ihrem Leben“[1] für eine Heirat.

Die Ehe ist in unserer Kultur inzwischen keine bloße Zweckgemeinschaft mehr, wie noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern ist zu einer frei wählbaren und individuell gestaltbaren Lebensform geworden. Hier ist niemand mehr irgendwelchen Heiratszwängen unterworfen und jeder kann die Ehe mit dem Partner, bzw. der Partnerin seiner Wahl eingehen.

Bei einem Drittel der Paare erfüllen sich allerdings die Glückserwartungen, die dabei aneinander gestellt werden nicht. Gerade weil die Ehe in der modernen Gesellschaft nicht mehr aus Zweckgründen geschlossen und dadurch zusammengehalten wird, ist eine Scheidung oft schnell vorherzusehen, wenn ein Ehepartner den Erwartungen des anderen nicht genügend nachkommt.

Das Fundament einer Ehe sollte ewige Treue sein, doch nur wenige Ehen halten tatsächlich ein Leben lang. „Aufgrund der derzeitigen Scheidungsquoten ist damit zu rechnen, dass ca. 14% der ehelich geborenen Kinder damit rechen müssen, dass ihre Eltern sich scheiden lassen werden, bevor sich selbst das 15. Lebensjahr erreicht haben. Wie viele ehelich geborene Kinder von einer Trennung ihrer Eltern ohne gerichtliche Scheidung und wie viele nicht ehelich geborenen Kinder von Eltern, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben, von deren Trennung betroffen sind, lässt sich nicht exakt feststellen.“[2]

1.2 Definition von Familie

Das Wort Familie stammt aus dem Lateinischen. „Familia“ verweist auf „Famulus“, den Diener und „Famuli“, das im Haus lebende Gesinde.[3] Erst Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts fand es im deutschen Sprachgebrauch Anwendung.[4]

Die Form des familiären Zusammenlebens hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert. Bis heute gibt es jedoch keine einheitliche Auffassung, was unter dem Begriff Familie zu verstehen ist. Es gibt unzählige Definitionsansätze, von denen ich hier einige darstellen werde[5]:

Brockhaus – Enzyklopädie: „Familie ist das Elternpaar mit den unselbstständigen Kindern als Einheit des Haushaltes“[6]

Definition der Familie nach Schneewind: „Familien werden als Personengruppe mit gemeinschaftlichem Lebensvollzug bezeichnet. Genauer: Familien sind intime Beziehungssysteme, die den Kriterien der raum / zeitlichen Abgrenzung, der Privatheit, der Dauerhaftigkeit und der Nähe genügen.“[7]

Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie: „ Familie ist das verbindliche Zusammenleben von verschiedenen Generationen in spezifischen, als solche gesellschaftlich anerkannten Beziehungsformen, wobei jeweils eine für die andere persönliche Verantwortung trägt“.

Statistisches Bundesamt: „Als Familie im Sinne der amtlichen Statistik zählen – in Anlehnung an Empfehlungen der Vereinten Nationen - Ehepaare ohne und mit Kind(ern) sowie allein erziehende, ledige, verheiratet, getrennt lebende, geschiedene und verwitwete Väter und Mütter, die mit ihren ledigen Kindern im gleichen Haushalt zusammenleben.

Rita Süssmuth (ehemalige Familienministerin): „ Familie kann in einem sehr weiten Verständnis, die Gruppe von Menschen bezeichnen, die miteinander verwandt oder verschwägert sind, gleichgültig, ob sie zusammen oder getrennt leben. Im engeren Sinn wird Familie übereinstimmend als biologisch–soziale Gruppe von Eltern mit ihren ledigen, leiblichen oder adoptierten Kindern verstanden“.[8]

Für die Definitionsprobleme sind zwei Punkte ausschlaggebend.

Zum ersten, dass es „die Familie“ nicht gibt, sondern nur verschiedene Abwandlungen. Die Definitionen sind außerdem abhängig von gesellschaftlichen, ethnischen und strukturellen Bedingungen sowie von der wissenschaftstheoretischen Ausrichtung.

Zweitens wird die Interpretation der Definitionsbegriffe durch die Persönlichkeit und den Erfahrungshintergrund der einzelnen Personen geprägt.

Dennoch lassen sich einige allgemeingültige Kennzeichen von Familie ausmachen, unabhängig davon, welcher Kultur sie angehören.

Eine Familie ist durch die biologisch-soziale Doppelfunktion, also Reproduktions- und Sozialisationsfunktion sowie bestimmte Interaktionsbeziehungen gekennzeichnet.

Des Weiteren zeichnet sich eine Familie auch dadurch aus, dass mindestens zwei Generationen vorhanden sind.

Im weitesten Sinne formuliert, stellt Familie eine, nach Geschlecht und Generationen differenzierte Kleingruppe dar, die durch ein spezifisches Kooperations- und wechselseitiges Solidaritätsverhältnis gekennzeichnet ist.[9]

1.3 Die Stellung der Familie in der heutigen Zeit

Vor der Industrialisierung war das gemeinsame Wirtschaften im „ganzen Haus“ kennzeichnend.[10] Die Haushaltsmitglieder waren ökonomisch voneinander und daher von starkem Zusammenhalt abhängig.

Während der Industrialisierung kam immer mehr die männliche Erwerbstätigkeit außer Haus auf und die weiblichen Haushaltsmitglieder übernahmen die häuslichen Aufgaben der Haus-, Erziehungs- und Bildungsarbeit. So bestand der Zusammenhalt nun weniger auf ökonomischen, sondern zunehmend auf emotionalen Grundlagen.

Der Nationalsozialismus im zwanzigsten Jahrhundert brachte einen bedeutenden Einschnitt. Viele Familiensituationen waren durch Zwangsterilisationen und „rassenhygienische“ Regelungen geprägt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde zunehmend das Modell der Kleinfamilie akzeptiert. Die Geburtenraten und Scheidungsziffern stiegen und die Familien waren weitgehend wirtschaftlich unabhängig von verwandtschaftlichen Bindungen.

Auch in den sechziger Jahren setzen sich diese Tendenzen fort. Es lässt sich eine zunehmende Individualisierung erkennen und die Vielfalt an wählbaren Lebensformen steigt. Allerdings stiegen mit den Wahlmöglichkeiten auch die Risiken für die Individuen, wie der Überforderung oder der schlechten Trennbarkeit von Beruf und Familie. Die Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen drückt sich vor allem in der Bedeutung von Partnerschaften, im Stellenwert der Ehe und im Risiko der Ehescheidung aus.[11]

Jedoch ist die typische Familienkonstellation „Vater-Mutter-Kind“ noch längst kein Auslaufmodell sondern sie ist für viele junge Menschen auch heute noch ein zentrales Ziel ihres Lebens.

Eine Ehe wird nicht mehr nur aus ökonomischen oder gesellschaftlichen Gründen geschlossen, sondern aufgrund einer emotionalen Partnerschaft und dem Wunsch der Gefährtenschaft. Aus einer Liebesbeziehung entsteht eine Ehe.

Ein weiterer Grund für die Eheschließung ist oftmals eine Schwangerschaft. Inzwischen legitimiert nicht mehr die Ehe den Kinderwunsch, sondern Kinder legitimieren die Eheschließung.

Der Sinn einer Ehe ist im Allgemeinen nicht mehr von Staat oder Kirche vorgegeben, sondern wird vom Paar selbst geschaffen.

Die Familie konkurriert jedoch mit anderen attraktiven Lebensformen und ist oftmals nur ein „Modell auf Zeit“. Das Schließen einer Ehe heißt nicht selbstverständlich, dass damit zwangsläufig eine Perspektive für das ganze Leben verbunden ist. Nahezu jedes Kind kennt Kinder, deren Eltern geschieden sind oder ist selbst von einer Scheidung oder Trennung betroffen.

Die Werte und Normen, die unsere Gesellschaft prägen sind einem stetigen Wandel unterworfen. Statussymbole und Schichteinflüsse spielen eine große Rolle beim Eingehen einer Partnerschaft. Seit Mitte der 60er Jahre hat die Ehe durch Begriffe wie Emanzipation, Liebesheirat, Unabhängigkeit oder sexuelle Freiheit eine neue Bedeutung erhalten. Eine Scheidung naht heute schneller, wenn die Partner ihren Interessen nicht nachgehen können und sich eingeengt fühlen oder wenn sich die Erwartungen der Partner nicht erfüllen. In früheren Zeiten wurden die meisten Ungereimtheiten in einer Ehe anhand von Kompromissen bereinigt. Die Frau, die meist auf den Mann als Ernährer der Familie angewiesen war, akzeptierte stillschweigend eventuelle Einschränkungen.[12]

Durch Gesetzesänderungen und den Wandel sittlicher und moralischer Vorstellungen ist es für Paare immer leichter geworden, ihre Ehen bzw. eheähnlichen Beziehungen wieder aufzulösen und sich ihr Leben ihren Wünschen entsprechend neu einzurichten.

Wenn Eltern keine glückliche Ehe führen, so erscheint ihnen eine Trennung oft als erstrebenswertes Ziel, oder gar als letzter Ausweg aus einer unerträglich gewordenen Situation. die Entscheidung, eine Ehe aufzulösen wird seit einiger Zeit zunehmend weniger sanktioniert. Religiöse Normen und soziale Kontrolle haben deutlich an Bedeutung verloren. Die immer größere Akzeptanz der Scheidung erleichtert es vielen Paaren den Schritt der Trennung zu gehen.

Auf der anderen Seite führt wiederum die zunehmende Anzahl von Scheidungen und Trennungen zu einer Normalisierung und Akzeptanz des „Problems“ Scheidung.

Eine Scheidung ist heute keine Schande für eine Familie mehr sondern gehört aufgrund ihrer Alltäglichkeit in den Augen der Menschen zum Leben, wie das Heiraten. Es ist nun „normal“ dass in jeder Schulklasse oder Kindergartengruppe Kinder sind, die eben nicht mit beiden Eltern zusammen aufwachsen. Das eigene Kind ist also nach der Trennung kein Einzelfall der von den anderen Kindern als „anders“ gesehen wird, weil immer nur Mama zu Hause ist.

1.4 Verschiedene Formen von Familie

Im Zeitraum der letzten Jahre lässt sich erkennen, dass neben der traditionellen ehelichen Familie mit Kindern, auch andere Familienformen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Variantenzahl nimmt stetig zu. Zur Zeit sind folgende Varianten vorherrschend:[13]

- Nicht eheliche Familien:
Das unverheiratete Zusammenleben, meist für eine begrenzte Zeit, ist eine zunehmend gesellschaftlich akzeptierte Form in vielen mittel- und westeuropäischen Staaten.
Der Anstieg liegt hier vor allem in immer höherem Heiratsalter und dem späteren Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes begründet. Das nichteheliche Zusammenleben ist meist eine auf Zeit angelegte Lebensform, die eine „Vor-Ehe-Phase“ darstellt und nur selten eine dauerhafte Alternative zur Ehe bleibt .
- Alleinerziehende/Ein-Eltern-Familie:
Heutige Einelternfamilien stellten ursprünglich eine unvollständige Familie dar, bei der ein Elternteil fehlt. Sie existiert in zwei Varianten, als Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Familie. Diese Familienform ist keineswegs eine Erscheinung der modernen Zeit, war früher jedoch primär durch Verwitwung bedingt. Heute hingegen sind zunehmend Trennung und Scheidung dafür verantwortlich
- Stieffamilien bzw. „Mehrelternfamilien
Eine Stieffamilie entsteht, indem Durch Tod, Trennung oder Scheidung die Familie einen Elternteil „verliert“ und ein neuer Partner in die Familie kommt, der die Stelle des leiblichen Elternteils „ersetzt“. Auch Stiefgeschwister können Teile dieser Familienform sein, wenn beide Partner Kinder in die neue Beziehung bringen oder zu denen aus erster Ehe ein gemeinsames Kind geboren wird
- dauerhaft kinderlose Ehepaare:
Diese Form der Familie gab es schon zu allen Zeitaltern in der Gesellschaft. Jedoch stellt heute die bewusst gewählte Kinderlosigkeit eine neue Variante dar. Die quantitative Zunahme an kinderlosen Ehen ist auf den allgemeinen Modernisierungs- und Individualisierungsprozess zurückzuführen. Hier stehen vor allem die privaten und beruflichen Bedürfnisse des Einzelnen im Vordergrund. Für viele Paare steht die Karriere an erster Stelle, so dass der Kinderwunsch nicht aufkommt. Auch finanziell ist es für viele Paare nicht möglich, die Erwerbstätigkeit wegen der Kindererziehung aufzugeben
- Singles:
Als Singles werden allein lebende Männer oder Frauen, die einen eigenen Haushalt führen, bezeichnet. Auch diese Form ist meist nur für eine gewisse Zeit bestimmt, bis die Person eine Beziehung mit jemandem eingeht. Auch geschiedene Männer und Frauen ohne Kinder sind in diesem Familientyp einzuordnen
- Eingeschlechtliche Lebenspartnerschaften:
Das Zusammenleben zweier gleich geschlechtlicher Personen, die einen gemeinsamen Haushalt führen, ist eine weitere Familienform. Hier kann seit einiger Zeit noch zwischen verheirateten und unverheirateten („eingetragene Lebensgemeinschaft“) homosexuellen Paaren unterschieden werden
- Erweiterte familiäre Netzwerke:
Unter dieser Familienform lassen sich Mehrgenerationenfamilien bzw. Großfamilien zusammenfassen. Der Begriff umfasst das Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Haushalt.
Diese Netzwerke bestehen nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Generationen. Diese Familie in der reinen Form wird heute selten gelebt. Aber in vielen Fällen ist die Zweikernfamilie (Mutter und Vater in eigenen Haushalten mit Kindern) ebenfalls als erweitertes Netzwerk anzusehen
- Multi-Erwachsenen-Haushalt (z.B. erweiterte Familien, Kommunen, Wohngemeinschaften):
Familiäre Wohngemeinschaften sind eine Lebensform, in der nicht ausschließlich miteinander verwandte Erwachsene mit oder ohne Kinder in einem gemeinsamen Haushalt zusammenleben .

Das statistische Bundesamt stellte fest, dass die Kernfamilie auch heute noch die häufigste Familienform darstellt.[14]

Die Kernfamilie besteht in der gemeinsamen biologisch-sozialen Elternschaft und ist durch symmetrische Eltern-Kind-Beziehungen charakterisiert. Dies bedeutet, dass beide Elternteile mit ihren Kindern zusammenleben.

Die typischen Kennzeichen der Kleinfamilie im Gegensatz zur Großfamilie sind:[15]

- Die räumliche Trennung von Öffentlichkeit und Familienleben sowie die Unterscheidung von Erwerbs- und Hausarbeit
- Die geschlechtsspezifische Aufgabenzuweisung
- Die Emotionalisierung des Verhaltens von Eltern und Kind
- Die Intensivierung der Kindererziehung und –beziehung

Die fünf Hauptfunktionen der Kernfamilie sind:[16]

- Die Reproduktionsfunktion, das heißt die Zeugung von Nachkommen. Diese Funktion soll auf individueller Ebene zu Befriedigung beitragen und gesellschaftlich zur Sicherung des Personenstandes dienen
- Die Existenzsicherung und die Produktionsfunktion als Voraussetzung für die Verfügbarkeit der Personen im Produktionsprozess (z.B. Ernährung, Schutz, Gesundheit,...)
- Die Regenerationsfunktion, die einerseits zu einer Krafterneuerung und Selbstverwirklichung führt, andererseits dient sie der Wiederherstellung der Produktionskraft
- Die Sozialisations- und Erziehungsfunktion
- Die Platzierungsfunktion, wobei es um die Verwirklichung von Bildungs- und Berufsinteressen geht, aber auch um den Erhalt eines konkurrenzfähigen Bestandes an Arbeitskräften.

1.5 Die Bedeutung der Familie für das Kind

In der Familie macht das Kind die ersten grundlegenden Erfahrungen und entwickelt seine eigene Persönlichkeit im Sozialgefüge. Die Familie erfüllt die Bedürfnisse nach Fürsorge und Geborgenheit und bietet gleichzeitig ein Übungsfeld, in dem das Kind sich wesentliche Verhaltensweisen aneignen und erproben kann.[17]

In der Idealfamilie wird dem Kind Sicherheit und Rückhalt auf dem Weg zu körperlicher und emotionaler Reife gegeben. Jugendlichen geben die Eltern einen Ort der Sicherheit an den sie sich zurückziehen können und wo sie angenommen werden.

Durch eigene Sorgen und Probleme sind die meisten Eltern so sehr in Anspruch genommen, dass sie es nicht schaffen eine ideale Familiensituation zu bieten, die aus der richtigen Mischung aus Strenge und Lässigkeit besteht. Andererseits frustriert sie oft auch die Reaktion der Kinder auf ihre Liebe und Erwartungen.

Doch trotz all ihrer Unvollkommenheit ist das, was wir heute als „Familie“ bezeichnen, im Normalfall für Kinder die beste Umgebung, um gesund aufzuwachsen und sich zu entwickeln.[18]

Die Eltern sind die wichtigsten Ansprechpartner in der gesamten Entwicklungszeit ihrer Kinder. Eine intakte Familie bietet den Kindern Halt und Geborgenheit.

Kinder sind auf die Wärme und Zuneigung ihrer Eltern angewiesen. Sie brauchen Regeln, die sie verstehen können, Anregungen, die ihrem Entwicklungsstadium entsprechen und gewisse Freiräume, um sich entfalten zu können. Mit entsprechenden Grundbedingungen und Rückhalt aus der Familie können sich die Kinder Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz, emotionale Stabilität und Selbstverantwortlichkeit entwickeln.

Man darf allerdings nicht übersehen, dass die Beziehung zum Kind nicht auf einer Art „Einbahnstraße“ stattfinden, sondern dass Eltern und Kind in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Kinder erhalten ihre Persönlichkeitsmerkmale nicht dadurch, dass Eltern ihnen gewisse Verhaltensmuster anlernen, sondern durch zirkuläre Strukturen, in einer sich wechselseitig verstärkenden Beziehung.

Vater und Mutter sind bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in gleichem Maße notwendig.

Durch beide Elternteile erlernen die Heranwachsenden geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und werden auf das Leben in der Gesellschaft vorbereitet. Mutter und Vater spielen als Vorbild für die Bildung der Persönlichkeit ihres Kindes eine ausschlaggebende Rolle. Der Sohn adaptiert das Verhalten und die Eigenschaften des Vaters indem er sich mit ihm identifiziert, so wie die Tochter ihre Mutter nachahmt.

Auch der Grundstein für das Verhalten der Kinder zum jeweils anderen Geschlecht wird so bereits im Vorschulalter geprägt. Demnach ist es wichtig für die Eltern, dass sie sich in der Gemeinschaft mit ihren Kindern ihrer Vorbildfunktion bewusst sind. Ihr Umgang miteinander wird später die Beziehung der Tochter zu ihrem eigenen Partner und die Beziehung des Sohnes zu seiner Partnerin stark beeinflussen.

Die Beziehung zu den Eltern kann weiterhin das Selbstkonzept der Jugendlichen positiv beeinflussen. Die Kombination von Eigenständigkeit in Entscheidungen und Meinungen auf Seiten der Jugendlichen und die Verbundenheit mit den Eltern hat einen positiven Einfluss auf die Identitätsentwicklung und die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme. Ist die Beziehung zu den Eltern gut, so lässt sich feststellen, dass die Jugendlichen wesentlich selbständiger und selbstbewusster werden. Die Eltern können dem Jugendlichen unterstützen und ihm helfen die Entwicklungsaufgaben in den Alterstufen besser zu bewältigen.

Das Fehlen eines Elternteils bei der Erziehung kann nicht vollständig durch den verbleibenden Elternteil kompensiert werden. Gerade in der schwierigen Phase der Pubertät brauchen Jungen und Mädchen ihre Eltern, um mit der körperlichen und seelischen Umstellung fertig zu werden. Fehlt einer der Eltern, versucht der Jugendliche, ein „Ersatzvorbild“ im Familien- oder Bekanntenkreis zu finden.

2. Statistik

2.1 Ehe- und Scheidungszahlen Deutschlands

Seit 1950 hat sich die Zahl der Eheschließungen in der Bundesrepublik von 110 auf 53 Ehen (Bezug auf 10.000 Einwohner) mehr als halbiert. Dieser Rückgang erfolgte vor allem seit den sechziger Jahren.

Insgesamt wird nicht nur weniger, sondern auch später geheiratet, was unter anderem auf verlängerte Ausbildungswege und auf die höhere Akzeptanz nichtehelicher Lebensgemeinschaften zurückzuführen ist.

Die Scheidungszahlen steigen, langfristig betrachtet, schon seit Ende des letzten Jahrhunderts an, besonders deutlich seit Mitte der 60er Jahre bis in die 80er Jahre hinein.[19]

Die insgesamt steigenden Scheidungszahlen seit dem ersten Weltkrieg sind geprägt durch Schwankungen, zurückzuführen auf Industrialisierung (1. Weltkrieg), Probleme der Nachkriegszeit (2. Weltkrieg) oder die Scheidungsreform 1977. Der Trend setzt sich mit seinen Schwankungen bis heute fort.

Im Jahr 1995 wurden rund 169.400 Ehen geschieden, das sind im Gegensatz zu 1994, 3.400, bzw. 2% mehr.

Diese Entwicklung setzt sich in den folgenden Jahren bis 1999 stetig fort. 1996 wurden um 3,6% mehr Ehen geschieden, 1997 nahm die Zahl sogar um 7% zu. Im Jahr 1998 schließlich ließ sich ein Anstieg von weiteren 2,5% feststellen. 1999 ging die Zahl der Ehescheidungen erstmalig um 1848, also um fast ein Prozent zurück.

In den Jahren 2000 bis 2002 stiegen die Ehescheidungen wieder um 2%, 1,6% und 3,4% auf den Höchststand von 204.214 geschiedenen Ehen im Jahr 2002.

Die genauen Zahlen im Einzelnen habe ich in folgender Tabelle noch einmal zusammengestellt und im darauf folgenden Diagramm veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1:Eheschließungen, Ehescheidungen, betr. Kinder 1991-2003[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Ehescheidungen 1991-2003[21]

In den Jahren seit 1997 kommen auf 1.000 Eheschließungen etwa 10 Scheidungen, zuvor waren es neun von 1.000. Langzeitig betrachtet wurden von den 1991 geschlossenen Ehen in zehn Jahren (bis 2001) 20% wieder geschieden. Hierzu folgendes Diagramm, wobei die Scheidungen eines Jahres mit den Eheschließungen desselben Jahres verglichen werden. Es handelt sich nicht um dieselben Ehen, die geschlossen und wieder geschieden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Gegenüberstellung :Eheschließungen und Ehescheidungen[22]

Die Entwicklung der Zahlen minderjähriger Kinder die von Scheidungen der Eltern betroffen sind, sieht ähnlich aus. Im Jahr 1995 ließen sich die Eltern von 142 300 minderjährigen Kindern scheiden. Diese Zahl ist um 5,2 Prozent höher als im Jahr zuvor. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der betroffenen Kinder um 4,6% und 9,6% auf 163.112. Im Jahr 1998 sank sie um 2,3% auf 159.298, 1999 auf 143.728. seit 2000 sind die Zahlen wieder steigend. So waren im Jahr 2000 148.192 Kinder von der Scheidung der Eltern betroffen (3,1% mehr als im Vorjahr) und im darauf folgenden Jahr 2001 153.517 (+3,6%).

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Abb.4: Von Scheidung betroffene minderjährige Kinder 1991-2003[23]

In etwa der Hälfte der Scheidungen in Deutschland sind minderjährige Kinder mit betroffen.

Die Zahl der Kinder, die bei ihrer geschiedenen oder getrennt lebenden Mutter aufwachsen hat sich zwischen 1961 und 1993 verdoppelt; die Zahl derjenigen, die bei ihrem geschiedenen Vater leben sogar mehr als verdreifacht.

Nach Schätzungen von Karl Schwarz erleben heute ca. 12% aller Kinder und Jugendlichen in den alten und sogar rund 20% in den neuen Bundesländern vor ihrer Volljährigkeit eine Scheidung der Eltern. Allerdings zeigen neuere Statistiken, dass der Anteil minderjähriger Kinder, die von einer Elterlichen Scheidung betroffen sind, beim Heiratsjahrgang 1975 (früheres Bundesgebiet) zurzeit schon bei 14% liegt[24]

Die meisten Kinder leben nach der Trennung der Eltern bei ihrer Mutter, der sorgeberechtigte Vater bildet noch immer die Ausnahme. 1995 wurde in 73,8% der Scheidungen der Mutter das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Allein sorgeberechtigte Väter hingegen sind nur mit 8,3% vertreten.[25]

Zwar ist die Neigung zur Wiederheirat seit Mitte der 60er Jahre rückläufig, aber dennoch geht auch heute noch mehr als die Hälfte aller Geschiedenen eine neue Ehe ein.

So wird die Mehrheit aller Scheidungskinder auf dem einen oder anderen Weg zum Stiefkind, da die Hälfte von ihnen durch Heirat desjenigen Elternteils bei dem sie leben, einen Stiefvater oder eine Stiefmutter erhält.

Von den verbleibenden Scheidungskindern leben zwischen 25% (alte Bundesländer) und 40% (neue Bundesländer) mit einem nichtehelichen Partner der Mutter bzw. des Vaters zusammen.[26]

2.2 Ehe- und Scheidungszahlen Nordrhein-Westfalens

Für den Vergleich der Scheidungszahlen der einzelnen Bundesländer Deutschlands wähle ich das Jahr 2002 aus, da hier die aktuellsten vollständigen Zahlenangaben veröffentlicht wurden.

Von den ca. 392.000 im Jahr 2002 in Deutschland geschlossenen Ehen wurden etwa 90.000 vor einem Standesamt in Nordrhein-Westfalen bejaht. NRW war damit in Deutschland das Bundesland mit den meisten Eheschließungen. Bayern auf dem zweiten Rang erreicht nur den Wert von 61.000 Hochzeiten.

Ähnlich sieht auch der Stand der gerichtlichen Scheidungen im Vergleich aus. Auch hier liegt NRW mit etwa 47.000 Scheidungen vor Bayern (30.000) von insgesamt 204.000 geschiedenen Ehen in Deutschland.

Beim Vergleich zwischen Eheschließungen und Ehescheidungen muss hier beachtet werden, dass selbstverständlich nicht nur die in diesem Jahr geschlossenen Ehen geschieden werden, sondern überwiegend solche, die schon länger bestehen. Es handelt sich also um einen reinen Zahlenvergleich, nicht um dieselben Ehen.

Die Zahl der geschiedenen Ehen liegt in den Bundesländern zwischen 28,57 % (Hamburg) und 50,82 % (Bayern) der geschlossenen Ehen. Man kann also sagen, dass mancherorts auf jede zweite Hochzeit eine Scheidung kommt.

In den kleineren Bundesländern wie Hamburg, Bremen oder Berlin liegt zwar, aufgrund der niedrigen Einwohnerzahl, die Eheschließungszahl insgesamt sehr niedrig, jedoch ist hier auch der prozentuale Anteil der Scheidungen an den Hochzeiten geringer als in größeren Bundesländern. Die genauen Zahlen stelle ich in folgender Tabelle und im anschließenden Diagramm zusammen.

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Abb. 5: Ehescheidungen und Eheschließungen in den Bundesländern im Jahr 2002[27]

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Abb. 6:Vergleich Ehescheidungen und Eheschließungen in den Bundesländern[28]

3. Familiale Krisen und Konflikte

Familien befinden sich in ständigem Wandel, ebenso die Umwelt in der sie leben. Stete Veränderungen der einzelnen Personen, insbesondere der heranwachsenden Kinder, erfordern permanent Neuanpassungen, damit die Familie den wechselnden Ansprüchen gerecht wird. Familien drohen auseinander zu brechen, wenn sie sich in der sich wandelnden Umwelt nicht mit verändern, sondern versuchen konstant an einem Punkt in der Entwicklung stehen zu bleiben.

Eine plötzliche Veränderung im gewohnten Familienalltag kann eine Krise in der Familie auslösen. Dies können Ereignisse, wie das Auftreten von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder einem anderen Schicksalsschlag, aber auch eigentlich positive Geschehnisse wie die Geburt eines Kindes sein. Durch die Umstellung im Alltag müssen die Familienmitglieder sich an neue Bedingungen gewöhnen und neue Rollen annehmen. Wenn die Familienmitglieder hiermit nicht zurechtkommen, kann eine Krise entstehen.

Auch, wenn sich in der Familie viele verschiedene Konflikte in unterschiedlichen Bereichen häufen, ist eine allgemeine Krise meist die Folge. Die Familienmitglieder streiten sich aus verschiedensten Gründen, meist zunächst nur Kleinigkeiten. Diese vielen „Lappalien“ sammeln sich jedoch schnell zu einem großen Konflikt.

3.1 Das Abc-X Modell von Reuben Hill

Wenn im Familienleben belastenden Situationen auftreten, erzeugen sie in unterschiedlichem Ausmaß Stress und Spannungen.

Die Familie muss darauf mit geeigneten „Gegenmitteln“ reagieren, um eine dauerhafte Krise, die den Familienzusammenhalt bedroht, zu vermeiden.

Das ABC-X-Modell von Reuben Hill (1949) zeigt, welche Faktoren an einer erfolgreichen bzw. erfolglosen Bewältigung von Problemlagen beteiligt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: ABC-X Modell von Reuben Hill[29]

Der Faktor A steht für die spannungs- und stresserzeugende Situation, mit der die Familie konfrontiert wird. Hill geht davon aus, dass es Situationen und Ereignisse gibt, die eher familiale Krisen auslösen als andere.

Faktor B hingegen entspricht den Kraftressourcen oder Gegenmitteln, die der Familie bei Auftreten der Situation zur Verfügung stehen. Diese sind von familialen Eigenschaften, wie der Rollenstruktur und der Flexibilität, sowie den Erfahrungen der Familie mit der Bewältigung vorangegangener Krisen, abhängig. Nach Hills These können diese Vorraussetzungen in der Familie sich positiv auf die Krisenbewältigung auswirken.

Die Bedeutung, die der neuartigen Situation zugeschrieben, also wie sie wahrgenommen, interpretiert und bewertet wird, ist als Faktor C dargestellt. Hier meint Hill, dass selbstbestimmtem Handeln eine Phase der Überlegung und Prüfung vorausgeht in der die Handlungssituation definiert wird. Für jeden Willensakt ist die Situationsdefinition eine notwendige Vorraussetzung. Unter gegebenen Bedingungen und mit einer gegebenen Kombination von Einstellungen wird eine unbegrenzte Vielzahl von Handlungen notwendig.

„Eine bestimmte Handlung kann nur dann auftreten, wenn diese Bedingungen in einer bestimmten Weise ausgewählt, interpretiert und kombiniert werden und wenn eine gewisse Systematisierung dieser Einstellungen erreicht wird, so dass eine von ihnen zur Vorherrschenden wird und die anderen überragt.“[30]

Die soziale Wirklichkeit der Familie ist nicht nur aus äußeren und inneren Strukturmerkmalen zu erklären, sondern vor allem auch aus den Vorstellungen der Familienmitglieder über ihre eigene Familie, über den Charakter des sie belastenden Ereignisses und über ihre Handlungsmöglichkeiten und ihre –aussichten.[31]

Schließlich stellt X das Ausmaß der Krise dar, der sich die Familie ausgesetzt sieht.

Vor allem die subjektive Bedeutung einer Situation (Faktor C) ist zentral für die Erklärung von Stress und Krise. Die Krisenbewältigung wird zu einem Prozess, dem die Familie nicht nur reaktiv ausgesetzt ist, sondern den sie aktiv mitbestimmt.

Das ABC-X-Modell von Reuben Hill wurde mehrmals überarbeitet und erweitert. So hat z.B. Burr 1973 versucht, das Modell in eine empirisch überprüfbare Hypothesenkonstruktion einzubauen. McCubbin und Patterson entwickelten 1982 das „Double ABC-X-Modell“ als Erweiterung des Modells von Reuben Hill. Auf diese einzelnen Modell-Varianten im Einzelnen einzugehen, würde hier jedoch zu weit gehen.

3.2 Krisenbewältigung

Die besten Vorraussetzungen, sich abzeichnende krisenhafte Entwicklungen aufzufangen sind eine hohe Solidarität und dauerhafte Sympathie der Familienmitglieder. Dadurch ist das Interesse an der Aufrechterhaltung der Familie ausreichend vorhanden und die Familienmitglieder zeigen eine hohe Bereitschaft, etwas dafür zu tun. Neben dieses, als „Kohäsion“ bezeichneten Zusammenhalts ergibt sich ein weiteres „Krisen-Gegenmittel“ aus der Flexibilität von Familienaktivitäten und –beziehungen. Vor allem gilt dies für die flexible Anpassung von Verhaltensregeln, der Aufgabenverteilung, der Machtverteilung und der Zeitverwendung.

Wenn eine Krise auftritt müssen Rollen verändert oder neu verteilt werden, manche Aktivitäten erfordern mehr, andere weniger Zeit und neue Aufgaben entstehen.

Mit Flexibilität ist aber auch die Möglichkeit gemeint, bestimmte Leistungen auf die Umwelt, z.B. der sozialen Netzwerke, zu verlagern um die Familie zu entlasten und bei der Problembewältigung zu unterstützen.

Die genannten Mittel der Kohäsion und der Flexibilität setzen jedoch Systemtransparenz voraus, das heißt, dass die Familie zunächst wahrnimmt, was in ihr vorgeht und Veränderungen, Bedürfnisse und Anforderungen erkennt, wofür wiederum kontinuierliche Kommunikation in der Familie unumgänglich ist. Versuche der Krisenbewältigung lassen sich nur so kontrollieren und in die richtige Richtung lenken.

Selbst nach Bewältigung einer Krise können Folgeprobleme für andere Teilbereiche der Familie entstehen. Es kann sogar notwendig sein, dass sich alle Beziehungen auf die neue krisenhafte Situation einstellen müssen. Gleichzeitig kann eine Krise so komplex sein, dass in ihnen eine Vielzahl unterschiedlicher Stressoren zusammenwirkt. Hier muss die Familie sich auf ein völlig neues Niveau begeben, weil in ihrer gegebenen Struktur kein geeignetes Gegenmittel zu finden ist. Dieser Prozess, „Ultrastabilisierung“ genannt, ist eine Gesamtstrukturelle Um- bzw. Neubildung. Die Familie muss eine völlig neue Struktur finden, wofür ein hohes Maß an Kohäsion und Sympathie Grundvoraussetzung ist.

[...]


[1] vgl. Schneider, N.F. – 1991, S.49

[2] zit.: Findl, P., 1993, zitiert in: Wilk, L. - 1998, S. 307

[3] vgl. http://www.grosseltern-initiative.de/Studien/Diplomarbeit.pdf

[4] vgl. Kraus-Prause, D. / Kraus, J. / Nonnenmacher, E. - 1995, S. 95

[5] aus: http://www.grosseltern-initiative.de/Studien/Diplomarbeit.pdf

[6] zit.: Brockhaus Enzyklopädie

[7] zit.: Schneewind - 1999

[8] zit.: Beham, M. / Schramm, B. - 1995

[9] vgl. Meyer, 1992 IN: Geißler - 1992, S.264

[10] vgl. Lakemann, U. - 1999, S. 51

[11] vgl. Lakemann, U. - 1999, S. 52

[12] Vgl. Hetlage, R. - 2000

[13] Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - 2001“ aus: http://www.grosseltern-initiative.de/Studien/Diplomarbeit.pdf

[14] vgl.: Statistisches Bundesamt

[15] vgl.: Reader zu Lehrveranstaltung "Familienpsychologie I" Universität Wien

[16] vgl.: Reader zu Lehrveranstaltung "Familienpsychologie I" Universität Wien

[17] Friedrich, W. / MüllerH. - 1980

[18] Goldstein, S./ Solnit A. - 1995, S.22

[19] Minich, I. – 1998, S.7

[20] vgl. Statistisches Bundesamt

[21] vgl. Statistisches Bundesamt

[22] vgl. Statistisches Bundesamt

[23] vgl. Statistisches Bundesamt

[24] Minich, I. – 1998, S.8

[25] Minich, I. – 1998, S.9

[26] Minich, I. – 1998, S.9-10

[27] vgl. Statistisches Bundesamt

[28] vgl. Statistisches Bundesamt

[29] vgl. Herzer, M. -1998, S.162

[30] vgl. Herzer, M. -1998, S.161

[31] vgl. Herzer, M. -1998, S.162

Details

Seiten
103
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638532334
ISBN (Buch)
9783638694223
Dateigröße
822 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59239
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,3
Schlagworte
Scheidung Zusammenbleiben Kind

Autor

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Titel: Scheidung - Zusammenbleiben fürs Kind, oder lieber scheiden lassen?