Lade Inhalt...

Leseprobe

Hannibals strategische Kriegsführung

von Stephan-Pierre Mentsches

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, zum einen, weil Hannibal die bedeutendste Figur des Geschichtsabschnittes war, den das Seminar behandelt, war er es doch, der die Römer an den Rand einer vernichtenden Niederlage brachte und mit seinem militärtaktischem Geschick noch weit in die Neuzeit hinein präsent war, beispielsweise beim Schlieffenplan 1905, wo nämlich der General immer an eine Umfassungsschlacht gegen die Franzosen wie bei Cannae dachte.

Jedoch war Hannibal nicht nur erfolgreich aufgrund seines strategischen Genies, sondern er hatte auch vieles seinen Informationsquellen zu verdanken, durch die er wichtige Geschehnisse in den römischen Heeren erfuhr. Als Beispiel seien hier kurz erwähnt die täglich wechselnden Oberbefehle unter den Konsuln Paulus und Varro, die die Heere in der Schlacht bei Cannae führten, oder die Zwistigkeiten zwischen dem Diktator Fabius und seinem Reitobersten Minucius. Dadurch wußte Hannibal genau, wann er abzuwarten hatte, oder wann er zuschlagen durfte.

Ein weiterer Grund für dieses Thema war die Tatsache, daß es relativ einfach ist es darzustellen, aus folgenden Gründen:

Generell hat sich auf dem Gebiet der Nachrichtendienste nicht viel geändert, von der Antike bis hin zur Neuzeit, letztlich sind Satelliten oder ähnliches ja auch nur eine „Verlängerung“ der Augen und Ohren.

Des weiteren liegt für dieses Thema ein gutes Quellematerial vor, da die antiken Autoren (vor allem Livius und Polybios) Schlachten sehr gerne und sehr ausführlich beschrieben und nicht nur die Schlacht selber, sondern auch den sogenannten „Vorabend“, also die Vorbereitungen auf die selbige.

Als Hauptquellen für die folgende Ausarbeitung wurden folgende Werke neben Livius Büchern 21 und 22 benutzt:

Zlattner, Max; „Hannibals Geheimdienst im 2. Punischen Krieg“

Riepl, ; „Das Nachrichtenwesen des Altertums“ S. 438-448; 465-469

Was zählt zu den Aufgaben der Aufklärung allgemein?

Zum einen zählt schon die Wahl des Schlachtplatzes dazu, jeder Feldherr, das gilt für alle Zeiten, nicht nur für die Antike, ist darauf bedacht, einen Schlachtplatz mit taktischem Vorteil auszuwählen. Dazu zählen Faktoren wie Topographie, Geländegängigkeit (in Hannibals Falle für Pferde und Elefanten), etwaige Hindernisse, und Stellen, für Deckung und Tarnung, zum Beispiel eines Hinterhaltes.

Des weiteren sind ein wichtiger Bestandteil Informationen über den Feind, dazu zählen vor allem quantitative und qualitative Stärke seiner Streitmacht, deren Standort und desgleichen auch von seinen Reservetruppen.

Ebenfalls von Bedeutung sind die eventuelle Anwesenheit dritter, zum Beispiel ziviler Völkerschaften und deren mögliches Verhalten, die Ernährung des eigenen Heeres, also logistische Elemente und das Klima und seine möglichen Auswirkungen auf den Gegner und einen selbst.

Welche Mittel besaß nun Hannibal, um diese Informationen zu erlangen?

Zum einen hatte er Reiterspähtrupps, denen er sich wahrscheinlich auch selbst teilweise anschloß.

Eine sehr wichtige Quelle allerdings waren Deserteure, vor allem, wenn sie kurz vor der Schlacht desertiert waren. Deserteure waren eine sehr sichere Quelle, da ihnen bei Erfolg ihrer ehemaligen Truppen die Todesstrafe bevorstand, im Gegensatz zu Kriegsgefangenen, die oftmals nur sagten, was man hören wollte, zum einen erhofften sie sich dann eine bessere Behandlung, zum anderen hofften sie bei einer Niederlage auf ihre Befreiung. Trotz allem konnte man aber manchmal auch von ihnen etwas erfahren. Ein Beispiel für die Spionagedienste der Deserteure bietet Livius bei seiner Beschreibung der Schlacht an der Trebia, bei der kurz vorher 2000 Gallier zu Hannibal überliefen.

Ebenfalls sehr erfolgreich nutzte Hannibal die Tatsache aus, daß sowohl sein, als auch das römische Heer gallische Söldner beinhaltete. So sendete er auch Gallier als Spione zu ihren Stammesgenossen in römische Lager. (Liv. 21,53,11)

Des weiteren setzte Hannibal auch taktische Täuschungsmanöver ein, so zum Beispiel das Anzünden der 2000 Rinder um Fabius Maximus zu täuschen, oder die scheinbar mit sehr schwachen Kräften besetzte Anhöhe kurz vor der Schlacht gegen Minucius, aber auch der Versuch Briefe zu fälschen um Salapia zu nehmen, zählen dazu.

Alle diese Dinge waren für Hannibal sehr wichtig, denn man muß bedenken, daß er mit einem quasi Eliteheer weit abgeschnitten vom Nachschub mitten in Italien war. Daher konnte er Verluste nur mit angeworbenen Söldnern, meist Gallier, die unerfahren waren und somit die Truppenqualität senkten, ersetzen. Um also schlagfertig zu bleiben mußte er seine Verluste, zumindest die der erfahrenen Eliten, auf ein Minimum beschränken. Er war also auf Überraschungsmomente, die auf den Spionageinformationen fußten, angewiesen.

Auch aus diesen Gründen entwickelte er vielleicht als einer der ersten die Kriegspropaganda und die psychologische Kriegsführung. So ließ er beispielsweise verbreiten, er sei krank um Gegner in Sicherheit zu wiegen, oder er provozierte überhastete Angriffe der Römer als er zum Beispiel bei den Schlachten an der Trebia und auch bei Cannae seine numidische Reiterei bis an die Grenze des römischen Lagers vordringen ließ.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638532860
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59303
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2
Schlagworte
Hannibals Kriegsstrategien Einführungsseminar

Autor

Zurück

Titel: Hannibals Kriegsstrategien