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Die Auswirkungen der Frühsexualisierung durch Instagram auf Mädchen in der Phase der Frühadoleszenz

Hausarbeit 2020 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die sexualisierte Gesellschaft

3. Die Rolle der Massenmedien
3.1. Social Media: Instagram
3.2. „Generation Porno“

4. Frühsexualisierung
4.1. Sexuelle Sozialisation
4.2. Sexualisierte Rollenbilder im Konsum

5. Die Frühadoleszenz - Entwicklungspädagogische Prozes se

6. Auswirkungen auf Kinder in der Phase der Frühadoleszenz
6.1. Wandel der sexuellen Sozialisation
6.2. Körperwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Selbst-Objektifizierung
6.3. Vorstellung von Beziehung, Liebe und Sexualität
6.4. Sexuelle Unzufriedenheit und Desensibilisierung
6.5. Unrealistische Anforderungen und Versagensängste
6.6. Sexuelle Gewalt

7. Fazit, Lösungsansätze und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In Mitte des 20. Jahrhunderts fand der Begriff der Frühsexualisierung seinen Ursprung im öffentlichen Diskurs über die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen. (vgl. Siri 2016, S. 251). Es wurden viele Stimmen laut, die eine „frühkindliche Sexualaufklärung“ und die gesellschaftliche Enttabuisierung von Sexualität kritisierten. Gegner der Flexibilisierung und Liberalisierung der heteronormativen Geschlechtsrollen verwendeten diesen Begriff, um gegen die Sexualaufklärung und damit einhergehende Emanzipation der Jugend anzugehen. Sie empfanden die sexuelle Aufklärung als Bedrohung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, traditioneller Werte und Rollenbilder von Mann und Frau. Der technische Fortschritt und Wertewandel der vergangenen Jahrzehnte hat dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft tiefgreifend verändert hat. Die digitalen Medien sind zu unserem alltäglichen Begleiter geworden. Ein riesiger Pool von Websites und Daten eröffnet für alle Individuen mit Zugang zum Internet unerschöpfliche Möglichkeiten. Die Enttabuisierung von Sexualität hat dazu geführt, dass wir tagtäglich in Film Funk und Fernsehen mit Sex, Nacktheit und Pornografie konfrontiert werden. Seit den 90er Jahren wird die „gesellschaftliche Sexualisierung“ öffentlich diskutiert und auch oft kritisiert. (vgl. Hartmann 2016, S. 124). Die ständige Präsenz von Sexualität in der Öffentlichkeit, in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und im Bewusstsein der Menschen hat zur Konsequenz, dass sich auch Kinder und Jugendliche derer nicht entziehen können. Die idealisierten und sexualisierten Frauen- und Männerbilder, die in der Werbung präsentiert werden, können Kinder und Jugendliche besonders in der Phase der Frühadoleszenz in ihrer Entwicklung beeinflussen bzw. stören. Bestärkt wird dieser Prozess durch die digitalen sozialen Medien, wie z.B. Instagram, Snapchat & Co. Symptome für diese Theorie finden sich beispielsweise in der Selbstsexualisierung auf Profilbildern, die erotisch-intime Darstellung von Mädchenfreundschaften oder frühen sexuellen Beziehungen, die auf den Online-Plattformen präsentiert werden.

In der vorliegenden Hausarbeit sollen die Auswirkungen der Frühsexualisierung durch die Nutzung der Social-Media-Plattform „Instagram“ auf Mädchen in der Phase der Frühadoleszenz (ca. 13 Jahre) erörtert werden. Im ersten Schritt (Kapitel 2) wird die sexualisierte Gesellschaft anhand ihrer Dimensionen, Ursachen und Folgen erläutert. Konkret wird hier auf die Sexualisierung der Geschlechter und die Stereotypisierung eingegangen. Im nächsten Punkt (Kapitel 3) wird der Fokus auf die Rolle der digitalen Massenmedien und der sozialen Netzwerke (hier: Instagram) gelegt. Weiterhin werden Ausführungen zum Begriff „Generation Porno“ getroffen. Im vierten Kapitel erfolgt eine Beschreibung der Frühsexualisierung und der dazugehörigen sexuellen Sozialisation sowie sexualisierter Rollenbilder im Konsum. Im nächsten Schritt wird die frühadoleszente Phase und die dazugehörigen Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden thematisiert. (Kapitel 5). Das sechste Kapitel beschreibt die Auswirkungen der Frühsexualisierung auf Kinder und Jugendliche in der o.g. Phase und beleuchtet diese insbesondere im Kontext der sozialen Medien. Auf Basis dessen erfolgen im Fazit (Kapitel 7) eine Zusammenfassung der Analyseergebnisse, die Beantwortung der Fragestellung sowie potentielle Lösungsansätze und ein Ausblick.

2. Die sexualisierte Gesellschaft

Das Thema Sexualität ist in unserer heutigen Gesellschaft allgegenwärtig geworden. Wissenschaftlich betrachtet bezeichnet der Begriff „Sexualität" eine ,,allgemeine auf Lust bezogene Lebensenergie mit ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen." (Sielert 2005, S.41). Der Fokus der vorliegenden Hausarbeit richtet sich auf den Aspekt der Sexualisierung. Als „Sexualisierung" bezeichnet man „die Fokussierung bzw. Hervorhebung der Sexualität innerhalb eines umfassenderen Kontextes [...], die Betrachtung eines Objektes unter sexuellen Gesichtspunkten.“ (vgl. Schuhmacher 2008, S. 12). Von einer Sexualisierung der Gesellschaft wird gesprochen, wenn eine „ständige, bzw. ständig wachsende Präsenz von Sexualität in der Öffentlichkeit, in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und im Bewusstsein der Menschen" (ebd., S. 13) vorliegt. Dies geschieht durch „geschlechterasymmetrische Repräsentationsformen, […], die in „Massenmedien, in Sozialen Medien und auch in innovativen digitalen Medientechnologien" (vgl. Döring 2020, S. 5) nachgewiesen werden. Hierfür sind eine „Vielzahl sozialer Faktoren" verantwortlich, wie zum Beispiel die „mediale Verbreitung von Schönheitsstandards durch Fernsehen und Internet," die dadurch entstehende „Idealisierung von Attraktivität und Lustgewinn" und deren daraus resultierende „Breitenwirkung und Akzeptanz der Bevölkerung." (vgl. ebd.). Durch den „lockeren Umgang mit Sexualität in den letzten Jahrzehnten" wurden „Tabus gebrochen und freizügiger gelebt." (ebd.). Besonders die „Liberalisierungsprozesse der späten 60er und frühen 70er Jahre können als sexuelle Revolution bezeichnet werden." (vgl. Baacke 1987, S. 172). „Sexualität sollte von den Zwängen der Reproduktion, den äußeren Einschränkungen und Normierungen befreit werden." (vgl. ebd.). Heute sprechen viele Menschen von einem „Verfall von Sitte, Anstand und Moral." (vgl. Schumacher 2008, S. 14). Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die digitalisierte Gesellschaft zur „Sexualisierung und Pornografisierung" (Schuegraf & Tillmann, 2011) tendiert. Nach Döring bedeutet Sexualisierung im Kontext von „Massenmedien und Internet die ausdrückliche Behandlung sexueller Themen (z. B. in Songtexten, TV-Serien, Video- und Onlinespielen) und/oder […] die Nutzung einer sexualisierenden Darstellungsweise, obwohl es gar nicht primär um Sexualität geht.“ (vgl. Döring 2020.). Besonders in den letzten „Jahrzehnten wird eine zunehmende Sexualisierung der Medienlandschaft beobachtet, teilweise ist auch von Pornografisierung die Rede.“ (ebd.). Diese Wendung lässt sich darauf zurückführen, dass die beschriebene Sexualisierung „starke emotionale Reaktionen“ erzeugt und damit „Aufmerksamkeit beim Publikum“ erregt (vgl. ebd.). Meistens wird sie dazu genutzt, einer „Steigerung von Quoten, Auflagen und Umsatz“ (ebd.) zu dienen. Es wird deutlich, dass sich „parallel zu vermeintlichen oder beobachtbaren Veränderungen von Sexualität auch Vorstellungen und Bedeutungen der Modellierung, der Inszenierung sowie die Wahrnehmung des Körpers im öffentlichen Diskurs und im gesellschaftlichen Miteinander verändern." (vgl. ebd.). Darstellungen von „attraktiven […] Körpern werden in unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen wie dem Sport, der Politik, der Populärkultur" (vgl. ebd.) präsentiert. Es zeigen sich „Verschiebungen im Umgang mit Freizügigkeit, Öffentlichkeit und Privatheit und Entwicklungen zur zunehmend medialisierten Selbstdarstellung und Körperperformance." (vgl. ebd.). Die Sexualisierung der Geschlechter definiert die „Entwicklung des Menschen hin zu einem Wesen, das immer mehr durch seine geschlechtsspezifischen Triebe gesteuert wird bzw. diese bewusst in den Vordergrund stellt." (vgl. Schumacher 2015, S. 44).

Die Sexualisierung versucht weiterhin durch ihre Zuschreibungen auf stets unterschiedliche Weise, „die Beziehungen der Geschlechter untereinander und zueinander ins Bild zu setzen, zu reglementieren, zu verändern, zu stabilisieren und zu idealisieren, was unser Menschenbild richtungsweisend und beherrschend prägt." (vgl. Bogensperger/Brunnauer 2017, S. 22). Menschen, die in der Werbung präsentiert werden, sind „auffallend schön, attraktiv, körperbetont, jung, sportlich, dynamisch, gesund, wohlhabend und sexy." (Schönherr-Mann 2015, S. 12). Geschlechterklischees werden durch „häufige Wiederholung zur Norm." (vgl. ebd.). Als Beispiele hierfür gelten: „Die Darstellung von Frauen als Mütter oder als Lustobjekte.“ (vgl. ebd.). In beiden Situationen verkörpert die weibliche Rolle „Schönheit, Jugendlichkeit, Zerbrechlichkeit.“ (vgl. ebd.). Frauen im Werbesektor werden zunehmend auf „Dekorationsobjekte für Produkte reduziert." (ebd.). Männerbilder in der Werbung gelten als „stark, dominant, haben Macht und Einfluss und bezwingen die Natur." (vgl. ebd.). Auch Kinder und Jugendliche sind von den allgegenwärtigen sexualisierten Darstellungen und Gebärden betroffen. Grundsätzlich sind Kinder in der sexualisierten Gesellschaft als „Zielgruppe für die Werbung nicht unwichtig, [...] da diese selbst Kaufentscheidungen treffen, Wünsche äußern oder das Kaufverhalten der Eltern mit beeinflussen." (Schönherr-Mann 2015, S. 27). Die Werbespots, die an Kinder gerichtet sind, enthalten „eindeutige geschlechterspezifische Stereotype." (vgl. ebd.). Laut Bogensperger und Brunnauer wird in „Mädchenspots zu 50 % für Puppen" und in den „Spots für Jungen Werbung für Actionfiguren, Spielzeugautos, Spielzeugwaffen, Baukästen und Bausteine" gemacht. (vgl. ebd.). Bei der „Farbgebung" wurde festgestellt, dass Mädchenspots „überwiegend in Pastellfarben und rosa (zu 43 %), Jungenspots hingegen in kräftigen Farben, überwiegend rot (zu 55%) aber auch blau und schwarz" gehalten werden. (vgl. ebd.). Diese Rollenzuschreibungen prägen die Kinder für ihr weiteren Leben und zeigen ihnen einen Rahmen auf, in dem sie sich entwickeln sollen. Weiteres hierzu in Kapitel 3 und 4. Sexualisierung findet, wie bereits erläutert, „hochgradig geschlechterasymmetrisch" statt. (vgl. Döring 2020). Dieser Aspekt manifestiert sich in der Tatsache, dass meistens „einseitig Mädchen und Frauen als Sexualobjekte für den heterosexuellen männlichen Betrachter in Szene gesetzt" werden und „unabhängig von ihrem Aussehen [...] viel seltener als kompetente Akteurinnen in den Medien" auftauchen, als Männer. (vgl. ebd.). Werbung gibt dementsprechend „Hinweise auf gesellschaftliche Normen" (vgl. Thiele, 2015b, 10). Diese Normen stützen sich größtenteils „auf Stereotype" und enthalten „Geschlechternormen, die uns in genau zwei Kategorien, Frauen und Männer einteilen, uns vorschreiben, wie wir uns unserem Geschlecht entsprechend zu verhalten und sexuell zu orientieren haben." (vgl. Bogensperger/Brunnauer 2017, S. 24). Sie „spiegeln und manifestieren machtasymmetrische Geschlechterverhältnisse (Sexismus)." (ebd.). Modefirmen, die „sexy Hotpants für 8-jährige Mädchen herstellen, […] junge Frauen, die im Wettbewerb um ein Fotoshooting nackt in Discos auftreten, oder die vielen entwürdigenden Castingshows im Fernsehen sind lediglich Symptome ein und desselben gesellschaftlichen Zustands.“ (Voigt 2015, S. 132). Die „allgegenwärtigen sexualisierten Frauendarstellungen," mit ihren „strengen und oft unrealistischen Schönheitsidealen" (vgl. ebd.) bringen Negativfolgen mit sich, die im weiteren Verlaufe dieser Hausarbeit noch erläutert werden.

3. Die Rolle der Massenmedien

Die digitalen Massenmedien sind an der „Gestaltung von Lebenswelten und der Schaffung von Wirklichkeiten" beteiligt. (vgl. Aigner et al 2015, S. 7). Sie unterstützen die „Flucht aus dem Alltag," und tragen erheblich „zu Enttabuisierung der Sexualität bei." (vgl. Schumacher 2015, S. 43). Durch die „tägliche Konfrontation mit facettenreicher Sexualität in den Medien, insbesondere den Massenmedien," findet einerseits eine Aufklärung bezüglich Sex statt, jedoch auch eine Aufrechterhaltung von „Rollen- und Geschlechterzuschreibungen, Schönheitsstandards und Idealisierungen." (vgl. Schumacher 2015, S. 43). Oftmals werden ihre „medialen Einflüsse und Wirkungen als problematisch beurteilt" (ebd.), insbesondere wenn es um die „Sexualisierung und Pornografisierung" (ebd.) der Gesellschaft geht. Es wird diskutiert, ob Veränderung von Sexualität bei jugendlichen und erwachsenen Individuen durch Faktoren aus der „medialen Welt" verursacht oder unterstützt werden. Eine wichtige Rolle spielen hier der „vereinfachte Zugang" und die uneingeschränkten Partizipationsmöglichkeiten „mittels digitaler Medien." (vgl ebd., S. 8). Hierzu mehr in Kapitel 4 und 5 der vorliegenden Hausarbeit.

3.1. Social Media: Instagram

Die sozialen Medien werden definiert als „eine Gruppe von Internetanwendungen, die auf den technologischen und ideologischen Grundlagen des Web 2.0 aufbauen und das Erstellen und den Austausch von User Generated Content ermöglichen." (Kaplan/Haenlein 2010, S. 59). Sie ermöglichen ihren NutzerInnen die „gegenseitige Interaktion [...] einen interaktiven Austausch," sowie die „Erstellung und Teilung von Inhalten." (vgl. Kuphal 2010, S. 23). Die sozialen Netzwerke sind zu einem festen Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft geworden. Sie werden für private als auch für marketingtechnische Zwecke verwendet. Psychologische Ziele, die Menschen grundsätzlich bei der Nutzung der sozialen Netzwerke anstreben, sind laut Leung die „Befriedigung sozialer und emotionaler Bedürfnisse, der Ausdruck negativer Gefühle, der Erhalt von Bestätigung und Aufmerksamkeit, Unterhaltung und die Befriedigung kognitiver Bedürfnisse" (vgl. Leung 2013). In Bezug auf Kinder und Jugendliche können die sozialen Netzwerke als „entwicklungsförderndes" Medium betrachtet werden, da sie viele Möglichkeiten der Kommunikation bieten. (vgl. Klicksafe 2020). Ein großer Teil des adoleszenten Lebens verläuft über die digitalen sozialen Medien. Jedes Mitglied der sozialen Plattform „legt ein Profil an, auf dem [es] selbst die Inhalte bestimmten und kreieren kann." (vgl. ebd.). Hier ist insbesondere der Aspekt der Selbstdarstellung von Wichtigkeit. Kinder und Jugendliche erhalten durch das soziale Netzwerk die Möglichkeit, ihre „Interessen und soziales Umfeld" zu präsentieren und sich selbst auszuprobieren. (vgl. Klicksafe 2020). Die sozialen Netzwerke sind „multifunktionell" (ebd.) und bieten viele Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen und zu partizipieren. Kommunikationsmöglichkeiten in Form von „Chats, Nachrichten und Gruppen" laden zur Interaktion ein, was wiederum Kinder und Jugendliche in ihrer „Identität stärkt [...] und Selbstbestätigung durch Gleichaltrige" generiert. (ebd.). Die Netzwerke ermöglichen es, „ohne großen Aufwand [verschiedene] Identitätsmodelle ausprobieren und sogleich eine Rückmeldung von der Internetgemeinschaft" zu erhalten. (vgl. ebd.). Aufgrund der immer größer werdenden „Bedeutung visueller Kommunikation im Netz, steigt auch die Relevanz und Verbreitung von Bilder- und Video-Netzwerken." (vgl. Kobilke 2014, S. 23).

Die Social-Media-Plattform, die in der vorliegenden Hausarbeit im Fokus steht, ist die „mobile Foto- und Video-Sharing-Applikation" (Kobilke 2014, S. 13) Instagram. Instagram ist eine „kostenlose speziell für Smartphones entwickelte App, mit der NutzerInnen Fotos und Videos einfach erstellen, bearbeiten und anschließend im Internet sowohl mit der Instagram-Community als auch weiteren Social-Media-Kanälen oder via E-Mail teilen können." (vgl. ebd.). Sie ist eines der „größten sozialen Netzwerke der Welt." (ebd.). Die Community kommuniziert „über Bilder und Videos aus ihrem Alltag lebhaft miteinander." (ebd., S. 14). Die UserInnen „folgen" einander, „kommentieren die eigenen oder die Fotos und Videos von Gleichgesinnten" und können diese mit einem „Gefällt mir" versehen. (vgl. ebd.). Die Online-Plattform wurde im Oktober 2010 von den Gründern Kevin Systrom und Mike Krieger veröffentlicht (vgl. ebd., S. 15) und hat inzwischen eine „Reichweite von 1 Milliarde aktiver NutzerInnen" (Stand Juni 2018) (vgl. Instagram 2018). Die aktive Zahl an NutzerInnen beträgt in Deutschland 15 Millionen (vgl. Statista 2017) und nimmt auch weltweit stetig zu. Gemäß der JIM-Studie 2018 empfinden 60% der befragten 12-19-jährigen Mädchen Instagram als die wichtigste App auf ihrem Smartphone. (vgl. Abb. 1: JIM-Studie 2018). Weiterhin führte das Institut für Angewandte Psychologie in Zürich im Jahre 2018 eine Studie zur täglichen Nutzungsdauer von Social-Media durch. Im Ergebnis zeigte sich, dass 82 % der 12-13-jährigen befragten Mädchen täglich bzw. mehrmals pro Woche Instagram nutzen. (vgl. Abb. 2: ZHAW 2018). Laut Voigt lässt sich das „Prinzip der sozialen Medien [...] stets auf die beiden Funktionen Inszenieren und Kommunizieren zurückführen." (vgl. Voigt 2015, S. 19). Der Vergleich mit anderen NutzerInnen der Plattform ist ein Thema, welches häufig diskutiert wird. Die interaktive Öffentlichkeit macht die „Selbstdarstellungen" der NutzerInnen „permanent vergleichbar." (vgl. ebd.).

Die sozialen Netzwerke bieten viele „Freiheitsgrade bei der Selbstdarstellung" (vgl. Oberst et al 2016) und es wird darüber diskutiert, dass „Geschlechterklischees in den selbstproduzierten Social-Media-Inhalten wie etwa den YouTube-Videos, Facebook-Profilen" oder Instagram-Feeds „verstärkt auftreten." (vgl. Döring 2016). Junge Mädchen „zeigen sich auf ihren sozialen Netzwerken wie z.B. Instagram als süß und sexy,“ figurbetont und mit Schmollmund (vgl. Abb. 3: Instagram-Posts von 13-jährigen. 2019.), Männer als mächtig und stark mit Statussymbolen und Bizeps.“ (Döring 2020, S. 5). Hinzu kommt, dass meist Perfektionierungen mit Hilfe digitaler „Bildbearbeitungsprogramme" vorgenommen werden, die eine „an geschlechtsspezifischen Schönheitsidealen orientierte Selbstdarstellung" noch vervollkommnen. (vgl. ebd.). Durch die Bearbeitung steigen natürlich die Standards. Dies hat zur Folge, dass sich nicht nur „internationale Stars" optisch perfekt präsentieren, sondern auch „das Mädchen von nebenan [...] heute in Sozialen Medien immer öfter ein übernatürlich perfektes Aussehen" (Kleemans et al. 2017) zeigt. Weitere Ausführungen zur Selbstdarstellung von frühadoleszenten Mädchen und deren Folgen finden sich in den Kapiteln 4 und 6.

3.2. Generation Porno

Ein weiterer Schwerpunkt in Bezug auf Kinder und Jugendliche in der sexualisierten Gesellschaft zeigt sich in der zunehmenden Nutzung von pornografischen Inhalten. Bereits in der siebten Jahrgangsstufe, d.h. im Alter von 13 Jahren, kursieren in Schulklassen pornografische Inhalte. Nach Kostenwein wird die aktuelle Generation von Kindern und Jugendlichen als „Generation Porno" bezeichnet, (vgl. Kostenwein 2018, S. 78), da der Konsum bzw. die Konfrontation mit pornografischen Inhalten für diese mittlerweile zur Normalität geworden ist. Die Begriffe „Pornofizierung und Pornografisierung“ beschreiben das „Hinüberschwappen von pornografischen Bildern, Vorstellungen und Verhaltensweisen in die Alltagskultur der Gesellschaft." (vgl. Heiliger 2013, S. 7). Beispiele hierfür sind die „Darstellung von Frauen als Huren, d.h. in sexuell anbietenden Positionen, in der Werbung für Kleidung, Autos, Firmen, Veranstaltungen, [...] Kurse im Stangentanzen, [...] die Verherrlichung brutaler sexueller Gewalt an Frauen in Hip-Hop-Liedern und in Musikvideos." (vgl. ebd.). Vorallem in Brennpunktbezirken wachsen Kinder und Jugendliche mit „als verroht zu bezeichnender Sexualität auf." (vgl. Martin S. 353). Das Internet hat es „auf breiter Ebene ermöglicht, Pornographie kostenlos zugänglich zu machen und damit die Pornoindustrie zu einer kompletten Umstrukturierung gebracht." (vgl. Kastenstein S. 80).

Es ist von Bedeutung, den „gesellschaftlichen Prozess der Pornofizierung" (Heiliger 2013, S. 1) zu hinterfragen und die Folgen für junge Mädchen und Frauen zu betrachten. Pornographie bedeutet wörtlich die „Darstellung von Huren" (ebd.) und zeichnet ein ganz bestimmtes Bild von Frauen. Dieses Bild hat Folgen für die Frauen, die im „Pornografiegeschäft" arbeiten als auch für „alle Frauen, die mit den Auswirkungen des Bildes“ konfrontiert werden. (vgl. ebd.). Bei der Pornografie geht es in erster Linie nicht um „Erotografie," d.h. „keine Darstellung lustvoller Sexualität zwischen Frauen und Männern auf gleicher hierarchischer Ebene," sondern um die „Benutzung des weiblichen Körpers zur sexuellen Stimulierung des – in erster Linie – männlichen Betrachters, in der Regel für die Masturbation." (vgl. ebd., S. 2). Wie Dr. Heiliger beschreibt, ist Pornographie „keine Darstellung sexueller Reaktionen und Bedürfnisse von Frauen, sondern eine Vortäuschung weiblicher Lust bei jeglichen Stellungen, inklusive Vergewaltigung, Beschmutzung, Entwürdigung, Sodomie." (vgl. ebd.). Sie zieht daher den Schluss, dass es sich bei Pornografie nicht um „Sexualaufklärung" handelt, wie sie häufig von „vorwiegend männlichen Jugendlichen" begriffen wird, sondern gegenteilige Wirkungen mit sich bringt. (vgl. ebd., S. 3). Die „Bilder über Frauen, die sich in zumeist abstoßender Weise sexuell anbieten und jegliche als sexuell dargestellte Benutzung genießen würden, prägen die Vorstellung der Jugendlichen und erschweren, ja stören, den sensiblen Prozess der sexuellen Annäherung und den Umgang mit Gefühlen." (ebd.). Zum Teil sind es die „drastische[n] Gewaltausübung[en], die einen hohen und dramatisch wachsenden Anteil" in der Pornografie ausmachen. (vgl. ebd, S. 4). In Kommentarzeilen von Porno-Websites (hier z.B. youporn.com) kommt es zu „drastischen Einträgen [...] männlicher Nutzer, die Frauenverachtung [und] Frauenfeindlichkeit gegenüber den Frauen, die sie zur sexuellen Stimulierung benutzen, ausdrücken." (ebd. S. 5). Die meisten dieser Einträge sind „beleidigend, entwürdigend, ekelhaft und abstoßend," wie zum Beispiel: „Willige Schlampen, Fickfotzen, Fickstück, dreckige Mundfotze, Drecksau.“ (vgl. ebd. S. 6). Hier zeigt sich deutlich die „Konnotation von (männlicher) Sexualität mit Schmutz und Verachtenswürdigkeit von Frauen." (ebd.). Laut Dr. Heiliger liegt eine „Vielfalt von Beobachtungen im gesellschaftlichen Alltag vor, die einen Porno-Mainstream in den Lebenswelten von Jugendlichen wie Erwachsenen dokumentieren." (vgl. Heiliger 2013, S. 8). Es wird deutlich, dass für Heranwachsende „ein enormer Druck entstanden ist, sich der „Porno-Norm“ anzupassen. (vgl. ebd.). Pornografie setzt negative Maßstäbe für Körper und Sexualverhalten und führt Sexpraktiken wie Anal- und Oralverkehr“ als Standard vor." (ebd.). Frauen und Mädchen sind verunsichert und fühlen sich unter Druck gesetzt, ihre eigenen Grenzen zu überschreiten, um die „allgemeine Norm" zu erfüllen. Passend hierzu berichtet die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf von einem „sprunghaften Anstieg von Vaginismusfällen (Scheidenkrampf), der vor allem bei jungen, sehr leistungsorientierten Patientinnen" auftrete. (vgl. ebd.). Frauen „stehen unter dem normativen Druck, sexuell interessiert, erlebnisfähig und potent zu sein." (ebd.) Laut Dr. Heiliger werden „Sexualberatungsstellen [...] immer häufiger wegen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr aufgesucht [und] PädagogInnen beobachten täglich Nachahmungsverhalten von Mädchen in pornofizierter Aufmachung, bei den Jungen Einübung in die sexuelle Dominanz im provozierenden Vorzeigen pornografischer Bilder z.B. mit Handys." (ebd.). Mädchen und Jungen wachsen mit unrealistischen Vorstellungen von Sexualität und Männer - / bzw. Frauenkörpern auf. Dies führt dazu, dass sie „Ängste entwickeln, [...] diesen Bildern entsprechen zu müssen, wenn sie selbst Sex haben werden." (vgl. ebd., S. 8).

4. Frühsexualisierung

Kinder und Jugendliche wachsen in einer „[…] modernen Leistungs- und Mediengesellschaft" auf. (vgl. Haffner et al., S. 16). Medien haben einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben und üben einen großen Einfluss auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen aus. Der Tageskonsum der digitalen Medien beläuft sich auf mehrere Stunden. (vgl. Schumacher 2008, S. 7). Die digitalen Medien übernehmen die Rolle einer Sozialisationsinstanz, an derer Kinder und Jugendliche sich vergleichen, kommunizieren und identitätsstiftende Erfahrungen sammeln. Sie nutzen das „Internet [...] zur Identitätsbildung, etwa in Form von Profilen und Fotos." (vgl. Martin S. 345). Viele Internetangebote ermöglichen „Kindern und Jugendlichen den Zugriff auf Inhalte, die ihnen nach deutscher Rechtsprechung, ob der angenommenen Entwicklungsbeeinträchtigungen, nicht zugänglich gemacht werden dürften." (Martin 2014, S. 345). Aus diesem Grund wurden im Jugendschutzgesetz rechtliche Vorgaben für Anbieter von pornografischen und sexualisierten Inhalten verordnet. Die von Anbietern im Internet einzuhaltenden Regelungen bestimmen sich vor allem nach dem Jugendschutzgesetz (JuSchG) und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Bundesländer (JMStV). Nichtsdestotrotz gestaltet sich der Zugang zu pornografischen und sexualisierten Inhalten für „viele Kinder und Jugendliche" trotz aller Versuche „unproblematisch." (vgl. Schumacher 2015, S. 43). Heutzutage sind Kinder und Jugendliche „umgeben von sexualisierten Botschaften und (Selbst-) Darstellungen in sozialen Netzwerken, Musikvideos, Filmen, in der Werbung, vermittelt über Mode und Spielsachen." (u.a. Gunter, 2014; Schuegraf & Tillmann, 2011). InfluencerInnen und Prominente wie zum Beispiel Kim Kardashian und Kylie Jenner posten täglich Bilder und Videos von sich, in denen sie sich selbst sexualisieren und objektifizieren. (vgl. Abb. 4: Fotografien von InfluencerInnen 2018 - 2020). Heranwachsende ahmen ihren Vorbildern nach und orientieren sich an ihnen. (vgl. Abb. 3: Instagram-Posts von 13-jährigen Instagram-Nutzerinnen. 2019.). Vermehrt wird die „Betreuung und die Freizeitgestaltung vieler Kinder durch die Medien" übernommen. Sie nutzen digitale Räume zur Unterhaltung, Kommunikation und Information. Wie in Kapitel 4.3. erörtert, befinden sich im Internet unzählige „für Kinder und Jugendliche unzulässige Seiten," die weder geschützt noch schwer zugänglich sind. (vgl. ebd.). Kinder und Jugendliche sind diesen unzensierten Darstellungen unkontrolliert ausgesetzt und oft überfordert. Gemäß der Online-Befragung von Hasebrink u.a. im Jahre 2019 sind es 54 % der befragten Kindern und Jugendlichen, die während ihrer Online-Nutzung „Bilder mit offensichtlich sexuellem Inhalt im Internet gesehen haben", „35% der Befragten haben eine sexuelle Nachricht in Form von Videos, Bildern oder Texten" erhalten, „30% der Befragten wurden nach sexuellen Informationen gefragt" oder haben nach ihnen gesucht. (vgl. Abb. 5: Hasebrink u.a. 2019). InternetnutzerInnen aller Altersklassen begegnen „nicht nur soft-erotischen, sondern auch pornografischen Inhalten" mitunter „ohne gezielt danach zu suchen. (Voigt 2015, S. 145). Es ist die Rede von einer „Pornoseuche“ und „emotionaler Verwahrlosung unter Teenagern unabhängig von sozialen Schichten." (ebd.). Die „zerstörerischen Folgen des Pornografiekonsums liegen in der völligen Abspaltung der sexuellen Funktion von der Person begründet." (ebd.).

Aber nicht nur in der Online-Welt, sondern auch im Alltag sind Kinder und Jugendliche der Sexualisierung ausgesetzt. Besonders in der Popkultur finden sich viele „pornografische Stilelemente“ (Schuegraf /Tillmann 2016, S. 16). In Form von „Bildern, Texten und Darstellungen“ finden diese Verbreitung in „Werbung, Spielfilmen und vor allem der Musikbranche mit ihren zahlreichen Videoclip-Inszenierungen.“ (ebd.). Dies sieht man vor allem in der Hiphop-Branche, die sich oft durch „sexualisierte, teils gewaltverherrlichende Lyriken“ (ebd.) auszeichnet. In der heutigen Popkultur sind schamlosere „Nacktheit, sexuelle Handlungen sowie sex- und gewalthaltige Texte“ an der Tagesordnung. (vgl. ebd.). Kinder und Jugendliche werden mit „Idealvorstellungen, fragwürdiger Konfliktlösung, Gewaltdarstellung und Darstellungen von Sexualität" konfrontiert. (vgl. Schumacher 2008, S. 7). Aufgrund der sexualisierten Rollenbilder werden Jugendlichen „bereits in der Pubertät und um die Pubertät herum differenzierte interaktionelle Skripte über sexuelle Akte in ihre Köpfe gesetzt, die sie dann schon einmal in Tagträumen und Phantasien oder beim realen Sex erproben." (ebd.). Diese spiegeln sich auch in der Selbstdarstellung von jungen Mädchen wieder. Diese sind häufig „ebenfalls sexuell konnotiert." (vgl. ebd.). Die Selbstdarstellung, die Kinder und Jugendliche mit den digitalen Medien betreiben, stellt eine „gängige Form des (sexuellen) Identitätsfindungsprozesses" dar. (vgl. Martin, S. 352 - 353). Sie entwickeln ihr „Selbstbild, indem [sie] sich mit den Augen derjenigen betrachte[n], denen [sie] gefallen“ wollen. (vgl. Voigt 2015, S. 92) Sie probieren neue Konzepte aus, machen „verrückte Selfies,“ etwas gewagtere Fotografien und zeigen sich auch gerne mit Freundinnen auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie nutzen die sozialen Medien um verschiedene „Facetten [ihrer] Persönlichkeit“ (ebd.) zu präsentieren. (vgl. Abb. 3: Instagram-Posts von 13-jährigen. 2019.). Das verdeutlichte Selbstbild „basiert auf den verinnerlichten Standards ihrer Altersgruppe.“ (vgl. ebd.). Kinder und Jugendliche empfinden „sich als unbeeinflusst und [ihre] Selbstdarstellung als originell.“ (ebd.). Ebenso nutzen sie die digitalen Medien, um „Kontakt aufzunehmen, zu flirten, anzubandeln, zu chatten und um andere mit (erotischem) Potential besetzte PartnerInnen" zu entdecken. (vgl. ebd.). Die Kontaktaufnahme „zu Unbekannten im Netz" spielt hier eine Rolle und birgt „insbesondere für Kinder durchaus auch Gefahrenpotentiale, die unter dem Begriff „Grooming“ oder als sexuelle Anmache diskutiert werden." (BMWFJ 2012, S. 16f.). Der Tatbestand der Sexualisierung wird meistens im Zusammenhang mit Frauen und Mädchen behandelt, da es zu meist weibliche Personen sind, die on- und offline von „sexueller Gewalt" betroffen sind. (vgl. Bieneck et al 2011, S.40). Sexuell anmutende Bilder wie zum Beispiel Bikinifotos, Duckface oder ein tiefer Ausschnitt werden „in sozialen Netzwerken eingestellt oder aber via Instant Messenger, wie zum Beispiel „WhatsApp“, versandt." (vgl. ebd.). Ein Thema, dass oftmals kritisch diskutiert wird, ist das Phänomen des „Sexting." (vgl. ebd.). Beim Sexting handelt es sich um den „[…] privat[en] Austausch selbstproduzierter erotischer Fotos per Handy oder Internet […].“ (Döring 2012, S. 47). Aus der „indirekten Sexualisierung" resultiert demzufolge eine „Selbstsexualisierung," die von den Mädchen bewusst oder unbewusst vorgenommen wird. (Vandenbosch & Eggermont, 2013). Sie reduzieren „sich selbst und andere auf ein Objekt zum Lustgewinn und [werden] wie bei einer stoffungebundenen Sucht in immer größere Entwürdigung getrieben." (vgl. Kuby 2012). Als Beispiel können hier die Studien von García Gómez angeführt werden, der „Einträge auf den Facebook-Pinnwänden 14- bis 17-jährige Mädchen aus Großbritannien untersucht." (García-Gómez 2011, S. 11). Gegenstand seiner Studien sind „sexuelle Identitäten, die sich im öffentlichen Schlagabtausch eifersüchtiger, um einen Jungen konkurrierender Mädchen" zeigen. (ebd.). García-Gómez zeigt Belege, mit vulgären Beschreibungen von sexuellen Handlungen auf den Facebook-Seiten von Mädchen, die sich gegenseitig in ihren sexuellen Erlebnissen mit dem begehrten Jungen überbieten wollen:

„He writes to u but I’m in bed with him. U whore. I eat his cock EVERYDAY. . u r bitch but u don’t know how to make him cum. I was with him yesterday and he fucked ME … so hard, so hot, so suckable. I went on him and he puts his hands on the back of my head, bucking his hips, and really getting into watching me deep throat his cock all the way without gaggin’. Can u do that? You wish!" (vgl. García-Gómez 2011, S. 10).

Fraglich ist in diesem Zusammenhang, was genau die Identitätsbildung von Mädchen beeinflusst, die durch überbetonte sexuelle Bereitschaft und Selbst-Objektifizierung auffallen. Müssen sie sich sexy präsentieren, um überhaupt wahrgenommen zu werden? Kinder und Jugendlichen fällt es schwer, sich in dieser oberflächlichen Gesellschaft zurechtzufinden. Einerseits wird das Recht auf „körperliche und sexuelle Selbstbestimmung" proklamiert (Deeger 2010, S. 180), andererseits werden sie Zeugen „sexualisierter Darstellungen (insbesondere von Frauen) die unter Umständen das Gegenteil implizieren." (ebd.). Nichtsdestotrotz wird von ihnen erwartet, ein „positives Selbst- und Körperbild zu entwickeln und Grenzen zu setzen, um sich vor sexueller Gewalt schützen zu können." (vgl. ebd.).

4.1. Sexuelle Sozialisation

Sexualität ist ein menschliches „Grundbedürfnis [...] nach körperlich-sinnlichem Lustempfinden, nach Nähe, Selbstvergewisserung und Bestätigung." (Gille 2019, S. 95). Sie ist nicht nur in der Jugend relevant, sondern, begleitet uns „ein Leben lang mit durchaus unterschiedlicher individueller, geschlechts- und lebensphasenspezifischer Gewichtung oder Ausprägung." (ebd.). Sexualität lässt sich in vier Sinnaspekte unterscheiden: „Identität, Beziehung, Lust und Fortpflanzung.“ (vgl. ebd., S. 96). Die sexuelle Sozialisation ist Bestandteil der allgemeinen Sozialisation des Menschen. (vgl. Geulen/Hurrelmann 1980, S. 51) und findet auf unterschiedlichen Ebenen statt wie zum Beispiel durch „Lehrkräfte, Peergroups, andere Bezugsgruppen und die Medien.“ (Hilgers 2004, S. 24). Jugendliche lernen etwas über ihren eignen Körper und die Gesellschaft. (vgl. ebd.). Während der Pubertät werden vermehrt „Sexualhormone“ ausgeschüttet, die zu einer „Veränderung des Körpers [und] einer Verstärkung der sexuellem Bedürfnisse und Wünsche“ führen. (vgl. Martin S, 1). Weiterhin kommt es zu einer „Verfestigung der Geschlechtsidentität und der Suche nach sexueller Orientierung.“ (ebd.). Es sind die körperlichen und psychischen Veränderungen, die das „Gefühlsleben in dieser Phase“ mehr prägen, als andere Einflüsse. (ebd.).

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Details

Seiten
33
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346179616
ISBN (Buch)
9783346179623
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v594100
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
Medienpädagogik Frühsexualisierung Frühadoleszenz Sexualisierung Sexualisierte Gesellschaft Instagram Social Media Pädagogik Medienkompetenz Rollenbilder Geschlecht Pornografisierung Gender Studies

Autor

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Titel: Die Auswirkungen der Frühsexualisierung durch Instagram auf Mädchen in der Phase der Frühadoleszenz