Lade Inhalt...

Effizienz und Regulierung bei natürlichen Monopolen - Eine institutionenökonomische Betrachtung am Beispiel des Strommarkts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 14 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Natürliche Monopole in einer Welt ohne Transaktionskosten
2.1. Definition: Subadditivität und Kostencharakteristiken
2.2. Bestreitbarkeit, Preisdiskriminierung und Wohlfahrtseigenschaften natürlicher Monopole
2.3. Der Strommarkt- ein natürliches Monopol ?
2.4. Vertikale Koordinierung zwischen Marktmächtigen Unternehmen

3. Transaktionkostenökonomische Kritik
3.1. Monopoleffizienz bei positiven Transaktionskosten
3.2. Regulierungsregimes und Opportunismus
3.3. Effizienz vertikaler Marktstrukturen und technologische Besonderheiten des Strommarkts

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Effizienz und Regulierung bei natürlichen Monopolen

eine institutionenökonomische Betrachtung am Beispiel des Strommarktes

1. Einleitung

Einer der wichtigsten Beiträge der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere der Transaktionskostenökonomik in der Tradition von Oliver Williamson, besteht in ihrer Neubewertung der Rolle von nichtmarktlichen Koordinierungsstrukturen, die von der neoklassischen Industrieökonomik nur durch das Streben nach oder die Ausnutzung von Marktmacht erklärt werden konnten. Es ist daher naheliegend, diesen Analyserahmen auf einen Phänomen anzuwenden, das als Musterbeispiel für Marktversagen gilt, das der natürlichen Monopole. Dies geschieht vor dem Hintergrund, daß weltweit eine liberalisierende Wirtschaftspolitik Sektoren, die mit der Begründung des Marktversagens bislang als Domäne staatlicher Bewirtschaftung oder Regulierung galten, privatisiert, und dies mit unterschiedlichen Ergebnissen. Als prominentestes Beispiel eines gescheiterten Liberalisierungsmodells gilt der kalifornische Strommarkt, der im Januar 2001 nach dem Konkurs der größten Versorgungsunternehmen und großflächigen Stromabschaltungen wieder unter direkte staatliche Kontrolle gestellt wurde.[1] Eine transaktionskostenanalytische Betrachtung der Marktstrukturen im Stromsektor verspricht Aufschluß darüber zu geben, welche Besonderheiten bei der institutionellen Ausgestaltung eines Reformprogramms zu beachten sind.

Im Vordergrund dieser Arbeit steht nicht eine institutionenökonomische Kritik des neoklassischen Begriffs des natürlichen Monopols; vielmehr wird dieser Begriff zur Grundlage genommen, um die Relevanz der Effizienzbewertungen und Politikempfehlungen der neoklassischen Ökonomik zu natürlichen Monopolen zu evaluieren und das Augenmerk auf institutionelle Probleme auf Strommärkten zu lenken, die von der neoklassischen Analyse nicht erfaßt werden können. Dazu wird zunächst unter neoklassischen Annahmen das Problem das natürlichen Monopols vorgestellt, seine Wohlfahrtseigenschaften vorgestellt und verschiedene Ansätze zur Erklärung und Bewertung vertikaler Integration bei vorhandener horizontaler Marktmacht vorgestellt. Anschließend wird unter expliziter Berücksichtigung von Transaktionskosten untersucht, inwieweit die neoklassischen Ansätze relevant sind, und welche abweichenden Schlüsse sich gegebenfalls für die Bewertung möglicher horizontaler und vertikaler Strukturen auf Strommärkten ergeben.

2. Natürliche Monopole in einer Welt ohne Transaktionskosten

2.1. Definition: Subadditivität und Kostencharakteristiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein natürliches Monopol liegt vor, wenn die Kosten der Bereitstellung eines Gutes oder Güterbündels durch einen einzigen Produzenten geringer sind als im Fall der Produktion durch mehrere Unternehmen. Eine hinreichende (aber nicht notwendige) Bedingung für das Vorliegen dieser Eigenschaft, die auch als Subadditivität der Produktionskosten bezeichnet wird, sind bis zur relevanten Outputmenge global sinkende Durchschnittskosten. [2]

Typischerweise liegt eine solche Durchschnittskostenkurve vor, wenn die Produktionsfunktion hohe Fixkosten und niedrige Grenzkosten aufweist; wenn in solchen Fällen die Nachfrage im Vergleich zur minimalen effizienten Größe (MES, minimum efficient scale) eines Unternehmens hinreichend gering ist, so besteht ein natürliches Monopol .

2.2. Bestreitbarkeit, Preisdiskriminierung und Wohlfahrtseigenschaften natürlicher Monopole

Die Outputmenge, bei der die soziale Wohlfahrt unabhängig von ihrer Aufteilung in Produzenten- und Konsumentenrente maximiert wird, ergibt sich aus der Gleichsetzung von Preis und Grenzkosten. Da im natürlichen Monopol jedoch die Durchschnittskosten größer als die Grenzkosten sind, würde dies negative Gewinne des Monopolisten implizieren; um seine Fixkosten zu decken, muß der Monopolist einen Aufschlag auf seine Grenzkosten erheben. Insofern ein unregulierter Monopolist keinen Markteintritt Dritter befürchten muß, setzt er seine Preise profitmaximierend; da der Grenzertrag des Monopolisten, insofern er keine perfekte Preisdiskriminierung vornimmt, immer geringer ist als der Marktpreis, führt dies zu einer ineffizient geringen Outputmenge, der bekannten monopolistischen Angebotsverknappung.

[...]


[1] Joskow, Paul L.: California’s Electricity Crisis, Vortrag auf dem 5. Jahreskongress der International Society for New Institutional Economics, 13.-15. September 2001, Berkeley, http://www.isnie.org/ISNIE01/Papers01/joskow.pdf.S. 36 f.

[2] Vgl. Varian, Hal: Grundzüge der Mikroökonomik, 3. Auflage, München/ Wien 1995. S. 397 ff.

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638136594
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5954
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Strommarkt Oliver Williamson Transaktionskosten natürliches Monopol Regulierungsökonomik vertikale Integration vertikale Trennung E.ON Ruhrgas

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Effizienz und Regulierung bei natürlichen Monopolen - Eine institutionenökonomische Betrachtung am Beispiel des Strommarkts