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Darstellung und Bedeutung der Artusgesellschaft in Hartmanns "Erec"

Hausarbeit 2006 10 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

König Artus und seine höfische Gesellschaft

Erec

Bedeutung der Artusgesellschaft für die Lektüre

Fazit

Literaturverzeichnis

Schriftliche Versicherung der Selbstständigen Anfertigung

„Mich bedunket des vil verre
Daz mir daz minner werre
Ob ich mit êren sterbe
Dan an êren verderbe“

Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich damit befassen, die Darstellung und die Bedeutung der Gesellschaft am Artushof anhand des deutschen Artusromans „Erec“, von Hartmann von Aue darzustellen. Dabei gehe ich wie folgt vor:

Zunächst werde ich auf den sagenumwobenen König Artus eingehen, dessen Existenz ungeklärt und noch nicht bewiesen ist, dem trotzdem in dieser Zeit, in der Hartmann die Übersetzung von Chretien de Troyes angefertigt hat, immer noch eine große Bedeutung innerhalb der europäischen Gesellschaft zukommt. Dabei werde ich auf seine literarische Idealisierung und seine Wertemaxime eingehen, die ihm nachgesagt werden und mit der sich auch sein Hof maßgeblich identifiziert.

Dann werde ich zu dem Titelhelden Erec kommen, welcher als Teilnehmer in der Artusgesellschaft in einen schwierigen Konflikt kommt, aus dem er nur durch das „artursche“ Wertebewusstsein, verbunden mit seinem „êre“ -Gewinn auf seinen

Aventuiren und seiner Weiterentwicklung wieder herauskommt. Spricht man über Erec, dann ist seine „Weggefährtin“ und Ehefrau Enite sehr wichtig, sie begleitet Erec auf diesen Aventuiren und macht als Einzige in dem Erec-Roman eine ähnliche Entwicklung durch wie ihr Ehemann Erec.

Als Kontrast wird die Beschreibung einzelner Aventuiren dienen, die nicht den an dem Artushof gepflegten Vorstellungen von Ritterehre und Minne entspricht, sondern in einer „anderen Welt“ mit anderen Wertevorstellungen stattfinden. Dort wird Erec das harte Leben kennen lernen, in dem er auf sämtliche Charaktere von Rittertypen trifft: „der herunter gekommene Edelmann[1] ; der wegelagernde Raubritter[2] ; der Ritter als buhlerische Verführer[3] usw.“[4], vielleicht trifft er dort aber auch einfach nur auf die harte Realität.

Zum Schluss werde ich dann noch einmal auf die Bedeutung der Artusgesellschaft für die Lektüre eingehen und meine Arbeit dann mit einem kleinen Fazit abschließen.

König Artus und seine höfische Gesellschaft

König Artus wird schon zu Beginn des „Erecs“ von Hartmann von Aue stark idealisiert. Er wird uns beschrieben als ein ungewöhnlicher König, der auch einen ganz besonderen Hof besitzt. So inszeniert König Artus zum Beispiel am Anfang des „Erecs“ eine Hirschjagd. Neben der religiösen Bedeutung, ehrt Artus zum anderen auch seine Vorfahren, welche diese traditionelle Hirschjagd in das Leben gerufen haben. Zugleich fördert er aber auch durch die vielen Feste die Geselligkeit am Hofe und zeigt so seine soziale Stellung und Verantwortung.

Eine wesentliche Eigenschaft König Artus als „primus inter pares“ (Erster unter Gleichen), aber machtpolitisch eher schwachen Herrschers besteht in seiner „milte“(Freigebigkeit)[5]. Auf ihn geht so auch die legendäre Tafelrunde zurück, welche genutzt wird, „um Rangstreitigkeiten zu vermeiden[6]. Hier wird ein Königsbild erzeugt, welches für die damalige Zeit schon sehr fortschrittlich und somit wahrscheinlich auch Ausdruck einer „Wunschwelt[7] höfischer Gesellschaft war.

Seine Ehefrau Ginover steht ihm in dieser Beziehung an nichts nach. Auch sie wird idealisiert als die tugendhafte künegîn mit wichtigen inneren Qualitäten, wie truiwe, güete, kiusche und reine, welche gerade nach der höfischen Vorstellung ihre Wertigkeit besitzen. So wird sie am Hofe des Königs Artus als ebenbürtige Partnerin neben König Artus akzeptiert.

Die Darstellung des Königspaares erscheint als moralisch vollkommen erhaben und fehlerfrei. Das Königspaar handelt nach strikten Moralvorstellungen, bringt sich selbst aber auch nicht in brenzlige Situationen, wie zum Beispiel Erec. Er wird von seiner Königin in der Anfangsszene vorgeschickt und verliert seine Ehre, die er außerhalb des Artushofes erst wieder zurückgewinnen muss. Beide bleiben überwiegend im Artushof und erscheinen durch die Betrachtung des Lesers eher teilnahmslos[8], da sie sich höchstens durch Feste ins Romangeschehen bringen.

Die Ritter der Tafelrunde gehören zu den hervorragendsten Rittern des Landes, sie zählen zu dem oberen Adel des Hofes. Mit dem König sitzen sie zusammen an einem Tisch (Tafelrunde) und haben sich dementsprechend ehrenhaft zu verhalten.

Dabei spielt das Wort Ehre (êre) eine entscheidende Rolle, denn ohne diese Ehre, kann und darf der Ritter nicht am Artushof verbleiben. So ist Erec gezwungen, den Artushof nach seinem Ehrverlust durch den geiselslac des getwerc [9] zu verlassen und seine Ehre wiederherzustellen. Erst nach Wiederherstellung seiner Ehre, kann Erec als nun ehrenhafte Ritter an den Artushof und die Tafelrunde zurückkehren.

Die Ehre unterscheidet nach Bumke in zwei verschiedene Bedeutungen: Eine subjektive (innere) und eine objektive (äußere). Die subjektive Ehre umschreibt die ehrenhafte Gesinnung, den Charakter, das Ehrgefühl und auch die Verhaltensweise, „welche die Anerkennung der Tüchtigen und Guten […]“(ehrenhafte Menschen) „[…] durch ehrliche und tüchtige Leistung zu erringen strebt, wobei sich also die Ehre beide Male in ehrenhaftem Handeln äußert.“[10]

Die objektive Ehre umschreibt das Geehrtwerden, die Achtung, die Anerkennung. Hierbei handelt es sich im Vergleich zu der subjektiven Ehre eher um eine passive Ehre, man selbst kann das nur in wenigen Fällen selbst für sich beeinflussen. In der Anfangsszene verliert Erec durch den geiselslac seine innere, also subjektive Ehre, die er sich nun wiederholen muss.

[...]


[1] Hartmann von Aue: Erec. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. 23. Auflage. Frankfurt a. M. V. 270 ff.

[2] Ebda. V. 3116 ff.

[3] Ebda. V. 3668

[4] Ehrismann, Dr. Gustav: Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters. München MCMXXVII S. 171

[5] Köhler, Erich: Ideal und Wirklichkeit in der höfischen Epik. Studien zur Form der frühen Artus- und Graldichtung. Tübingen 2002

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Artus (26.03.06)

[7] Walz, Herbert: Die deutsche Literatur im Mittelalter. Geschichte und Dokumentation. München 1976

[8] Cormeau, Christoph; Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche-Werk-Wirkung. München (2.Auflage) 1993, vgl.: „Der neue Roman (…) kennzeichnet ein verändertes Artusbild, das den König zum selbst nicht aktiv handelnden Mittelpunkt einer normsetzenden Gesellschaft macht“

[9] Vgl. Hartmann: Erec. V.72 ff.

[10] Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter.6.Auflage. München: DTV 1992.

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638535809
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59728
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2+
Schlagworte
Darstellung Bedeutung Artusgesellschaft Hartmanns Erec Einführung Literaturwissenschaft

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