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Die Rechtschreibreform

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 20 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Geschichte der deutschen Rechtschreibung
1.1.1 Das historische Verhältnis von Sprache und Schreibung
1.2 Heutige Situation der deutschen Orthographie

2. Hauptteil
2.1 Warum eine Rechtschreibreform und mit welchem Ziel
2.1.1 Klarheit und Vereinfachung für Neulerner
2.1.2 Linguistische Sauberkeit
2.1.3 „Eindeutschung“ von Fremdwörtern
2.2 Problembereiche

3. Schluss
3.1 Die öffentliche Diskussion um die Rechtschreibreform

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Geschichte der deutschen Rechtschreibung

1.1.1 Das historische Verhältnis von Sprache und Schreibung

Durch den Übergang zur Schrift stellt sich für jede Sprache nicht nur die Frage nach der Art der Schriftzeichen, des Alphabets, sondern auch die Frage nach der Schreibweise. Anfangs versucht jede Schreibung eine möglichst vollkommene Übereinstimmung mit der Aussprache herstellen zu können. Nicht neu ist allerdings die Tatsache, daß es in keiner Sprache gelungen ist, Schriftzeichen und Lautung ganz zur Deckung zu bringen.

Das lateinische Alphabet, das sich den frühdeutschen Übersetzern und Dichtern für ihre landschaftlich bestimmte Sprache anbot, hatte schon im Lateinischen nicht zur Bezeichnung aller Laute ausgereicht, und es genügt im Deutschen noch weniger.[1] Daher trat schon im frühmittelalterlichen Deutsch die mangelhafte, meist fehlende Unterscheidung zwischen kurzen und langen Vokalen auf. Bei den o-Lauten wurde der offene und der geschlossene Charakter überhaupt nicht, bei den e-Lauten meist nicht unterschieden.[2]

Dieser Armut an Zeichen entsprach auf der anderen Seite ein Überfluß, der auch noch im Mittelhochdeutschen zu finden war: die Doppelheiten i – j, u [uu], - v [vv], c – z, k – c, dazu pf und ph (althochdeutsch auch fph, bph, pff, fpf, mittelhochdeutsch auch pph, ppf) und das bis ins heutige Neuhochdeutsch mitgeschleppte Nebeneinander von f und v, das etymologische Zusammenhänge auseinanderreisst (vgl. nhd. Fülle – voll, für – vor, fliegen – Vogel usw.).[3]

Schon am Beginn der Verschriftung unserer Sprache traten grosse Unregelmässigkeiten und Widersprüche auf. Gleichzeitig ergab sich, wie bei jeder anderen Sprache auch, eine andere Schwierigkeit: die Schrift hielt mit der lebendigen Sprachentwicklung nicht mit. Die Schrifttradition stellte sich beharrlicher als die Entfaltung der Laute dar. Es entstanden neue Laute, für die es zunächst keine Zeichen gab. Wie auch bei jeder anderen Sprache, konnte im Deutschen zu Anfang der Schreibentwicklung die spätere lautliche Entfaltung der Sprache nicht vorausgesehen werden. Im Mittelhochdeutschen des Hoch- und Spätmittelalters wurde der sich immer weiter ausbreitende Umlaut entweder gar nicht oder aber dann auf eine sehr mannigfache Weise ausgedrückt. So erscheint o für die Laute o, o, ö, oe; v für u, u, ü. Überhaupt bezeichnen die hoch- und noch mehr die spätmittelalterlichen Schreiber die gleichen Laute mit einer Virtuosität auf verschiedene Weise. Auch hier ergab sich wieder neben einer Armut ein Überfluß an Zeichen.[4]

In der neuhochdeutschen Schriftsprache von heute ist es im Grunde nicht anders; auch wenn die Fülle der Variationen gegenüber dem spätmittelalterlichen Deutsch kleiner geworden ist, so sind dafür einige neue dazugekommen. Die Dehnung von Vokalen wird nicht oder verschieden gekennzeichnet (durch Doppelbuchstaben, durch h, bei i außer durch h vor allem durch das alte ie, vgl. Wal – Waal = Arm des Rheins – Wahl; mir – ihm – lieb usw.) Für offenen oder geschlossenen Charakter der Vokale gibt es bis heute keine Zeichen.

Klopstock hat in einem Epigramm diese Tatsache apostrophiert:

Sechs der Bezeichnungen haben die Äthiopier für jeden Laut, die Franzosen fürs E (fabelhaft scheint’s und ist wahr)

Zweimal die bösen Sieben! drei Zeichen fürs Elf wir. Barbaren

Sind Äthiopier nicht nur; Deutsche sind es, wie sie.[5]

Von Anfang an und auf allen Stufen der Entwicklung ist die Schreibweise der deutschen wie die anderer Sprachen aus den angeführten Gründen nicht in voller Übereinstimmung mit der gesprochenen Sprache und ist auch in sich nicht konsequent. Allerdings zeigen sich auch gleich von Anfang an Bestrebungen der Schreibenden, die Schreibung zu ordnen. Sie bleiben zunächst im Bereich der Schreibweise des Einzelnen.

Besonders im Spätmittelalter herrschte in der Schreibung keine Einheitlichkeit, selbst die Werke von den gleichen Verfassern waren völlig ungeregelt. Unter humanistischem Einfluß erfolgte dann in der Neuzeit ein Umschwung; die Wirkung der genau geordneten Schreibung des klassischen Lateins war nicht zu erkennen. Der ältere Luther regelte seine Schreibweise folgendermassen; wichtige Substantive, zunächst die nomina sacra schrieb er gross. Er folgte damit einer von den Humanisten eingeführten Übung – vorher waren nur die Eigennamen gross geschrieben worden.

Von den Sprachgesellschaften und den Grammatikern setzten vor allem in der Barockzeit die Versuche ein, nicht nur die individuelle Schreibweise zu ordnen, sondern bestimmte allgemein verbindliche Schreibregeln zu finden und durchzusetzen.

Diese Bestrebungen wurden im 18. Jahrhundert entwickelt (Gottsched, Adelung etc.), und im 19. Jahrhundert, seit der Gründung des kleindeutschen Reiches, auch von Staats wegen gefördert, der nun Rechtschreibanordnungen erlässt (1876 Berliner Konferenz; 1879 Orthographieregeln in Bayern, 1880 in Preußen; 1902 einheitliche Regelung für alle Teile des deutschen Sprachgebiets).[6]

[...]


[1] Klute Wilfried: 1974 Seite 10 (Hugo Moser)

[2] Klute Wilfried: 1974 Seite 10 (Hugo Moser)

[3] Klute Wilfried: 1974 Seite 10 (Hugo Moser)

[4] Klute Wilfried: 1974 Seite 10 (Hugo Moser)

[5] Klute Wilfried: 1974 Seite 11 (Hugo Moser)

[6] Klute Wilfried: 1974 Seite 11 (Hugo Moser)

Details

Seiten
20
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638136853
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5984
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Philosophischen Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Rechtschreibreform Hauptseminar Orthographie Deutschen

Autor

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