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Gatekeeperforschung - Ein kurzer Überblick

Seminararbeit 2005 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Gatekeeper“

3. Die Entstehung und Weiterentwicklung des Konzepts „Gatekeeper“
3.1 Die Entstehung der Theorie
3.2 Die Weiterentwicklung der Theorie

4. Die „Gatekeeper“- Forschung, ein Bereich der Kommunikator- forschung
4.1 Die individualistischen Studien
4.2 Die institutionalen Studien
4.3 Die kybernetischen Studien
4.4. Die integrativen Studien
4.5 Zusammenfassung
4.6 Kritik an der Theorie

5. Macht der Journalisten
5.1 Der Fall Tom Kummer
5.2 Die Watergate- Affäre
5.3 Fazit

6. Resümee

7. Anhang
7.1 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die „Gatekeeper“- Forschung ist ein nur kleiner Teilbereich der Kommunikatorforschung in der Kommunikationswissenschaft. Sie ist eng verflochten mit anderen Teilbereichen, wie z.B. mit den Untersuchungen zum Thema der Objektivität im Journalismus, der Nachrichtenwert Theorie oder auch mit der Theorie der „Instrumentellen Aktualisierung“ von Hans Matthias Kepplinger. Die Grenzen zwischen den Forschungsbereichen sind oft kaum erkennbar und es ist nicht so leicht, nicht doch hin und wieder Theorien aus anderen Bereichen zu erwähnen, um einen Sachverhalt zu klären. In dieser Arbeit habe ich versucht, nicht auf die anderen Bereiche überzugreifen, um ein Abschweifen vom Thema zu vermeiden.

Nachdem ich kurz den Begriff „Gatekeeper“ erklärt habe, erläutere ich den Gegenstand der „Gatekeeper“- Forschung. Anschließend zeige ich die Anfänge und den weiteren Entwicklungsverlauf dieser Forschungsrichtung auf, um dann auf die unterschiedlichen Wege des Bereichs einzugehen, die zeigen sollen, dass man sich durchaus nicht immer einig ist bzw. war, welche Faktoren hauptsächlich die Nachrichtenselektion durch den „Gatekeeper“ beeinflussen.

Abschließend diskutiere ich an zwei Beispielen die Frage, ob bzw. wie mächtig der „Gatekeeper“ oder allgemein ausgedrückt der Journalist ist, der durch die Nachrichtenselektion schließlich entscheidet, worüber wir informiert werden.

Am Ende der Arbeit werde ich dann in einem kurzem Resümee meine persönliche Meinung zu diesem Thema äußern.

2. Der Begriff „Gatekeeper“

Der Begriff „Gatekeeper“ kommt ursprünglich aus dem Englischen und bedeutet übersetzt soviel wie „Torhüter“ oder „Schleusenwärter“.

Im journalistischen Kontext wird damit die Person bezeichnet, die in einer Redaktion damals am Fernschreiber, heute am Computer mit Internetanschluss, sitzt und die eingehenden Meldungen der Nachrichtenagenturen durchsieht, davon Meldungen auswählt und an die Redakteure weiterleitet, die dann später die ausgewählten Meldungen veröffentlichen.

Da bei der Nachrichtenselektion eine Auswahl von Themen erfolgt, die als kommunikationswürdig erachtet werden, kann man sagen, dass „´Gatekeeping` gleichbedeutend mit einer Begrenzung der Informationsmenge ist“[1].

Aufgrund der Nachrichtenselektion des „Gatekeepers“, leistet dieser einen „Beitrag zur Formung des Gesellschafts- und Weltbildes des Rezipienten“[2].

Gegenstand der „Gatekeeperforschung“ ist nun die Frage, „welche Eigenschaften des einzelnen Journalisten bzw. der jeweiligen Medienorganisation die Nachrichtenauswahl beeinflussen“[3].

3. Die Entstehung und Weiterentwicklung des Konzepts „Gatekeeper“

3.1 Die Entstehung der Theorie

Ursprünglich wurde die Theorie des „Gatekeepers“, Grundlage für die spätere „Gatekeeper“- Forschung in der Kommunikationswissenschaft, gar nicht im Bereich der Kommunikatorforschung entwickelt.

Vielmehr war der Ansatz dieser Theorie im Bereich der „sozialpsychologischen Kleingruppen- Forschung“[4], auch „Small Group Approach“ genannt, zu finden. In den USA untersuchte Kurt Lewin im Jahr 1942, also während des Zweiten Weltkrieges, im Rahmen seiner Feldtheorie, „welcher Entscheidungsprozeß den Einkaufsgewohnheiten von Hausfrauen [...] zugrunde lag.“[5]

„Das Forschungsproblem von Lewin bestand darin, herauszufinden, ob eine Werbekampagne, durch die eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten im Zweiten Weltkrieg bewirkt werden sollte, sich an die Bevölkerung insgesamt oder nur an bestimmte ´strategisch` entscheidende Personen zu wenden hatte.“[6]

Dabei unterschied Lewin verschiedene Kanäle, über die Lebensmittel in den jeweiligen Haushalt gelangten. Er fand heraus, dass der Vater einer Familie für Nahrungsmittel, die aus dem Garten kommen, entscheidend war und die Mutter für diejenigen, die im Supermarkt erhältlich sind.[7]

In diesem Zusammenhang ist der „Gatekeeper“ die Person, welche „innerhalb des ´Kanals, durch den Lebensmittel fließen`, darüber entscheidet“[8], welche Produkte gekauft und verbraucht werden. Bezogen auf das obengenannte Beispiel sind die Mutter und der Vater „Gatekeeper“ für ihren jeweiligen Kanal „Supermarkt“ und „Garten“.

Lewin schloss nicht aus, dieses Konzept auch auf die Nachrichtenselektion zu übertragen.[9]

3.2 Die Weiterentwicklung der Theorie

Drei Jahre nach den Untersuchungen Lewins übernahm dann David Manning White das Konzept des „Gatekeepers“ und übertrug es auf die Kommunikatorforschung der Kommunikationswissenschaft, um „den Entscheidungsprozeß bei der Nachrichtenauswahl zu erklären“[10].

Aus diesem Grund untersuchte White das Selektionsverhalten eines „wire editor“, der sogenannte „Journalist am Fernschreiber“, der bei einer Tageszeitung in einer amerikanischen Kleinstadt angestellt war. Die Aufgabe dieses Journalisten war es, alle Meldungen, die von der Presseagentur über den Fernschreiber in die Redaktion eingingen, auszuwählen, zu bearbeiten und anschließend an die Redakteure weiterzuleiten.[11]

In dem Zeitraum von einer Woche maß White die Anzahl der eingehenden und davon weitergegebenen Nachrichten[12] und sammelte zum Einen die Meldungen, die von „Mr. Gates“, wie er von White genannt wurde, zurückgewiesen worden sind und auf denen er am Ende des jeweiligen Arbeitstages die Gründe notieren musste, warum er diese Meldung nicht ausgewählt und bearbeitet hat und zum Anderen das von ihm bearbeitete und weitergeleitete Material.[13] Nach dieser „Input- Output- Analyse“ unterteilte White die Nachrichten in folgende Kategorien, an denen sich der „wire editor“, Whites Meinung nach, offenbar orientierte: „Gesellschaftsnachrichten, Meldungen von Verbrechen, Unglücksfällen, Berichtserstattungen über internationale Ereignisse (Politik, Wirtschaft, Krieg), Gewerkschaften sowie Innenpolitik (Landwirtschaft, Wirtschaft, Bildung)“[14]. Außerdem führte White am Ende der Woche noch eine Befragung von „Mr. Gates“ durch.[15]

White erfuhr, dass die Redaktion ihr Nachrichtenangebot von drei verschiedenen Nachrichtenagenturen erhielt. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass nur 1/10 des Nachrichtenangebots auch verarbeitet wurden, dass „Mr. Gates“ politische Themen Kriminalitätsmeldungen vorzog[16] und dass er „dem Publikum subjektiv nur das anbietet, was er selbst für wahr und relevant hält“[17].

Doch 16 Jahre später widerlegte Paul Snider, der die gleiche Untersuchung mit dem selben „Gatekeeper“ durchführte[18], die These, dass dieser sich bei der Nachrichtenselektion bewusst an Nachrichtenkategorien orientierte. Snider fand heraus dass sich der „Gatekeeper“ daran orientierte, welche Meldungen, seiner Meinung nach, die Leser gerne lesen möchten.[19]

Ab 1950 sind aus dieser Untersuchung von White mehr als 35 eigene Untersuchungen hervorgegangen (Stand: 1973), die klären wollen, was den „wire editor“, dazu bewegt bestimmte eintreffende Meldungen auszuwählen, die in der Zeitung erscheinen sollen und welche nicht.[20]

[...]


[1] Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid: Publizistik. Ein Studienhandbuch, Böhlau Verlag, Köln/ Weimar/ Wien 2001, S. 242

[2] Brenner, Tobias: Einführung in die Medienwissenschaft Sommersemester 2005 Universität Tübingen

www.uni-tuebingen.de/uni/nmw/nebenfach/Seminarunterlagen/Toby_Nachrichtenauswahl_04_05.pps

( Stand: 08.06.2005), Folie 17

[3] Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S.241

[4] Rühl, Manfred: Journalismus und Gesellschaft, von Hase & Koehler Verlag, Mainz 1980, S. 46

[5] Joch- Robinson, Gertrude: 25 Jahre „Gatekeeper“- Forschung: Eine historische Rückschau und Berwertung. In: Aufermann, Jörg/ Bohrmann, Hans et al. (Hrsg.): Gesellschaftliche Kommunikation und Information. Forschungsrichtungen und Problemstellungen. Ein Arbeitsbuch zur Massenkommunikation. 2 Bände, Frankfurt a. M. 1973, Band 1, S. 344- 355, S. 344

[6] Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S.241

[7] vergleiche: Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S.241

[8] Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S. 241f

[9] Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S. 242

[10] Joch- Robinson, Gertrude, 1973, S. 344

[11] vergleiche: Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft, Böhlau Verlag Ges.m.b.H und Co.KG, Wien/ Köln/ Weimar 42002, S.276

[12] vergleiche: Joch- Robinson, Gertrude, 1973, S. 345

[13] vergleiche: Burkart, Roland, 2002, S. 276

[14] Joch- Robinson, Gertrude, 1973, S. 345

[15] vergleiche: Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S. 243

[16] vergleiche: Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S. 243

[17] Jarren, Otfried; Bonfadelli, Heinz (Hrsg.): Einführung in die Publizistikwissenschaft, Verlag Paul Haupt Bern/ Stuttgart/ Wien, 2001, S.264

[18] vergleiche: Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid, 2001, S. 243

[19] vergleiche: Joch- Robinson, Gertrude, 1973, S. 346

[20] vergleiche: Joch- Robinson, Gertrude, 1973, S. 344

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638537315
ISBN (Buch)
9783638925457
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v59934
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Note
2,0
Schlagworte
Gatekeeperforschung Kommunikationstheorie

Autor

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Titel: Gatekeeperforschung - Ein kurzer Überblick