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Frauen als Täterinnen - Unterscheiden sie sich zu Tätern?

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Daten und Fakten (Ausmaß)

2.Ursachen sexueller Gewalt

3. Profile
3.1 Täterinnen – Profile
3.1.1 Liebhaberin („Teacher – Lover“ – Verhältnis)
3.1.2 Mittäterin
3.1.3 Vorbelastete Täterin (die Prädisponierte)
3.1.4 Atypische Täterinnen
3.2 Täter – Profile
3.2.1 Der fixierte Täter
3.2.2 Der regressive Täter

4. Vergleich von Täterinnen und Täter

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Frauen das friedfertige Geschlecht, Männer das gewalttätige Geschlecht.

Frauen sind die „Guten“, Männer sind die „Bösen“.

So wird es von der Gesellschaft oft und gerne gesehen. Gewalt, so die Moral von vielen Menschen, existiert aufgrund einer patriarchalischen Gesellschaft. Es wurde lange Zeit angenommen das aggressives, gewalttätiges und destruktives Verhalten in erster Linie männliche Eigenschaften sind.

Einige Konzeptionen der Frauenbewegung sagen aus, dass die Ursache von zerstörerischen Aggression und Gewalt in der Patriarchat geprägten Gesellschaft liegt. Ganz nach dem Motto „…, dass eine Gesellschaft, in der Frauen das Sagen hätten, friedlich und gewaltfrei wäre“ (Heyne 1993, S.12).

In jüngster Zeit aber wird unsere Gesellschaft immer wieder mit destruktiven, aggressiven und gewalttätigen Verhalten von Frauen konfrontiert.

Tatsache ist, dass auch Frauen trotz einer „männerdominierenden“ Gesellschaft, objektiv Positionen haben, in denen sie Macht und Herrschaft ausüben können. Zum Beispiel gegenüber alter, pflegebedürftiger Menschen oder ihren eigenen/fremden Kindern (vgl. Heyne 1993, S.11).

Das moralische Bild, das ausschließlich Männer an Gewaltdelikten beteiligt sind, schwindet.

Es wird zunehmend bekannter, dass auch Frauen zu Täterinnen werden können.

In der nun folgenden Arbeit möchte ich mich dem Thema TäterInnen von sexuell missbrauchten Kindern nähern.

Vorwiegend werde ich mich mit Täterinnen und die Hintergründe ihrer sexuellen Gewalthandlungen beschäftigen, begleitend mit der Frage, ob Täterinnen sich von Tätern unterscheiden.

1. Daten und Fakten (Ausmaß)

2004 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 19 086 Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern unter 14 Jahren polizeilich erfasst, davon 14 707 Mädchen und 4 379 Jungen (vgl. Polizeiliche Kriminalstatistik 2004, Tabelle 91 S.3).

Hiervon wurden lediglich 10 403 Tatverdächtige ermittelt, davon waren 96,4% männlich und 3,6% weiblich (vgl. Polizeiliche Kriminalstatistik 2004, S.138).

An dieser Stelle muss ausdrücklich erwähnt werden, dass dies nur Fälle sind die von den Opfern angezeigt wurden.

Es ist sehr schwierig eine Aussage über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch an Kindern zu machen. Im Besonderen was die Häufigkeit weiblicher Täterschaft betrifft.

Den polizeilich angezeigten Fällen steht eine Dunkelziffer nicht bekannt werdender Fälle gegenüber. Es liegen wohl Ergebnisse von Untersuchungen vor, aber diese fallen sehr unterschiedlich aus, je nachdem welche Definition von sexuellem Missbrauch oder welche Zielgruppe der Untersuchung zugrunde liegt (vgl. Jennings in Elliott 1995, S.305).

Gisela Braun schreibt in „An eine Frau hätte ich nie gedacht…!“, dass der Anteil von Frauen die Kinder sexuell missbrauchen zur Zeit bei etwa 15 Prozent liegt, während man vor einigen Jahren noch von nicht mal einem Prozent ausging.

Diese Vermutung bedeutet, dass sexueller Missbrauch durch Frauen immer mehr zur Kenntnis genommen wird, es heißt aber nicht, dass er mehr geworden ist.

Des Weiteren sollte zur Kenntnis genommen werden, dass sexueller Missbrauch zwar seltener als von Männern, aber keineswegs vereinzelt durch Frauen ausgeübt wird (vgl. Braun 2001, S.5).

2. Ursachen sexueller Gewalt

Die bisher eher geringe Anzahl von AutorInnen die sich mit dem Thema Frauen als Täterinnen bei sexuellem Missbrauch gegen Kinder auseinander gesetzt haben, kamen alle auf dasselbe Ergebnis. Die Ursache warum Frauen „so etwas tun“, ist den Gründen der Männer gleichzustellen.

Es gilt dasselbe wie für männliche Täter.

Gisela Braun zitiert Barbara Kavemann in „An eine Frau hätte ich nie gedacht…“ so, „Es ist unsinnig, sexuelle Gewalt von Frauen anders erklären zu wollen als die von Männern….“ (Braun 2001, S.9).

Täterinnen haben wie auch Täter keine besonderen oder kranken Persönlichkeitsmerkmale. Täterinnen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit nicht zu anderen Frauen.

Ebenso kommen sie aus allen Gesellschaftsschichten und Lebensbereichen.

Täterinnen haben wie auch männliche Missbraucher Denkmodelle entwickelt, die ihnen die Legitimation geben ihr Verhalten zu rechtfertigen, bagatellisieren oder entschuldigen.

Dennoch ist die Frage nach dem warum ein Mensch ein Kind missbraucht nicht leicht oder einfach zu beantworten.

Das Motiv für sexuellen Missbrauch kann bei Tätern sowie Täterinnen unterschiedlich sein. Es geht in erster Linie nicht immer um eine sexuelle Befriedigung. Möglicherweise steht viel mehr im Vordergrund, emotionale Bedürfnisse zu stillen, die sie vielleicht selbst in ihrer Kindheit nie erhalten haben (vgl. Braun 2001, S.9).

Fachfrauen und Fachmänner heben hervor, dass es sich in beiden Fällen um den Missbrauch von Macht durch sexuelle Gewalt handelt. Der `Machtvolle` nützt seine Überlegenheit, um dem `Machtlosen` Gewalt anzutun. Sexualität wird sozusagen als `Waffe` benutzt (vgl. http://praevention.org/ursachen.htm).

Gisela Braun betont an dieser Stelle in ihrer Broschüre, dass Frauen ganz klar mitverantwortlich und mitbeteiligt sind, wie das Macht- und Herrschaftsverhältnis in unserer Gesellschaft gestaltet wird.

Frauen und Männer können je nach Position zu den „Verletzungsoffenen“ wie auch zu den „Verletzungsmächtigen“ gehören. Zum Beispiel sind Frauen gegenüber körperlich und geistig behinderten Frauen und Männern überlegen, genauso als Erwachsene gegenüber Kindern (vgl. Braun 2001, S.9).

Ein weiterer Erklärungsansatz für Täterinnen wäre, den sexuellen Missbrauch als ein Bestrafungsritual anzusehen. Im Hinblick auf ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisation können Frauen autoaggressive Verhaltensweisen aufbauen. Dies bedeutet, dass sie ihre Wut auf die männliche Machtstrukturen eher an sich selbst und ihre kleinen Geschlechtsgenossinnen ausleben, als sich aktiv gegen diese Strukturen zu wehren.

Des Weiteren wird darüber diskutiert sexuelle Gewalt als Ausdruck von Neid zu erklären. Dies könnte vor allem bei erwachsenen Täterinnen zutreffen, die den Mädchen und Jungen ihre Lebendigkeit neiden und versuchen diese zu zerstören oder zu entwerten (vgl. Braun S.10).

Zusammenfassend möchte ich für dieses Kapitel erwähnen, dass es trotz der verschiedenen Erklärungsansätze um Verantwortung geht. Frauen genauso wie Männer haben gegenüber Kindern immer mehr Macht und sie missbrauchen diese. Sie fügen den betroffenen Kindern Schaden zu und dies müssen sie verantworten.

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Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638540957
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60407
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Schlagworte
Frauen Täterinnen Unterscheiden Tätern Traumatherapie

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Titel: Frauen als Täterinnen - Unterscheiden sie sich zu Tätern?