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Naturkatastrophen - Welche Schäden sind auf Dauer noch versicherbar?

Seminararbeit 2006 25 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hintergrund und Historie
a. Definitionen von Naturkatastrophen
i. Überschwemmung/Hochwasser
ii. Erdbeben/Seebeben
iii. Sturm
iv. Sonstige Naturkatastrophen
b. Entwicklungen der Naturkatastrophen seit 1950
i. 1950 – 2003_ Dramatische Zunahme wetterbedingter
Katastrophen
ii. 2004_ Tsunami rüttelt uns wach!?
iii. 2005_ Erdbeben und Wirbelstürme schockieren
c. Naturkatastrophen und Versicherungen

3. Schäden
a. Volkswirtschaftliche Schäden vs. versicherte Schäden

4. Vorhersage- und Analyse

5. Deckungskonzepte für Naturkatastrophen
a. Deckungskonzepte im Allgemeinen
b. Deckungskonzepte für Naturkatastrophen

6. Trends und Ausblick
a. Status-Quo und Entwicklungen der Natur
i. Klimatische und geologische Veränderungen
ii. Sonstige relevante Veränderungen
b. Status-Quo und Entwicklungen der Rückversicherungen
i. Verbesserte Versicherungstechniken
ii. Beitrag zum Klimaschutz
c. Welche Schädem werden auf Dauer noch versichert?

Anhang

Glossar

Sources | Literatur

1. Einleitung

Die Ereignisse der letzten Jahre, Monate oder sogar Tage bestätigen die schreckliche These: Naturkatastrophen nehmen immer extremere Ausmaße an. Besonders die wetterbedingten Schäden, die also durchaus der globalen (vom Menschen mitverursachten) Erwärmung zuzurechnen sind, nehmen immer mehr zu. Gleichzeitig steigt neben der Häufigkeit auch die Schadenshöhe (vgl. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 2005). Angesichts dieser dramatischen Entwicklungen stellt sich de Frage, welche Schäden auf Dauer noch versicherbar bleiben. Nachfolgende Arbeit geht daher zunächst definitorisch auf die einzelnen Formen der Naturkatastrophen ein, erläutert anschließend ihre Geschichte seit 1950, bevor die Bedeutung, Methoden, Konzepte und Trends in der Versicherungs-Wirtschaft beleuchtet werden. Zudem sind bereits eingesetzte Reaktionen auf die tiefgreifenden Veränderungen dargestellt, auf deren Basis abschließend zu beurteilen versucht wird, inwiefern der Handlungsbedarf und die bisher bereits umgesetzten bzw. noch zu erwartenden Handlungen der Versicherungswirtschaft auf einen sich verändernden Schadenskatalog hinsichtlich Naturkatastrophenversicherung schließen lassen oder nicht.

2. Hintergrund und Historie

2.a Definition und Abgrenzung von Naturkatastrophen

Als Naturkatastrophe gilt ein durch Naturgewalten ausgelöstes Ereignis mit katastrophalen Folgen für den Menschen. Ein spektakuläres Naturereignis (beispielsweise ein Gletscherabbruch auf Grönland) genügt dem also nicht. Meist sind viele Einzelschäden die Folge eines solchen Ereignisses, betroffen sind i.d.R. größere geografische Räume. Naturkatastrophen grenzen sich ab von sog. „Man-Made-Katastrophen“ oder technischen bzw. Umweltkatastrophen, die im Zusammengang mit menschlichen Aktivitäten stehen und meist einen eng umgrenztem Raum betreffen (vgl. Wikipedia, 2006a).

Als „groß“ werden Naturkatastrophen in Anlehnung an Definitionen der Vereinten Nationen bezeichnet, wenn die Selbsthilfefähigkeit der betroffenen Regionen deutlich überschritten wird und überregionale oder internationale Hilfe erforderlich ist. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die Zahl der Todesopfer in die Tausende, die Zahl der Obdachlosen in die Hunderttausende geht, oder wenn die volkswirtschaftlichen Schäden – je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des betroffenen Landes – bzw. die versicherten Schäden außergewöhnliche Größenordnungen erreichen (Munich Re, 2003a, S.7).

In Literatur und (Versicherungs-)Praxis sind verschiedene Gliederungen der Naturkatastrophen zu finden. Hier möchte ich bemerken, dass überschneidungsfrei einzig eine konsistent das Ergebnis bzw. die Folgen betrachtende Aufzählung ist und nicht eine die Ursachen beschreibende Aufzählung[1]. Denn eine Ursache kann mehrere Wirkungen entfalten, so beispielsweise kann Erwärmung sowohl zu Stürmen als auch zu Hochwasser führen. Naturkatastrophen gliedern sich dieser „ergebnisorientierten“ Differenzierung in die drei bedeutendsten Arten Überschwemmung, Erdbeben und Sturm; Ferner werden unter sonstigen Naturkatastrophen Dürre/Buschbrand, Kälte/Frost, Lawinen, Rutschungen und Vulkanismus gezählt. Aber auch diese (gängige[2] ) Einteilung ist nicht unproblematisch, da bspw. Überschwemmungen sowohl durch Hochwasser, aber auch durch Stürme oder Seebeben ausgelöst werden können. Die Munich Re hat dieser Problematik eine Lösung entgegengesetzt: Die Grundidee ist, dass alle Flutschäden in einem bestimmten Zeitraum und in einem festgelegten geographischen Gebiet addiert werden. D.h. Ursache für die Überschwemmung ist nun nicht mehr relevant (vgl. Munich Re, 2005a, S. 2-20). Dieser Abgrenzung folge ich in dieser Arbeit.

i. Überschwemmung/ Hochwasser

Beschreibung_ Eine Überschwemmung ist die Ansammlung erheblicher Wassermengen auf Geländeoberflächen (Wikipedia, 2006d). Als Hochwasser ist eine die normale Höhe übersteigende Wasserführung eines fließenden oder stehenden Gewässers zu verstehen (Wikipedia, 2006e). Hochwasser ist also als ein möglicher Grund für Überschwemmungen zu betrachten, jedoch nicht damit zu verwechseln.

Entstehung_ Überschwemmungen enstehen als unmittelbare Folge von Hochwasser, Niederschlägen oder Schneeschmelze. Hier ist als Hintergrund bzw. Ursache immer wieder die globale Erwärmung angeführt (z.B. im Jahresrückblick Munich Re, 2004, S.4 u. 19), so dass Überschwemmungen häufig als Wetterkatastrophen einzuordnen sind . Aber auch Seebeben (vgl. Punkt ii.) können durch Auslösung von Tsunamis zu Überschwemmungen führen. Auch Stürme, insbesondere tropische Wirbelstürme, ziehen neben der Verwüstung durch ihre Sturmkraft auch Überschwemmungen nach sich.

Betroffene Gebiete_ Die Kartierung der Hochwasserkatastrophen[3] lässt erkennen, dass gerade dicht besiedelte Gebiete betroffen sind. Dies ist m.E. darauf zurückzuführen, dass umliegende Gewässer und Flüsse einerseits als bedeutendste Risikofaktoren für Überschwemmungen, andererseits aber auch als wichtige Vorraussetzung für Urbanisierung zu betrachten sind, hier also Ballungsräume zu finden sind.

Schäden_ Je nach Art der Überschwemmung sind unterschiedliche Schäden in unterschiedlicher Ausprägung festzustellen. Neben den Personenschäden, z.B. dem Ertrinken von Menschen und dem Abschneiden ganzer Regionen von der Energie, Wasser und Lebensmittelversorgung und der damit zusammenhängenden Seuchengefahr, sind oft erhebliche Sachschäden an Gebäuden und Mobilien zu verzeichnen.

ii. Erdbeben/Seebeben

Beschreibung_ Als Erdbeben wird eine fühlbare Erschütterung der Erdoberfläche bezeichnet (vgl. Wikipedia, 2006b). Unterseeische Erdbeben werden auch als Seebeben bezeichnet. Seebeben können Tsunamis[4] auslösen.

Entstehung_ Erdbeben entstehen durch dynamische Prozesse der Erde. Ein solcher ist die Plattentektonik, also die Bewegung der sog. Lithosphärenplatten[5]. Erdbeben können ferner z.B. durch den Aufstieg von Magma unterhalb von Vulkanen ausgelöst werden oder auch durch Förderung von z.B. Erdgas, da die Druckveränderung wiederum auch die Spannungsverhältnisse im Gestein beeinflusst. Weiter können Erdbeben auch durch einstürzende unterirdische Hohlräume im Bergbau entstehen (Gebirgsschlag). Sowohl vulkanische Beben als auch Gebirgsschläge sind jedoch von der Energiefreisetzung weitaus limitierter als tektonische Beben. Welche Ursache hinter den hier relevanten tektonischen Beben stehen, ist derzeit noch nicht wirklich erforscht; als sicher gilt, dass die sich aufbauenden Spannungen der Erdplatten nicht vom Menschen beeinflusst werden können (Wikipedia, 2006b).

Betroffene Gebiete_ Die zeitlich und räumlich exakte Vorhersage von Erdbeben ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich. Eine retrospektive Betrachtung (vgl. Abb. 3, Anhang) macht deutlich, dass alles andere als eine Gleichverteilung über die Weltkarte vorliegt. Zwar sind die physikalischen Prozesse weitestgehend verstanden, aufgrund des komplexen Zusammenspiels aber ist eine genaue Quantifizierung der Prozesse bislang nicht möglich, so dass üblicherweise nur Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten eines Erdbebens in einer bestimmten Region genannt werden können.

Schäden_ Starke Erdbeben können Häuser und Bauten zerstören, Tsunamis und Erdrutsche auslösen und dabei Menschen töten und die Gestalt der Erdoberfläche verändern. Insbesondere die Gebäudeschäden treffen die Versicherungswirtschaft hart. Entsprechend ihrer Schadenanfälligkeit für Erdbeben werden Versicherungs-Prämien berechnet[6].

iii. Sturm

Beschreibung_ Ein Sturm bezeichnet Winde mit Geschwindigkeiten von mindestens (74,9 km/h) oder 9 Beaufort[7]. Ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 12 Beaufort wird als Orkan bezeichnet. Dazwischen spricht man bei 10 Beaufort von einem schweren und bei 11 Beaufort von einem orkanartigen Sturm. Erreicht der Wind nur kurzzeitig (für wenige Sekunden) Sturmstärke, so spricht man von einer Sturmböe (vgl. Wikipedia, 2006f).

Entstehung_ Die Entstehung von Sturmwinden kann verschiedene Gründe aufweisen. Meist entstehen sie, wenn hohe Druckunterschiede auf relativ kurzer Distanz auftreten. Diese sind häufig im Einflussbereich starker Tiefdruckgebiete vorhanden. Ferner können Sturmwinde durch topographisch[8] bedingte Kanalisierung des Windes entstehen, zum Beispiel als Talwind in engen Tälern. Die globale Erwärmung und die daraus resultierenden klimatischen Verhältnisse und Verschiebungen von Klimazonen erklären den Anstieg der Sturmbildung in den letzten Jahren (vgl. Munich Re, 2005b S.4).

[...]


[1] häufig werden Ursachen (z.B. globale Erwärmung) in Aufzählungen der Naturkatastrophen einbezogen.

[2] „Gängig“ meint hier: in der Versicherungswirtschaft übliche Einteilung

[3] vgl. Anhang, Abb. 3

[4] Ein Tsunami (jap., Hafenwelle) ist eine sich schnell fortpflanzende Meereswoge, die überwiegend durch Erdbeben

auf dem Meeresgrund (bzw. „Seebeben“) ausgelöst wird.

[5] welche die Erdkruste und den obersten Erdmantel umfassen

[6] Stahlbauwerke haben nur eine geringe (E), Holzbauten eine mittelhohe (D) Anfälligkeit für Schäden aus Erdbeben, die größten Schäden weisen Mauerwerkbauten auf (A bis D)

[7] Die Beaufortskala ist die allgemeinste Skala zur Klassifikation von Winden nach ihrer Geschwindigkeit (Windstärken)

[8] die geografische Lage beschreibend

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638544184
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60845
Institution / Hochschule
Universität Witten/Herdecke – Deutsches Kompetenzzentrum für Nachhaltiges Wirtschaften
Note
1,7
Schlagworte
Naturkatastrophen Welche Schäden Dauer Nachhaltiges Wirtschaften

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