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Digitale Spaltung in Deutschland - Übergangsphänomen oder Bedrohung

Seminararbeit 2006 22 Seiten

Soziologie - Wissen und Information

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die These der Digitalen Spaltung
2.1. Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft
2.2.Versuch einer begrifflichen Annährung
2.3. Zusammenfassung

3. Empirische Daten zur Digitalen Spaltung in Deutschland
3.1. Internetnutzung in Deutschland
3.1.1. Internetnutzung und Geschlecht
3.1.2. Internetnutzung und Alter
3.1.3. Internetnutzung und Einkommen
3.1.4. Internetnutzung und Bildung
3.1.5. Internetnutzung und Wohnort
3.2. Gründe für die Nicht-Nutzung des Internets
3.3. Zusammenfassung

4. Die Digitale Spaltung als Bedrohungsszenario?
4.1. Diffusionshypothesen
4.2. Exklusionshypothesen
4.3. Kritische Anmerkungen zu beiden Hypothesen
4.4. Zusammenfassung

5. Resümee und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aus der anfänglichen akademischen Nutzung ist das Internet in enorm kurzer Zeit tief in die alltägliche Arbeits- und Lebenswelt der Menschen eingedrungen und wird von Vielen als Erleichterung und Hoffnungsträger bewertet.

Wie immer, wenn ein neues Medium hinzukommt, werden neben der positiven Bedeutung für die Gesellschaft aber auch Befürchtungen über negative Begleiterscheinungen bis hin zu regelrechten Bedrohungsszenarien[1] diskutiert.

Wie belastbar jedoch sind diese Vermutungen?

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Bedeutung der Digitalen Spaltung in Deutschland darzustellen und Überlegungen auszuarbeiten, ob es langfristig zu einer Vergrößerung oder Verkleinerung derselbigen kommt.

Bevor ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit vertieft auf die These der Digitalen Spaltung und deren mögliche Entwicklung eingehen werde, sollen zunächst die sozialstrukturellen Veränderungen in Deutschland aufgegriffen werden, da diese als Grundlage für alle gesellschaftlichen Entwicklungen angesehen werden können.

Da die Bezeichnung Digitale Spaltung im Mittelpunkt der vorliegenden Ausarbeitung steht, soll der Begriff anschließend kurz definiert werden.

Das dritte Kapitel möchte ich aktuellen Befunden zur Position Deutschlands widmen. Ziel dieser Betrachtung wird es sein, die Internetnutzung in Deutschland zu beurteilen, mögliche Ungleichheiten in der Nutzung, sowie Gründe für etwaige Benachteiligungen aufzuzeigen und zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen zu machen.

Aus der Vielzahl an Publikationen kristallisieren sich bezüglich sozialer Ungleichheiten und deren Konsequenzen kontroverse Hypothesen heraus, die ich in zwei Gruppen gegliedert habe und im vierten Abschnitt kurz vorstellen möchte, um der zentralen Frage nachzugehen, inwieweit die Digitale Spaltung anhand der vorliegenden Untersuchungen als Bedrohung gesehen werden kann.

Danach möchte ich beide Hypothesen einer kurzen, kritischen Prüfung unterziehen, bevor ich ein abschließendes Resümee ziehen werde.

2. Die These der Digitalen Spaltung

2.1. Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

Warschauer identifiziert drei industrielle Revolutionen, die das gesellschaftliche Fundament erheblich beeinflusst und verändert haben.

Als erste industrielle Revolution auf dem Weg zu einer Industriegesellschaft nennt er die Erfindung der Dampfmaschine im späten 18. Jh., auf welche im 19. Jh. die zweite Revolution in Form der Erfindung von Elektrizität und Telekommunikation folgt.

Den Beginn der dritten Revolutionsstufe, die noch immer andauert, verortet er in der Mitte des 20. Jh., ausgelöst durch technische Quantensprünge, insbesondere im Bereich der Informationsverarbeitung. Diese dritte Stufe stelle die Weichen für den Beginn einer Informationsgesellschaft, die durch die Vermarktung und mediale Verbreitung von Information und Wissen gekennzeichnet ist.[2]

Auch Daniel Bell entwickelte bereits in den 70er Jahren ein evolutionäres Drei-Stufen-Modell, welches nach dem Durchlaufen des präindustriellen und des industriellen Zeitalters, den Eintritt in die postindustrielle Stufe gegen Ende des 20. Jahrhunderts prognostiziert. Erkennbar sei dies an Faktoren, wie z.B. der zunehmenden Bedeutung von Informationstechniken und deren Transport, sowie der steigenden Relevanz immaterieller Güter und der Netzwerketablierung.[3]

Infolge dieser postindustriellen Gesellschaft, die aufgrund der Dominanz von Dienstleistungen und Informations- und Kommunikationstechnologien oftmals auch als Wissens- oder Netzwerkgesellschaft bezeichnet wird,[4] lösen generiertes Wissen und Informationsnetze den Transport von Materie und Energie durch Verkehrs- und Verbundnetze ab.[5]

Die Fähigkeit zur Nutzung von Computer- und Internettechnologien gewinnt somit auf dem Weg von der Industriegesellschaft zur Informations- bzw. postindustriellen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung, um am wirtschaftlichen, politischen und sozialen Leben in vollem Ausmaß teilnehmen zu können. Der einfache, gleiche und freie Zugang zu Information und Wissen ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines postindustriellen Zeitalters mit weltweiter Vernetzung auf der Basis einer Wissens- und Informationswirtschaft. Das heißt umgekehrt aber auch, dass Fragen des Zugangs und der Nutzung von Information und Wissen immer entscheidender werden, denn nur weil das Internet den schnellen Zugang zu Information und Wissen prinzipiell ermöglicht, heißt das noch lange nicht, dass diese Chancenpotentiale auch von allen genutzt werden (können).

Mit dem Eintritt in die Informationsgesellschaft und der darausfolgenden Spaltung der Bevölkerung in Informationsarme und Informationsreiche, wurde die Grundlage für die Problematik der Digitalen Spaltung geschaffen.

2.2. Versuch einer begrifflichen Annährung

Die These der Digitalen Spaltung hat zunächst nur beschreibenden Charakter und postuliert eine Ungleichheit in der Nutzungsintensität von Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK).

Die englische Bezeichnung „Digital Divide“, sowie die deutschen Synonyme „Digitale Spaltung“ und „Digitale Kluft“ sollen als zentrale Begriffe der vorliegenden Arbeit an dieser Stelle zunächst definiert werden.

Der Begriff „digital“ ist aus dem lateinischen abgeleitet und beschreibt eine Form der Datenverarbeitung, die „digitale Informationsverarbeitung“, während der englische Ausdruck „divide“ synonym zum deutschen Wort „Differenzierung“ ist. Der genaue Ursprung des Begriffes „Digital Divide“ ist jedoch nicht mehr rekonstruierbar.[6]

In der Fachliteratur sind die unterschiedlichsten Begriffsdefinitionen zu finden, die sich je nach Forschungsinteresse in verschiedene Kategorien systematisieren lassen. Willson stellt in seiner Definition z.B. den Zugangsaspekt in den Vordergrund: „ [...] the divide refers to differential effective access to information and communications technologies.“,[7] während das „Digital Divide Network“ im Gegensatz zu dieser zugangsorientierten Darstellung den Nutzungsaspekt hervorhebt: „ We use the therm ,digital divide’ to refer to this gap between those, who can effectively use new information and communication tools [...] and those who cannot.“[8]

Etwas fruchtbarer sind meiner Ansicht nach komplexere Definitionen, die neben des Zugangs- und Nutzungsaspektes auch soziale und gesellschaftliche Rahmenbedingungen betonen, wie z.B. Warschauers Definition „ [...] the digital divide refers to social stratification due to unequal ability to access, adapt, and create knowledge via use of information and communication technologies“,[9] welche den Fokus auf die soziale Schichtung verlagert.

[...]


[1] Der Begriff „Bedrohungsszenario“ beruht auf Mirko Marrs kritischen Ausführungen zur Digitalen Spaltung in: Marr, Mirko: Wer hat Angst vor der digitalen Spaltung? Zur Haltbarkeit des Bedrohungsszenarios. In: Medien- & Kommunikationswissenschaft 52.1/2004,S. 76-94.

[2] Vgl. Warschauer 2003: S. 12 f

[3] Bell 1975: S. 134

[4] Steinbicker 2000: S. 442

[5] Bell 1975: S. 134

[6] Vgl. Arnold. 2003: S. 14 f

[7] Willson zit. n. ebd.: S. 16

[8] Digital Divide Network zit. n. ebd.: S. 16

[9] Warschauer zit. n. Arnold 2003: S. 17

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638544269
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60854
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
Digitale Spaltung Deutschland Bedrohung Medien Soziale Ungleichheit

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