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Der Klosterneuburger Altar

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Kunst - Kunsthandwerk

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Geschichte des Klosterneuburger Altars

3. Der Aufbau des Klosterneuburger Altars

4. Der Typologie- Gedanke des Klosterneuburger Altars

5. Ausgewählte Kolumnen des Klosterneuburger Altars
5.1. Kolumne 1:
I/1: „Annunciatio Ysaac“( Die Verkündigung Isaaks)
II/1: „Annunciatio Domini“( Die Verkündigung des Herrn)
III/1: „Annunciatio Samson“( Die Verkündigung Samsons)
5.2. Kolumne 5:
I/5: „Transitus maris rubri“( Der Durchzug durchs Rote Meer)
II/5: „Pbaptismus Christi“( Die Taufe Christi)
III/5: „Mare supra boves XII“( Das Meer auf den 12 Rindern)
5.3. Kolumne 9
I/9: „Oblatio Ysaac“( Die Opferung Isaaks)
II/9: „Passio Domini“( Das Leiden des Herrn)
III/9: „Botrus in Vecte“( Die Traube auf der Stange)
5.4. Kolumne 10:
I/10: „Eva tulit de Fructu“( Eva nimmt von der Frucht)
II/10: „Desposicio Christi“( Die Kreuzabnahme Christi)
III/10: „Desposicio regis Iericho“( Abnahme des Königs von Jericho)

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Bibliographie zu dem Klosterneuburger Altar

2. Geschichte des Klosterneuburger Altars:

Der Klosterneuburger Altar wurde im Auftrag von Propst Wernher von dem lothringischem Emailkünstler und Goldschmied Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg bei Wien in Österreich angefertigt und schliesslich im Jahre 1181 n.Chr. fertiggestellt.

Wir wissen nicht viel über den Meister des Klosterneuburger Altars. Nikolaus von Verdun war ein wandernder Goldschmied, wie es dem mittelalterlichen Handwerk entspricht. Er schuf seine Werke an Ort und Stelle. So ist auch sicherlich der Klosterneuburger Altar direkt im Stift Klosterneuburg entstanden. Ausser an unserem Altar erscheint sein Name lediglich noch auf dem 1205 n.Chr. vollendeten Marienschrein in der Kathedrale zu Tournai. Sicher ist, dass er zwischen 1130 -1150 n.Chr. in Verdun geboren ist. Daher wird auch gerne der Name „ Verduner Altar “ für den hier besprochenen Altar verwendet. Geboren ist Nikolaus nach 1205 n.Chr., vermutlich in Tournai. Geistiger Verfasser des Verduner Altars ist wahrscheinlich der frühere Propst Rüdiger des Stiftes, der das Programm für Meister Nikolaus Werk entworfen hat. Ursprünglich diente das Tafelwerk als Verkleidung der Kanzel, welche balkonartig von Säulen getragen über dem Kreuzaltar stand und so zugleich das Ziborium für den darüber aufgestellten Altar bildete. Die Brüstung der Kanzel war also mit dem Emailtafeln des Meisters Nikolaus verkleidet. Damals waren es aber nur sechs Tafeln weniger als heute. Nach einem verheerenden Brand am 13. September 1330 n.Chr. im Stift Klosterneuburg mussten die Tafeln vollständig restauriert werden. Propst Stephan von Sierndorf, der das Kloster neu aufbaute, liess das Emailwerk nach Wien bringen, wo die Kanzelverkleidung in einen dreiteiligen Flügelaltar, auch Triptychon genannt, umgebaut wurde. Bei diesem Umbau mussten einige Teile hinzugefügt werden, damit der Klosterneuburger Altar im wesentlichen die Form erhält, die er heute noch besitzt.

Zu den wichtigsten Erweiterungen zählt das Hinzufügen von zwei kompletten senkrechten Bildreihen (8+10), in der Fachsprache auch Kolumnen genannt, beiderseits der Mittelreihe aus je drei grossen Tafeln samt Inschriften und dem äusseren Rahmen bestehend. Ausserdem wurden noch die an die Tafeln anschliessenden Zwickelfiguren hinzugefügt, die Leisten mit Stanzwerk zwischen diesen Zwickeln, sowie 12 Täfelchen mit Säulenpaaren beiderseits dieser Leisten, welche die einzelnen Bilder innerhalb eines Registers trennen. Sehr stark wurde auch der äussere Rahmen mit den Ornamentplatten verändert. Sogar die Widmungsinschrift wurde erweitert.

Die wichtigste Änderung aber, um derentwillen alle anderen erst durchgeführt wurden, waren die vier grossen Temperagemälde auf der Rückseite des Flügelaltars. Sie zählen zu den „ältesten Zeugnissen der Tafelmalerei Mitteleuropas“[1]. Im Jahre 1331 n.Chr. war der Umbau des Altars abgeschlossen.

Über die Jahre hinweg wurden die Tafeln von Nikolaus von Verdun wiederholt restauriert. Die letzte grössere Restaurierung in den Jahren zwischen 1949 und 1951 n.Chr. wurde mustergültig durchgeführt. Die Emailtafeln wurden komplett restauriert und auf einem neuen hölzernen Untergrund übertragen. Zum ersten Mal befestigte man die Tafeln anstatt mit Nägeln ( die meisten Schäden an Emails sind durch Hammerschläge entstanden) mit Schrauben.

Heute ist der Verduner Altar in der Leopoldskapelle des Stifts Klosterneuburg zu bewundern und dient als Grabaltar Leopolds III.

3. Der Aufbau des Klosterneuburger Altars:

Die heutige Gestalt des Klosterneuburger Altars entspricht einem dreiteiligen Flügelaltar. Das Mittelstück und die zwei Seitenflügel werden von den insgesamt 51 Emailtafeln gestaltet. Ihre besondere Beschaffenheit erhalten die Tafeln von Nikolaus von Verdun durch die uralte Kunst der Emailtechnik, in der sie geschaffen wurden. Bei dieser Technik werden „aufgeschmolzene Gasflüsse“[2] auf eine Metallunterlage gegossen. Meister Nikolaus verwendete als Metallunterlage vergoldete Kupferplatten.

Das ganze Werk bietet eine gewaltige Überschau über die Geschichte der Menschheit aus christlicher Sicht, d.h. über den göttlichen Heilsplan. Der Altar ist in drei waagrechte Register mit je 17 Tafeln gegliedert. Die Register entsprechen den drei heilsgeschichtlichen Zeitaltern, wodurch man auch von einem geschichtstheologischem Aufbau sprechen kann. Das obere Register ( Zone1) bezeichnet die Zeitspanne „ Ante legem“ (vor dem Gestz) und umfasst die Zeit von der Weltschöpfung bis zur der Übergabe der Gesetzestafeln an Moses. Es betrifft also die Zeit der Uroffenbarung Gottes. Das untere Register (Zone3) trägt die Bezeichnung „Sub lege“ ( unter dem Gesetz) und umfasst den Zeitraum von der Gesetzgebung auf dem Sinai bis zum Ende des Alten Testaments. Das ist die Zeit der allgemeinen Offenbarung Gottes, die zeitlich direkt auf die Zeitspanne des oberen Registers anschliesst. Das mittlere Register (Zone2) wird als „Sub gratia“ (unter der Gnade) bezeichnet und stellt das messianische Zeitalter dar, das bis in die heutige Zeit andauert.

Vier breite, horizontale Bänder, die die in leonischen Hexametern verfasste Widmungsinschrift tragen, trennen die drei waagrechten Register voneinander. Zusätzlich wird jedes der 51 Bilder von einem Schriftband umrahmt, dass den Titel des Bildes und einen erklärenden Vers beinhaltet. Innerhalb jedes Registers werden die Emailtafeln durch kleine Täfelchen mit Säulenpaaren getrennt. Auf diesen ruhen die Kleeblattbogen, die jede Tafel überwölben. In den Zwickeln zwischen diesen Bögen sind Brustbilder dargestellt. Im oberen Register sind es Engelsfiguren, im mittleren Propheten, welche eine Schrift in den Händen halten, die sich auf das benachbarte Bild bezieht. Im unteren Register sind in den Zwickeln die personifizierten Tugenden Pietas, Largitas, Sobrietas und Concordia dargestellt. Je drei übereinanderliegende Emailtafeln können zu einer vertikalen Kolumne zusammengefasst werden. Das Mittelstück des Altars besteht dann aus neun solcher Kolumnen, die beiden Seitenflügel aus je vier Kolumnen. Um das Mittelstück und um jeden Flügel läuft ein breiter Rahmen,der aus länglichen Emailplatten mit Ornamenten gebildet ist. Insgesamt zählt man 68 solcher länglichen Täfelchen mit 48 verschiedenen Motiven. Zwischen diesen Ornamentäfelchen liegen quadratische Metallplatten, die durch ihre Wöllbung das Werk erstrahlen lassen. Auf schmalen Zwischenstegen erscheint ausserdem im geringen Ausmass Stanzwerk.

[...]


[1] Internet: www.aeiou.at/aeiou.encyclop.v/v179211.htm (Stand: 03.05.2003)

[2] Röhrig, Floridus, Der Verduner Altar,1955; S.30

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638544818
ISBN (Buch)
9783638824439
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60916
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,3
Schlagworte
Klosterneuburger Altar

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Titel: Der Klosterneuburger Altar